Parallel zum Psalmengebet in den Klöstern entwickelte sich das Rosenkranzgebet als sogenanntes “Laien-Brevier”. Die lange Tradition des Rosenkranzbetens ist allseits bekannt, wobei die reiche Entstehungsgeschichte des Gebets vermutlich nicht allen so vertraut ist. Dabei bewegt sich alles auf ein großes Ziel zu: Die umfassende Betrachtung der Geheimnisse des Lebens Jesu.

Vom Psalmengebet zum Ave Maria
Wenn man verstehen will, wie sich die Rosenkranzandacht herausgebildet hat, ist an eine andere, viel ältere Form des Betens zu denken: die Rezitation der Psalmen. Seit den ersten Anfängen des Christentums war das Singen und Sprechen der Psalmen das wichtigste Gebet, sowohl für die Gemeinschaft als auch für den Einzelnen.
Der Psalter besteht aus 150 Psalmen, und wurde – wahrscheinlich von Origenes (3.Jhdt.) – in drei gleichgroße Teile von jeweils 50 Psalmen aufgeteilt. Diese Einteilung war eine Huldigung an die Göttliche Dreifaltigkeit, schrieb der hl. Hilarius von Poitiers hundert Jahre später.
Für das Psalmengebet wird dieses Zahlenverhältnis zwar nicht aufrechterhalten, wird jedoch hier und dort weiterhin beachtet. Zum Beispiel werden in den Mönchsorden beim Tode eines Mitglieds… die heiligen Messen der Priester vom Psalmengebet der einfachen Brüder begleitet, die für ihren verstorbenen Mitbruder 50 Psalmen aufopfern.
150 Psalmen, drei Reihen von je 50: dies ist der frühe Ursprung des Rosenkranzes – 150 Ave Marias, wobei die Geheimnisse jeweils 5 “Gesetzchen” umfassen.
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Der Übergang von der Rezitation der Psalmen zum wiederholenden Beten eines einzigen Gebets erfolgte einige Zeit später, als Laienbrüder, denen es an Unterweisung fehlte, einfacherer Gebetsformen bedurften. Manche empfahlen, sie sollten einen einzelnen Vers 2606mal rezitieren (das ist Summe aller Verse aller 150 Psalmen), denselben Psalm 150mal beten, oder jeden Psalm mit einem Vaterunser ersetzen.
Im zwölften und dreizehnten Jahrhundert verschmolz die Marienfrömmigkeit mit dem Ave Maria, das man jetzt unbedingt auswendig kennen musste. Damals bestand es aus den Grüßen des hl. Erzengels Gabriel und der hl. Elisabeth, während der Name Jesu durch Papst Urban IV. gegen 1263 hinzugefügt wurde.
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Dank dem Einfluss der Zisterzienser, die es dem Volk nahebrachten, wurde das Ave Maria eine häufige Anrufung, die zusammen mit dem Vaterunser oder sogar stattdessen gebetet wurde. Ähnlich wie der Psalter wurde das Ave Maria anfänglich 50mal hintereinander gebetet, und – um der Gefahr bloß mechanischer Rezitation vorzubeugen – wie die Psalmen mit Marienantiphonen geschmückt.
So wurde aus dem Rosenkranz das „Psalmengebet Unserer Lieben Frau“, und in Frankreich nennt man ihn auch „chapelet“ (vom französischen Wort chapeau für Hut), womit man auf die Blumenkränze anspielte, mit denen Bilder der Muttergottes bedacht wurden.
Die Heilsgeheimnisse
Somit war das Gerüst des Rosenkranzes errichtet, und in diesem Gefüge gewann jene Betrachtung an Bedeutung, die sich auf die Heilstaten Christi richtete.
Das Leben Jesu war seit dem frühen Christentum Gegenstand der Betrachtung gewesen: bereits im dritten Jahrhundert verknüpften Tertullian und der hl. Cyprian die Horen des göttlichen Officiums mit dem Andenken der verschiedenen Stadien der Passion Christi.
Im Mittelalter entwickelte sich dieser Brauch und fand seinen Höhepunkt in den Predigten des hl. Bernhard von Clairvaux (gest. 1153 A.D.) über das Hohelied der Liebe, und diese Ansprachen bildeten die Grundlage für Betrachtungen des Lebens Jesu, der Verkündigung, und der Begegnung des auferstandenen Heilands mit der hl. Magdalena.
Aber es war der hl. Aelred von Rievaulx (gest. 1167 A.D.), der in seinem Werk „Leben eines Einsiedlers“ als Erster eine systematische Betrachtung anstellte, und damit der Methode des hl. Kartäusers Rudolph von Sachsen und des hl. Ignatius von Loyola vorgriff. In diesem Zusammenhang bildete das Ave Maria, das damals mit einem Lobpreis der Leibesfrucht Mariens endete – die Betrachtung des Lebens des Gottessohnes, der in der Jungfrau Fleisch annahm und von ihr geboren wurde.
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Soviel wir wissen, war es gegen 1300, als eine Reihe von Ave Marias zusammen mit einer Betrachtung der Frucht der Fleischwerdung systematisch gebetet wurde: im Zisterzienserkloster St. Thomas zu Kyll in der Gegend von Trier. Das Mariengebet wurde 100mal rezitiert, jedesmal gefolgt von einem Satz, der dazu anregen sollte, eines der Heilsgeheimnisse Christi zu betrachten: „Gegrüßest seist du Maria… und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus, …weil Er uns nach Seinem Ebenbild erschaffen hat… weil Er dich von Ewigkeit her dazu ausersehen hat, Seine Mutter zu sein….“
Ein Jahrhundert später versichert Dominikus von Preußen (gest. 1460 A.D.) vom Kartäuserkloster St. Alban in Trier in seiner Biographie, er sei der Erste gewesen, der die Betrachtungspunkte während des Rosenkranzes mitbetete. Er ist zumindest derjenige gewesen, der die Idee hatte, die Rezitation des Rosenkranzes systematisch mit der Betrachtung des Lebens Jesu zu verknüpfen, indem er das Gebet in fünfzig Teile gliederte und einen kurzen Text herausgab, der jedem Ave Maria folgen sollte.
Dominikus dehnte diese Methode auf den ganzen Marienpsalter aus und stellte drei Reihen von 50 Sätzen zusammen, welche die Kindheit, das öffentliche Leben und das Leiden unseres Herrn zum Inhalt hatten. Damit war der zweifältige Grundsatz des Rosenkranzes aufgestellt: er ist ein Mariengebet mit Christus im Mittelpunkt.
Spätere Entwicklungen
Im 14. Jahrhundert und während der darauffolgenden Jahrhunderte erfuhr der Rosenkranz verschiedene Änderungen und Zusätze, wobei mehr die Gestalt als der Grundsatz dieses Gebetes berührt wurde.
Die Aufteilung des Rosenkranzes in 10 „Gesetzchen“, zwischen denen jeweils das Vaterunser gebetet wurde, war der Beitrag von Heinrich Eger von Kalkar (gest. 1408 A.D.) eines Kartäusers aus Köln.

Ende des 15. Jh. traten die ersten Rosenkranzbruderschaften auf, deren erste 1475 in Köln gegründet wurde. Für die Dominikaner wurden sie das Werkzeug, mit dem sie den Rosenkranz in der ganzen Christenheit verbreiten sollten. Gleichzeitig wurden die vielen Betrachtungen – oder „Geheimnisse“ des Lebens Christi – auf fünfzehn festgesetzt: die Freudenreichen, die Schmerzhaften und die Glorreichen Geheimnisse.
Unter dem Einfluss der Volksfrömmigkeit wurde das Ave Maria zu einem Bittgebet erweitert und umgestaltet. In der Zeit des hl. Petrus Canisius (1521-1597) breitete sich die Anrufung „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder“ immer mehr aus. Wir finden noch andere Zusätze: „jetzt und in der Stunde unseres Todes“. Das Ave Maria erhielt seine endgültige Gestalt, als es der hl. Pius V. in das Brevier von 1568 aufnahm.
Seinen Missionsmethoden gemäß betete der hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort (1673-1716) das Credo, das Vaterunser und drei Ave Marias, bevor er mit dem eigentlichen Rosenkranz begann.
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Am 13. Juli 1917 erschien die Muttergottes in Fatima und äußerte die Bitte, nach jedem Gesätz zu beten: „O mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden, bewahre uns vor dem Feuer der Hölle, und führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen.“
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Schließlich rief Papst Johannes Paul II. ein Marienjahr aus, das vom Oktober 2002 bis zum Oktober 2003 dauerte, und schlug fünf neue Gesätze vor, in deren Mitte ganz das öffentliche Leben Jesu steht – es sind die Lichtreichen Geheimnisse: die Taufe unseres Herrn, das Wunder auf der Hochzeit zu Kana, die Verkündigung des Reiches Gottes, die Verklärung, und die Einsetzung der Heiligen Eucharistie.
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zum Rosenkranzgebet
zu Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz
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7. Oktober 2010


























Hallo Oremus,
danke für den schönen Bericht. Meine eigene Erweiterung: Man kann den Rosenkranz auch selbst thematisch sich weiterentwickeln. Eine Zeitlang habe ich täglich den aktuellen Text des Evangeliums aus dem Schott-Register über einem Gesätz zu gebetet, um so Jesu Leben noch besser kennen zu lernen, da kannte ich die 4 Geheimnisreihen schon gut. Wenn ich ein Thema intensiv vertiefen wollte, dann habe ich mir 5 Stellen aus den Evangelien zusammengesucht, z.B. Rosenkranz des Heilens, des Glaubens, der Liebe, der Prophezeiung und damit eine Novene gebetet. Das geht sehr tief und der Erkenntnisgewinn und die Chance, das Thema zu erfassen, erklärt zu bekommen und zu verstehen ist sehr groß.
Danke für diese schöne Ergänzung, Beten sollte tatsächlich nichts Statisches sein (das wird selbst durch die Entwicklungsgeschichte des Rosenkranzes gezeigt ;-) sondern sollte im guten Falle an Tiefe (Erkenntnis; Antwort; Erfüllung; Liebe…) gewinnen.
LG und GS.
Die kleine Geschichte zum Rosenkranzgebet passt mir ja super ins Konzept. Demnächst habe ich einen Vortrag zum Rosenkranzgebet zu halten, da bin ich über eine so gute Zusammenfassung sehr dankbar!
Hallo Leo,
dann nütze gerne den Text, wobei nie und nichts ohne Vorbehalt zu übernehmen ist… so habe ich mich schon selber korrigiert und die “Leuchtenden” in die “Lichtreichen Geheimnisse” richtiggestellt :-)
Gruß, Stefan
danke, stefan, so umfangreich dargestellt habe ich die Geschichte des Rosenkranzes noch nie gelesen.
Lieber Georg,
danke Dir für Dein Feedback – ich war selber überrascht, wieviel Geschichte im Rosenkranzbeten steckt!
lg, Stefan