
11. und 12. Station
„Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, der Leute Spott, vom Volk verachtet“ (Ps 22,7). Im Buch der Propheten heißt es weiter: „Wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt, war er verachtet …Aber er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen“ (Jes 53,3f).
Halten wir inne vor diesem Bild des Schmerzes, vor dem leidenden Gottessohn. JESUS WIRD ANS KREUZ GENAGELT. Schauen wir auf ihn hin in den Stunden der Selbstgerechtigkeit und des Genusses, damit wir lernen, Grenzen einzuhalten, das Vordergründige unseres materiellen Lebens zu durchschauen. Blicken wir auf ihn hin in den Augenblicken der Not und der Anfechtung, um zu erkennen, dass wir gerade dann Gott nahe sind. Versuchen wir, sein Gesicht zu erkennen in denen, die wir verachten möchten. Beten wir zu Jesus Christus, unserem Herrn, der seine Macht nicht gebrauchen wollte, um vom Kreuz herabzusteigen, sondern die Not des Kreuzes bis zum Ende durchgelitten hat. JESUS STIRBT AM KREUZE.
Hoch oben am Kreuz, wenn wir in sein totes Antlitz blicken, bekommen Jesu Worte eine tiefere Bedeutung: „Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen“ (Joh 12,32). Diese Worte waren eine (1) Ankündigung seines Sterbens, aber sie haben auch etwas unendlich Tröstendes: Nachdem er (2) am Kreuz alles erlitten hat, (3) zieht uns die Hoffnung (in Person Jesu Christi) in das Reich des Vaters. Diese dritte Bedeutung, ganz konkret für unser Leben heute, sei nochmals hervorgehoben: Jesus Christus IST erhöht, und seine Liebe zieht uns in jedem Moment unseres Lebens zu ihm.
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IESUS CLAVIS AFFIGITUR CRUCI
DAS ELFTE KREUZ: An sein Kreuz geschlagen sein
Solange du das Kreuz trägst, hast du noch immer die Möglichkeit, es abzuwerfen. Doch wenn man dich einmal darauf nagelt, kannst du nicht mehr entrinnen. Jetzt weißt du, das Kreuz ist deine Bestimmung bis zum Tod. Das einzusehen ist schwer. Du würdest deine Kreuze gerne abwerfen, doch du bist an sie genagelt. Sie sind jeweils der Platz, auf dem du sterben wirst. Die Mitmenschen werden dich auf die Kreuze nageln. Erschrickst du oder verlässt du dich ganz auf mich? Es gibt Kreuze, denen du nicht entrinnen kannst. Du mühst dich umsonst, ihnen auszuweichen. Gib diesen sinnlosen Kampf auf und komm zu mir.
Das Sterben mit mir bedeutet Gewinn. Fürchte dich nicht! Gib dich nicht der Täuschung hin, es gäbe eine andere Möglichkeit. Die Kreuze bleiben bis zum Ende, und je früher du dich in das Sterben einfügst, desto früher wirst du auferstehen. Merke dir dieses elfte Kreuz. Denn du bist nicht nur an das Kreuz ein für allemal geheftet, sondern auch an mich. Ich freue mich darauf.
(Tomislav Ivančić)
GEBET:
Herr Jesus Christus, du hast dich annageln lassen am Kreuz, die fürchterliche Grausamkeit dieses Schmerzes, die Zerstörung deines Leibes und seiner Würde angenommen. Du hast dich festnageln lassen, ohne Flucht und ohne Abstrich gelitten.
Hilf uns, dass wir nicht fliehen vor dem, was uns aufgetragen ist. Hilf uns, dass wir uns fest an dich binden lassen. Hilf uns, jene falsche Freiheit zu durchschauen, die uns von dir wegtreiben will. Hilf uns, deine gebundene Freiheit anzunehmen und in der festen Bindung an dich die wahre Freiheit zu finden.
(Benedikt XVI.)
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IESUS MORITUR IN CRUCE
DAS ZWÖLFTE KREUZ: Am Kreuz sterben
Tot. Ich gehe von der Welt, aber nicht ins Nichts, sondern um in neuer Weise zu leben. Durch den Tod erfüllte ich den Willen meines Vaters. Deshalb sagte ich im Sterben: »Vater, in deine Hände gebe ich meinen Geist.« So vollendete ich den Plan des Vaters.
Du meinst, der Tod sei das Ende, und deshalb lebst du in Angst und widersetzt dich dem Gedanken an den Tod. Doch solange du ihn nicht akzeptierst, fühlst du eine Last auf deinen Schultern. Wenn du den Tod annimmst, erringst du den Sieg und kommst zu mir. Ich bin dir fern, solange du den Tod ablehnst und mich bittest, dich davor zu verschonen. Verstehe, der Weg zu mir führt nur über den Tod. Denn der Tod vernichtet alles, was sündhaft und sterblich an dir ist. Ich aber vernichte den Tod selbst. Der Tod befreit dich von den diversen Kreuzen, ich aber vom Tod. Riskiere heute einen Blick in die Augen des Todes. Betrachte dieses Kreuz als ein Geschenk des Vaters, als Erfüllung.
Der Vater hat auch den Tod zugelassen. Wenn du dich also dem Sterben widersetzt, widersetzt du dich dem Vater und mir. Das zwölfte Kreuz ist der Höhepunkt, gleichsam ein Fest, es ist die Vollendung. Es ist der Beginn des eigentlichen Lebens.
(Tomislav Ivančić)
GEBET:
Herr Jesus Christus, bei deinem Tod hat sich die Sonne verfinstert. Immer wieder wirst du ans Kreuz geschlagen. Gerade in dieser Stunde der Geschichte leben wir im Gottesdunkel. Unter dem Übermaß der Leiden und der Bosheiten der Menschen scheint Gottes Antlitz, dein Antlitz verdunkelt, unerkennbar. Aber gerade am Kreuz hast du dich zu erkennen gegeben. Gerade als der Leidende und Liebende bist du der Erhöhte. Gerade von dort aus hast du gesiegt. Hilf uns, in dieser Stunde des Dunkels und der Verwirrung dein Gesicht zu erkennen. Hilf uns, dir zu glauben und dir nachzufolgen gerade auch in den Stunden des Dunkels und der Not. Zeige dich neu der Welt in dieser Stunde. Lass uns dein Heil erscheinen.
(Benedikt XVI.)
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4. April 2009


























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