Die Geschichte mit dem Weihnachtsbaum

In 17 Jahren Ehe haben wir die wenigsten Weihnachten zu Hause gefeiert. Wie in vielen anderen Familien auch fordern Schwiegereltern und Eltern ihren Tribut. Letztes Jahr ist meine kleine Schwester eingesprungen, nein, einspringen kann man das nicht nennen: Da der gastgebende Elternteil gerade von einer Operation genesen sollte, hat Schwesterlein die Initiative ergriffen und ein ganz wunderbares Weihnachtsfest um ihre vier Kinder herum – und für uns alle – auf die Beine gestellt, wir danken Dir dafür!

Dieses Jahr ist es endlich soweit: Weihnachten im eigenen Heim! Meine Frau Manuela freut sich ganz besonders darauf: Es ist eine wundervolle Gelegenheit, dem Glauben und dem Kind in der Krippe, aber auch den Lieben der Familie eine Feier zu bereiten – und die Vorfreude hat auch mich gepackt!

Neben vielen anderen Vorbereitungen ist das Organisieren des Weihnachtsbaums eine nicht unwesentliche Angelegenheit; meine Frau wusste schnell, wo es die schönsten, größten und prächtigsten Nordmanntannen gibt, die man noch bezahlen kann – also kein Problem. Es folgte der erste Besuch auf dem Markt, mit dem Ergebnis, dass ausgerechnet dieses Jahr – Markt auf, Markt ab – eben keine passende Tanne zu finden ist.

Ein langsam unruhiger werdendes Nachdenken setzt ein. Wo jetzt noch einen so prachtvollen Baum herbekommen, wie ihn Herr Putz in der Vergangenheit auf seinem Markt immer hatte? Als die Unruhe in eine veritable Vorweihnachtskrise zu kippen droht, spreche ich ein klares Wort: „Wir gehen nochmal zum Herrn Putz, wir werden doch noch fündig werden!“ Bald versichert mir meine Frau, dass wir von den kleineren Bäumen auch einen sehr schönen nehmen können, und macht sich am nächsten Morgen auf den Weg.

Weihnachtsbaum mit Engel

Siehe da, eine passende Tanne wird gefunden, und Herr Putz will den Baum sogar prompt zustellen! Ein Tag vergeht, ein weiterer Tag und Abend vergehen – aber kein Baum in Sicht! Manuela bemüht sich nochmals zum Markt, um persönlich für die Anlieferung zu sorgen. Doch Herr Putz ist nicht da! Und sein Angestellter bringt nur die vage Zusage über die Lippen, dass die Tanne eh noch geliefert wird, vermutlich.

Feuer am Dach! Meine Frau überlegt, was zu tun ist. Kurz und bündig erklärt sie dem Arbeiter, dass es jetzt genug sei, und sie den Baum selbst nach Hause trage! Kaum hat sie die Straße überquert, merkt sie, dass ihr rechter Fuß nicht wirklich will; der seit Monaten mit großen Beschwerden verbundene Fersensporn meldet sich mit stechenden Schmerzen. Was nun?

Soll sie – besser gesagt – muss sie den mühsam erkämpften Weihnachtsbaum wieder zum Markt zurücktragen? Wie soll der Baum trocknen, wenn Mann und Sohn ihn erst später holen können, und was, wenn der ganze, knappe Zeitplan über den Haufen geworfen wird?

Eine freundliche, tiefe Stimme macht sich plötzlich bemerkbar: „Wohin woll’n Sie denn mit dem Baum?“ – „Ah, ja, runter in die Bachgasse muss ich…“ – „Kommen’s, ich trag’ Ihnen den Baum!“ Gesagt, getan, der kräftige, jugendlich wirkende Mann mit dem wettergegerbten Gesicht schultert die Tanne, und marschiert los.

„Wissen’s, auch wenn diese Bäume nicht sehr groß sind, haben’s doch ein Gewicht. Die werden extra gezüchtet, daher der dicke Stamm – und das Gewicht! Wenn’s unsere Tannen im Wald anschauen, das sind Zeiserln im Vergleich!“ – „Sie kennen sich aber aus! Was machen Sie denn beruflich?“ – „Ach, ich bin viel zu Fuß unterwegs, im Jahr geh’ ich kilometermäßig Wien-Paris und retour… Ein Hirte bin ich! Und wenig später befindet sich der Weihnachtsbaum endlich dort, wo er hinkommen soll: Zu Hause.

Weihnachten?! Weihnachtsbaum?! Ein Hirte?! Was auch immer die Leser glauben mögen, für uns gibt es keinen Zweifel. Gar keinen. Nicht den leisesten. Denn es ist wieder einmal so weit: Er ist der gute Hirte und Herr.

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