Zeit zu beten – Dialog durch Gebete

Beten, katholische Gebete, christliche Spiritualität, Online Gebetskreis, Jesus Christus, Gottesmutter Maria

Vatikan


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Benedikt XVI.: Vor der Regensburger gab es die Kölner Ansprache

Mehr als ein Jahr vor seiner vieldiskutierten Vorlesung in der Aula Magna der Universität Regensburg vom 12. September 2006 hielt Papst Benedikt XVI. eine Ansprache in der Synagoge von Köln. Der nachfolgend zitierte Ausschnitt wird von Evangelium Tag für Tag als Kommentar des heutigen Evangeliums (Mt 5,17-19) verstanden:

Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen. Amen, das sage ich euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist. Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hält und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich.

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Papst Benedikt XVI. zum Abschied – ein persönliches Zeugnis (2/2)

Benedikt XVI Gaudete

Mein Papst des Herzens

Die „Tür des Glaubens“ kann dadurch aufgestoßen werden, dass man durch eine Schule der Pilgerschaft geht, und den Weg der Treue zu Gott entdeckt: So beschreibt es der erste Teil dieses Zeugnisses. An großen Themen (Pilgerschaft, Treue, Wahrheit und Jüngerschaft) kann und will ich mich nicht allein mit eigenen Worten messen, weshalb die zitierten Predigtworte von Papst Benedikt XVI. die eigentliche Botschaft darstellen. Diese Worte des Papstes haben schließlich auch mein Herz erreicht, und dafür danke ich “meinem” Papst des Herzens!

Auch der zweite Teil dieses persönlichen Zeugnisses berichtet von einer Heiligen Messe mit dem Papst, die mein Glaubensleben verändert hat. Die Predigt des Papstes bei seinem letzten Besuch des Wallfahrtsortes  Mariazell (Österreich) eröffnet mir bis heute Wege und Lichtblicke: Für meinen Glauben an die Liebe des dreifaltigen Gottes und die Gnade der Gottesmutter Maria.

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Rufer nach Wahrheit

Die Liebe, die Gott von uns erwartet, spricht die Treue und Beständigkeit in unserem Glauben und Tun an. Das verlangt viel Kraft von uns, so heißt es in den Worten von Schwester Faustyna: “Du Geist Gottes, Geist der Liebe und des Erbarmens / der du in mein Herz den Balsam des Vertrauens eingießt / Deine Gnade erhalte meine Seele im Guten / Und gebe ihr eine unbesiegbare Kraft: die Beständigkeit!” Der Geist Gottes ist auch jetzt zu spüren, und Papst Benedikt XVI. findet die schlichten, die überzeugenden Worte, die mich an diesem Samstag Vormittag erreichen.

[Alle violett zitierten Passagen stammen aus der Predigt von Benedikt XVI. am 8.9.2007 in Mariazell]

Sicher, es gibt viele große Persönlichkeiten in der Geschichte, die schöne und bewegende Gotteserfahrungen gemacht haben. Aber es bleiben menschliche Erfahrungen mit ihrer menschlichen Begrenztheit. Nur ER ist Gott, und nur ER ist daher die Brücke, die Gott und Mensch wirklich zueinander kommen läßt. Wenn wir Christen ihn daher den einzigen für alle gültigen Heilsmittler nennen, der alle angeht und dessen alle letztlich bedürfen, so ist dies keine Verachtung der anderen Religionen und keine hochmütige Absolutsetzung unseres eigenen Denkens, sondern es ist das Ergriffensein von dem, der uns angerührt und uns beschenkt hat, damit wir auch andere beschenken können. In der Tat setzt sich unser Glaube entschieden der Resignation entgegen, die den Menschen als der Wahrheit unfähig ansieht – sie sei zu groß für ihn.

Ja, du bist ein heiliger Vater für mich, Papst Benedikt, und du zeigst mir den Weg zum wahren und einzigen Vater. Weiterlesen →

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Papst Benedikt XVI. zum Abschied – ein persönliches Zeugnis (1/2)

Benedikt XVI - mit Kind

Ein Petrus, der in seiner Schlichtheit überzeugt

Die „Tür des Glaubens“ (vgl. Apg 14,27), die in das Leben der Gemeinschaft mit Gott führt und das Eintreten in seine Kirche erlaubt, steht uns immer offen. Es ist möglich, diese Schwelle zu überschreiten, wenn das Wort Gottes verkündet wird und das Herz sich durch die verwandelnde Gnade formen läßt – so heißt es im Apostolischen Schreiben PORTA FIDEI von Benedikt XVI. zum Jahr des Glaubens.

Beim Lesen dieses Dokumentes denke ich an die selbst erlebte Glaubensgeschichte und ein Vorhaben, das nun endlich umgesetzt ist. Ein persönliches Zeugnis von einer Heiligen Messe mit dem Papst, die mein Glaubensleben verändert hat: Diese Heilige Messe mit Benedikt XVI. bei seinem letzten Besuch des Wallfahrtsortes Mariazell hat eine Tür aufgestoßen, die mir bis heute Wege und Lichtblicke eröffnet!

Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen  […] Wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden (Joh 10,7;9).

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Die Basilika von Mariazell rückt langsam näher

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Ein Lehrer der Pilgerschaft

Am Ende werde ich tiefer glauben. Die Treue Gottes, die Wahrheit Christi, und die Rolle Mariens haben mich auf diesem kleinen Weg erfüllt wie selten zuvor.

Aber der Reihe nach. Es ist Samstag, 8. September 2007, etwa 2 Uhr 30 nachts: Warum schaue ich mir den Papstbesuch nicht in aller Ruhe via TV-Übertragungen an, dabei lässt sich doch viel besser beobachten und reflektieren! Will ich wirklich aufstehen und mir die Pilgerfahrt tatsächlich antun?

Alle anderen Familienmitglieder verhalten sich laut Absprache: meine Frau Manuela ist forsch und flott aufgestanden, und auch der 11-jährige Sohn Gregor kommt schon gähnend aus den Federn. Was ist denn das für ein väterliches Vorbild, ausgerechnet jetzt zu kneifen: Steh endlich auf, Papa!

Der Aufbruch zum christlichen Glauben, der Anfang der Kirche Jesu Christi, ist möglich geworden, weil es in Israel Menschen des suchenden Herzens gab – Menschen, die sich nicht in der Gewohnheit einhausten, sondern nach Größerem Ausschau hielten: Zacharias, Elisabeth, Simeon, Anna, Maria und Josef, die Zwölf und viele andere. Weil ihr Herz wartete, konnten sie in Jesus den erkennen, den Gott gesandt hatte, und so zum Anfang seiner weltweiten Familie werden.

[Alle violett zitierten Passagen stammen aus der Predigt von Benedikt XVI. am 8.9.2007 in Mariazell]

Gut, dass man zu dieser Zeit noch wenig vom nasskalten Wetter dieses Wochenendes spürt, aber eine halbe Stunde später stapfen wir mit Regenpelerinen und Rucksäcken bewaffnet zum Bus, der uns in einer etwa 3-stündigen Fahrt zusammen mit Pilgern aus dem Süden Wiens nach Mariazell bringen wird.

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Papst Benedikt XVI. – ein lange geplanter Rücktritt

Benedikt Fatima

Der Papst hat nach Angaben des vatikanischen Blattes “L’Osservatore Romano” schon vor “vielen Monaten” seinen Rücktrittsbeschluss ergriffen. Seine Entscheidung habe er nach den Reisen in Mexiko und Kuba im März 2012 gefasst, schrieb der Chefredakteur von “L’Osservatore Romano”, Gian Maria Vian

Einschätzung durch Gian Maria Vian

Vian bezeichnet den Beschluss des Papstes als “präzedenzlos”.

Benedikt hat mit der Klarheit, die ihn kennzeichnet, mitgeteilt, dass seine Kräfte wegen des Alters nicht mehr angemessen sind, um seine Aufgaben zu erfüllen. Deswegen und nur deswegen hat der Pontifex in vollem Bewusstsein seiner Geste und in voller Freiheit auf das Ministerium verzichtet, das ihm am 19. April 2005 anvertraut worden war. Benedikts Worte bezeugen auf transparente Weise den Respekt für die Bedingungen, die das Kirchenrecht für die Demission von einem Amt vorsieht, das weltweit ohne gleichen ist.

Ein Rücktritt nach dem Willen Gottes

Der vorbereitete Rückzug von Benedikt XVI. steht dem sehr deutlich entgegen, was manch eiliger Kommentator (u.a. der Journalist und “Kirchenexperte” H.Feichtlbauer) schon als Vorwurf formuliert hat: Weiterlesen →

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Papst Benedikt XVI., Theologe und Staatsmann

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Im Blick auf sein über 7 Jahre währendes Pontifikat denken viele an die theologische, spirituelle, und ausgeprägt eucharistische Ausrichtung von Benedikt XVI. Darüber wird noch viel gesprochen werden, aber es gibt auch eine Seite des Papstes, die im Rückblick die verdiente Aufmerksamkeit erfahren wird: Benedikt XVI. als Staatsmann.

In seinen ersten Stellungnahmen zum Rücktritt von Papst Benedikt XVI. hat Kardinal Christoph Schönborn an eine der ganz großen Reden des Papstes erinnert, 2010 in Westminster Hall: Eine staatsmännische Ansprache im besonderen Sinn. Am Ende der apostolischen Reise fand Vatikansprecher Federico Lombardi folgende Worte:

„Für mich war besonders die Rede des Papstes in der Westminster Hall sehr bewegend. Eine so tiefe, ungeteilte Aufmerksamkeit festzustellen bei so verschiedenen Vertretern einer multikulturellen und auch säkularisierten Gesellschaft, der aber die Bedeutung der Werte bewußt ist – das hat mich sehr berührt.“

Selten wurde das Zusammenspiel von Staat und Religion, von Bürgerrecht und Religionsfreiheit so deutlich herausgearbeitet. Naturrecht und Religion stehen einem gesellschaftlichen „Mangel an soliden ethischen Grundlagen“ gegenüber, da brauche es die „korrigierende Rolle der Religion gegenüber der Vernunft“. Ist dies nicht gegeben, komme es zur Missachtung von Menschenrechten:
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Papst Benedikt XVI. tritt zurück – ein Überblick

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PAPST BENEDIKT XVI. TRITT ZURÜCK

Der 11. Februar 2013 ist ein Datum für die Geschichtsbücher: Zum zweiten Mal überhaupt in der Geschichte der katholischen Kirche, und zum ersten Mal aus freien Stücken (actus plena libertate), verzichtet ein Papst auf die Fortführung seines Amtes.

Im Gespräch mit Peter Seewald hatte Benedikt XVI. bereits die Umstände eines päpstlichen Rücktritts skizziert:

Wenn ein Papst zur klaren Erkenntnis kommt, dass er physisch, psychisch und geistig den Auftrag seines Amtes nicht mehr bewältigen kann, dann hat er ein Recht und unter Umständen auch eine Pflicht, zurückzutreten.

(Benedikt XVI. im Gespräch mit Peter Seewald, in: Licht der Welt, S. 47)

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Papst Benedikt XVI.

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Die Erklärung des Papstes im Wortlaut:

Liebe Mitbrüder!

Ich habe euch zu diesem Konsistorium nicht nur wegen drei Heiligsprechungen zusammengerufen, sondern auch um euch eine Entscheidung von großer Wichtigkeit für das Leben der Kirche mitzuteilen. Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewißheit gelangt, daß meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben.

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Alles Gute zum Geburtstag, Papst Benedikt!

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Heiliger Vater,

zu Ihrem 85. Geburtstag wünsche ich Ihnen von Herzen alles Gute und Gottes reichsten Segen!

Vor wenigen Jahren haben Sie Mariazell, nur 2 Stunden von meinem Heimatort entfernt, besucht. Ihre Botschaft “Mit Maria auf Jesus schauen” – trägt mich bis heute; ich bin Ihnen sehr dankbar dafür!

Ihre Reden und Katechesen bergen große Schätze, die uns noch lange beschäftigen werden. Besonders Ihre Katechesen zum Theme “Beten” sind so wichtig in einer Zeit, die den Dialog mit Gott immer weniger sucht. Es ist mir eine große Freude, diese Schätze zu bestimmten Gelegenheiten hervorzuholen und an möglichst viele Menschen weiterzugeben!

Oremus pro beatissimo Papa nostro Benedicto!

Gerne schließe ich meinem Bloggerkollegen Josef Bordat an, wenn er schreibt:
Bleiben Sie noch viele Jahre dieser Wegweiser, bleiben Sie dieser Fels, bleiben Sie dieser Arbeiter im Weinberg!

Gott segne Sie, Heiliger Vater!

Herzliche Grüße,
Ihr
Stefan Ehrhardt

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Benedikt XVI. spricht über den “heiligen Felsen” (Fest der Kathedra Petri)


Auszug aus der Predigt von Benedikt XVI., der das Verständnis des päpstlichen Status und Amtes theologisch erläutert (Hervorhebungen von mir):

“Das heutige Evangelium zeigt Petrus, der auf eine göttliche Eingebung hin seinen eigenen festen Glauben an Jesus, den Sohn Gottes und verheißenen Messias, ausdrückt. Als Antwort auf dieses, von Petrus auch im Namen der anderen Apostel abgelegte klare Glaubensbekenntnis offenbart Christus ihm die Aufgabe, die er ihm anvertrauen will, nämlich der „Stein”, der „Fels” zu sein, das sichtbare Fundament, auf dem das ganze geistliche Gebäude der Kirche aufgebaut ist (vgl. Mt 16,16-19).

Diese Bezeichnung „Fels – Stein” bezieht sich nicht auf den Charakter der Person, sondern ist nur von einem tieferen Gesichtspunkt, vom Mysterium her zu verstehen: Durch die Aufgabe, die Jesus ihm überträgt, wird Petrus das, was er aufgrund von „Fleisch und Blut” nicht ist.

Der Exeget Joachim Jeremias hat gezeigt, daß im Hintergrund die Symbolsprache des „heiligen Felsens” steht. Diesbezüglich kann uns ein rabbinischer Text hilfreich sein, in dem es heißt: „Der Herr sprach: »Wie kann ich die Welt erschaffen, da diese Gottlosen erstehen und mich ärgern werden?« Als aber Gott auf Abraham schaute, der erstehen sollte, sprach er: »Siehe, ich habe einen Felsen gefunden, auf den ich die Welt bauen und gründen kann.« Deshalb nannte er Abraham einen Felsen.”

Der Prophet Jesaja beruft sich darauf, als er das Volk erinnert: „Blickt auf den Felsen, aus dem ihr gehauen seid … auf Abraham, euren Vater” (51,1-2). Abraham, der Vater der Glaubenden, wird mit seinem Glauben als der Fels gesehen, der die Schöpfung stützt. Simon, der als erster Jesus als den Christus bekannt hat und der erste Zeuge der Auferstehung war, wird nun mit seinem erneuerten Glauben der Fels, der sich den zerstörerischen Kräften des Bösen widersetzt.

[...]

Noch eine weitere Erinnerung ruft die Kathedra Petri hervor: das berühmte Wort des heiligen Ignatius von Antiochien, der in seinem Brief an die Römer die Kirche von Rom als die bezeichnet, „welche den Vorsitz in der Liebe hat” (Inscr.: PG 5,801). In der Tat ist der Vorsitz im Glauben untrennbar an den Vorsitz in der Liebe gebunden. Ein Glaube ohne Liebe wäre kein echter christlicher Glaube mehr.

Aber die Worte des heiligen Ignatius haben auch noch eine andere, sehr viel konkretere Bedeutung: Der Begriff „caritas – Liebe” wurde nämlich in der frühen Kirche auch als Bezeichnung für die Eucharistie gebraucht. Die Eucharistie ist ja das Sacramentum caritatis Christi – das Sakrament der Liebe Christi –, durch das er weiterhin uns alle zu sich hin zieht, wie er es von der Höhe des Kreuzes aus getan hat (vgl. Joh 12,32). Darum bedeutet „den Vorsitz in der Liebe haben”, die Menschen in eine eucharistische Umarmung – in die Umarmung Christi – hineinziehen, die jede Schranke und jede Fremdheit überwindet und aus den mannigfaltigen Verschiedenheiten die Gemeinschaft bildet.

Das Petrusamt ist also ein Primat in der Liebe im eucharistischen Sinn bzw. ein fürsorglicher Einsatz für die weltweite Gemeinschaft der Kirche in Christus. Und die Eucharistie ist Gestalt und Maßstab dieser Gemeinschaft sowie eine Garantie dafür, daß diese dem Kriterium der Glaubensüberlieferung treu bleibt.

Die vollständige Predigt ist hier zu lesen.

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BOTSCHAFT VON PAPST BENEDIKT XVI. ZUR FASTENZEIT 2012

Wie verläßlich und überzeugend unser Papst sich an uns wendet, zeigen auch seine Ausführungen zur bevorstehenden Fastenzeit. Behutsam aber unmissverständlich werden wir auf die christlichen Anforderungen der gegenseitigen Achtung, der sanften Kritik, und des liebevollen Ansporns verwiesen.

Es folgt eine gekürzte Version der Botschaft von Papst Benedikt XVI.

„Laßt uns aufeinander achten und uns zur Liebe
 und zu guten Taten anspornen.“
(Hebr 10,24)

Die Frucht der Aufnahme Christi ist ein Leben, das sich in Entsprechung zu den drei göttlichen Tugenden entfaltet: Es geht darum, daß wir „mit aufrichtigem Herzen und in voller Gewißheit des Glaubens“ zum Herrn hintreten (V. 22), daß wir „an dem unwandelbaren Bekenntnis der Hoffnung festhalten“ (V. 23), in dem ständigen Bemühen, gemeinsam mit unseren Brüdern und Schwestern „die Liebe und gute Taten“ zu wirken (V. 24). Auch wird darauf hingewiesen, daß es für die Unterstützung dieses Lebens nach dem Evangelium wichtig ist, an den liturgischen Versammlungen und den Gebetstreffen der Gemeinde teilzunehmen, den Blick auf das eschatologische Ziel gerichtet: die volle Gemeinschaft in Gott (V. 25).

1. Laßt uns aufeinander achten“: die Verantwortung gegenüber den Brüdern und Schwestern

Das erste Element ist die Aufforderung „achtzugeben“. Das an dieser Stelle verwendete griechische Zeitwort ist katanoein, was soviel bedeutet wie gut beobachten, aufmerksam sein, bewußt hinsehen, eines Umstandes gewahr werden. Wir begegnen ihm im Evangelium da, wo Jesus die Jünger dazu auffordert, auf die Vögel des Himmels zu „sehen“, die sich nicht abmühen und doch Gegenstand der fürsorglichen und zuvorkommenden göttlichen Vorsehung sind (vgl. Lk 12,24), und wo er dazu ermahnt, den Balken im eigenen Auge zu „bemerken“, ehe man auf den Splitter im Auge des Bruders sieht (vgl. Lk 6,41).

Wir finden dieses Wort auch an einer anderen Stelle des Briefes an die Hebräer, als Aufforderung, auf Jesus zu „schauen“ (3,1), den Apostel und Hohenpriester, dem unser Bekenntnis gilt. Das Zeitwort, das unseren Aufruf einleitet, fordert also dazu auf, den Blick auf den anderen zu richten, in erster Linie auf Jesus, und aufeinander zu achten, sich nicht unbeteiligt, gleichgültig gegenüber dem Schicksal unserer Brüder und Schwestern zu zeigen. Stattdessen überwiegt häufig die entgegengesetzte Haltung: Gleichgültigkeit und Interesselosigkeit, die ihren Ursprung im Egoismus haben, der sich den Anschein der Achtung der „Privatsphäre“ gibt.

Das Achtgeben auf den anderen bedeutet, für ihn oder sie in jeder Hinsicht das Gute zu wünschen: leiblich, moralisch und geistlich. Der zeitgenössischen Kultur scheint der Sinn für Gut und Böse abhanden gekommen zu sein. Dabei muß mit Nachdruck daran erinnert werden, daß das Gute existiert und obsiegt, da Gott „gut ist und Gutes wirkt“ (vgl. Ps 119,68). Das Gute ist das, was das Leben, die Brüderlichkeit und die Gemeinschaft erweckt, schützt und fördert. Verantwortung gegenüber dem anderen bedeutet also, dessen Wohl anzustreben und dafür zu wirken, in dem Wunsch, daß auch er sich der Logik des Guten öffnen möge; sich um seine Brüder und Schwestern zu kümmern bedeutet, die Augen für ihre Bedürfnisse zu öffnen.

Was aber verhindert diesen menschlichen und liebenden Blick auf die Brüder und Schwestern? Häufig sind es materieller Reichtum und Übersättigung, aber auch der Vorrang, der persönlichen Interessen und Sorgen gegenüber allem anderen gegeben wird. Niemals dürfen wir unfähig sein, „Mitleid zu empfinden“ mit den Leidenden; niemals darf unser Herz von unseren Angelegenheiten und Problemen so in Anspruch genommen sein, daß es taub wird für den Schrei des Armen. Statt dessen können gerade die Demut des Herzens und die persönliche Erfahrung des Leids ein inneres Erwachen für Mitgefühl und Einfühlungsvermögen auslösen. Die Begegnung mit dem anderen und das Öffnen des Herzens für seine Bedürfnisse können heilbringend und seligmachend sein.

Auf die Brüder und Schwestern zu „achten“ beinhaltet auch die Sorge um ihr geistliches Wohl. Und hier möchte ich an einen Aspekt des christlichen Lebens erinnern, von dem ich meine, daß er in Vergessenheit geraten ist: die brüderliche Zurechtweisung im Hinblick auf das ewige Heil. Heutzutage ist man generell sehr empfänglich für das Thema der Fürsorge und der Wohltätigkeit zugunsten des leiblichen und materiellen Wohls der Mitmenschen, die geistliche Verantwortung gegenüber den Brüdern und Schwestern findet hingegen kaum Erwähnung.

In der Heiligen Schrift lesen wir: „Rüge den Weisen, dann liebt er dich. Unterrichte den Weisen, damit er noch weiser wird; belehre den Gerechten, damit er dazulernt“ (Spr 9,8f). Christus selbst befiehlt, einen Bruder, der sündigt, zurechtzuweisen (vgl. Mt 18,15). In der kirchlichen Tradition zählt „die Sünder zurechtweisen“ zu den geistlichen Werken der Barmherzigkeit. Es ist wichtig, sich wieder auf diese Dimension der christlichen Nächstenliebe zu besinnen.

Vor dem Bösen darf man nicht schweigen. Ich denke hier an die Haltung jener Christen, die sich aus menschlichem Respekt oder einfach aus Bequemlichkeit lieber der vorherrschenden Mentalität anpassen, als ihre Brüder und Schwestern vor jenen Denk- und Handlungsweisen zu warnen, die der Wahrheit widersprechen und nicht dem Weg des Guten folgen. Die christliche Zurechtweisung hat ihren Beweggrund jedoch niemals in einem Geist der Verurteilung oder der gegenseitigen Beschuldigung; sie geschieht stets aus Liebe und Barmherzigkeit und entspringt einer aufrichtigen Sorge um das Wohl der Brüder und Schwestern.

Der Apostel Paulus sagt: „Wenn einer sich zu einer Verfehlung hinreißen läßt, meine Brüder, so sollt ihr, die ihr vom Geist erfüllt seid, ihn im Geist der Sanftmut wieder auf den rechten Weg bringen. Doch gib acht, daß du nicht selbst in Versuchung gerätst“ (Gal 6,1). In unserer vom Individualismus durchdrungenen Welt ist es notwendig, die Bedeutung der brüderlichen Zurechtweisung wiederzuentdecken, um gemeinsam den Weg zur Heiligkeit zu beschreiten. Selbst „der Gerechte fällt siebenmal“ (Spr 24,16), heißt es in der Heiligen Schrift, und wir alle sind schwach und unvollkommen (vgl. 1 Joh 1,8).

Es ist also ein großer Dienst, anderen zu helfen und sich helfen zu lassen, zu aufrichtiger Selbsterkenntnis zu gelangen, um das eigene Leben zu bessern und rechtschaffener den Weg des Herrn zu verfolgen. Es bedarf immer eines liebenden und berichtigenden Blickes, der erkennt und anerkennt, der unterscheidet und vergibt (vgl. Lk 22,61), wie es Gott mit jedem von uns getan hat und tut.

2. „Einander“: das Geschenk der Gegenseitigkeit

Dieses „Behüten“ der anderen steht im Gegensatz zu einer Geisteshaltung, die, weil sie das Leben auf die rein weltliche Dimension beschränkt, dieses nicht unter einem eschatologischen Gesichtspunkt betrachtet und im Namen der individuellen Freiheit jede beliebige moralische Entscheidung akzeptiert. Eine Gesellschaft wie die gegenwärtige kann taub werden, sowohl für das körperliche Leid als auch für die geistlichen und moralischen Bedürfnisse des Lebens. Das darf unter Christen nicht geschehen! Der Apostel Paulus fordert dazu auf, nach dem zu streben, was „zum Frieden und zur gegenseitigen Erbauung beiträgt“ (vgl. Röm 14,19), um dem Nächsten Gutes zu tun und ihn aufzubauen (vgl. Röm 15,2), ohne den persönlichen Nutzen zu suchen, sondern „den Nutzen aller, damit sie gerettet werden“ (1 Kor 10,33). Dieses gegenseitige Zurechtweisen und Ermahnen, von Demut und Nächstenliebe getragen, darf im Leben der christlichen Gemeinde nicht fehlen.

Die mit Christus durch die Eucharistie vereinten Jünger des Herrn leben in einer Gemeinschaft, die sie als Glieder eines einzigen Leibes aneinander bindet. Dies bedeutet, daß der andere zu mir gehört; sein Leben, sein Heil betreffen mein Leben und mein Heil. Hier berühren wir einen besonders tiefgreifenden Aspekt der Gemeinschaft: Unser Leben steht in einer wechselseitigen Beziehung zu dem der anderen, im Guten wie im Bösen; sowohl die Sünde als auch die Liebeswerke haben auch eine gesellschaftliche Dimension. In der Kirche, dem mystischen Leib Christi, nimmt diese Wechselseitigkeit Gestalt an: Die Gemeinde tut unaufhörlich Buße und bittet für die Sünden ihrer Mitglieder um Vergebung; doch sie freut sich auch immer von neuem und jubelt über die Zeugnisse der Tugend und der Liebe, die sich in ihr entfalten. Mögen „alle Glieder einträchtig füreinander sorgen“ (1 Kor 12,25), ermahnt der heilige Paulus, da wir ein einziger Leib sind.

Die Liebe zu unseren Brüdern und Schwestern, die auch im Almosengeben – eine neben dem Gebet und dem Fasten charakteristische Übung der Fastenzeit – ihren Ausdruck findet, gründet in dieser gemeinsamen Zugehörigkeit. Auch in der konkreten Sorge für die Ärmsten kann jeder Christ seine Teilhabe an dem einen Leib, der Kirche, ausdrücken. Aufeinander achten bedeutet auch, das Gute zu erkennen, das der Herr in den anderen wirkt, und gemeinsam mit ihnen für die Wunder der Gnade zu danken, die Gott in seiner Güte und Allmacht unentwegt an seinen Kindern vollbringt. Erkennt ein Christ das Wirken des Heiligen Geistes im Mitmenschen, so kann er nicht umhin, Freude darüber zu empfinden und den himmlischen Vater dafür zu preisen (vgl. Mt 5,16).

3. „Uns gegenseitig zur Liebe und zu guten Taten anspornen“:
gemeinsam den Weg der Heiligkeit beschreiten

Dieser Satz aus dem Brief an die Hebräer (10,24) drängt uns dazu, uns Gedanken über den universalen Ruf zur Heiligkeit zu machen, über ein beständiges Voranschreiten im geistlichen Leben; er ermahnt uns, nach den höheren Gnadengaben zu streben und nach einer immer größeren und fruchtbareren Liebe (vgl. 1 Kor 12,31-13,13). Das aufeinander Achten soll auch bewirken, daß wir uns gegenseitig zu immer größerer wirklicher Liebe anspornen – „wie das Licht am Morgen; es wird immer heller bis zum vollen Tag“ (Spr 4,18) –, in der Erwartung, jenen Tag, an dem die Sonne nicht untergehen wird, in Gott zu leben. Die uns geschenkte Lebenszeit gibt uns die kostbare Gelegenheit, die guten Werke zu entdecken und zu vollbringen, beseelt von der Liebe zu Gott. So wächst und entfaltet sich die Kirche selbst, um zur vollendeten Gestalt Christi zu gelangen (vgl. Eph 4,13). Auf der Linie dieser dynamischen Perspektive eines Wachstums liegt auch unsere Aufforderung, uns gegenseitig anzuspornen, um zur Fülle der Liebe und der guten Taten zu gelangen.

Leider ist da stets die Versuchung der Lauheit, die Versuchung, den Geist zu ersticken und sich zu weigern, „mit den Talenten zu wirtschaften“, die uns zu unserem Wohl und dem der anderen geschenkt sind (vgl. Mt 25,25ff). Wir alle wurden mit reichen geistigen oder materiellen Gaben ausgestattet, die für die Erfüllung des göttlichen Plans, für das Wohl der Kirche und für das persönliche Heil nützlich sind (vgl. Lk 12,21b; 1 Tim 6,18). Die geistlichen Lehrer erinnern daran, daß zurückfällt, wer im Glaubensleben keine Fortschritte macht.

Liebe Brüder und Schwestern, laßt uns der immer aktuellen Aufforderung nachkommen, nach dem „hohen Maßstab des christlichen Lebens“ zu streben (Johannes Paul II). Wenn die Kirche in ihrer Weisheit die Seligkeit und die Heiligkeit einiger vorbildlicher Christen anerkennt und verkündet, möchte sie dadurch auch den Wunsch wecken, deren Tugenden nachzuahmen. Der heilige Paulus ermahnt uns: „Übertrefft euch in gegenseitiger Achtung!“ (Röm 12,10).

Angesichts einer Welt, die von den Christen ein erneuertes Zeugnis der Liebe und der Treue zum Herrn fordert, mögen alle spüren, daß sie sich dringend bemühen müssen, einander in der Liebe, im Dienst und in den guten Werken zu übertreffen (vgl. Hebr 6,10). Besonderen Nachdruck erhält dieser Aufruf in der heiligen Zeit der Vorbereitung auf das Osterfest. Mit den besten Wünschen für eine heilige und fruchtbringende Fastenzeit vertraue ich euch der Fürbitte der seligen Jungfrau Maria an und erteile allen den Apostolischen Segen.

BENEDICTUS PP XVI