Hl. Josef der Arbeiter – mobil, bescheiden und familienorientiert

Auf den 1.Mai legte Pius XII. im Jahr 1955 den Gedenktag für Josef, den Arbeiter. Er fügt dem Weltarbeitertag das “christliche Plus” hinzu, das die Würde der Arbeit und den sozialen Frieden einmahnt. Mit diesem Gedenken am 1.Mai wird der weltliche Feiertag mit dem Nährvater Christi in Verbindung gebracht, wobei wir uns fragen dürfen, wie der biblische Mann heute positioniert werden kann.

Die Verehrung des Heiligen Josef hat an Bedeutung verloren. Wen wundert es? Ein schweigsamer Mann, der beruflich nicht viel von sich reden machte, ohne Reichtum und sonderliche Geltung. Wie also sollte man diese gewaltige Gestalt des Glaubens heute noch kennen? Dementsprechend ist sein Taufname außer Gebrauch gekommen, Lieder zu seiner Verehrung singt man kaum mehr.

In den Zeiten, als die Litanei vom heiligen Josef gerne gebetet wurde, galt dieser Psalmvers dem heiligen Josef, ein Zeichen, dass man seine „spirituelle Geltung“ sehr zu schätzen wusste: „Er bestellte ihn zum Herrn über sein Haus, zum Gebieter über seinen ganzen Besitz“ (Ps 105,21). Von Jesus sind uns glücklicherweise viele Worte überliefert, manche Worte Mariens, vom heiligen Josef ist uns ein einziges Wort bekannt; bei der Namensgebung am achten Tag nach der Geburt hatte er als gesetzlicher Vater den Namen des Neugeborenen zu sagen: „Jesus“. Doch der unbedingte Glaube ist nicht auf Worte angewiesen. Der Glaube lebt im Gehorsam, damals wie heute. Was aber macht den arbeitenden Menschen von heute aus?

Mobilität

In der gegenwärtigen Gesellschaft ist Mobilität ein hohes Gut, und im Arbeitsleben ist sie äußerst gefragt. Wer könnte das besser verstehen, als der Heilige Josef? Wenn sie auch nicht beruflich bedingt war, so wissen wir doch um sein Höchstmaß an Mobilität. Josef „stand auf, nahm das Kind und seine Mutter und zog nach Ägypten“ (Mt 2,14). Und wieder stand er auf, „nahm das Kind und seine Mutter und zog in das Land Israel“ (Mt 2,21.)

Familie

Unsere Zeit wird eines Tages als besonders grausam eingestuft werden: Neben zahlreichen Kriegsschauplätzen, Finanzspekulationen und Waffengeschäften, alles nichts neues, hat sich in der westlichen Welt eine zusätzliche gesellschaftliche Realität entwickelt. Vielleicht sollte man diese Entwicklung den “kollektiven Mord an der Familie” nennen: Die zur gesellschaftlichen Selbstverständlichkeit gewordenen Abtreibungen lassen uns von einer Kultur des Todes sprechen, grenzenlose Egozentrismen spiegeln sich in den Scheidungsraten wider, und eine vielleicht noch nie dagewesene Verachtung neuen Lebens zeigt sich nicht nur im Geschäft mit der Abtreibung, sondern auch in der hohen Zahl an Singlehaushalten, sowie in zahllosen Partnerschaften ohne Kinder. Wie anders hat sich der Heilige Josef verhalten! „Josef stand auf und tat, wie ihm der Engel des Herrn geboten hatte und nahm Maria zu sich“ (Mt 1,24).

Bescheidenheit

Was haben Boxing-Day-shoppers, Finanzhaie und Google/FB gemeinsam? Es ist eine in ihren Dimensionen kaum zu erfassende Gier. Da brauchen wir uns nicht auf die Großen und Mächtigen ausreden, die “Ich bin doch nicht blöd”-Haltung ist absolut gesellschaftsfähig, wer sie nicht befolgt, ist in unseren Gesellschaften schnell unten durch: Kollektive Politikerbeschimpfung, Vergabe oder Betreiben von Schwarzarbeit, Anfütterung (Geschenkannahme), Steuerhinterziehung – und die Liste ließe sich beliebig verlängern. Wie anders ist der Heilige Josef in seinem Leben vorgegangen! Spielregeln und Verpflichtungen, die im Zusammenleben gefordert sind oder der Gesellschaft nützen, sind einzuhalten, ohne wenn und aber. Josef „zog … hinauf nach Judäa …, um sich eintragen zu lassen“ (Lk 2,4 f).

Kirchliche Würdigung

Sehr alte Darstellungen zeigen, dass die Kirche die Person Josefs und seine Würde besonders in Ehren gehalten hat; schon in Heiligenverzeichnissen des ersten Jahrtausends findet sich sein Name. Im christlichen Osten gab es ihm zu Ehren Festtage und gottesdienstliche Gesänge. Im Abendland machten sich besonders der hl. Franz von Sales und die hl. Theresia um seine Verehrung verdient.

Schließlich verfügte Benedikt XIII. die Einfügung des heiligen Josef in die Allerheiligenlitanei, nachdem schon Gregor XV. 1621 das Fest am 19. März zum gebotenen (inzwischen wieder weithin aufgehobenen) allgemeinen Feiertag erhoben hatte. Pius IX. proklamierte ihn 1870 zum Schutzpatron der gesamten Kirche. So konnte das gläubige Volk voll Zuversicht auf seine Fürsprache den heiligen Josef als Vorbild starken Glaubens und Gottvertrauens wie als Vorbild der Herzensreinheit verehren, als Mann der Arbeit und als Patron der Sterbenden wie als den Schutzherrn der ganzen Kirche.

Josef, der Fürsprecher

Schutzherr der Kirche: Ist das nicht zeitgemäß und besonders aktuell? Sollte sich das gläubige Volk (und seine [un]gehorsamen Priester) nicht wieder in all den Sorgen des Alltags und den Problemen der Kirche an ihn wenden, ihn um seine Fürsprache bitten? Josef hat zum Abschluss der Erscheinungen in Fatima zwar kein Wort gesprochen, mit Jesus und Maria das Volk aber gesegnet. Er schweigt auch heute noch – so wie damals. Vergessen wir vor allem nicht: Er wirkt auch heute noch – so wie damals.

Wenig bekannt dürfte sein, daß Kaiser Leopold I. die habsburgischen Länder dem heiligen Josef geweiht und sich für die Geburt seines Sohnes Josef in besonderer Weise bedankt hat. Der Besucher von Mariazell sieht auf der Gnadenkapelle in der Mitte den heiligen Josef, flankiert von Joachim und Anna, den Eltern Mariens.

*

Gebet zum Heiligen Josef

Mit Bernhardin von Siena (+ 1444) können wir – auch in Hinblick auf den Marienmonat Mai – beten:

So denke denn an uns, heiliger Josef,
und tritt mit deiner Fürbitte beim Herrn ein,
der für deinen Sohn gehalten wurde.
Mach uns auch deine heilige Braut geneigt,
die Mutter dessen, der mit dem Vater
und dem Heiligen Geist lebt und herrscht
durch endlose Ewigkeit.
Amen.

***

+

Wir freuen uns über deinen Beitrag:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: