Gestern haben wir uns (siehe >>> DER GEIST) gefragt, was “Geist” eigentlich ist. Die Ausführungen von Frank Sheed waren uns dabei sehr behilflich, und auch heute werden wir den Autor bemühen, uns den “unendlichen Geist”, also Gott, etwas näher zu bringen.*
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DER UNENDLICHE GEIST
Wir wissen, dass Gott kein alter Mann mit Bart ist. Wir wissen auch, dass das etwas komplettere Bild eines alten Mannes mit langem Bart, eines jungen Mannes mit kürzerem Bart, und einer weißen Taube keine Ähnlichkeit mit der Allerheiligsten Dreifaltigkeit hat. Aber diese Bilder loszuwerden, hat nur dann einen Sinn, wenn wir an ihre Stelle eine treffendere Gottesvorstellung setzen.
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Gott ist unendlicher Geist
GOTT ist Geist. Wenn wir uns eine Vorstellung von ihm machen wollen, dann fangen wir damit an, unseren Körper wegzudenken, und unsere Seele körperlos existieren und wirken zu sehen; sie ist ungeteilt, raumlos, unsterblich; sie erkennt, liebt, entscheidet und handelt. Alle diese Dinge treffen auch auf Gott zu. Aber unsere Seele ist nicht Gott gleich, sie ist nur sein Ebenbild. Denn Gott ist unendlich, wir nicht.
In Gott gibt es nicht so etwas wie ein Ende, Gott ist ohne Grenze oder Schranke oder Ende. Welche Vollkommenheit auch immer es geben mag, Gott besitzt sie ganz und gar. Wenden wir diesen Begriff von Grenze auf unsere eigene Seele an: Sie weiß einiges, aber das sind bloße Tropfen in dem Ozean des Nichtwissens; ihr Wissen ist begrenzt. So steht es auch um ihre Liebe. So steht es um ihre Macht. Keine dieser Grenzen findet sich in Gott: ER ist all-wissend, all-liebend, all-mächtig.
Betrachten wir noch den größten aller Unterschiede: nämlich dass unsere Seele ihre Existenz Gott verdankt. Er rief sie ins Dasein, erhält sie, kann sie zunichte machen – aber er versprach uns, es nicht zu tun. Seine eigene Existenz nicht festhalten zu können, das ist die einschränkendste Einschränkung, die sich denken lässt; sie macht den größten Unterschied aus zwischen dem endlichen Geist, der unsere Seele ist, und dem unendlichen Geist, der Gott ist.
Es gibt die beliebte Frage von Atheisten, die da lautet: “Wer schuf Gott?” Jeder Philosophiestudent hat diese Frage schon einmal gehört, und jeder weiß, dass es ein Wesen geben muss, das es nicht nötig hat, geschaffen zu werden. Wenn nichts da wäre außer Empfängern von Dasein – woher sollte das Dasein dann kommen? Damit überhaupt etwas da sein kann, muss es ein Wesen geben, das es nicht nötig hat, Dasein zu empfangen, ein Wesen, welches Dasein einfach hat.
Gott kann allen anderen Wesen Dasein verleihen, eben deswegen, weil es ihm nicht verliehen wurde. Es ist seine Natur, da zu sein, zu existieren. Gott kann nicht Dasein empfangen, weil er Dasein ist.
Jetzt verstehen wir den Namen, den Gott sich selber gab. Das wird im dritten Kapitel des Buches Exodus berichtet. Gott war dem Moses im brennenden Dornbusch erschienen. Als Moses ihn nach seinem Namen gefragt, sagte Gott: “Ich bin, der Ich bin. Das sollst du den Kindern Israels sagen: Der ist, hat mich zu euch gesandt” (EX 3,14). Das hebräische Wort für “ich bin” ist Jahwe. Die Juden vermieden es aus Ehrfurcht, Gottesnamen voll auszuschreiben; sie schrieben nur die Konsonanten JHVH.
Das ist die erste Wahrheit über Gott. ER ist, er ist da, mit allem was Dasein in Fülle bedeuten kann.

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Gott ist allgegenwärtig und ewig
“Wo war Gott, bevor die Welt erschaffen wurde?”, mag uns ein ungläubiger Freund fragen. Genau genommen sind das zwei Fragen: wo war Gott, als es noch kein WO gab – und wo war Gott, als es noch kein WANN gab. Darauf können wir antworten, dass die Worte “wo” und “wann” zu Gott überhaupt keine Beziehung haben. “Wo” bedeutet – an welchem Ort, an welchem Punkt im Raum? Aber Gott ist Geist, und ein Geist nimmt keinen Raum ein. Nun sagen wir auch gerne, Gott sei überall. Wie kann er überall sein, wenn er gar nicht im Raum ist?
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