Wer hätte gedacht, dass ich 3 Tage nach meinem Beitrag Gelegenheit habe, meine Ansage zu überprüfen – leider. Denn wenn ich auch hinter der Initiative Europe4Christ stehe – und unterschrieben habe – , heißt das nicht, jede Aussage des Vereins zu stützen. Konkret geht es um die bei kath.net und ZENIT veröffentlichten „12 Thesen für das Kreuz im öffentlichen Raum“. Am Ende des Beitrags findet sich der Versuch, eine reduzierte Anzahl an Thesen zu formulieren.
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Die Ansage lautete, dass sich Christen gut überlegen sollen, was sie in Sachen „Kruzifix-Streit“ vorbringen, denn sobald man sich mit gesellschaftlichem und juristischem Widerstand konfrontiert sieht, ist es verwerflich, mit Bauchgefühlen oder Halbwahrheiten zu kontern. Sehe wir uns einige Thesen genauer an:
2. Kreuze zu demontieren ist eine Verletzung auf derselben Ebene, wie es das Anbringen des Kreuzes für die Atheisten ist. [auf Europe4Christ sind 2. und 3. zusammengefasst...] 3. Die leere weiße Wand ist auch eine ideologische Aussage – vor allem dann, wenn sie vorher jahrhundertlang nicht leer war. Ein „wertneutraler“ Staat ist eine Fiktion, die oft propagandistisch benützt wird.
Das ist – mit Verlaub – eine Ansammlung von Halbsätzen. Wenn es die Absicht ist, gehört zu werden, dann kommen wir um eines nicht herum: Das Vorhandensein und Anbringen von Kreuzen im öffentlichen Raum wird mit Berufung auf die EMRK bekämpft. Wie sinnvoll ist es da – auf juristisch-politischer Ebene – mit der nicht auszuschließenden politischen Konsequenz (Abnahme der Kruzifixe) zu antworten?
Schließlich soll der Propaganda-Vorwurf den mit Nachdruck vertretenen Anspruch nach einer religionsfreien Gesellschaft entkräften? Wo bleibt die Aufforderung an die „nichtgläubige Fraktion“ der Gesellschaft, sich zu den aktuellen Humanismus-Manifesten (Schmidt-Salomon etc.) zu bekennen oder auch zu distanzieren? Und wenn es kein Bekenntnis gibt (was sehr wahrscheinlich ist, nach vielen Jahren Diskussion mit Atheisten weiß ich, wovon ich spreche), dann ist und bleibt die EMRK das zu adressierende Medium, worauf es nur eine juristisch untermauerte Argumentation geben kann.
4. Ein angebliches Recht, nicht mit religiösen Inhalten konfrontiert zu werden, kann also nicht stärker sein als das Recht zur freien Religionsausübung.
Das sieht man auf den ersten Blick, hier liegt keine These vor, bestenfalls eine wirkungslose Feststellung. Zudem geht es nicht um ein angebliches Recht, sondern um einen behaupteten Anspruch. Ein Anspruch ist wesentlich leichter anzugreifen, warum will es uns die Initiative schwerer machen als es ist?
5. Die Staaten, welche Europäische Menschenrechtskonvention unterzeichnet haben, verstanden unter dem „Recht auf Religionsfreiheit“ mit Sicherheit nicht eine „Freiheit von Religion“.
Hier lesen wir nichts als eine historische Randnotiz. Rechtsgrundsätze kommen im jeweiligen gesellschaftlichen Kontext zur Anwendung – vergessen wir diese „These“ ganz schnell.
6. Juristen sprechen von der „slippery slope“ (Achtung Glatteis!): Wehret den Anfängen! Heute sind von dem Bildersturm Institutionen betroffen, morgen das Halsketterl außerhalb meiner Wohnung!
Das ist eine annehmbare Motivation, die gesellschaftliche Auseinandersetzung zu suchen, aber doch keine These!
7. Statt religiöse Intoleranz zu bekämpfen, wird die Religion in Form ihrer Symbole bekämpft.
Jetzt schlägt’s dreizehn, was hat denn solch eine „These“ hier zu suchen? Ist das unangebrachte Selbstkritik im Rahmen eines Manifestes für das Kreuz? Oder das Angebot an die Gesellschaft, gemeinsam gegen religiöse Intoleranz vorzugehen? Vergessen wir somit diesen Punkt ganz schnell, er führt uns wirklich nicht weiter.
8. Man kann nicht politische Probleme bekämpfen, indem man die Religion bekämpft.
Diese „These“ ist nichts als eine fragwürdige Formel und wirklich fehl am Platz. Seit wann steht das Kreuz in direktem Zusammenhang mit politischen Problemen? Doch höchstens in der Auseinandersetzung mit dem Islam, doch warum sollten wir an dieser Stelle auf einen politisch-religiösen Disput hinweisen, der ohnehin in halbwegs geordneten Bahnen verläuft?
9. Antireligiöser Fundamentalismus macht sich zum Komplizen religiöser Fundamentalismen indem er sie durch Intoleranz provoziert.
Endlich eine These, möchte man ausrufen! Und doch schwingt auch hier etwas Kontraproduktives mit: Die Verunglimpfung der Verfechter des religionsfreien Raumes einerseits, und dann die Angst vor den Fundamentalisten der eigenen Seite! Warum bleibt man nicht den Fakten treu? Statt „Antireligiöser Fundamentalismus“ sollte es bestenfalls heißen: „Antireligiöse Agitation gesellschaftlicher Kleingruppen“. Am schlimmsten ist aber, dass man die Chance einer glaubwürdigen Absage an jede Art von Fundamentalismus verpasst hat!
10. Das Christentum drängt seiner Natur gemäß nach außen – es kann sich niemals als Privatsache abtun oder ins Ghetto sperren lassen!
Das ist eine wahre Aussage – und dennoch eine unbrauchbare These. Dem Gegner des Kreuzes geht es um eine konkrete Sache (Abmontieren der Kruzifixe), was soll also der Hinweis auf die Natur des Christentums. Dies kann ich nur als wichtigen Aufruf an die eigenen Reihen verstehen, im Sinne der missio für das Kreuz im öffentlichen Raum zu sein! Aber es ist keine These, um – von der Gegenseite – gehört zu werden.
11. Die betroffene Bevölkerung möchte mehrheitlich die Kreuze behalten! Es ist auch demokratiepolitisch problematisch, Einzelinteressen so eklatant den Vorrang einzuräumen.
Eine Behauptung zur gegenwärtigen Sitation ist das, mehr aber auch nicht. Und welches Demokratieverständnis liegt hier vor? Das vorliegende Kruzifix-Urteil, schreibe ich in Richtung Europe4Christ, wurde auf europäisch-juristischer Ebenen erreicht, und wird (zunächst in Italien) auf demokratiepolitischer Ebene weiterzuverhandeln sein – auch Punkt 11. ist ein unbrauchbarer Hinweis.
12. Das Kreuz ist das Logo Europas. Es ist ein religiöses Symbol, aber doch wesentlich mehr als das.
Na also! Wir treffen doch noch auf eine These. Was unbedingt am Anfang stehen sollte, taucht als allerletzter Punkt auf…
Das Kreuz ist in zweifacher Hinsicht mehr als ein Symbol: Zum einen ist es de facto zu einem kulturellen Symbol Europas geworden, so hat das Christentum über 2000 Jahre auf keinem Kontinent mehr Bedeutung gehabt als auf europäischen Boden – dies lässt sich eindrucksvoll untermauern. Zum anderen ist es das Sinnbild für jenen Menschensohn, der zusammen mit seinem Vater die Abkehr von Gott als die einzig unumkehrbare Sünde bezeichnet hat – deswegen wird das Kreuz bekämpft, aus keinem anderen Grund.
Was bleibt also von den 12 Thesen? – Hier nun ein Vorschlag im Sinne von „weniger ist mehr“.
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Die folgenden 6 Thesen laden ein zur Diskussion:
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- Das Kreuz ist das über 2000 Jahre historisch gewachsenen Logo Europas. Es ist ein religiöses Symbol und hat in kulturhistorischer Hinsicht einen festen Platz in der europäischen Gesellschaft.
- Alle bestehenden christlichen Institutionen zusammen (Kirchen, Klöster, Gemeinschaften, Schulen, Spitäler, Hospize, etc.) leisten einen maßgeblichen, unverzichtbaren und öffentlichen Beitrag zum Wohl der Gesellschaft. Allein daraus ergibt sich ein Anspruch auf das Wahrzeichen des Christentums im öffentlichen Raum.
- Das Recht auf Religionsfreiheit kann nur seine Ausübung bedeuten – nicht die Freiheit von Konfrontation. Sinn der Religionsfreiheit ist es nicht, eine Gesellschaft zu schaffen, die religionsfrei ist.
- Der behauptete Anspruch, öffentlich nicht mit religiösen Inhalten konfrontiert zu werden, wird auf juristischer Ebene unter Berufung auf die EMRK und die Verfassung einzelner Staaten bestritten.
- Jede Initiative gegen das Kreuz ist daraufhin zu prüfen, ob der Widerstand gegen Jesus Christus der eigentliche Beweggrund ist. Der seit jeher bekannte Anspruch des christlichen Gottes auf alle Menschen kann nicht zum Verhandlungsgegenstand gemacht werden.
- Eine glaubwürdige Initiative für das Kreuz als religiöses und starkes kulturelles Symbol lehnt jede Form von Fundamentalismus auf das Schärfste ab. Das Recht auf das Kreuz beruht auf religiösen, historischen und demokratischen Grundlagen.



…die Überschrift knüpft – wie Leser dieses Blogs unschwer bemerken – an das letzte Posting 


































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