
13. und 14. Station
Jesus ist gestorben, sein Herz wird von der Lanze des römischen Soldaten durchbohrt, und es entströmen ihm Blut und Wasser: geheimnisvolle Darstellung des Stroms der Sakramente, der Taufe und der Eucharistie, aus denen von dem geöffneten Herzen des Herrn her immer neu die Kirche geboren wird. JESUS WIRD VOM KREUZ ABGENOMMEN UND IN DEN SCHOß SEINER JUNGFRÄULICHEN MUTTER GELEGT. Seine Gebeine werden nicht, wie die der beiden anderen Gekreuzigten, zerbrochen; so erweist er sich als das wahre Osterlamm, an dem kein Gebein zerbrochen werden darf (Ex 12,46). Und nun, da alles durchlitten ist, zeigt sich, dass er trotz aller Verwirrung der Herzen, trotz der Macht von Hass und Feigheit nicht allein geblieben ist. Es gibt die Getreuen. Unter dem Kreuz waren Maria, seine Mutter, ihre Schwester Maria, Maria Magdalena und der Jünger gestanden, den er liebte.
Nun kommt auch ein reicher Mann, Josef von Arimathäa: Der Reiche findet durch das Nadelöhr, weil Gott ihm die Gnade dazu schenkt. JESUS WIRD INS GRAB GELEGT. Er bestattet Jesus in seinem noch unberührten Grab in einem Garten: Der Friedhof wird zum Garten, wo Jesus begraben wird – zum Garten, aus dem Adam vertrieben wurde, als er sich von der Fülle des Lebens, von seinem Schöpfer losgerissen hatte. Das Grab im Garten lässt uns wissen, dass die Herrschaft des Todes zu Ende geht.
Und es kommt ein Mitglied des Hohen Rates, Nikodemus, dem Jesus das Geheimnis der Wiedergeburt aus Wasser und heiligem Geist angekündigt hatte. Auch in dem Gremium, das seinen Tod beschlossen hatte, gibt es denjenigen, der glaubt und der Jesus gerade als Gestorbenen neu erkennt und bekennt. Über der Stunde der großen Trauer, der großen Verfinsterung und Hoffnungslosigkeit steht doch geheimnisvoll das Licht der Hoffnung. Der verborgene Gott ist doch der lebendige und der nahe Gott. Der gestorbene Herr bleibt doch der Herr und unser Retter, auch in der Nacht des Todes. Die Kirche Jesu Christi, seine neue Familie, beginnt sich zu formen. (Benedikt XVI.)
In der letzten Stunde am Kreuz hat Jesus noch die Kraft, dreimal zu sprechen. Zunächst die Sorge um die Mutter: “Frau, siehe dein Sohn”, und zum Lieblingsjünger: “Siehe, deine Mutter.” (Joh 19,26f.) – Dann mit der Kraft der Verzweiflung: “Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?” (Mt 27,46/ Mk 15,34). Das Leiden und die Verzweiflung Christi hat Augustinus vor Augen, wenn er auf den Gekreuzigten blickt: Was wissen die, die nicht gelitten haben? Jesus Christus leidet unser Leiden mit, weil er die Gottverlassenheit am Kreuz durchlitten hat. – Kurz vor seinem Tod hören wir vom Frieden im Sterben: “Vater, in Deine Hände lege ich meinen Geist” (Lk 23,46) und “Es ist vollbracht” (Joh 19,30).
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IESUS DEPONITUR DE CRUCE
DAS DREIZEHNTE KREUZ: Die Früchte seiner Arbeit nicht genießen können
Erst als ich tot war, kamen meine Freunde. Verstehe dich als Same für kommende Zeiten. Du aber möchtest gleich die Früchte deiner Arbeit sehen. Meine Jünger sterben oft in Hoffnungslosigkeit und Schande, und nicht sie, sondern andere ernten, was sie gesät haben. Andere erlangen Freunde und Leben.
Für dich ist jetzt der Zeitpunkt, als Same für eine neue Welt zu dienen. Das ist dein Kreuz. Ich schenke dir dazu das nötige Vertrauen, denn Zeit deines Lebens findest du kaum Erfolg. Erst nach deinem Tod wird man dich vom Kreuz nehmen, erst dann wird dir Ehre zuteil. Eine Ewigkeit wird dich kein Kreuz mehr drücken, weil du den Mut gehabt hast, im irdischen Leben an ihm zu hängen. Arbeiten und die Frucht der Arbeit nicht genießen zu können, das ist das dreizehnte Kreuz. Es braucht Mut, Samen auszustreuen, ohne selbst ernten zu können. Doch die Frucht deiner Entsagung bin ich. Ich aber führe dich zur Auferstehung.
(Tomislav Ivančić)
GEBET:
Herr, du bist in die Nacht des Todes hinuntergestiegen. Aber dein Leichnam wird von gütigen Händen aufgenommen und mit einem reinen Linnen umhüllt (Mt 27,59). Der Glaube ist nicht ganz gestorben, die Sonne nicht völlig untergegangen. Wie oft scheint es, dass du schläfst. Wie leicht können wir Menschen uns abkehren und uns sagen: Gott ist tot.
Lass uns in den Stunden des Dunkels erkennen, dass du dennoch da bist. Lass uns nicht allein, wenn wir verzagen wollen. Hilf uns, dass wir dich nicht allein lassen. Gib uns die Treue, die standhält in der Verwirrung, und die Liebe, die dich gerade in deiner äußersten Not umfängt, wie die Mutter dich nun noch einmal in ihrem Schoß geborgen hat.
Hilf uns, hilf den Armen und den Reichen, den Einfachen und den Gescheiten, durch ihre Ängste und Vorurteile durchzublicken und dir unser Vermögen, unser Herz, unsere Zeit anzubieten und so den Garten zu bereiten, in dem Auferstehung geschehen kann.
(Benedikt XVI.)
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IESUS SEPULCRO CONDITUR
DAS VIERZEHNTE KREUZ: Menschlich betrachtet ohne Hoffnung leben
Meine Freunde dachten, mir die höchste Ehre erwiesen zu haben, als sie meinen Leib ins Grab legten. Sie sorgten sich um den Leib und vergaßen, was Ich ihnen gesagt habe: “…am dritten Tag werde ich auferstehen”. Das Grab beunruhigt dich. Wenn der Grabhügel errichtet ist, gibt es dich nicht mehr. Wenn hinter dir nicht die geringste Spur bleibt, was wirst du dann tun? Wenn du weißt, dass niemand zu deinem Begräbnis kommt. Wenn du dein Leben unbekannt im Elend beendest, dann bin ich es, der dich sicher kennt.
Es ist ein Kreuz, auch den letzten Wunsch zu begraben, den Wunsch, hier etwas zu gelten. Denn dieser Wunsch hindert dich daran, wirkliche Bedeutung zu haben, für andere Licht zu sein. Wie kannst du Licht sein, solange du dich scheust, die dunkle Eigensucht mit dir zu begraben; solange du zu mir willst, aber hinter dir die Brücken nicht abreißt? Erst dann kann ich nämlich dein Leben umwandeln.
Begrabe deine Wünsche und nimm das vierzehnte Kreuz auf dich. Über ihm schwebt die Auferstehung. Deshalb freue ich mich über den Grabhügel, unter dem dein Hochmut begraben liegt. Du willst noch nicht ins Grab, noch entsetzt dich der Gedanke, die Vorstellung, von deinem Leben zu lassen. Deshalb bist du tot. Nur ein Toter kann auferstehen. Fürchte dich nicht! Was du “Tod” nennst, ist eine Brücke – von dir – zu mir. Der Tod der Sünde bedeutet Freude und Vereinigung für dich und mich, die Erfüllung aller Wünsche und Sehnsüchte. Ich bin diesen Weg schon gegangen und warte auf dich. Verstehst du nicht, dass ich durch meinen Tod nicht von der Erde gegangen bin, sondern dass sie mir erst jetzt richtig gegeben ist? Vorher war ich auf der Welt nur Gast. Jetzt bin ich Herr. Auch du wirst sein wie ich. Überlasse dem Tod, was ihm ohnedies gehört. Betrachte das Grab nicht mehr als traurigen Schluss, sondern als Geburt und eigentlichen Anfang. Stirb deinen Stolz, und es leuchtet dir auf das Morgenrot des Osterfestes.
(Tomislav Ivančić)
GEBET:
Herr Jesus Christus, in der Grablegung hast du den Tod des Weizenkorns auf dich genommen, bist du zum gestorbenen Weizenkorn geworden, das Frucht trägt durch alle Zeiten und in die Ewigkeit hinein. Vom Grab her leuchtet über alle Zeit hinaus die Verheißung des Weizenkorns, aus dem das wahre Manna kommt – das Brot des Lebens, in dem du dich uns selber gibst. Das ewige Wort ist durch die Fleischwerdung und den Tod hindurch das nahe Wort geworden: Du legst dich in unsere Hände und in unser Herz, damit dein Wort in uns wachse und Frucht bringe. Du schenkst dich durch den Tod des Weizenkorns hindurch, damit auch wir wagen, unser Leben zu verlieren, um es so zu gewinnen; damit auch wir uns der Verheißung des Weizenkorns anvertrauen.
Hilf uns, dein eucharistisches Geheimnis immer mehr zu lieben und zu verehren – wahrhaft von dir, dem Brot des Himmels, zu leben. Hilf uns, dein „Wohlgeruch“ zu werden, die Spur deines Lebens fühlbar zu machen in dieser Welt. Wie das Weizenkorn aufsteht aus der Erde als Halm und Ähre, so konntest auch du nicht im Grabe bleiben: Das Grab ist leer, weil er – der Vater – dich „nicht der Unterwelt preisgibt und dein Leib die Verwesung so nicht schaut“ (Apg 2,31; Ps 16,10 LXX). Nein, du bist nicht verwest. Du bist auferstanden und hast dem verwandelten Fleisch Raum im Herzen Gottes gegeben. Lass uns dieser Hoffnung froh werden und sie freudig in die Welt hineintragen, Zeugen deiner Auferstehung sein.
(Benedikt XVI.)
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