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Wenn man gerade von 8-tägigen ignatianischen Einzelexerzitien zurückkehrt, soll es vorkommen, dass man sich gereinigt und klarsichtig empfindet – mir geht es jedenfalls so. Auch ein wenig Angriffslust spüre ich in mir, wie den nachstehenden Fragen zu entnehmen ist.
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Zunächst zum Dogma: Papst Pius IX. verkündete am 8. Dezember 1854 in der Bulle „Ineffabilis Deus“ (der unbegreifliche Gott) als von Gott geoffenbarte und darum von allen Gläubigen fest und standhaft zu glaubende Lehre:
„Die seligste Jungfrau Maria wurde im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch ein einzigartiges Gnadengeschenk und Vorrecht des allmächtigen Gottes im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu, des Erlösers des Menschengeschlechtes, rein von jedem Makel der Erbschuld bewahrt.” D 1641. VgI. die Enzyklika „Fulgens corona“ (1953) Pius XII.
Ich bin weit davon entfernt, das Gnadengeschenk Gottes an Maria auch nur ansatzweise in Frage stellen zu wollen. Aber der kirchlich definierte Zeitpunkt dieses Gnadenstroms erscheint mir sehr hinterfragenswert, oder anders gesagt, der festgelegte Zeitpunkt macht nur Sinn, wenn man weiteren Fragen nach der Erbsünde wenig Raum geben möchte.
Anstelle “halbwissenschaftlicher” theologischer Ausführungen zur Erbsünde möchte ich zwei einfache Gedanken in den Raum stellen:
1. Die Gnade Gottes ist nur größer und staunenswerter, wenn sie den mit der Erbsünde versehenen Menschen Maria trifft
Warum sollte ich mir meinen allmächtigen Gott so “administrativ” denken, dass ihm “Vorbereitungshandlungen” notwendig sind, um Maria auf das kommende Ereignis der Mutterschaft Jesu vorzubereiten? Wenn die Gnade mit Macht und Größe einbricht, dann kennen wir diese Berichte (denken wir an Mose und Paulus) als unvermittelt, einzigartig und überwältigend. Warum muss es bei Maria anders sein? Wer sind wir Menschen, dass wir dies aus dem Spruch des Erzengels (“voll der Gnade”) ableiten müssen? Warum also eine göttliche Vorbereitungshandlung erfinden, nur um die Fragen nach der Erbsünde zu minimieren?
2. Eine nicht von der Erbsünde befreite Maria von Nazareth kann sich frei entscheiden und wird so zum einzigartigen Vorbild des christlichen Glaubens
Was meine ich damit? Ein von der Erbsünde befreiter Mensch ist in besonderem Maße fähig, den Willen Gottes zu erkennen, und wird sich anzunehmenderweise für das Gute entscheiden. Was bleibt dann wunderbares an dem schlichten und so klaren “Ja” Marias zum Willen Gottes? Wie groß ist dieses einzigartige Vorbild Marias, den Willen Gottes anzunehmen, wenn von vorneherein abzusehen ist, dass ein “Nein” ganz und gar unwahrscheinlich ist?
Für meinen Teil möchte ich mir weder meinen Gott noch die Jungfrau Maria geringer erscheinen lassen, als sie sind. Gott ist groß, und so machtvoll verhält es sich mit Seiner Gnade, genau dann, wenn Er es für richtig hält, und wenn die Zeit gekommen ist. So gehe ich in der Frage der Immaculata Conceptio gerne 200 Jahre zurück und möchte eine göttliche Reinigung (Heiligung) Marias, Sanctificatio Mariae, von der Erbsünde annehmen, wie dies von den Dominikanern bis ins 19. Jahrhundert vertreten wurde. Die Mutter Gottes sehe ich dementsprechend als ganz besonderes und beeindruckendes Vorbild im Glauben, als Mensch, der trotz Erbsünde als tief gottgläubige Seele dem Willen des Schöpfers mit “Ja” begegnet.
Meine Frau Manuela wiederum denkt ganz anders über Mariä Empfängnis. Ihre Tradition und Ihr Glaube haben überhaupt kein Problem mit dem kirchlichen Dogma der Unbefleckten Empfängnis.
Letztlich sind beide Formen des Umgangs mit diesem Hochfest der katholischen Kirche gut, weil nur eines wirklich wichtig ist: Die Liebe zu Gott und zur Gottesmutter Maria, die durch allerhöchste göttliche Gnade unseren Erlöser Jesus Christus gebären durfte.
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Wie ernst es mir mit der Liebe zur Jungfrau Maria ist, zeigt dieser Link zur marianischen Spiritualität.
Sachlicher Artikel zum Dogma von Dr.L.Neidhart
Text und Evangelium zum Hochfest findest du hier: Hochfest Mariä Empfängnis.
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10. Dezember 2009 um 10:50
Vor lauter antworten hab ich die eigentliche Antwort vergessen :-)
Deinem Hinweis, Alipius, dass mehr Verständnis für das Dogma der Unbefleckten Empfängnis erfahrbarbar wird, wenn ich mich auf eine Art “Gesamtschau” einlasse, kann ich inzwischen folgen.
Maria ist Geschöpf und somit dem Menschsein (danke für Deinen Hinweis auf Paulus) unterworfen – und andererseits in ihrem so maßgeblichen und vorbehaltlosen Verhalten ohne Erbsünde. Sie ist in ihrem wunderbaren Leben also so, wie wir Menschen vermutlich (eigentlich) angelegt sind…
Nachdem ich mich ein wenig aufgeplustert habe, mache ich mich gerne wieder klein – und schließe Frieden mit der Rede von der Unbefleckten Empfängnis.
LG, Stefan
10. Dezember 2009 um 00:58
Danke für deinen Beitrag, Alipius!
Gleich vorweg: Meinen Glauben könnte ich selber nicht mehr sehr ernst nehmen, wollte ich mich durch Dogmen maßgeblich beeinflussen lassen… Glaube und “glauben können” ist für mich etwas Gottgeschenktes – ich kann es eigentlich nur annehmen, ja ich habe in den gerade beendeten Exerzitien zu verstehen versucht, dass es vor allem (eigentlich nur) darum geht, Jesus Christus (Gott) anzunehmen.
Es macht mich (als ein “Partikel” der römisch-katholischen Kirche) ein wenig traurig, dass unsere Kirche so “verkopfte Mariengesetze” beschließt, wo doch bei Betrachtung des Lukasevangeliums eine so tief berührende Schönheit erfahrbar wird, dass die Frage gestellt werden darf: Wozu dienen die Mariendogmen (und ich frage das als Maria sehr verehrender Gläubiger)?
Eine gewisse Gefahr sehe ich darin, dass diese “gesteigerte Marienbetrachtung” zu sehr von Jesus ablenkt. Da muss ich (als so eine Art Gegengewicht) ein Dogma zu Jesus Christus wünschen. So würde ich es für förderlicher für unseren Glauben in der heutigen Zeit finden, einmal unmißverständlich festzuhalten, dass Jesus Christus für ALLE Menschen am Kreuz gestorben ist; vielleicht könnte man – bei guter Formulierung und Verkündigung – eine viel größere Betroffenheit bei den nichtgläubigen Menschen hervorrufen, dass vor 2000 Jahren tatsächlich ein Menschensohn sich auch für sie (!) hingegeben hat…
Sehr schön habe ich deinen Hinweis gefunden, dass unser Gott nicht als in Zeitkategorien befindlicher Geist vorstellbar ist. Andererseits war das nicht mein Punkt. Mir ging es um ein mehr (magis!) an Gnade, dass ich in der Verkündigung an eine erbsündige Maria zu erkennen glaubte, und an eine “vorbildlichere Maria”, die als entscheidender und glaubender Mensch zu ihrem “Ja” findet…
Sei’s drum, unsere katholische Kirche hat ihre Dogmen – und meine kleinen Gedankenspielereien haben einen wahren Hintergrund: Auch ganz ohne Dogmen – führt das einfache Betrachten des Evangeliums zu tiefen und wunderbaren Glaubenserfahrungen.
11. Dezember 2009 um 12:59
“Auch ganz ohne Dogmen – führt das einfache Betrachten des Evangeliums zu tiefen und wunderbaren Glaubenserfahrungen.”
Aber hallo!
9. Dezember 2009 um 18:15
Zu Frage 2 wollte ich etwa so antworten wie Yon, aber auch noch etwas hinzufügen: Gott nimmt die Zeit nicht wie wir im Sinne von “davor” und “danach” wahr, sondern eher in der Gesamtschau. Sprich: Die Zukunft überrascht ihn nicht. Sprich: Er hat in Maria natürlich eine Frau gewählt, von der er wußte, daß sie ihm ihr “Ja” schenken wird, Erbsünde hin oder her. Will sagen: Maria hat den Willen Gottes angenommen, weil sie ohne Erbsünde empfangen wurde. Aber sie wurde ohne Erbsünde empfangen, weil sie den Willen Gottes annahm (wenn Du weißt, was ich meine – es ist schwerer zu formulieren als zu denken). Das führt mich zu Punkt 1: Für mich ist das einzigartige Gnadengeschenk daher auch größer und staunenswerter, weil die Erbsünde bei Paulus ja als eine von Adam auf “alle Menschen” übergegangene Wirklichkeit (Röm 5,11-21) beschrieben ist.
Naja, was ich mit all diesem umständlichen Geschreibe eigentlich sagen will ist: Ich glaube nicht, daß das “Ja” geschmälert wird. Es stimmt, was Du sagst: Es steckt immer viel Gedankenspielerei in dieser Geschichte. Ich muß allerdings anmerken, daß das Dogma meinem Glauben nicht geschadet hat.
6. Februar 2012 um 15:27
Hallo,ich woltle fragen, ob euer Heft das ursprüngliche ist. Es muß weiß sein und hat eine blaue Schrift. Wenn ja, könnten Sie mir bitte eine Antwort geben, denn dann hätte ich gerne welche.Gottes Segen und Danke im vorausMichael Dietrich
6. Februar 2012 um 23:55
Leider verstehe ich die Frage nicht???
8. Dezember 2009 um 23:10
Zu Punkt zwei: Eine von der Erbsünde befreite Maria muss doch so vorzustellen sein wie eine Menschheit vor dem Sündenfall, oder? Na, und der Sündenfall konnte trotzdem geschehen, also ist Marias “Ja” so gering oder groß, wie das “Nein” von Eva hätte sein sollen…
Oder bring ich da irgendwas durcheinander?
8. Dezember 2009 um 23:41
Hallo Yon!
“Eine von der Erbsünde befreite Maria muss doch so vorzustellen sein wie eine Menschheit vor dem Sündenfall, oder?”
Das sehe ich auch so.
Wobei der Mensch vor dem Sündenfall ganz besonders für den göttlichen Willen zugänglich war und daher EHER FÜR als gegen Gott entscheiden konnte (natürlich auch die Möglichkeit zum Sündenfall nutzen konnte)…
…während der mit der Erbsünde belastete Mensch EHER GEGEN und nur durch entsprechend großen Glauben für Gott entscheidet.
So gesehen ist das “Ja” Mariens unter der Annahme der Erbsünde noch ein bisserl beeindruckender!
Die ganze Frage der Unbefleckte Empfängnis endet immer irgendwie in Haarspaltereien, und deshalb wundere ich mich sehr, dass sich eine Kirche rund 1850 Jahre nach Christi Geburt auf ein derartiges Dogma eingelassen hat, dass dem Glauben mehr schadet als nutzt. Bei all diesen Gedankenspielereien:
Ich danke Dir, Mutter Gottes, von Herzen für Dein gottgeweihtes Leben, dass eine ganz große Inspiration für jeden Christen darstellt.
Salve Regina!