
Darum sage ich euch: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet.« (Lk 11,9)
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Gib uns heute das Brot, das wir brauchen
Wir müssen uns überlegen, warum und wie wir beten sollen. Wenn der Mensch sich dem Gebet überlassen will, muss er zuerst sein Herz in sich selbst zurückholen, es zurückrufen aus der Ruhelosigkeit und der Zerstreuung, in die es sich verirrt hat; dann muss er in tiefer Demut Gott zu Füßen fallen, ihn ausgiebig und innig bitten, an die Tür des Vaterherzens klopfen und um sein Brot betteln, also um Liebe zum Nächsten… Dann müssen wir darum bitten, dass Gott uns gnädig um das bitten lehrt, was ihm an unserem Gebet am besten gefällt und was uns am meisten nützt…
Nicht alle Menschen können im Geiste beten; es gibt welche, die auf das gesprochene Gebet zurückgreifen müssen. In diesem Fall wende dich an den Herrn mit den liebenswürdigsten, freundlichsten und zärtlichsten Worten, die dir einfallen. Das wird auch deine Liebe und dein Herz beleben. Bitte den himmlischen Vater, dass er durch seinen einzigen Sohn sich selbst als Ziel deines Gebets dir schenkt – auf möglichst angenehme Weise. Und wenn du eine Gebetsform gefunden hast, die dir mehr als alle anderen zusagt und deine Hingabe weckt…, dann behalte diese Gebetsform bei und ziehe sie den anderen vor… es gilt mit Eifer und Hartnäckigkeit an die Türe zu klopfen, denn „wer bis zum Ende standhaft bleibt, erhält den Siegeskranz“ (vgl. Mt 10,22; 2 Tim 2,5)… „Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn darum bitten“ (Lk 11,13).
Kommentar zum heutigen Evangelium, Johannes Tauler (um 1300-1361) Dominikaner in Straßburg
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Ein kleiner Platz ist besser als keiner...
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Kleiner Kommentar zum Kommentar: Den Worten des Johannes Tauler ist nicht viel hinzuzufügen – aber vielleicht können ein oder zwei Akzente gesetzt werden. “Wir müssen uns überlegen, warum und wie wir beten sollen“, schon diese schlichte Feststellung ist wichtig, denn es fällt auf – wenn man in die Wohnungen vieler Familien und Alleinerzieher schaut – dass in den eigenen vier Wänden kaum mehr Rückzugsorte zum Beten geschaffen werden. Vielleicht ist zu wenig Platz vorhanden, ein anderes Mal fehlt es am Interesse usw. Mir selbst hat es – angeregt durch meine Frau, die sich in unserer nicht zu üppigen Wohnung einen kleinen “heiligen Platz” geschaffen hat – gut getan, ein paar wenige Zeichen an einem Ort zuhause einzurichten, um mehr Zugang zum Gebet und zu Gott zu finden.
Gegen Endes des Kommentars wird zitiert: „wer bis zum Ende standhaft bleibt, erhält den Siegeskranz“. Das ist ein Hinweis, mit dem ich (zumindest sprachlich) nicht mitgehen will, das erinnert mich zu sehr an das Leistungsdenken unserer Zeit… Aber unterm Strich ist es immer wieder tröstend, bei den Heiligen zu lesen, was auch heute uneingeschränkt Gültigkeit hat: “Wenn der Mensch sich dem Gebet überlassen will, muss er zuerst sein Herz in sich selbst zurückholen…” um schließlich um sein wahres Brot zu bitten, “die Liebe zum Nächsten“. Und wenn der innere Dialog versagt, bleibt das gesprochene Gebet: “In diesem Fall wende dich an den Herrn mit den… zärtlichsten Worten…“