Seine Bekehrung ist Legende. Der penible und harte Christenverfolger wird zum größten Kämpfer für die Sache Jesu Christi, an vorderster Front. An die 4.000 km hat er zu Fuß zurückgelegt, um die Botschaft des Jesus von Nazareth in die Welt zu tragen.
Paulus von Tarsus – im Neuen Testament gibt es wohl keine spannendere…
…und beeindruckendere Geschichte als die des „geringsten Apostels“ (Paulus mit einer Selbstbezeichnung).
Was für ein Mensch ist dieser Paulus aus dem türkischen Tarsus? Glücklich sind wir, über wenigstens 7 Briefe zu verfügen, die dem Apostel eindeutig zugeschrieben werden.
Übrigens entstammen die folgenden Gedanken einem Vortrag von Benediktinerpater Karl Wallner, der nicht nur Professor für Dogmatik an der Hochschule des Stiftes Heiligenkreuz ist, sondern durch die gregorianischen Gesänge seiner Mitbrüder CHANT und den Auftritt bei „Wetten daß“ weit über die Grenzen bekannt wurde!
Paulus, der Choleriker
Aus vielen Stellen seiner Briefe spricht Temperament, gar keine Frage. Im Korintherbrief geht er kräftig zur Sache: Die Hafenstadt war ein lebendiger und den Freuden des Lebens wohl nicht so abgeneigter Ort, da hatte Paulus mit seiner Gemeinde alle Hände voll zu tun, und er tut es mit Wut! Er weist sie in die Schranken der Christusnachfolge, die mit Ausschweifungen und Sklavenhandel recht wenig zu tun hat!
Übrigens hört man von Unzucht unter euch, und zwar von Unzucht, wie sie nicht einmal unter den Heiden vorkommt… Schafft den Übeltäter weg aus eurer Mitte!… Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben über mich. Die Speisen sind für den Bauch da und der Bauch für die Speisen; Gott wird beide vernichten. Der Leib ist aber nicht für die Unzucht da, sondern für den Herrn, und der Herr für den Leib… Wer den Herrn nicht liebt, sei verflucht! (Ausschnitte aus dem 1. Brief an die Korinther)
Paulus, der Intellektuelle
Die Briefe des Paulus sind umfangreich – und komplex. Immer, wenn große Persönlichkeiten zu tiefster Kritik, oder zu höchster Verteidigung der Kirche aufriefen, nahmen sie auf die Briefe des Paulus von Tarsus Bezug:
Feuerbach und Nietzsche auf der einen Seite, Augustinus und Luther auf der gottzugewandten Seite, jeder auf seine Weise – aber nicht ohne Paulus!
Der große Apostel (mit dem vermutlich kleinen Körper, „Parvulus“ [Paulus] bedeutet klein) hat als erster eine umfassende Theologie gedacht und brilliant formuliert. Das „Wort des Kreuzes„, eigentlich die Logik des Kreuzes, beschäftigt uns bis heute. Der gekreuzigte Jesus ist – gemäß damalig jüdischer Lesart – ein „Schandtoter“. Verflucht ist, wer am Kreuz hängt: Es gab so gesehen keine größere Schande, als den Tod am Kreuz erleiden zu müssen.
Wie ist Paulus Sicht? In seinem großen Erkennen, dass gerade durch den Kreuzestod die Verzeihung der Sünden kommt, dass also im Leiden des Jesus von Nazareth das Licht der Gnade für alle Zeiten entzündet wird, gründet die Logik des Paulus: Es kann nur der Abgrund des schändlichen Todes Jesu am Kreuz sein, der uns die große Erlösung bringt. Aufgrund dieses Gotteserbarmens bleibt kein Stein auf dem anderen:
Nicht weil wir Gutes tun, ist Christus auferstanden, sondern weil Christus auferstanden ist, sind wir frei, Gutes zu tun. „Wir stehen nicht mehr unter dem Gesetz, sondern in der Gnade.“ (Röm 6,14)
Paulus, der Zornige
Paulus ist viel unterwegs. Da bleibt es nicht aus, dass er mit ausführlichen Briefen zu Fragen in entfernten Gemeinden Stellung nehmen muss. Jeder weiß, wenn man schriftlich Stellung nimmt, gibt es zumindest die Chance, wieder etwas abzukühlen. Das wäre aber nicht Paulus. Sein Zorn äußert sich stur und autoritär, wie wir im Brief an die Galater sehen.
Wer euch aber ein anderes Evangelium verkündigt, als wir euch verkündigt haben, der sei verflucht, auch wenn wir selbst es wären oder ein Engel vom Himmel. Was ich gesagt habe, das sage ich noch einmal: Wer euch ein anderes Evangelium verkündigt, als ihr angenommen habt, der sei verflucht. (Gal 1,8 )
Paulus, der Liebende
Wer kennt sie nicht, die berühmten Verse über die Liebe, die uns geradezu Angst machen, weil man sich nur überfordert fühlen kann.
Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf. (1.Kor 13,4)
Das ist eine mehr göttliche als menschliche Liebe, und trotzdem: Diese Worte des Apostels wollen wir sicher nicht missen. Werfen wir jetzt einen Blick auf die Liebe, die Paulus selbst empfindet, die der Apostel glaubhaft lebt:
Ich aber bin durch das Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich für Gott lebe. Ich bin mit Christus gekreuzigt worden; nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir. Soweit ich aber jetzt noch in dieser Welt lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat. (Gal 2,20)
Die Liebe ist der bestimmende Teil seines Lebens, eine temperamentvolle und tief empfundene Liebe zu Jesus Christus und den Menschen:
Wer den Herrn nicht liebt, sei verflucht! Marána tha – Unser Herr, komm! Die Gnade Jesu, des Herrn, sei mit euch! Meine Liebe ist mit euch allen in Christus Jesus. (1.Kor 16,22)
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Ein Gedanke für diese Woche:
Das Beispiel des Apostels Paulus zeigt, dass jeder Mensch – ob heilig oder nicht – mit seinem ganz eigenen Talent, Temperament und Tagwerk leben muss. Nehme ich meine Eigenheiten an, nehme ich mein persönliches Christsein wahr?
Hast Du ein Anliegen? Dann bist Du hier richtig!
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15. Oktober 2008


























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