Maria Magdalena: reumütig, demütig und entschlossen

maria-magdalena

+

“Die Zwölf begleiteten ihn, außerdem einige Frauen”
(Lk 8,1-2).

Weiterhin sehen sich viele Frauen in den katholischen und orthodoxen Kirchen benachteiligt. Andererseits lässt die Bibel keinerlei Rangordnungen erkennen, sondern unterschiedliche Rollen. Im Schreiben  «Mulieris Dignitatem» lesen wir:

+

+


“Das Johannesevangelium (vgl. auch Mk 16, 9) hebt die besondere Rolle der Maria aus Magdala hervor. Sie ist die erste, die dem auferstandenen Christus begegnet… Sie wurde darum auch »Apostel der Apostel« genannt. Maria aus Magdala war früher als die Apostel Augenzeugin des auferstandenen Christus und hat deshalb auch als erste den Aposteln gegenüber von ihm Zeugnis gegeben.

Dieses Geschehen stellt gewissermaßen die Krönung all dessen dar, was wir zuvor darüber gesagt haben, dass den Frauen – ebenso wie den Männern – die göttlichen Wahrheiten von Christus anvertraut worden sind. Man kann sagen, dass sich auf diese Weise die Worte des Propheten erfüllt haben: »Danach aber werde ich meinen Geist ausgießen über alle Menschen. Eure Söhne und Töchter werden Propheten sein« (Joël 3, 1).

Am fünfzigsten Tag nach der Auferstehung Christi finden diese Worte im Abendmahlssaal von Jerusalem, bei der Herabkunft des Heiligen Geistes, des »Beistandes«, noch einmal ihre Bestätigung (vgl. Apg 2, 17). Alles bisher zum Verhalten Christi gegenüber den Frauen Gesagte bestätigt und klärt im Heiligen Geist die Wahrheit über die »Gleichheit« der beiden – Mann und Frau.
(Johannes Paul II.)

Zwei kurze Gedanken zum Thema:

1. Frauen in der Heiligen Schrift:

Was für ein Missverständnis, wenn Frauen ihre Rolle in der Heiligen Schrift (mehr noch im gegenwärtigen Kirchenleben?) nicht entsprechend gewürdigt sehen; Johannes Paul II. hat dazu deutlich Stellung genommen. Dazu passt auch der Kommentar aus dem Stundenbuch TE DEUM:

“Als ausgesprochen anstößig wurden dagegen die Frauen empfunden, die sich Jesus anschlossen. Frauen hatten in einer rigiden patriarchalen Gesellschaftsordnung in der Öffentlichkeit, vor allem als »Herumziehende«, nichts zu suchen. Dieser kleine Bericht macht wieder deutlich, wie befreiend Jesus auf die Menschen gewirkt hat. Einige der Frauen, die mit ihm zogen, hatte er von Krankheiten und Leiden geheilt. Ihnen wurde das Leben neu geschenkt und sie banden es an Jesus. Viele von ihnen stammten aus begüterten Verhältnissen und unterstützten Jesus und die Jünger durch ihren Besitz. Die Evangelien berichten, dass es gerade die Frauen waren, die Jesus bis zum Schluss treuer zur Seite standen als seine Jünger. Deshalb waren es wohl auch die Frauen, denen der Auferstandene zuerst erschienen ist.”

Was wäre die Geschichte der Apostel ohne die Frauen der Heiligen Schrift: Eine Sammlung von Geschichten wankelmütiger Männer, denen am Ostermorgen nicht einmal die Augen aufgegangen wären…

2. Mann und Frau in der jüdischen Mystik:

Eva aus Adams Rippe geformt? In der wunderbaren jüdischen Mystik gibt es dieses “Problem” nicht: Der Schöpfungsmythos spricht  von Isch und Ischa; erst beide Wesen zusammengenommen sind ein Abbild Gottes, da unser Schöpfer alle (also “männliche” und “weibliche”) Elemente in sich vereinigt. (Mehr über die “Alternative” zu Adam und Eva liest du hier.)

Oder anders herum gesehen: Bei der Erschaffung des Menschen wurde “das Ebenbild Gottes” in eine männliche und weibliche Hälfte geteilt – und es kommt (aus männlicher Sicht ;-) ) noch dicker: Die Frau repräsentiert die “spirituelle Seite” Gottes (siehe die Frauen von Helfta, Teresa von Avila, Teresia Benedicta a Cruce, und viele mehr!), während der Mann  “nur” die geduldige (Josef), missionierende (Paulus) und märtyrerische (Stephanus) Rolle zu erfüllen sucht.

Ehemänner und männliche Beziehungssuchende, ihr wißt jetzt, durch wen ihr spirituelle Dimensionen erfahren könnt… sofern eure Frauen zu ihrer spirituellen Seite stehen…

Über zeitzubeten.org

Nach einem christlichen Aufwachsen kam eine... aber lies doch mehr zu meinem persönlichen Weg - hier!

4 Antworten zu “Maria Magdalena: reumütig, demütig und entschlossen”

  1. Okee, da hast du Recht, kommt mir sogar fast bekannt vor, das: niemals Kinder kriegen, sonst sofort abtreiben und bloß nicht heiraten, Karriere? Nee, da bin ich doch zu faul… :-)
    Trotzdem, ich denke immer noch, dass unsere Kultur da auch viel mit hinein spielt. Ich glaube, ich habe da meine Sicht- v.a. durchs Christentum und meinen Freund- sehr verändert mit der Zeit. Und gehe jetzt mit Medien z.B. kritischer um.
    Ja, du hast Recht. Die Machtspielchen sind das Problem. Genau dagegen bin ich auch. Das ist der Grund, warum ich den (ehemaligen) Femminismus eben nicht mag: Weil er genau das ist- von der anderen Seite. Sollte es einmal so sein, dass mein Freund lieber die Waschmaschine füllen will ;-) – okee, kein Problem. Ich denke eben nur, dass man sich die Freiheit nehmen sollte, so zu leben, wie das für BEIDE (!!) am besten ist. Und wenn es das klassische Familienbild ist, whats the point. Ich finde, das eine sollte nicht gegen das andere ausgespielt werden. Wir leben schließlich zur Ehre Gottes, nicht für ein Ideal (hoffe ich).
    Sicher wäre ein spirituelles Engagement sinn-voll. Darin erfährt man wohl auch am ehesten den eigenen Wert. Ich für meinen Teil erlebe das aber durchaus bei Frauen, wenn man das wirklich so fokussieren will (ich mag das wirklich nicht soo..), und auch besonders in der kath. Kirche übrigens. Das ist ganz problematisch, wenn man sich da ausschließt- aber eben, ich kenne es nicht so. Weil DANN ein sehr wichtiger Teil fehlt.
    Ich steige da noch nicht so ganz dahinter, woher das kommt. Ich für meinen Teil habe mich durch die Bibel nämlich immer sehr angesprochen gefühlt. Ich habe die Vermutung, dass das sehr mit einer bestimmten Generation bzw. dem Elternhaus zusammenhängt.
    Und tatsächlich damit, dass in unsere Rationalität keine Unterschiede mehr hinein passen. Gleichheit vielleicht falsch aufgefasst?
    Vielleicht besser: Vielfältig, einzigartig ein Jeder vor Gott.
    Dann findet man vielleicht wieder mehr zu sich selbst und zu Gott, wenn man erfährt, dass man selbst schon das Ideal ist, weil Gott uns schließlich so geschaffen hat. Er wird seinen Grund gehabt haben… :-)

    • Danke für deine ausführliche Antwort, für deine Gedanken!

      Schön auch, dass wir uns einig sind, dass die besprochenen Machtspielchen eigentlich von gestern sind!

      Du erwähnst, dass du durchaus ein spirituelles Aktivwerden bei dir bekannten Frauen wahrnimmst. Darf ich nachhaken, wie sich das äüßert, was da so gemacht wird?

      Ich denke dabei daran, dass Beispiele hilfreich sind, vielleicht findet ja jemand eine Anregung aus unserem Gedankenaustausch :-) ??!!

  2. Nun ja, das sehe ich genauso. Man kann für beides immer gute Argumente bringen. Mir persönlich wird bei Feminismus etc. aber immer das Menschengeschlecht zu wichtig genommen und Gott zurückgedrängt, darum mag ich es nicht so. Ich möchte Gott begreifen und nicht irgendwie in meine Lebensprinzipien einbauen wollen (ich glaube, das steckt letztlich dahinter). Drum kann es auch nicht daum gehen, das Patriarchale, wenn man es so sagen will, ins Gegenteil zu verkehren. Wir sind alle von Gott reich beschenkt und leben ihm in aller Freude. Erst in unserer Andersartigkeit können wir doch eigentlich ganz werden. Ein Leib Christi. Sofern wir uns nicht noch eine Christina ausdenken… Denn in Gottes Plan ist jeder wertvoll und einzigartig. Was wir dann daraus machen, steht auf einem ganz anderen Blatt.

    • “Wir sind alle von Gott reich beschenkt und leben ihm in aller Freude. Erst in unserer Andersartigkeit können wir doch eigentlich ganz werden. Ein Leib Christi.”

      Dieser Aussage stimme ich wirklich gerne zu!

      Andererseits: In meiner Wahrnehmung bekennst du dich zu einer bescheidenen Minderheit (von Frauen), die an ihrer Andersartigkeit Freude haben und dies auch für Christus leben…

      Ich erlebe bei vielen Weiblein u.a.: Eine spürbare Unlust am Kinderkriegen, auch das harte Bekenntnis zum Recht auf Abtreibung, immer nur “Gleichberechtigung” (gemeint ist zB aus Sicht der Frau: Meine Karriere ist wichtig und auch “Mann” hat Waschmaschine zu befüllen), und letztlich – wir kommen wieder zum Thema – diese Unlust, sich in den Familien oder in den Kirchen auf spirituelle Weise zu engagieren.

      Vielleicht kommt das jetzt ein bisserl forciert rüber, aber ich denke einfach, gäbe es weniger Machtspielchen zwischen Männlein-Weiblein und mehr spirituelles Engagement…, um wieviel reicher wäre unser Familien- und Kirchenleben!

Was denkst Du?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s