Die Katechesen der Sr. Teresia Benedicta (1)

+
Sr. Teresia Benedicta (von der Gemeinschaft der Seligpreisungen) hat kürzlich ein beeindruckendes Zeugnis ihres Glaubens und Wissens gegeben. Die seit 8 Jahren in Medjugorje tätige Schwester hielt am Pfingstkongress der Loretto-Gemeinschaft in Salzburg mehrere Katechesen, die ich hier auszugsweise wiedergeben möchte.Die Teilnehmer waren von der Frische und Glaubenskraft der Ordensschwester merklich beeindruckt…

+

+

Katechese zum Thema Mann und Frau

Spätestens seit dem 19. Jahrhundert hat man den Eindruck, dass Männer und Frauen in ihren Rollen zunehmend verunsichert sind, wenn es um Sexualität und Ehe geht. Für christliche Menschen kommt noch hinzu: „Bibelübersetzungen sind ein schwieriges Thema, jedenfalls machen uns die deutschen Übersetzungen das Glaubensleben nicht gerade leichter. Es ist gut, mindestens im Zweifelsfall auf die jüdischen Tradierungen zurückzugreifen. Warum beginnen wir nicht gleich bei Adam und Eva? **

Isch und Ischa

“Adam und Eva, wie wir sie aus der Schöpfungsgeschichte kennen… sprechen wir lieber gleich mit den hebräischen Bezeichnungen Isch (Mensch, Mann) und Ischa (Menschin, Männin).

Ein Rabbi würde uns die Urgeschichte anders als wir sie gewohnt sind erzählen können, nämlich dass es zunächst ein Menschenwesen gab (Isch), dass vielleicht noch alle Anlagen und beide Geschlechter in sich trug, aus dem (oder aus dessen Seite) dann ein zweites Menschenwesen (Ischa) geschaffen (geteilt) wurde”.

“Bei dieser “Teilung” in zwei Geschlechter dürfen wir nach den Eigenschaften und Eigenarten beider Wesen fragen – und gleichzeitig verstehen, dass Gott wohl alle Merkmale in sich vereint. Isch wird als schützend und herrschend (aber nicht be-herrschend) beschrieben, und als der Teil, der in seinen Anlagen das Gedächtnis und die Geduld trägt. Ischa ist das eigentlich sprirituelle Wesen [mit  ihrem eigenen Humor merkt Sr. Teresia Benedicta an: Vielleicht muss Ischa deshalb keine Zeit in der Synagoge verbringen], bei Ischa hat die Teilung in zwei Wesen die Sorge und die Liebe zu den Menschen, und vor allem auch die Nabelschnur zu Gott (Spiritualität) hinterlassen; im familiären Leben gibt Ischa den Kindern zunächst Wurzeln und später Flügel, um in der Welt bestehen zu können.”

Natürlich sind dies Charakterisierungen, die mehr oder weniger zutreffen können. An die Worte der Sr. Teresia Benedicta möchte man anfügen, dass die Teilung – bei aller (äußerlichen) Eindeutigkeit – doch nicht so strikt vollzogen wurde, wie es die Geschichte nahelegen möchte: Bildlich gesprochen stelle ich mir vor, dass bei der Teilung die Anlagen von Isch und Ischa gar nicht so eindeutig zu liegen kamen: Auch die Psychologie spricht von weiblichen Anlagen beim Mann und umgekehrt

Sr. Teresia Benedicta kommt nochmals auf die Frage zurück: “Wurde Eva aus einer Rippe des Adam geschaffen? Zunächst fällt auf, dass der hebräische Ausdruck Zela nur an dieser Stelle der Hebräischen Bibel mit Rippe übersetzt wird. In allen anderen Stellen der Hebräischen Bibel wird Zela mit Seite wiedergegeben. Hier sehen wir bereits, dass die Frau (“Menschin”) aus mehr als nur einer entbehrlichen, männlichen Rippe geschaffen wurde.” ***

“Wenn wir demgemäß von den untrennbar aufeinander bezogenen Geschlechtern ausgehen, ergibt sich ein leicht begreifbares Eheverständnis: Was im Anfang getrennt wurde, findet in der Ehe wieder zueinander. Aber das ist bei weitem nicht alles, diese Beziehung ergibt erst unter Einbeziehung Gottes ein vollständiges Bild. Betrachten wir die „Bilder“ der hebräischen Schrift, also die Schriftzeichen, dann wird uns die Beziehung Mann (isch) und Frau (ischa) und Gott (JHWH) tatsächlich „vor Augen geführt“:

+

Isch    =  איש

Ischa  =  אשה

++

Sehen wir die Verbindung der beiden, dann können wir allein anhand der Schriftzeichen die Einbeziehung Gottes erkennen (!), denn aus den verbunden Schriftzeichen entsteht das Wort „Gott“; die Verbindung von Mann und Frau können wir als eine gottgewollte, eine göttliche Vereinigung ersehen:

+

JHWH   =  יהוה

+

Wir erkennen, dass JHWH aus den Zeichen (י) und (ה)  besteht, also Zeichen, die jeweils nur in Isch und Ischa vorkommen, und somit ergibt die Verbindung (wir können es auch Schnittmenge nennen) die Bezeichnung für Gott!”

Spontaner Beifall unter den vielen Jugendlichen in der Kirche St.Blasius, ein tieferes Verständnis des Beziehungsdreiecks Isch, Ischa und JHWH (Gott) hat Platz gegriffen.

Zurück zu unserem heutigen Leben: Würden wir die biblische Tradition ein wenig ernster nehmen, hätte Alice Schwarzer viel weniger Aufklärungsarbeit über die Gleichberechtigung zu leisten gehabt, und die „aktuellen“ Genderfragen könnten Christen nicht so unvorbereitet treffen – aber das ist nur ein kurzer Einwurf des Autors.

“Die Ehe ist also etwas Heiliges (!)”, und Sr. Teresia Benedicta erzählt die Geschichte eines Ehepaares, das die Einbeziehung Gottes in die Ehe mit einem schlichten und überzeugenden Ritual würdigt: “Egal ob es ein guter Tag war, oder ob gestritten wurde – jeden Abend vor dem Schlafen machen sich die Ehepartner gegenseitig ein Kreuz auf die Stirn, den Segen Gottes, ein wunderbares Zeichen  im Namen des Herrn!”

Für meinen Teil zähle ich zu den Bewunderen des jüdischen Humors, und so gibt es (vom Autor) einen kleinen Nachschlag zu dieser Katechese. Wer da meint, auch jüdische Ehepartner hätten kein von Natur aus gleichberechtigtes und reibungsloses Zusammenleben gepachtet, dem sei mit folgender Geschichte Recht gegeben – aber man achte auf das Durchsetzungsvermögen beider Partner (Ches – Ehe – Letters of Light):

“Bevor mein Großvater, Rabbi Jacob J. Hecht, meine Großmutter, Rebbetzin Chava Hecht, heiratete, sagte er ihr, „Ich bin ein ‚Yanki’, ein altmodischer amerikanischer Junge, und werde dich nur unter der folgenden Bedingung heiraten: Ich muss der Herr (/Kopf) im Haus sein.“ Meine Großmutter entgegnete, „Du kannst der Kopf sein, aber ich werde der Hals sein, und immer wenn sich der Hals dreht, hat der Kopf zu folgen.“

+++

*)
die Katechesen können als Audio-Dateien über loretto.at heruntergeladen werden

**)
“In der mythologischen Ausdrucksweise des ersten Schöpfungsberichtes heißt es: »Und Gott schuf den Menschen (Adam) nach seinem Bilde, nach dem Bilde Gottes schuf er ihn, männlich (zecar, d.h.männlichen Geschlechts) und weiblich (nikba, weiblichen Geschlechts) schuf er sie“ 1.Mose 1,27). Damit ist die ursprünglich untrennbare Zusammengehörigkeit von Mann und Frau ausgesprochen: Sie sind unterschieden, doch untrennbar aufeinander bezogen. Nur in ihrer Heterosexualität sind sie im Bild, ja Ebenbild Gottes. In der jüdischen Literatur wird vom “egalitären Grundzug” (Grundzug der Gleichwertigkeit) der biblischen Sicht von Mann und Frau gesprochen. Am Anfang steht die Ur-Einheit: Männliche und weibliche Züge sind im Menschen Adam untrennbar verbunden. Erst von dieser vorausgesetzten Ureinheit her kann von einer möglichen und auch notwendigen Differenzierung gesprochen werden.

***)
Dies wird in der rabbinischen Tradition (vor allem in der jüdischen Mystik) so verstanden, dass diese Zela als Seite die Rück-Seite bzw. Kehr-Seite des Ur-Menschen Adam sei. Man habe sich also – alles in der Bilderwelt der Mythologie – den Ur-Menschen so vorzustellen, dass er tatsächlich androgyn gewesen sei, mit der einen Seite/Hälfte männlich (zecar), mit der anderen Hälfte weiblich (nikba). Von Angesicht zu Angesicht konnten sie sich aber nicht sehen, da jeder immer nur die Kehr-Seite des anderen war. Sozusagen Rücken an Rücken miteinander verbunden, hingen sie wie „siamesische Zwillinge“ ungetrennt aneinander. Jeder hat den anderen/die andere in der Sprache der Jungschen Psychologie als Schatten seiner selbst im Rücken. Der jüdische Mystiker Toros Abulafia kommentiert: „Wisse, es ist eine Überlieferung in unseren Händen, dass der erste Mensch zwei Gesichter hatte …“

+++

zu Katechese Teil 2

+++

3 thoughts

  1. Pingback: “Katholische Ehe”, schon mal gehört? | Zeit zu beten - Dialog durch Gebete

  2. Pingback: Die Katechesen der Sr. Teresia Benedicta (2) | Zeit zu beten

  3. Pingback: Maria, Ischa, Magdalena « zeitzubeten

Was denkst Du?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s