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Protest der österreichischen Pfarrer: „Sie leben das schon“

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Als besonders alarmierend beobachtet Prof. Paul Zulehner anlässlich der aktuellen “Pfarrer-Befragung”, dass ein signifikanter Teil der Pfarrer nicht mehr erwarten, dass die Kirchenleitung die notwendigen Reformen durchführt, “sondern sie leben das schon”. Und zwar sowohl in pastoralen Belangen wie den Fragen Scheidung und Wiederverheiratungen in der Ökumene als auch in der Inszenierung ihres privaten Lebens, so der Religionsforscher Zulehner.

In der TV-Diskussion „Kreuz und Quer“ vom 29. Juni sprach Zulehner wörtlich davon, dass nach seinen Erhebungen die Mehrheit der Pfarrer Ungehorsam in Form sexueller Beziehungen praktiziere, davon 1/3 hetero- und 2/3 homosexueller Natur. Der anwesende Leiter der Pfarrer-Initiative, Pfarrer Helmut Schüller, hat dieser Einschätzung nicht widersprochen.

500 Pfarrer geben Auskunft

“Kreuz und quer” hat dazu eine Umfrage unter Pfarrern in Österreich in Auftrag gegeben: Die ORF-Medienforschung und das Institut GfK Austria wurden mit der Durchführung beauftragt, der Pastoraltheologe und Religionsforscher Paul Zulehner leitete die Umfrage und interpretierte die teilweise ernüchternden Ergebnisse.

Zulehner zeigt sich aber kaum überrascht von den Ergebnissen: Schon vor zehn Jahren habe man gesehen, “dass es in der Pfarrerschaft Unruhe gibt und eine stillschweigende Entwicklung in eine Richtung, die von der Kirchenleitung derzeit nicht gedeckt wird. Das ist in den letzten zehn Jahren dramatisch vorangekommen. Der Protest ist praktisch und die Basis der Kirche erweist sich als Reformmotor”, zugleich verliere die Kirchenleitung ihre Gestaltungsfähigkeit. Um diese wieder zu gewinnen, verlange es einen tiefen Dialog und die Bereitschaft, die Reformdynamik von unten her aufzugreifen.

Pfarrer gegen Pflichtzölibat

Die Studie der ORF-Medienforschung und GfK Austria für die Sendung “kreuz & quer” hatte ergeben, dass sich mehr als die Hälfte der 500 befragten Pfarrer dazu bekennen, anders zu denken als die Leitung der katholischen Kirche. Rund zwei Drittel sagten, die Kirche solle sich der modernen Welt mehr öffnen. Den Pflichtzölibat abgeschafft wissen wollen 80 Prozent, und 51 Prozent verlangen die Weihe von Frauen zu Priesterinnen. (Anm.: Von der Ablehnung des Pflichtzölibats kann in keinster Weise eine negative Einstellung gegenüber der zölibatären Lebensweise abgeleitet werden; eine deutliche Mehrheit der Pfarrer steht in der Umfrage zu ihrem persönlichen Zölibatsversprechen.)

Das Verhältnis Pfarrer – Kirchenleitung

Das markanteste Ergebnis: Zwischen den sehr loyalen Pfarrern und ihrer Kirchenleitung besteht eine tiefe Dissonanz. Mehr als die Hälfte der befragten Pfarrer denkt in wichtigen Fragen anders als die Kirchenleitung. Es besteht Handlungsbedarf – so könnte man die Ergebnisse der Umfrage auf den Punkt bringen. Und: Der Ruf nach Reformen wird auch innerhalb des Klerus lauter.

Die Studie im Detail

Das Ergebnis der Studie zeigt vor allem eines: eine große Distanz zwischen den erlebten Aufgaben und Nöten der Priester und den Antworten, die sie von der Kirchenleitung vorfinden. 52 Prozent der Pfarrer sagten, dass sie in wichtigen Fragen anders denken als die Kirchenleitung. 74 Prozent beobachten, dass die Vorstellungen der Kirchenleitung und des Kirchenvolks immer weiter auseinanderklaffen.

64 Prozent sagen, die Kirche soll sich der modernen Welt mehr öffnen. Gleichzeitig sagen 39 Prozent aber, dass sich die Kirche von der modernen Welt deutlicher unterscheiden muss. 86 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils entschlossener durchgeführt werden sollen.

Ältere Pfarrer oft liberaler

Auffällig an der Umfrage ist: Es sind die älteren Pfarrer, die zu liberaleren Haltungen tendieren. Je jünger die Pfarrer sind, desto modernitätsskeptischer sind sie. Vor allem die “Spätberufenen”, also diejenigen, die nicht gleich nach der Matura ins Priesterseminar eingetreten sind, zählen zu den Skeptikern, was eine Öffnung anlangt.

So lehnen beispielsweise 39 Prozent der bis 40-Jährigen, die befragt wurden, komplett ab, dass Frauen zu Priesterinnen geweiht werden.

Kirche und sexueller Missbrauch

76 Prozent der Pfarrer sagen, dass sexueller Missbrauch für die Kirche ein größeres Problem ist als für andere Institutionen.

Zwei Drittel der befragten Pfarrer stellen der Kirchenleitung in Österreich im Umgang mit den kirchlichen Missbrauchsfällen ein gutes Zeugnis aus. 23 Prozent sagen, es sei völlig richtig, 43 Prozent sagen, es sei richtig, dass die Kirchenleitung in Österreich mit dem Problem gut umgehe. Nur elf Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Kirchenleitung in Österreich schlecht mit dem Problem umgeht.

Mehr als die Hälfte der befragten Pfarrer hingegen sind der Meinung, dass die Kirchenleitung in Rom schlecht mit dem Problem umgehe. 21 Prozent sind der Meinung, dass auch Rom gut mit dem Problem umgegangen sei. Immerhin 80 Prozent der befragten Pfarrer sind der Meinung, dass das Thema sexueller Missbrauch in der Kirche Anlass sein solle, grundsätzlich über den kirchlichen Umgang mit Sexualität nachzudenken.

Reformbedarf bei Priesterausbildung

Kritik äußern die Pfarrer auch an der Priesterausbildung. 92 Prozent sind der Meinung, dass in der Priesterausbildung mehr Wert auf menschliche Reife zu legen wäre. Der zunehmende Priestermangel hat große Auswirkung auf die Arbeit der Pfarrer. Der Pfarrer wird vom Seelsorger immer mehr zum Manager. Viele Pfarrer reagieren frustriert auf diese Situation.

Drei Viertel sagen, dass den Pfarrern im Zuge des Priestermangels zu viel Arbeit aufgelastet werde. 48 Prozent erleben die Kirchenleitung in diesem Bereich hilf- und visionslos.

Vergrößerte Kluft zwischen Kirche und Menschen

Zwei Drittel der Befragten meinen zudem, dass die Bildung von Pfarrverbänden die Kluft zwischen der Kirche und den Menschen vergrößere.

Vor dem Hintergrund des Priestermangels und der Sorge um ihre Kirche ist es nach Ansicht der befragten Pfarrer notwendig, eine Ausweitung des Personenpools, aus dem die katholische Kirche ihre Priester auswählt, ins Auge zu fassen: und das nicht nur wegen der Überlastung der Priester, sondern auch, um das Amt durch andere Lebenserfahrungen anzureichern – die Erfahrung einer beruflichen Tätigkeit, die Erfahrung einer Partnerschaft, die Erfahrung als Frau.

51 Prozent der befragten Pfarrer sagen jedenfalls: Die katholische Kirche soll Frauen zu Priesterinnen weihen. Die Pfarrer sehen darin einen Qualitätsgewinn für das Priesteramt. 75 Prozent sagen auch, dass die Gemeinschaft, wenn die Kirche in gläubigen Gemeinschaften keine ehelosen Priester zur Verfügung stellen könne, aus der Gemeinschaft bewährte Personen ausbilden und weihen solle.

Kommentare zur Studie und ihren Ergebnissen:

Jüngere Priester überwiegend papsttreu (kath.net)

Aus einer vom ORF in Auftrag gegebene Umfrage, die der mit dem ORF sehr verbundene ehemalige Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner durchgeführt hat, geht hervor, dass die 68-er-Pfarrer-Generation eher romskeptisch ist und dass jüngere Pfarrer wieder stärker sich an Rom orientieren möchten. In der Umfrage wurden 500 Pfarrer befragt, allerdings eine deutliche Minderheit im Angesicht von mehr als 4.000 Welt- und Ordenspriestern in Österreich. Von den 500 Befragten meinten 80 Prozent der befragten Pfarrer beispielsweise, dass die katholische Kirche verheiratete Männer zu Priestern weihen sollte, 51 Prozent möchten sogar Frauen zu Priesterinnen weihen. Die Umfrage zeigt zum Teil recht widersprüchliche Ergebnisse. Einerseits äußern sich knapp die Hälfte der Befragten noch immer zustimmend zur Kirchenleitung. Anderers meinen dann fast 80 % der befragten (!) Pfarrer, dass die katholische Kirche verheiratete Männer zu Priestern weihen sollte. 67 % der befragten Pfarrer sagen in Bezug auf ihr eigenes eheloses Leben übrigens: “Ich habe einen eigenständigen Weg gefunden, den ich verantworten kann!” Immerhin 69 Prozent der Pfarrer erklären dann aber wieder, dass sie mit ihrem ehelosen Leben bisher doch recht glücklich waren.

Der interessanteste Teil der Umfrage ist allerdings folgendes: Je jünger die Pfarrer sind, desto modernitätsskeptischer sind sie. Vor allem die sogenannten “Spätberufenen”, also diejenigen, die nicht gleich nach der Matura ins Priesterseminar eingetreten sind, zählen zu den Modernitätsskeptikern. So lehnen beispielsweise 39 % der bis 40-Jährigen, die befragt wurden, komplett ab, dass Frauen zu Priesterinnen geweiht werden sollen.

Daraus ist zu schließen, dass sich die Priesterausbildung in den letzten Jahren in Österreich tendenziell gebessert hat und jüngere Priester eher wieder romtreu orientiert sind im Vergleich zur sogenannten “68-Priester-Generation”, der auch Paul Zulehner angehört. (kath.net)

Scharfe Kritik an Zulehner und an betroffenen Pfarrern

Der bekannte Abt von Heiligenkreuz, Gregor Henckel-Donnersmarck, übt scharfe Kritik an der Pfarrer-Umfrage von Paul Zulehner, die vom ORF in Auftrag gegeben wurde. “Ich sehe die Umfrage als ein Symptom eines falschen Kirchenbildes von denen, die die Umfrage gestartet haben und von denen, die sich daran beteiligt haben. Es gibt eine kolossale Präsenz einer medialen Öffentlichkeit, die viele in den Bann zieht.“ Henckel-Donnersmarck meint abschließend: “Den Pfarrern fehlt das kirchliche Bewusstsein, die Einfügung auch im Gehorsam. Mich beunruhigt, dass auch im Bewusstsein theologisch ausgebildeter Priester die theologischen Grundlagen von Zölibat und Amtsverständnis nicht mehr vorhanden sind.(kath.net)

Bezugsdaten für die Studie:

„Wie geht’s, Herr Pfarrer?“ ist Titel eines Buches, das am Donnerstag herauskommt und alle Ergebnisse der Umfrage detailliert enthält. Autor: Paul M. Zulehner, Styria Verlag, 176 Seiten.

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Autor: S. L. Ehrhardt

Nach einem christlichen Aufwachsen kam eine... aber lies doch mehr zu meinem persönlichen Weg - hier!

Ein Gedanke zu “Protest der österreichischen Pfarrer: „Sie leben das schon“

  1. Das ist erschreckend! Aber wahrscheinlich in Deutschland nicht anders….

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