Vor einer wunderbaren Kulisse fand heute, Samstag, die Heilige Messe in Thüringen statt. Seit dem 8. Jahrhundert hat dieser Platz Bedeutung, auf dem der Mariendom und die Severikirche in Eintracht nebeneinander stehen, nicht zu vergessen das angeschlossene Stift. Eine bewegte Kirchengeschichte ist hier anzutreffen, nicht nur in Bezug auf die letzten beiden Generationen. So ist die Severikirche im 17. Jahrhundert von schwedischen Truppen den Protestantischen zugeeignet worden, wurde aber schon einige Jahre später (1635) an die katholische Kirche zurückgegeben…
In der Messe wandte sich Benedikt XVI. ausführlich an die Kirche Ostdeutschlands. Die Diaspora der ostdeutschen katholischen Kirche kann auch als Bild der zerstreuten Gemeinden in säkularen Gesellschaften gesehen werden, so hält der Papst fest: Viele entschiedene Katholiken sind gerade in der schwierigen Situation einer äußeren Bedrängnis Christus und der Kirche treu geblieben. Sie haben persönliche Nachteile in Kauf genommen, um ihren Glauben zu leben. Hilfreich dabei ist das Miteinander: Glaube ist immer auch wesentlich Mitglauben. Dieses »mit«, ohne das es keinen persönlichen Glauben geben kann, ist die Kirche. Wir wollen, wie die Heiligen Kilian, Bonifatius, Adelar, Eoban und Elisabeth von Thüringen als Christen auf unsere Mitbürger zugehen und sie einladen, mit uns die Fülle der Frohen Botschaft zu entdecken.
Hier nun einige Zitierungen aus der Predigt des Papstes:
Wir alle sind davon überzeugt, dass die neue Freiheit geholfen hat, dem Leben der Menschen größere Würde und vielfältige neue Möglichkeiten zu eröffnen. Viele Erleichterungen dürfen wir auch seitens der Kirche dankbar hervorheben, seien es neue Möglichkeiten der pfarrlichen Aktivitäten, seien es Renovierung und Erweiterung von Kirchen und Gemeindezentren, seien es diözesane Initiativen pastoraler oder kultureller Art. Aber haben diese Möglichkeiten uns auch ein Mehr an Glauben gebracht? Ist der Wurzelgrund des Glaubens und des christlichen Lebens nicht ganz wo anders als in der gesellschaftlichen Freiheit zu suchen? Viele entschiedene Katholiken sind gerade in der schwierigen Situation einer äußeren Bedrängnis Christus und der Kirche treu geblieben. Sie haben persönliche Nachteile in Kauf genommen, um ihren Glauben zu leben.
[...] Die Gegenwart Gottes zeigt sich besonders deutlich in seinen Heiligen. Ihr Glaubenszeugnis kann uns auch heute Mut machen zu einem neuen Aufbruch. Denken wir hier vor allem an die Schutzheiligen des Bistums Erfurt: die Heiligen Elisabeth von Thüringen, Bonifatius und Kilian. Elisabeth kam aus einem fremden Land, aus Ungarn, auf die Wartburg nach Thüringen. Sie führte ein intensives Leben des Gebets, verbunden mit dem Geist der Buße und der Armut des Evangeliums. Regelmäßig stieg sie aus ihrer Burg hinab in die Stadt Eisenach, um dort persönlich Arme und Kranke zu pflegen. Ihr Leben auf dieser Erde war nur kurz – sie wurde nur vierundzwanzig Jahre alt –, aber die Frucht ihrer Heiligkeit war gewaltig. Die heilige Elisabeth wird auch von evangelischen Christen sehr geschätzt; sie kann uns allen helfen, die Fülle des überlieferten Glaubens zu entdecken und in unseren Alltag zu übersetzen.
Was haben diese Heiligen gemeinsam? Wie können wir das Besondere ihres Lebens beschreiben und für uns fruchtbar machen? Ja, die Heiligen zeigen uns, daß es möglich und gut ist, die Beziehung zu Gott radikal zu leben, sie an die erste Stelle zu setzen, nicht unter »ferner liefen«. Die Heiligen verdeutlichen uns die Tatsache, daß Gott sich uns zuerst zugewandt hat, sich uns in Jesus Christus gezeigt hat und zeigt. Christus kommt auf uns zu, er spricht jeden einzelnen an und lädt ihn ein, ihm nachzufolgen. Diese Chance haben die Heiligen genutzt, sie haben sich gleichsam von innen her ausgestreckt auf ihn – in der beständigen Zwiesprache des Gebets – und von ihm das Licht erhalten, das ihnen das wahre Leben erschließt.
Glaube ist immer auch wesentlich Mitglauben. Daß ich glauben kann, verdanke ich zunächst Gott, der sich mir zuwendet und meinen Glauben sozusagen »entzündet«. Aber ganz praktisch verdanke ich meinen Glauben auch meinen Mitmenschen, die vor mir geglaubt haben und mit mir glauben. Dieses »mit«, ohne das es keinen persönlichen Glauben geben kann, ist die Kirche. Und diese Kirche macht nicht vor Ländergrenzen halt, das zeigen uns die Nationalitäten der Heiligen, die ich vorhin genannt habe: Ungarn, England, Irland und Italien. Hier zeigt sich, wie wichtig der geistliche Austausch ist, der sich über die ganze Weltkirche erstreckt. Wenn wir uns dem ganzen Glauben in der ganzen Geschichte und dessen Bezeugung in der ganzen Kirche öffnen, dann hat der katholische Glaube auch als öffentliche Kraft in Deutschland eine Zukunft. Zugleich zeigen uns die genannten Heiligengestalten die große Fruchtbarkeit eines heiligen Lebens, dieser radikalen Liebe zu Gott und zum Nächsten. Heilige, auch wenn es nur wenige sind, verändern die Welt.
So waren die politischen Veränderungen des Jahres 1989 in eurem Land nicht nur durch das Verlangen nach Wohlstand und Reisefreiheit motiviert, sondern auch entscheidend durch die Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit. Diese Sehnsucht wurde unter anderem durch Menschen wachgehalten, die ganz im Dienst für Gott und den Nächsten standen und bereit waren, ihr Leben zu opfern. Sie und die erwähnten Heiligen geben uns Mut, die neue Situation zu nutzen. Wir wollen uns nicht in einem bloß privaten Glauben verstecken, sondern die gewonnene Freiheit verantwortlich gestalten. Wir wollen, wie die Heiligen Kilian, Bonifatius, Adelar, Eoban und Elisabeth von Thüringen als Christen auf unsere Mitbürger zugehen und sie einladen, mit uns die Fülle der Frohen Botschaft zu entdecken.
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