Zeit zu beten – Dialog durch Gebete

Beten, katholische Gebete, christliche Spiritualität, Online Gebetskreis, Jesus Christus, Gottesmutter Maria

wpa Impuls des Bischofs


Hinterlasse einen Kommentar

Geweihtes Leben heute – ein päpstlicher Kommentar

Am Palmsonntag predigte Papst Franziskus zu den Jugendlichen: “Ihr bekennt euch zu ihm, denn ihr habt begriffen, dass in der Selbsthingabe – im Verschenken des eigenen Selbst, im Herausgehen aus sich selbst – die wahre Freude liegt” und schließt an: “Geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern” (Mt 28,19).

Priester - geweihtes Leben

Wer denkt dabei nicht daran, wie sehr Europa nach Berufungen dürstet! In einem Kommentar zum heutigen Evangelium (Maria salbt Jesus mit dem Nardenöl, Joh 12,1-11) wird eine Brücke zum geweihten Leben geschlagen; man darf diesen Kommentar als ungewollte, aber passende Fortsetzung der gestrigen Predigt des Papstes verstehen:

Nicht wenige fragen sich heutzutage ratlos: Wozu soll das geweihte Leben gut sein? Warum lassen sich Menschen auf diese Lebensform ein, wo es doch… so viele dringende Notwendigkeiten gibt, auf die man auch antworten kann, ohne die besonderen Verpflichtungen des geweihten Lebens zu übernehmen? Ist das geweihte Leben nicht vielleicht so etwas wie eine »Verschwendung« menschlicher Kräfte, die, würde man einem Wirksamkeitskriterium folgen, für ein größeres Gut zum Vorteil der Menschheit und der Kirche nutzbar wären?… Solche Fragen hat es immer gegeben, wie die Episode der Salbung in Betanien aus dem Evangelium anschaulich beweist: »Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete sie mit ihrem Haar. Das Haus wurde vom Duft des Öls erfüllt« (Joh 12,3). Als Judas unter dem Vorwand der Not der Armen diese Verschwendung beklagte, antwortete ihm Jesus: »Lass sie gewähren!« (Joh 12,7).

Das ist die noch immer gültige Antwort auf die Frage, die sich, und sei es auch in gutem Glauben, so viele in Bezug auf die Aktualität des geweihten Lebens stellen:… »Lass sie gewähren«. Wem das unschätzbare Geschenk gewährt wird, dem Herrn Jesus mehr aus der Nähe zu folgen, dem erscheint es klar, daß er mit ungeteiltem Herzen geliebt werden kann und muß, daß man ihm das ganze Leben und nicht nur einige Gesten, einige Momente oder einige Aktivitäten widmen kann. Das kostbare Salböl, das als reiner Akt von Liebe und daher fern jeder »utilitaristischen« Überlegung vergossen wurde, ist Zeichen von Übermaß an Unentgeltlichkeit, wie es in einem Leben zum Ausdruck kommt, das hingegeben wird, um den Herrn zu lieben und ihm zu dienen, um sich seiner Person und seinem mystischen Leib zu widmen. Aber von diesem »verschwendeten« Leben verbreitet sich ein Duft, der das ganze Haus erfüllt. Das Haus Gottes, die Kirche, ist durch das Vorhandensein des geweihten Lebens… geschmückt…  Das geweihte Leben [ist] gerade in seinem Übermaß an Unentgeltlichkeit und Liebe von Bedeutung, und das um so mehr in einer Welt, die Gefahr läuft, im Strudel des Vergänglichen zu ersticken.

(Sel. Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben „Vita Consecrata“, §104-105)

Wie hieß es gestern am Petersplatz? “Bitte lasst euch die Hoffnung nicht nehmen! Lasst nicht zu, dass die Hoffnung geraubt wird! Jene, die Jesus uns schenkt… um allen zu sagen, dass Jesus am Kreuz die Mauer der Feindschaft, die Menschen und Völker voneinander trennt, niedergerissen und Versöhnung und Frieden gestiftet hat.”

Worauf wartet ihr?
Lasst euch nicht ablenken von dieser Welt und lebt eure Berufung!

***

dpurple

artikel ingrid betancourt frieden


Hinterlasse einen Kommentar

Jesus von Kalkutta

Ingrid Betancourt, “Missionarin des Friedens”, 2002-2008 in Gefangenschaft


„Mission ist Nachfolge, Nachfolge ist Mission“ hat Josef Bordat in seinem Kommentar zum Sonntagsevangelium knapp und klar formuliert. Menschen  in der Mission – egal ob hauptberuflich oder “by chance” – müssen „Überzeugungstäter“ sein: Sie sind mit der Botschaft Christi eins geworden – sie sind in Christus, und Er ist in ihnen.

Die selige Mutter Teresa ist ein heiliges Beispiel für ein Dasein mit Christus, ihre Gedanken sollen uns durch diese Woche tragen; hören wir auf „Jesus von Kalkutta“:

«Lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig»

Um heilig  zu werden, müssen wir demütig sein und beten. Jesus hat uns beten gelehrt und uns zudem gesagt, dass wir an seinem Beispiel lernen sollen, gütig und von Herzen demütig zu sein. Wir werden weder das eine noch das andere erreichen, wenn wir nicht wissen, was Stille ist. Demut und Gebet entstehen, wenn Ohren, Verstand und Zunge daran Gefallen gefunden haben, in der Nähe Gottes still zu sein; denn Gott spricht in der Stille des Herzens. Geben wir uns echte Mühe, von Jesus, dessen Herz gütig und demütig ist, zu lernen, was Heiligkeit ist. Die erste Aufgabe, vor die uns sein Herz stellt, besteht darin, unser Gewissen zu erforschen, das Übrige – lieben und dienen – kommt anschließend. Für eine derartige Gewissenserforschung sind wir nicht allein zuständig; sie ergibt sich aus einer Zusammenarbeit zwischen uns und Jesus. Es wäre Zeitverschwendung, das eigene Elend vergeblich zu betrachten; erheben wir vielmehr unsere Herzen zu Gott und erlauben wir seinem Licht, uns zu erleuchten.

Wenn du demütig bist, wird dir nichts schaden, weder Lob noch Zurückweisung; denn du weißt ja nun, was du bist. Wenn man dir Vorwürfe macht, lass dich nicht entmutigen; und wenn dich jemand für heilig erklärt, stelle dich nicht auf einen Sockel. Wenn du heilig bist, dann danke Gott; wenn du ein Sünder bist, dann lass es nicht dabei bleiben. Christus sagt dir, dass du dir hohe Ziele setzen sollst: nicht etwa zu sein wie Abraham oder David oder irgendein Heiliger, sondern zu sein, wie es auch unser himmlischer Vater ist (Mt 5,48). „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt“ (Joh 15,16).

(Sel. Teresa von Kalkutta (1910-1997), No greater Love, S. 51)  

Wie gut wir Christen es in unserem Glauben haben, denn der, dem wir nachfolgen, ist nicht mehr als ein charismatischer Mensch und nicht weniger als ein liebender Gott.

«Jesus ist die Schönheit, die euch so anzieht»

Jesus ist es, der euch provoziert mit jenem Durst nach Radikalität, der euch keine Anpassung an den Kompromiss erlaubt; Er ist es, der euch dazu drängt, die Masken abzulegen, die das Leben verfälschen; Er ist es, der in euren Herzen die wahreren Entscheidungen herausliest, die andere am liebsten ersticken würden. Jesus ist es, der in euch etwas entfacht: die Sehnsucht, aus eurem Leben etwas Großes zu machen; den Willen, einem Ideal zu folgen; die Ablehnung, euch von der Mittelmäßigkeit verschlingen zu lassen; den Mut, euch in Demut und Treue darum zu mühen, euch selbst und die Gesellschaft besser zu machen, damit sie menschlicher und geschwisterlicher werde.”

(Johannes Paul II., Weltjugendtag 2000, Rom)

***

Gott segne euch und führe euch durch diese Woche!

***

artikel meer see schiff


Hinterlasse einen Kommentar

Fahr hinaus auf den See – mit IHM

Im gestrigen Beitrag ging es um Evangelisation, genauer gesagt um eine nach innen gerichtete Form derselben – das Beten für verlorene Seelen. Wie es der „Zufall“ will, stolpere ich nur wenige Stunden später über einen Text des Sel. Johannes Paul II. der – ganz auf seine kraftvolle Art – von aktiver Neuevangelisation spricht. Hier sein unnachahmlicher Text, der in zwei Gebete mündet:

Jesus sagt zu Petrus: “Fahr hinaus auf den See” (Lk 5,4). “Petrus und die ersten Gefährten vertrauten dem Wort Christi und warfen ihre Netze aus”… Wer sein Herz für Christus öffnet, wird nicht nur das Geheimnis seines eigenen Daseins verstehen, sondern auch das seiner eigenen Berufung, und er wird wunderbare Früchte der Gnade heranreifen lassen… Wenn der Christ das Evangelium ohne Abstriche lebt, wird er immer mehr dazu fähig, wie Christus selbst zu lieben und seine Mahnung zu beherzigen: “Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist” (Mt 5,48). Er strebt danach, innerhalb der Gemeinschaft der Kirche mit den Brüdern in Einheit verbunden zu bleiben und stellt sich in den Dienst an der Neuevangelisierung, um die großartige Wahrheit der heilbringenden Liebe Gottes zu verkünden und zu bezeugen.

Liebe Heranwachsende und Jugendliche, vor allem Euch gegenüber möchte ich die Einladung Christi wiederholen, “hinauszufahren”… Vertraut Ihm, hört auf seine Lehren, richtet Euren Blick auf sein Antlitz, hört beharrlich sein Wort. Laßt zu, daß er all Eurem Suchen und Sehnen, all Euren Idealen und Herzenswünschen Orientierung gibt… Zugleich denke ich an die Worte, die Maria, seine Mutter, in Kana in Galiläa an die Diener richtete: “Was er euch sagt, das tut!” (Joh 2,5). Christus, liebe Jugendliche, bittet Euch “hinauszufahren”, und die Jungfrau Maria ermutigt Euch, Ihm ohne Zögern nachzufolgen. Unterstützt von der mütterlichen Fürsprache der Gottesmutter, steige aus allen Teilen der Erde unser inniges Gebet zum himmlischen Vater auf, auf daß Er “Arbeiter für seine Ernte” (Mt 9,38) aussende.

***

Jesus, Sohn Gottes,
in dem die Fülle der Gottheit wohnt,
Du berufst alle Getauften, “hinauszufahren”
und den Weg der Heiligkeit zu gehen.
Erwecke in den Herzen der jungen Menschen die Sehnsucht,
in der Welt von heute Zeugen der Macht Deiner Liebe zu sein.
Erfülle sie mit Deinem Geist der Stärke und Besonnenheit,
damit sie fähig werden, die volle Wahrheit
über sich selbst und ihre Berufung zu entdecken.

Unser Erlöser, vom Vater gesandt,
seine barmherzige Liebe zu offenbaren,
schenke Deiner Kirche junge Menschen,
die bereit sind, “hinauszufahren”
und für ihre Brüder zum Zeichen Deiner erneuernden
und heilbringenden Gegenwart zu werden.

***

Heilige Jungfrau, Mutter des Erlösers,
sichere Führerin auf dem Weg zu Gott und dem Nächsten,
Du hast seine Worte im Innersten Deines Herzens bewahrt.
Stehe mit Deiner mütterlichen Fürsprache den Familien
und kirchlichen Gemeinschaften zur Seite,
damit sie den Heranwachsenden und Jugendlichen dabei helfen,
großherzig auf den Ruf des Herrn zu antworten.

(Johannes Paul II., Botschaft zum 42. Welttag der Berufungen 17/04/2005)

***

artikel madonna fatima


Hinterlasse einen Kommentar

Fátima – Ein Quell der Liebe gegen das Böse

Fátima bewegt Gläubige und Nichtgläubige, Fundamentalisten und selbst Atheisten, die immun sind gegen christliche oder laizistische Aufklärung.

Was aber bedeutet Fátima heute? Folgende Ansätze stehen zur Diskussion:

  • mächtiges Zeichen Mariens in einer apokalyptischen Welt
  • göttliches Wirken gegen menschliche Gleichgültigkeit
  • Quell der Liebe gegen das Böse in der Welt
  • fruchtbares Aufeinandertreffen von Volksfrömmigkeit und Theologie
  • Gespür und Spiritualität des Volkes Gottes
  • das fruchtbare Miteinander von Offenbarung, Privatoffenbarung und Gebet
  • schließlich Botschaft mit Bezug auf Leben und Wirken von Johannes Paul II.

Um die genannten Thesen besser verstehen zu können, lohnt es sich, die folgenden Auszüge aus einem Interview von Giuseppe De Carli mit Kardinal Tarcisio Bertone nachzulesen. Dieser ist durch seine enge Verbindung mit Johannes Paul II. und mit Fátima ein ganz besonderer Zeuge im Hinblick auf die Ereignisse in der Cova da Iria. Am Ende des Beitrags folgt der Hinweis auf das lesenswerte Buch, dem dieses Interview entnommen wurde.

***

“Mit Fatima war die Spitze der katholischen Kirche vereint, um die Andachtsformen der Volksreligiosität zu der ihren zu machen: Fatima ist der seltene Fall, wo sich Volksfrömmigkeit und Religiosität der Gelehrten vereinen. Wie eine neue Epiphanie, ein Pfingsten des Geistes…“  - formuliert Giuseppe De Carli mit Blick auf das Phänomen Fatima im Gespräch mit Kardinal Tarcisio Bertone - „…bei Johannes Paul II. hat sich die Vermischung auf ungewohnte Weise, bis hin ins Physische, gesteigert. Der “Athlet Gottes”, der durch das Attentat und die daraus resultierenden Krankheiten zum “leidenden Diener Jahwes” geworden ist. Bestand nicht die Gefahr, über das Ziel hinauszuschießen, mit dieser Überfrachtung mit Symbolen, der Poesie des außergewöhnlichen statt der, wenn auch langweiligen, Prosa des Alltäglichen?

K.B: Die Religion ist ein höchst symbolisches Ereignis, eine höchst symbolische Realität. Sie ist Bestandteil der menschlichen Natur, ihrer Rationalität… Übrigens ist das Ereignis Fatima studiert, unters Mikroskop gelegt, in seine Einzelteile zerlegt worden. Über das, was in der Cova da Iria geschehen ist, haben sich Heerscharen von Forschern und Akademikern den Kopf zerbrochen. Die Hirtenkinder selbst wurden, auch seitens des Klerus, einer Reihe quälender Verhöre unterzogen. Die Artikel über das Phänomen in den zeitgenössischen portugiesischen Zeitungen blieben nicht unbemerkt. Das einfache Volk hat den direkten Weg der Ergebenheit gewählt. Das Volk Gottes besitzt ein Gespür, dass man nicht bagatellisieren darf. Die dramatischen und grausamen Ereignisse des vergangenen Jahrhunderts haben uns alle gezwungen, an die Grundfesten unserer Gemeinschaft zu gehen, und in Zeiten der Globalisierung sollte man eine Realität nicht unterschätzen, die Geschichte gemacht hat, die eine spirituelle Dimension, nämlich die, die die moderne Gesellschaft zu verlachen und zu ignorieren versucht, erweitert hat. Mit Büchern über Erscheinungen, und nicht nur die von Fatima, kann man ganze Bibliotheken füllen. Das Göttliche ist es, das beständig den Panzer unserer Gleichgültigkeit durchbricht. Die Erscheinungen greifen direkt in die Geschicke der Menschheit ein und begleiten den Lauf der Welt, versetzen Gläubige und Nichtgläubige in Staunen. Wenn sie echt sind, widersprechen sie dem Inhalt des Glaubens nicht und zielen ins Herz der Botschaft der Evangelien.

Den Kräften des Bösen, die sich in manchen Momenten der Geschichte zu bündeln scheinen, stellt sich eine andere Kraft entgegen, ein Quell der Liebe, die den Lauf der Ereignisse umkehrt, sie, sozusagen, zum Entgleisen bringt. Es ist eine Kraft die siegreich erscheint, weil sie in Wirklichkeit siegreich ist! Es ist geschrieben worden, das Fatima „die Gläubigen belastet“, dass das 20. Jahrhundert keine religiöse Kategorie als Siegel haben könne, da es sonst nicht als Jahrhundert des Kampfes gegen atheistische autoritäre Regimes interpretiert werden könne, dass hinter der Krise der kommunistischen Regimes ganz andere Ursachen und Impulse gestanden hätten als die spirituelle Qualität des von Johannes Paul II. verkörperten Protestes, dass man sich vielmehr vom westlichen Modell mit seinen säkularen und konsumorientierten Aspekten habe verlocken lassen… Meinungen, die im freien Austausch der Ideen durchaus ihre Berechtigung haben, aber dennoch erklären sie nur einen Teil, einen Ausschnitt, ein Segment des Ganzen. Was ich damit sagen will, ist dies: bei der Enthüllung des so eng mit Johannes Paul II. verknüpften dritten Geheimnissesvon Fatima* ging es nicht darum, den Kontakt mit dem emotionalen Ursprung der religiösen Erfahrung wiederherzustellen. Wir befinden uns hier nicht im Bereich des Mythos, wir haben es mit einer Tatsache und einer Botschaft zu tun, die das 20. Jahrhundert geprägt haben, die in der schmerzlichen Erfahrung eines Papstes ihren Widerhall gefunden haben, die von dem einzigen noch lebenden Zeugen das imprimatur erhalten haben.

*1944 schrieb Schwester Lúcia (1907–2005), eines der drei Kinder und das einzige, das zu diesem Zeitpunkt noch lebte, das dritte Geheimnis auf. Papst Johannes XXIII. entschied sich gegen eine Veröffentlichung des dritten Geheimnisses von Fátima. Dieses wurde erst am 26. Juni 2000 in Rom durch Kardinal Joseph Ratzinger und Erzbischof Tarcisio Bertone bekannt gemacht. Der Inhalt bezieht sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auf das Papstattentat vom 13. Mai 1981, welches sich am Jahrestag der ersten Erscheinung ereignete. Papst Johannes Paul II. besuchte seinen Attentäter Mehmet Ali Agca 1983 im Gefängnis. Bei dem Gespräch soll dieser sich auf die Erscheinungen von Fátima bezogen haben, indem er Papst Johannes Paul II. mehrfach gefragt habe, was das denn für eine Königin gewesen sei, die seinen Tod verhindert habe. In einem Interview am 5. September 2003 spricht Kardinal Ratzinger von der Zukunft. Er sagt: „Wir können nicht ausschliessen – ich würde sogar sagen, wir müssen damit rechnen, dass wir sogar in späteren Zeiten ähnliche Krisen in der Kirche und vielleicht auch ähnliche Angriffe auf einen Papst haben werden.“ Und am 13. Mai 2010, sprach unser Papst am Erscheinungsort selbst folgende Worte: „Wer glaubt, dass die prophetische Mission Fatimas beendet sei, der irrt sich.“

Mir scheint – und ich bin nicht der einzige –, dass sich mit Johannes Paul II. das theologische Statut der Marienverehrung verändert hat?

K.B: Sie haben den entscheidenden Punkt angesprochen: den Glauben. Der Glaube ist die radikale Frage: “Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst.” (PS 8,5). Dieser Frage kann man nicht ausweichen, denn der Glaube versucht, eine Antwort auf die Frage nach dem letzten Sinn zu suchen. Durch den Glauben entdeckt der Mensch den unendlichen Wert seines persönlichen Seins. Gott möchte mit ihm in Gemeinschaft treten, und unterdessen entdeckt der Mensch das übernatürliche Ziel, für das er geschaffen worden ist: eins zu sein mit Gott. Der Heilige Ignatius von Antiochien schreibt: “und aber lebendes Wasser und redendes ist in mir, das zu mir spricht: auf zum Vater!” Die christliche Offenbarung nimmt lediglich das natürliche Verlangen des Menschen nach Glück auf. Die Kenntnis des Glaubens und seine ständige Bereicherung sind die wesentlichen Schlüssel zum Glück des Menschen. Der Mensch ist, wie Johannes Paul II. gern gesagt hat, das einzige Geschöpf auf Erden, das Gott “um seiner selbst willen will”. Wir befinden uns in einem unendlichen Kreis und innerhalb der Dynamik eines übernatürlichen Ziels. Wenn das religiöse Gefühl schwindet, droht Aberglaube. Neue Formen psychologischer Sklaverei, denn auf die unausgesprochene Frage folgt eine ausweichende Antwort. Ein so feinsinniger Intellektueller wie Claudio Magris hat den Niedergang der christlichen und katholischen Kultur, das dürftige Wissen um die Fundamente der Religion, die mangelnde Kenntnis der Evangelien beklagt. Er schreibt: “das ist für alle eine schwerwiegende Verstümmelung, für Gläubige und Nichtgläubige, denn die christliche Kultur ist eines der großen dramatischen Gefüge, die uns helfen, die Welt zu verstehen, zu ordnen und darzustellen, ihren Sinn und ihre Werte zu benennen im grausamen und heimtückischen Durcheinander des Lebens.”

Fatima ist das Symbol einer kämpferischen, militanten Religiosität, das himmlische Fiat für Dinge, bei denen sich der Moderne gegenüber “aufgeschlossenen” Theologen die Haare sträuben? Papst Johannes Paul II. hat die Schemata durcheinander geworfen und umgekehrt. Auf der einen Seite die klare Stellungnahme des Dominus Jesus, auf der anderen die Freude, mit der er überall in der Welt Madonnenstatuen krönte.

K.B: Das Dominus Jesus war eine Antwort auf die vielen Briefe, die der Papst nach der Enzyklika Redemptoris Missio [über die fortdauernde Gültigkeit des missionarischen Auftrages] bekam. “Wenn mittlerweile alle wie Jesus Christus das Etikett ‚Heilsbringer‘ tragen, wie zum Beispiel Mohammed, Buddha, Konfuzius, Che Guevara, was tun wir hier dann noch? Warum sollen wir unser Leben damit verbringen, bis an die Grenzen der Welt das Wort Jesu zu verkünden?” So die Einwände von Missionaren, die vor allem aus der asiatischen Welt kamen. Johannes II. war aufgewühlt und verbittert. Es schrieben die Missionare und es schrieben die Theologen. Also bat der Papst darum, eine dogmatische Erklärung über Jesus Christus, den einzigen und universalen Erlöser, zu erarbeiten. Kardinal Ratzinger übernahm die Leitung bei der Aufsetzung des Dokuments. Dieses Dokument hat, und das sage ich ein für alle Mal, der Heilige Vater gewollt.

In den ersten drei Kapiteln wurde die Lehre der katholischen Kirche über Christus als einzigem und universalem Erlöser dargelegt. Die anderen Kapitel erläuterten die Unterschiede zwischen der katholischen Kirche und den anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinden. Mit diesem zweiten Teil waren die Ökumenisten nicht zufrieden, weil es zu viele Einschränkungen zu enthalten schien. Der ökumenische Weg heiße jedoch nicht, jede Kirchenlehre hinzunehmen. Von den Kardinälen in der Glaubenskongregation und wiederum vom Papst genehmigt, wurde die Erklärung am 6. September 2000 veröffentlicht und löste heftige Reaktionen aus. “Ich will dem Dominus Jesus ein Angelus widmen und erklären, dass ich es gewollt habe und es vollkommen in meinem Sinne ist”, sagte Papst Johannes Paul II. bei einer Versammlung im kleinen Kreis, bei der Kardinal Ratzinger, Monsignore Re und ich zugegen waren.

Fatima, ein feierliches und volkstümliches marianisches Epos…

K.B: Guiseppe de Luca definierte die Volksfrömmigkeit als “Weisheit des Herzens”. Dieselbe Interpretation findet sich im theologischen Kommentar von Kardinal Ratzinger: „Das schließt nicht aus, dass eine Privatoffenbarung neue Akzente setzt, dass sie neue Weisen der Frömmigkeit herausstellt oder alte vertieft und erweitert. Aber in alledem muss es doch darum gehen, dass sie Glaube, Hoffnung und Liebe nährt, die der bleibende Weg des Heils für alle sind. Wir können hinzufügen, dass private Offenbarungen häufig primär aus der Volksfrömmigkeit kommen und auf sie zurückwirken, ihr neue Impulse geben und neue Formen eröffnen. Dies schließt nicht aus, dass sie auch in die Liturgie selbst hineinwirken, wie etwa Fronleichnam und das Herz Jesu Fest zeigen. In gewisser Hinsicht bildet sich im Verhältnis von Liturgie und Volksfrömmigkeit das Verhältnis zwischen Offenbarung und Privatoffenbarungen ab: die Liturgie ist das Maß, sie ist der direkt aus dem Evangelium genährte Lebensausdruck der Kirche im Ganzen. Volksfrömmigkeit bedeutet, dass der Glaube im Herzen der einzelnen Völker wurzeln schlägt, so dass er in die Welt des Alltags hineingetragen wird. Die Volksfrömmigkeit ist die erste und grundlegende Weise von Inkulturation des Glaubens, die sich immer wieder von der Weisung der Liturgie her ordnen und leiten lassen muss, aber umgekehrt vom Herzen her befruchtet.” Das sind sehr scharfe und treffende Beobachtungen, die Theologie und Volksfrömmigkeit, öffentliche und private Offenbarungen miteinander verknüpfen.

Ich hatte eher den Eindruck er schwankt da ein wenig, verliert die Orientierung?

K.B: Verzeihen Sie, wenn ich sie unterbreche. Aber nennen Sie es “die Orientierung verlieren”, wenn sie Benedikt XVI. sehen, wie er nach seinem täglichen Spaziergang in den vatikanischen Gärten vor einer Grotte mit der Genueser “Madonna della Guardia“ den Rosenkranz betet? Papst Benedikt ist ein Theologe, einer der größten Theologen unserer Zeit.

***

+

Quelle / Buchtipp:
Kardinal Tarciso Bertone, Giuseppe De Carli: Die Seherin von Fatima. Meine Gespräche mit Schwester Lucia. Heyne, München 2009, ISBN 978-3-453-64520-2

+

Link zum Fatimagebet und weiteren Mariengebeten

+

+

Birgitta from Sweden-artikel


Hinterlasse einen Kommentar

Hl. Birgitta – „Eheliche Liebe mit intensivem Gebet… und Nächstenliebe“

.

In memoriam der Heiligen Birgitta von Schweden, mit den Worten von Johannes Paul II.:

“…möchte ich damit bewirken, dass sich ihr [Birgitta von Schweden] nicht nur diejenigen nahe fühlen, die die Berufung zu einem besonderen geistlichen Stand empfangen haben, sondern auch jene, die als Laien ihren gewöhnlichen Tätigkeiten in der Welt nachgehen und denen vor allem die hohe und verpflichtende Berufung zukommt, eine christliche Familie zu bilden.

Ohne sich vom Wohlstandsleben ihrer gesellschaftlichen Klasse beirren zu lassen, lebte Birgitta mit ihrem Gemahl Ulf die Erfahrung eines Ehepaares, bei dem sich die eheliche Liebe mit intensivem Gebet, Studium der Heiligen Schrift, Abtötung und Nächstenliebe verband.

Gemeinsam gründeten die Eheleute ein kleines Spital, wo sie häufig den Kranken Beistand leisteten. Birgitta hatte es sich sodann zur Gewohnheit gemacht, persönlich den Armen zu dienen. Zugleich wurde sie wegen ihrer pädagogischen Gaben geschätzt, die sie besonders dann entfalten konnte, wenn man sie am Hof von Stockholm um ihren Dienst ersuchte.”

+

GEBET:
.
Gott der Vielfalt,
Du hast jedem Menschen einen ihm entsprechenden Auftrag gegeben.
Du brauchst jeden, jede von uns, damit wir deine Liebe
in einer oft so lieblosen Welt lebendig werden lassen.

Lass uns erkennen, wozu wir von Dir berufen sind –
als Ehepartner, als Eltern, als Alleinstehende, als Ordensleute.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, von dem wir Lebenskraft beziehen.

Amen.

+


Hinterlasse einen Kommentar

Marienmonat: Meditationen zum lichtreichen Rosenkranz

Der Rosenkranz ist im Grunde ein sehr einfaches Gebet, aus dem Vaterunser, dem Gegrüßet seist Du Maria und dem Ehre sei dem Vater zusammengesetzt, sodass man tatsächlich sagen darf: Dieses Gebet ist schon für Kinder geeignet, so gesehen „kinderleicht“.

In dieser Bezeichnung steckt auch das Wörtchen „leicht“, und ich möchte damit auf die Leichtigkeit anspielen, die im Beten des Rosenkranzes zu erreichen ist: Ein Losgelöst sein vom Diesseits, eine Hinwendung zu Maria und dem dreieinigen Gott, verbunden mit dem Verweilen in betender Höhe – angereichert mit unglaublich viel Sauerstoff und Leben!

Weiterlesen →


Hinterlasse einen Kommentar

Papst Johannes Paul II. im Zeugnis Jugendlicher

Leider auf Spanisch, aber die Untertitel helfen darüber hinweg, und der Kraft der Bilder tut es ohnehin keinen Abbruch…

PS: Heute vor 6 Jahren am 8. April 2005 fand das Requiem für Papst Johannes Paul II. am Petersplatz vor einer unüberschaubaren Menge anteilnehmender Menschen statt…


Hinterlasse einen Kommentar

Johannes Paul II. – in Bildern und mit Links zum Barmherzigkeitssonntag

+

Johannes Paul II. hat es sich zur Aufgabe gemacht, die von Sr. Faustyna empfangene Botschaft der Barmherzigkeit an die Menschen weiterzugeben. So hat dieser Papst den Sonntag der Barmherzigkeit A.D. 2000 begründet, um dieses Evangelium der Gnade und Liebe zu verbreiten!

Die Novene der Barmherzigkeit wurde hier empfohlen, und auch zum Rosenkranz der Barmherzigkeit gibt es einiges zu entdecken!

+

Nun zu Bildern aus dem bewegten Leben eines seligen Papstes:

Johannes Paul II., ein großer Papst mit seinem Kreuz.

Johannes Paul II. im Gebet.

Der Papst des Volkes – und der Völker.

Ein Papst, der die Massen anzieht…

…und ein Wort für jeden findet.

Ein Papst mit kontemplativem Geist.

Ein Papst, der seinem Attentäter verzeihen kann.

Papst Johannes Paul II. setzt viele Zeichen…

…so auch an der Klagemauer in Jerusalem.

Ein Papst der Herzlichkeit.

Kreuz und Wappen von Johannes Paul II.

Selbst im Tod beeindruckt Johannes Paul II. die Menschen…

…in einem schlichten Fichtensarg.

Die französische Nonne Marie Simon-Pierre gibt Zeugnis einer wunderbaren Heilung!

Johannes Paul II., bitte hilf uns weiterhin, ohne Furcht und im Vertrauen auf Jesus zu leben!

“Habt keine Angst, die Tore weit für Christus zu öffnen, fürchtet euch nicht!”

+


1 Kommentar

Die Katechesen der Sr. Teresia Benedicta (2)

+
Sr. Teresia Benedicta
steht auch heute wieder strahlend, voller Leidenschaft und Liebe vor uns. “Da wir hier und jetzt nicht in einem Paradies leben, erfahren wir täglich unsere Begrenztheit. Manchmal schmerzhaft, manchmal liebevoll, ein anderes Mal mit Humor – immer spüren wir dabei, dass uns unsere menschliche Natur viel erkennen lässt, aber bei weitem nicht alles.”

Als gläubige Menschen sprechen wir von der Gottferne, dass wir uns in den Momenten unseres Daseins einmal mehr und einmal weniger weit von Gott entfernt haben. In unserem Glauben hilft uns dann diese unbeschreibliche Sehnsucht,…

Weiterlesen →