25 Jahre nachdem 1984 in Italien die katholische Religion als Staatsreligion abgeschafft wurde, könnte ein weiterer Angriff gegen das Kreuz gelungen sein. Wer hat etwas anderes erwartet? Es war eine Frage der Zeit, und nun ist es die italienische Mutter zweier Kinder, Soile Lautsi, deren “skandinavische Langstreckengene” (S.Lautsi ist finnischer Abstammung) den Weg bis zum europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) ermöglicht haben.

Wie die ORF-News berichten, dürfen Kruzifixe in öffentlichen Erziehungseinrichtungen Italiens nicht mehr hängen – weil “das Ausstellen eines konfessionellen Symbols die Rechte der Eltern, ihre Kinder nach ihren Überzeugungen zu erziehen, beschneidet – ebenso wie das Recht der Schüler zu glauben oder nicht zu glauben”.
Damit wird – so hat es die Klägerin formuliert – einem “Geist der Laizität” entsprochen, der andernfalls nicht mehr gewährleistet scheint. Es ist nicht so schwer, sich in die Gedankenwelt eines radikalen Laizismus zu versetzen; dieser interpretiert die Menschenrechte derart, dass sich das Verbot jeglicher religiöser Betätigung außerhalb eines engen, privaten Bereiches ergibt. Noch aggressiver steht es übrigens in allen wichtigen, aktuellen humanistischen Manifesten: Dort wird gleich von einem generellen Verbot religiöser Erziehung in den Familien gesprochen!
Man kann all diesen Entwicklungen doch gelassen gegenüberstehen, weil damit kein Untergang des Christentums eingeleitet wird (entsprechende “Kaliber” müssen erst gefunden werden) und ausserdem eine begrüßenswerte Nebenwirkung eintritt: Die meisten Kirchen besinnen sich noch viel stärker auf ihre essentiellen Wurzeln und Traditionen; in der Auseinandersetzung mit der Kultur des Todes werden die eigenen christlichen Positionen noch viel klarer und überzeugender formuliert; und alles dient einer positiven Wandlung von partikulären Taufschein-Christen hin zu (selbst)bewußten und aktiven christlichen Gemeinschaften, die den Zielen einer authentischen Christusnachfolge viel näher kommen.
Dass dieses Urteil europäische Dimensionen hat, wird vom Vatikansprecher Federico Lombardi angesprochen: “Es scheint, als wolle man die Rolle des Christentums für die Formung der europäischen Identität leugnen. Damit könne man unter Katholiken keine Sympathien für die europäische Idee gewinnen.”
Doch wir können diese Herausforderungen sanftmütig und demütig annehmen. Jesus Christus hat uns erlöst, was in aller Welt kann uns – unabhängig davon ob wir uns für Kampf oder Demut entscheiden – aus unserer christlichen Bahn werfen?
Johannes Paul II. hat sich klar dafür ausgesprochen, dass unsere Kreuze draussen in der Welt nicht entfernt werden sollen. Die von mir angesprochene Demut hat nichts mit Resignation zu tun, sondern will – genau wie auch in der kürzlich erfolgten Abtreibungsdebatte – eine konsequente, aber ruhige Überlegtheit an die Stelle unreflektierter Aggression setzen.
Wer dabei mithelfen will, ist herzlich eingeladen, entsprechend zu kommentieren.
Abschließend möchte ich an Worte erinnern, die Johannes Paul II. vor etwas mehr als 10 Jahren an uns gerichtet hat:
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„Pflanzt das Kreuz in euer Leben ein – das Kreuz als wahren Baum des Lebens“ (JPII).
Man kann uns Christen vieles nehmen, nicht aber das Kreuz als Zeichen der Erlösung. Lassen wir nicht zu, dass unser Kreuz entfernt wird, weder im Herzen, noch draussen in der Welt. das Kreuz des Heils kann man nicht ausreissen, der Baum des Lebens lässt sich nicht entwurzeln.
Äste und Zweige sind Wege, die wir nehmen können. Die Jahresringe stehen für Erfahrungen, die wir sammeln. so wie die Farbe des Laubes der Natur gehorcht, heißt unser Weg Farbe bekennen: Wir bekennen uns zu Christus, zum Kreuz, und zur Erlösung.
Das Kreuz als wahrer Baum des Lebens. der Baum als lebendiges Symbol. Das Kreuz nicht als totes Andenken, unser Leben nicht als Fotokopie. Pflanzen wir das Original mitten in unser Herz. Dieses kostbarste aller Andenken, das in uns weiterlebt, Tag für Tag.
Ein Baum bedeutet Leben, Größe und Kraft. Oder wie viele Bäume habt ihr schon ausgerissen? Der Baum zeigt uns Stärke, und das Kreuz gibt uns Kraft. Mit dieser Stärke im Herzen überwinden wir jedes Hindernis. Wir erfahren das lebendige und starke Kreuz.
Lebensgeschichten zeigen uns, wie Menschen heranreifen. Wir sind noch keine reife Frucht, aber das Licht Jesu lässt uns wachsen. Mit dem Baum des Lebens im Herzen, reifen wir am Kreuz. Dieser Baum des Lebens stärkt uns, damit unser Tun Früchte trägt.
(Die Botschaften stammen aus der Ansprache des Papstes 1998 am Heldenplatz in Wien. Einige Textstellen wurden ergänzt. Die Originalrede ist über die Seite des Vatikan abrufbar, Punkt 8. JPII-Wien-1998)
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4. November 2009


























Die Italiener machen das einzig Richtige.
Sie hängen NOCH MEHR Kreuze auf.
Danke, Elsa, für deinen Hinweis!
Es wird darüber auch heftig getwittert, die Menschen nehmen Anteil – und die (nicht nur von dir ; – ) geliebten Italiener verleihen ihrem Gefühl und ihrer Meinung Audruck …molto, molto bene…
Pax et Bonum – für Italien und für dich!
Eigentlich haben die Eltern das Recht, ihre Kinder so zu erziehen, wie sie es für richtig halten oder wollen. Und wenn eine Mutter meint, ihre Kinder sollen kein Kreuz im Klassenzimmer sehen… na ja, es ist ihr gutes Recht und wir sollen diese Entscheidung respektieren.
Eine andere Situation wäre es, wenn ihre Kinder eine katholische oder evangelische Schule besuchen würden… aber das ist hier nicht der Fall.
Anders wäre es gewesen, wenn sie kein Kreuz oder irgendein anderes religiöses Symbol (bei uns trägt mal normalerweise ein Skapulier) nicht tragen dürften (analog den muslimischen Mädchen in öffentlichen französischen Schulen in Frankreich).
Ich denke sowieso, dass der Kreuz Christi lieber in unserem Leben und durch unser Leben veranschaulichen sollte, dass es nicht nur zählt, ein Kreuz in der Öffentlichkeit zu zeigen; die inneren Werte zählen mehr (ich kann mich an die Auftritte der CSU-Politiker in Bayern vor einigen Jahren erinnern : immer mit dem Kreuz in Hintergrund… ob das nicht ein Missbrauch war?).
Theresa von Ávila erzählt in ihrem Leben, dass eine göttliche Stimme ihr sagte: “obras son amores y no buenas razones”, das bedeutet so viel wie, “Taten, nicht schöne Worte allein!” oder “Taten sprechen lauter als Worte”.
Das denke ich auch!
Liebe Grüsse
Hallo Mcp,
zur Frage der Erlösung kommen wir ein wenig später, beginnen wir mit diesem Zitat:
Wer meine Stellungnahmen zu antichristlichen Bewegungen in Sachen Abtreibung oder Sterbehilfe kennt, weiss, dass mir ein konsequentes und und entschiedenes Vorgehen ein großes Anliegen ist.
Das vorliegende Kruzifix-Urteil ist deswegen komplexer, weil diese Rechtsprechung unmittelbar in Zusammenhang mit der EMRK steht. Hier ist ein polterndes Auftreten kontraproduktiv, weil ebendiese Menschenrechte unter breitem Konsens 1948/50 (natürlich mit jahrhundertelanger Vorgeschichte) eingeführt wurden, und wir Christen genau überlegen müssen, wie wir hier vorzugehen haben, um auch tatsächlich etwas zu erreichen – handelt es sich doch um Rechtsprechung auf europäischer Ebene.
Ein konkretes Beipiel: Michael Prüller schreibt in der Presse, dass die EMR ein Sprössling des Christentums seien (und suggeriert damit, dass die vorliegende Rechtsprechung “unrechtens” sei). Mit dieser Einstellung wird man gar nichts erreichen, ausser einem konzertierten Hohngelächter atheistischer Kreise. Hier sind eindeutig andere Schritte gefordert.
Sprechen wir über ein konkretes Beispiel: Es sind christliche Netzwerke gefordert, die alle Pfarren, Klöster, Hospize, Krankenhäuser, caritativen Einrichtungen, christlichen Erziehungsstätten und und und… unter einem vernetzten Dach vereinen. So kann man mit klarer und gewichtiger Stimme sprechen, und die unglaublich große historisch gewachsene Bedeutung der Summe aller christlichen Einrichtungen für die Gesellschaft klarmachen: Das hat Wirkung, mit dieser sozialen und gesellschaftlichen Power läßt sich etwas durchsetzen.
Es ist brav und edel wenn ich auf zeitzubeten flammende Reden halte, und Mcp auf seinem Blog etc etc – aber alles ist nicht mehr als laute Luft…
Sind Sie, sorry, aber das ganze Netz spricht mit “du” – bist du praktizierender Katholik? Denn die Botschaft, dass Christus ALLE Menschen BEREITS ERLÖST hat, ist so eine bahnbrechende und umwerfende Einsicht, an der man eigentlich nicht vorbeigehen kann, und genau deshalb kann Paulus sagen: “Christus hat uns zur Freiheit befreit”.
Mit anderen Worten, wer nach dieser Erkenntnis lebt, tut rein gar nichts mehr aus “moralischem Zwang”, sondern ausschließlich aus dieser durch Jesus gewonnenen christlichen Freiheit, aus Liebe zum Herrn und seiner unendlichen Schöpfung… that’s it – und es macht mich so glücklich, dass ich es immer wieder hinausschreie!
Das ist (für Österreich) nicht gut beobachtet – eigentlich spricht mein ganzes Blog von diesen überwiegend guten Entwicklungen…
Na klar, wer will denn das – ich sicher nicht. Meine Familie findet mehr als genügend soziales Umfeld für die nächsten Jahrzehnte vor: eine gesunde Pfarre, Familienrunden, das Kloster Heiligenkreuz, katholische Schulen etc etc – hier gibt’s gar keine Probleme. Es sind die angesprochenen grösseren Aufgaben (zB das angesprochene übergreifende christliche Netzwerk), die anzugehen sind; und wenn ich mir anschaue, was über Facebook, Twitter und anderen Plattformen sowie APG2010 alles auf dem Weg ist, denke ich mir: Yes, we are on the right track, man.
Tut mir leid, ich kann nicht zustimmen.
Wenn Sie glauben, dass alle Menschen unabhängig von ihrem Glauben bereits erlöst sind, dann stellen Sie den Glauben an sich Frage. Und zwar jeden, nicht nur den christlichen. Dann ist es auch vollkommen egal, wie ich mein Leben hier organisiere – die Barmherzigkeit wird es schon richten. Wozu beichten und beten? Wozu Sonntagspflicht? Wozu nach christlichen Moralvorstellungen leben? Wozu mich überhaupt als Christ bekennen?
Wenn Sie hingegen nicht an ein allgemeines Heilsversprechen glauben, dann ist ihre Position reichlich egoistisch: Ich bin schon erlöst, alles anderen interessieren mich nicht. Die Mission ist evident für das Christentum, Christen sind kein „auserwähltes Volk“. Mission ist gelebte Nächstenliebe, weil nur der das Heil erlangen kann, der Christus nachfolgt.
Was die Demut und Sanftheit angeht: Ich liebe Gott, aber nicht den Satan und ob ein Christ dem Treiben des Antichristen mit „Demut“ und „Sanftheit“ begegnen sollte, wage ich sehr zu bezweifeln. Demut und Sanftheit behalte ich mir im Umgang mit meinen Nächsten vor. Dem Bösen aber trete ich entschieden entgegen. Es gäbe nicht einzigen Märtyrer in der katholischen Kirche, wenn es anders wäre. Das Nein gegen die Zumutungen der weltlichen Macht hat das Christentum erst groß gemacht. Es gäbe keine katholische Kirche, wenn die römischen Christen die Forderungen des Kaisers in „Demut“ und „Sanftheit“ erfüllt hätten.
Genauso habe ich meine Zweifel daran, dass durch die Entfernung der Kreuze aus dem öffentlichen Raum irgendein „begrüßenswerter Effekt eintritt“. Die letzten Jahrzehnte sprechen eine völlig andere Sprache. Weder hat sich die Kirche auf ihre „essentiellen Wurzeln und Traditionen“ besonnen, noch hat sie in der Auseinandersetzung mit der „Kultur des Todes“ ihre christlichen – warum schreiben sie dieses Attribut eigentlich in Klammern? – Positionen klarer formuliert. Sie ist im Gegenteil an allen Fronten auf dem ungeordneten Rückzug.
Wenn Sie glauben, man könne Traditionen – dazugehört die Weitergabe des Glaubens von Vater auf die Kinder – im stillen Kämmerlein erhalten, dann – mit Verlaub – sind sie ein Träumer.
Entschuldigung, aber das musste ich mir jetzt von der Seele schreiben.