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Mündliches Gebet, Betrachtung und Beschauung
Teresa von Avila führt uns durch die klassische Einteilung des Gebetes in oratio (mündliches Gebet), meditatio (Betrachtung) und contemplatio (Beschauung), die auf die Lektüre der Kirchenväter zurückgeht. In ihrer Gebetslehre geht sie nur an wenigen Stellen auf das mündliche und liturgische Gebet ein, sondern möchte uns vor allem das innere Gebet erschließen, die sogenannte oratio mentalis.
Das innere Gebet als tiefe, liebende Begegnung
Die Bezeichnung oratio mentalis im Sinne des inneren Gebetes meint daher eine Gebetsweise, die alle deine Seelenvermögen einschließt und dabei von deinem tiefsten Inneren ausgeht: Dieses “seelische” Gebet kann einem mündlichen Gebet vorangehen, oder das eigentliche Gebet im Rahmen einer Meditation sein.
Dabei versteht Teresa unter diesem inneren Gebet nicht nur das wortlose, stille Gebet, das die Betrachtung (meditatio) umfasst, sondern vielmehr das innere Bewusstsein, die wache und liebende Aufmerksamkeit, mit der wir uns Gott zuwenden und die das Gebet erst zu einem wahrhaften Gebet, zu einer Begegnung mit Gott, werden lässt.
“Wollt ihr jedoch mit Gott sprechen, wie es sich für einen so großen Schöpfer geziemt, müsst ihr wohl bedenken, zu wem ihr redet und wer ihr seid. (…) Ja, wenn ihr vor ihn hintretet, so bedenkt und begreift, mit wem ihr nun sprechen wollt! Erwägt und erkennt, vor wem ihr steht!” (Camino 25,1)
Das Herz für Gott öffnen!
Teresa von Avila bestärkt uns, dass jede Gebetsform das Herz für Gott öffnen und seiner Gegenwart und seiner Gnadenwirkung im Menschen Raum geben soll. “Während ihr das Vaterunser oder ein anderes mündliches Gebet sprecht, ist es durchaus möglich, dass der Herr euch in vollkommene Beschauung (contemplatio) versetzt.” (Camino 25,1) Indem Teresa die Notwendigkeit des mündlichen, liturgischen und inneren Gebets gleichermaßen hervorhebt, beugt sie Verunsicherungen vor, und stellt darüber hinaus Unterscheidungskriterien auf, an denen sich jedes Gebet als “echt” zu erweisen hat.
Wann ist ein Gebet authentisch und wahr?
“Betrachtung oder meditatio nenne ich ein langes Nachsinnen mit dem Verstand, das folgendermaßen vor sich geht: Wir beginnen an die Gnade zu denken, die uns Gott erwies, indem er uns seinen einzigen Sohn gab, und bleiben dabei nicht stehen, sondern gehen weiter zu den Geheimnissen seines ganzen glorreichen Lebens; oder wir beginnen beim Gebet am Ölberg, und der Verstand hält nicht inne, bis er ans Kreuz gelangt ist; oder wir wählen einen Ausschnitt der Leidensgeschichte, etwa die Gefangennahme, und dringen in dieses Geheimnis ein, indem wir genau die einzelnen Erscheinungen betrachten, die es da zu bedenken oder zu empfinden gibt.” (VI. Wohnung 7,10)
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Diese mit dem Verstand vollzogene Schriftbetrachtung ist von der Beschauung oder contemplatio zu unterscheiden, die dem Menschen intuitiv als gänzlich unverdientes Gnadengeschenk zuteil wird. Die Initiative bei den übernatürlichen Gebetsformen der Beschauung geht allein von Gott aus, und ist durch keinerlei Gebetstechniken “produzierbar”. Gott wirkt dabei unmittelbar auf den Menschen ein und lässt ihn seine Gegenwart als eingegossenes Licht oder eingegossene Weisheit erfahren. (Camino 6,9) Die Gnade der Beschauung wird Menschen zuteil, die durch ein gottgefälliges Leben darauf vorbereitet sind. Aber Gott bedient sich dieses außerordentlichen Weges auch, um Menschen zur Umkehr zu bewegen!
“Sagt man einem Wanderer, er sei vom Weg abgekommen und habe sich verirrt, treibt man ihn dadurch hin und her, und durch das lange Suchen nach dem richtigen Weg ermüdet er, verliert Zeit und gelangt erst später zum Ziel. Wer könnte es wohl als schlecht empfinden, wenn man sich zu Beginn des Stundengebets oder des Rosenkranzes erst darauf besinnt, mit wem man nun spricht und wer man selbst ist, um zu wissen, wie man ihm begegnen muss? (…) Wenn ihr alle Nötige tut, um diese beiden Punkte in aller Tiefe zu erfassen, habt ihr schon vor Beginn des mündlichen Gebets lange Zeit in innerem Gebet verbracht!” (Camino 22,3)
(Den gesamten Beitrag zur “Lehre des Betens nach Teresa von Avila” findest du hier.)
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Vorbereitung zu Gebet und Schriftbetrachtung+
Mein Herr und Gott, ich bitte Dich,
gewähre mir hier und heute die Gnade,
dass mein Verweilen und Betrachten dazu führt,
Dir zu danken, Dich zu ehren,
und Dich, meinen Gott, an mir teilhaben zu lassen.Herr, Du allein weißt, wie mein Leben gelingen kann;
lass mich meine Schritte in Freiheit und Gehorsam dorthin setzen,
wo Dein Wille und mein täglicher Weg eins werden.Herr, hilf mir alles loszulassen,
was mich davon abhält, Dir zu begegnen
und mich von Deinem Geist leiten zu lassen.Nicht nur Freude und Trost,
sondern Dich, meinen Schöpfer, will ich suchen.
Mein Herr und Gott, öffne mich jetzt,
dass ich alle meine Sinne auf Dich ausrichte,
damit ich höre, sehe, schmecke und empfinde,
was Du mir heute sagen willst.
Amen.
(aus den ignatianischen Exerzitien des Blogbetreibers)
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Ich bin im Begriff bei der Franziskanischen Gemeinschaft Postulantin zu werden und finde diesen Impuls zum Meditationsbeginn sehr hilfreich.
Vielen Dank, Renate, für deine Zeilen.
Es steckt unter anderem etwas jesuitisches und etwas zisterziensisches in diesem Gebet. Das Element der letztgenannten Spiritualität ist rasch erkannt, wenn man daran denkt, wie dankbar die Zisterzienser alle Sinne zur Anbetung und Erkenntnis Gottes eingesetzt haben…
Für deinen Weg bei der Franziskanischen Gemeinschaft wünsche ich dir den besonders reichen Segen Gottes!
Im Gebet verbunden!