Christi Himmelfahrt und der Auftrag zur Evangelisation

Vierzig Tage nach Ostern feiern wir Christi Himmelfahrt. Der Auferstandene, der vierzig Tage lang seinen Jüngerinnen und Jüngern erschienen war, dessen verklärter Leib schon auf Seine Erhöhung zu Gott hingedeutet hatte, der Seine Auffahrt selbst ankündigte („Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott“, Joh 20, 17), Er ist nun ganz bei Gott. Er sitzt „zur Rechten Gottes“, wie wir es im Apostolischen Glaubensbekenntnis beten.

DER MENSCHGEWORDENE GOTT FÄHRT AUF

Mit dem Heimgang des Sohnes zum Vater endet die irdische Mission Jesu. Der menschgewordene Gott, der greifbare Jesus ist nicht mehr in der konkreten körperlichen Weise präsent, der historisch für alle merkliche Einschnitt, der eine neue Zeitrechnung beginnen ließ, nicht mehr unmittelbar nachzuvollziehen. Das Thomas-Thema der Wahrnehmbarkeit des Göttlichen ist von nun an der Begleiter jedes Menschen in der Nachfolge Jesu.

EINE NEUE ZEIT IM HEILIGEN GEIST

Mit dem Heimgang des Sohnes zum Vater endet die irdische Mission Gottes aber noch lange nicht. Denn wenn wir Christi Himmelfahrt feiern, so sind es nur noch zehn Tage bis Pfingsten. Mit dem Pfingstereignis beginnt eine neue Zeit, in der die Kirche, gelenkt vom Heiligen Geist, das Erbe Christi verwaltet und in ihren Sakramenten Gottes Liebe zu den Menschen zeichenhaft ausdrückt.

DIE MENSCHHEIT AUF DEM WEG ZU GOTT

Christi Himmelfahrt ist also nicht der endgültige Abgang Jesu, dem wir wehmütig hinterher schauen, weil er uns verlässt, ja, weil er uns im Stich ließe, sondern der Heimgang Jesu, mit dem Er die Voraussetzung für den nächsten Schritt der Gemeinschaft des Dreifaltigen Gottes mit dem Menschen schafft, denn indem Jesus Seine Menschheit mit zum Vater nimmt, kann die Menschheit insgesamt zu Gott gelangen. Dieses Projekt beginnt zehn Tage später, an Pfingsten, mit dem Aufbau der Kirche Jesu Christi durch den Heiligen Geist.

EVANGELISATION ALS IMMERWÄHRENDES GEBOT

So soll die Kirche, das ist Gottes Wille, nicht staunend stehen bleiben und gen Himmel starren, sondern in die Welt hinaus gehen und in der Kraft des Heiligen Geistes die Botschaft des heimgegangenen Sohnes verkündigen, der die Wahrheit des Vaters zu den Menschen brachte. Damit auch heute Menschen Anteil haben an diesem Neuen Bund zwischen Gott und Mensch, soll die Kirche sie unterweisen und taufen – im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. An diesem Auftrag hat sich auch 2000 Jahre später nichts geändert.

(Josef Bordat)

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