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“Jahrhundert-Reform” – Erzdiözese Wien baut Pfarrstrukturen um

Die Worte des kürzlich verstorbenen Kardinal Martini klingen noch im Ohr: “Die Kirche ist 200 Jahre zurückgeblieben” und sei müde, stellte Kardinal Carlo Maria Martini in seinem letzten Interview für die Tageszeitung “Corriere della Sera” fest. Dieser Tage präsentierte Kardinal Christoph Schönborn eine Reform, die er als die umfassendste der letzten 200 Jahre ansieht.

Größte Reform seit über 200 Jahren

Es ist der “größte Umbau in der Erzdiözese Wien seit Joseph II.”, so Kardinal Christoph Schönborn am vergangenen Mittwoch über geplante Neuerungen in der Erzdiözese Wien. Im Rahmen des alljährlichen Medienempfangs wurden die offiziellen Leitlinien dieser Reform, die bis 2022 abgeschlossen sein soll, präsentiert.

Was sich heute schon sagen lässt: Bestehende Pfarren sollen aufgelöst und zu größeren Pfarren mit kleineren Filialgemeinden zusammengeschlossen werden. Statt bisher einem Priester für drei Pfarrgemeinden sollen künftig drei bis fünf Priester für eine Pfarre – freilich mit mehreren Filialgemeinden – zuständig sein. So könnte im Laufe der nächsten 10 Jahre die Zahl von 660 Pfarren auf ein Drittel reduziert werden.

Dem aktuellen Reformbeschluss ging ein langer Diskussionsprozess in der Erzdiözese Wien mit drei Diözesanversammlungen und Beratungen in verschiedenen Gremien voraus. Im vergangenen Juni fand ein “Tag der Räte” statt, bei dem rund 250 Personen aus diversen Beratungsgremien der Erzdiözese Wien die Grundlinien der geplanten Diözesanreform diskutierten.

Die Ergebnisse dieser Diskussion wurden über den Sommer nochmals überarbeitet. Die Letztfassung der vorgestellten Maßnahmen wurden dann vor kurzem vor der Steuerungsgruppe des diözesanen Reformprozesses, bestehend aus Kardinal Schönborn, den Mitgliedern des Bischofsrates und dem Team des Prozesses “Apostelgeschichte 2010″, erstellt.

Kirchliche Reformen im europäischen Kontext

Aber auch der Blick über die Kirche im deutschsprachigen Raum hinaus zeige ein ähnliches Bild, sagte die Pastoralamtsleiterin. Für Aufsehen habe etwa die schon um die Jahrtausendwende gestartete Initiative der französischen Erzdiözese Poitiers gesorgt, wo Teams von ehrenamtlichen Mitarbeitern heute mehr als 320 kleine Gemeinden vor Ort leiten.

Die angegangenen Reformschritte seien auch kein katholisches Spezifikum, erläuterte die Prüller-Jagenteufel. Sie verwies u.a. auf die Schwedisch-lutherische Kirche. Diese sei in ähnlichen kleinräumigen Strukturen verfasst wie die katholische Kirche in Österreich und gehe nun einen ähnlichen Weg.

Kritik am Reformprozess

Der Stellenwert der Eucharistiefeier als zentraler katholischer Glaubensausdruck macht dem Wiener Pastoraltheologen Paul Zulehner im Blick auf die Wiener Diözesanreform Sorgen.

Wenn die Gläubigen lange Strecken zurücklegen müssten, um von ihren Filialgemeinden zur Sonntagsmesse in die Pfarrkirche zu gelangen, könnte das letztlich “zu einer Entwöhnung der Gläubigen von der Eucharistie führen”, so Zulehner in der Tageszeitung “Die Presse” (Freitag). Statt einer “Zentralisierung der Eucharistie” sollte diese nach Ansicht des emeritierten Theologen dort stattfinden, “wo die Leute als gläubige Gemeinde zusammenleben.”

Auch seelsorgerisch könne die Strukturreform unerwünschte Folgen haben: Wenn sich die Kirche von der Basis entferne, bekämen die Gläubigen das Gefühl, von der Kirche im Stich gelassen zu werden. Es gelte daran arbeiten, ein starkes Gemeinschaftsbewusstsein zu erwirken, empfahl Zulehner.

Helmut Schüller kündigte in der “Presse” als Sprecher der Pfarrer-Initiative “Einspruch” gegen die geplante Strukturreform an. “Auf den Rückzug vieler selbst mit einem Rückzug zu antworten, ist kein guter Weg. Wir ziehen uns zurück, statt vor Ort stark zu werden”, bedauerte Schüller. Seine Befürchtung: “In einer Kirche der geografischen Großräume werden sich viele verlaufen, viele Kontakte werden verloren gehen, vieles an Nähe und Präsenz wird verloren gehen.”

Wir sind Kirche“ sowie die Laieninitiative hoffen auf mehr Mitsprache und Verantwortung von Laien.Dennoch werden seitens der Laieninitiative Pfarrzusammenlegungen kritisiert. Die Kirche beweise damit, dass sie nicht fähig sei, Probleme wie Priestermangel und Katholikenschwund anders zu lösen, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Laieninitiative, Pawlowsky.

Zu den Kritikpunkten Schüllers und Zulehners sowie der Laieninitiativen ist anzumerken, dass sie allesamt keine umsetzbaren Alternativvorschläge zu bieten haben. Das bloße Beharren auf Wunschvorstellungen (wie verheiratete Priester und Frauenordination) zeigt mangelndes Realitäts- und Verantwortungsbewusstsein der Kritiker. Und beim genaueren Lesen der neuen Leitlinien (siehe Anhang) wird deutlich, dass die verbleibenden Kritikpunkte ohnehin in den Reformvorschlägen integriert sind, wie z.B. die Förderung kleinräumiger Gemeinschaften in den neuen Pfarren.

Neues Miteinander von Priestern und Laien

Er sei sich bewusst, so der Kardinal, dass mit dieser Reform ein weitreichender Perspektivenwandel einhergehe: “Wir müssen uns lösen von dem hergebrachten Bild, dass Kirche nur dort ist, wo ein Priester ist.” Das “gemeinsame Priestertum aller Getauften” rücke damit stärker in den Mittelpunkt. Schönborn: “Träger der Mission der Kirche und damit auch der pfarrlichen Seelsorge und des Apostolats sind alle Getauften und Gefirmten.” Es gehe um ein neues “Miteinander von Priestern und Laien auf Basis ihrer gemeinsamen Berufung zum Christsein.

In der Sendung „Orientierung“  (ORF 1 am 23.09.) äußerte sich einer der betroffenen Pfarrer, Franz Herz (Pfarre St. Anton von Padua, Wien), zu den Auswirkungen aus Sicht der Pfarrer:

„Während früher die Gemeindemitglieder dem Pfarrer geholfen haben, pfarrliche Aufgaben umzusetzen, werden es in den neuen größeren Pfarrverbänden nun die Priester und der Pfarrer sein, die den Ehrenamtlichen und der Gemeinde helfen, Aufgaben umzusetzen. Das Hilfeverhältnis wird umgekehrt, mancher Pfarrer könnte sich in seiner sozialen Stellung etwas gemindert sehen. In jedem Fall ist es eine Herausforderung!“

Zu sehen sind auch neue Chancen aus der Zusammenarbeit von 3 bis 5 Priestern (darunter 1 verantwortlicher Pfarrer), die nicht mehr nur überarbeitet und einsam ihren Dienst und ihre Freizeit leben, sondern sich in der Teamarbeit stärken und bewähren. Durch diese Reform sollen in Zukunft mehr Ressourcen für die Seelsorge zur Verfügung stehen.

Für die Gemeinden – also jeden einzelnen von uns – bieten sich ebenfalls neue Chancen. Es geht dabei nicht um eine Selbstverwirklichung einer größeren Zahl von Gemeindemitgliedern, sondern um ein vermehrtes und vor allem dienendes Einbringen von Charismen (Talenten und Fähigkeiten), die im Rahmen konkreter Pfarraufgaben zum Einsatz kommen sollen.

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ANHANG:

Leitlinien für den diözesanen Entwicklungsprozess Apg 2.1

 „Du, Herr, führst mich hinaus ins Weite. Du machst meine Finsternis hell.“ (Antiphon zum Psalm 18)

1. Eine Kirche, die sich in all ihren Einheiten auf Mission und Nachfolge Jesu ausrichtet, darf sich nicht selbst genügen. Sie soll sich im Dienst des Apostolats für alle Menschen verstehen. Dies gilt für die Pfarren ebenso wie für alle anderen kirchlichen Einrichtungen und Organisationsformen. Auch die ortsgebundene Gemeinde muss darauf ausgerichtet sein und durch gegenseitige Unterstützung und Ermutigung in der Nachfolge Jesu leben. An dieser Stelle kommt das gemeinsame Priestertum zum Tragen: Träger der Mission der Kirche und damit auch der pfarrlichen Seelsorge und des Apostolats sind alle Getauften und Gefirmten.

Diese Perspektive eröffnet einen vom Herkömmlichen vielfach radikal unterschiedlichen Blick auf die Aufgaben und die optimale Verfassung der Kirche vor Ort: Pfarre, Pfarrer, Gemeindeleben,  Gemeindeleitung,…

Die sich daraus ergebenden Konsequenzen sind nicht bloß eine Nachjustierung des Bestehenden, sondern vielfach ein echter Neubeginn. Dieser Neubeginn spielt sich nicht unabhängig von Raum und Zeit ab, sondern will Kirche in ihren wesentlichen Vollzügen in die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts stellen.

Die Pfarre als wichtige Einheit gemeinsamen christlichen Lebens muss zu den Menschen des 21. Jahrhunderts passen. Diese leben in Weite, Offenheit, Flexibilität, Mobilität, Vernetzung, Vielfalt und Verschiedenheit sowie in großer Freiheit und in komplexen Beziehungen und Bindungen.

Der Gefahr von immer kleiner und dabei uniformer werdenden Pfarren ist entsprechend strukturell zu begegnen, um möglichst vielen Menschen die Chance zu aktivem und selbstverantwortetem Einsatz zu geben. Die konkrete Sozialgestalt von Kirche muss sich einem ständigen Wandel unterziehen, um den Menschen von heute zu begegnen und dem Anspruch des Evangeliums gerecht zu werden.

Viele haben das Bedürfnis nach Heimat und Geborgenheit in überschaubarer Gemeinschaft. Auch darauf muss die kirchliche Struktur Bedacht nehmen und beste Voraussetzungen schaffen für das Entstehen, Wachsen und Bestehen von Gemeinden vor Ort, die durchaus auch kleinräumiger sein können als viele heutige Pfarrgemeinden.

Kirche ist Gemeinschaft, auch in der Sorge und Verantwortung füreinander. Daher soll auch der Dienst der Leitung in Gemeinschaft wahrgenommen werden, gerade auch im Miteinander von Priestern und Laien auf Basis ihrer gemeinsamen Berufung zum Christsein.

Und schließlich muss eine missionarische Kirche ihre Kräfte klug und verantwortlich einsetzen. Viele der kirchlichen Ressourcen stehen nur begrenzt zur Verfügung: nicht nur die Möglichkeiten des Einsatzes von Priestern, sondern ebenso die Zeit und das Engagement aller Getauften und Gefirmten.

Dazu kommt, dass die finanziellen Mittel knapper werden und damit weniger Bauten erhalten werden können. Verantwortlicher Einsatz heißt in personalen Fragen auch, von Jesus zu lernen, der seine Jünger gemeinsam auf den Weg schickt.

2. All diese Voraussetzungen haben die Mitglieder der Steuerungsgruppe in großer Klarheit und Einmütigkeit zu einem Zielbild im Bereich der territorialen Organisation kommen lassen:

Viele örtliche von Laien geleitete Filialgemeinden bilden gemeinsam eine neue Pfarre, die von Priestern und Laien gemeinschaftlich unter der Letztverantwortung eines Pfarrers geleitet wird. Das Zusammenwirken der Charismen – der einzelnen Persönlichkeiten, aber etwa auch der Ordensgemeinschaften und Bewegungen – erhöht dabei die Wirksamkeit der Bemühungen jedes Einzelnen.

Pfarrverbände und Seelsorgeräume sind eine wertvolle Übergangsform in neue Pfarren. Dabei gilt weiterhin, dass in diesem Vorgang zwar Pfarren aufgehoben werden, nicht aber Gemeinden. Im Gegenteil:

In weiträumigen Pfarren sollen sich mehr und lebendigere Gemeinden entfalten können, die von den Hauptamtlichen der Pfarre unterstützt werden.

3. Im Einzelnen hat die Steuerungsgruppe daher festgelegt:

• Die Erzdiözese Wien wird eine neue Pfarrstruktur erhalten, in der sich Pfarren durch folgende Charakteristika auszeichnen:

– Mehrere Priester (sinnvollerweise mindestens drei bis fünf) sind aktiv eingesetzt. Einer davon ist als Pfarrer dem Erzbischof letztverantwortlich.

– Die Leitung der Pfarre wird prinzipiell gemeinschaftlich wahrgenommen und zwar von Priestern und Laien. Es gilt partizipative Führung mit klarer Aufgabenzuteilung.

– Die Filialgemeinden werden in Gemeinschaft von Getauften und Gefirmten ehrenamtlich geleitet.

– Im Mittelpunkt steht die gegenseitige Ermutigung zur Jüngerschaft, d.h. zum Leben in der Nachfolge Christi.

– Die Pfarre wird so groß sein, dass der Einsatz von Priestern wie Laien charismenorientiert erfolgen und die gesamte Pastoral stärker missionarisch ausgerichtet werden kann.

– Die Menschen im direkten Dienst der Seelsorge werden von Verwaltungsaufgaben entlastet.

– Möglichst viele Menschen sollen am Sonntag den Pfarrgottesdienst besuchen, es wird aber auch so sein, dass sich in Filialgemeinden Gebetsgemeinschaften um das Wort Gottes versammeln.

• Diese Reform wird zügig umgesetzt. In zehn Jahren sollen mindestens 80 Prozent der neuen Pfarren gebildet sein. Pfarrverbände und Seelsorgeräume stellen in diesem Prozess einen möglichen Übergang zu neuen Pfarren dar, sind aber keine Dauereinrichtung.

• Zur Einbindung der Ordenspfarren in die Struktur der neuen Pfarren werden mit den Ordensleitungen entsprechende Vereinbarungen angestrebt.

• Zum Thema Qualitätssicherung, das in den Beratungen am 22. Juni und in den Rückmeldungen zum dort diskutierten Thesenpapier breiten Raum einnahm, wird eine Arbeitsgruppe eingesetzt, deren Ergebnisse ab 2013 in den diözesanen Entwicklungsprozess einfließen.

Diese Festlegungen und die vielen sich daraus ergebenden offenen Fragen werden in den kommenden Wochen mit den Dechanten, den Priestern und den Räten auf Vikariats- und Diözesanebene besprochen, um Expertise und Konkretisierungsvorschläge bzw. bisher vielleicht nicht berücksichtigte Einwände zu sammeln. Die Steuerungsgruppe arbeitet an nötigen Klärungen weiter.

Alle Vorschläge fließen in die Vorbereitung der Dechantenwoche im Jänner 2013 ein, die über die weiteren Umsetzungsschritte beraten wird.

Der Steuerungsgruppe ist bewusst, dass es sich bei der hier skizzierten Erneuerung um einen großen Schritt handelt, der viel Mut und Einsatzbereitschaft braucht. Sie sieht voll Hoffnung auf die nächsten Monate und Jahre und vertraut auf eine gute, gemeinsam getragene Entwicklung der Kirche in der Erzdiözese Wien im 21. Jahrhundert. Der Erzbischof und seine Mitarbeiter/innen bitten alle – insbesondere auch die Gemeinschaften des kontemplativen Lebens – den Weg unserer Diözese im Gebet gemeinsam zu tragen.

„Wenn nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst, der daran baut.“ (Psalm 127)

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artikel Impuls des Bischofs


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“Heiligkeit ist mehr”: Kardinal Schönborn bei der Seligsprechung Hildegard Burjans

An diesem Nachmittag wurde die Sozialpolitikerin und Caritas Socialis Gründerin, Hildegard Burjan, die 1883 in Görlitz geboren wurde und 1933 in Wien starb, feierlich in das Buch der Seligen eingeschrieben. Für den Wiener Stephansdom, Schauplatz des feierlichen Aktes, ist es die erste Seligsprechung überhaupt in seiner Geschichte. Die Worte von Christoph Kardinal Schönborn können als Impuls zum Thema Heiligkeit verstanden werden. Die Predigt in Stichworten:

“Heiligkeit ist mehr.

Es gibt viele bewundernswerte Menschen und Christen, für die wir sehr dankbar sein dürfen.

Aber was ist dieses Mehr, das Selige und Heilige ausmacht? Was ist der Stoff, aus dem Heilige bestehen?

Da ist eine Quelle, eine Dynamik, eine Kraft – ein nicht versiegender Impuls, der wunderbares bewirkt. Gott wird durch diese Menschen wahrhaft sichtbar.

Es gibt ein Ereignis, das für die geborene Jüdin Hildegard prägend wird. Es ist der 2. Oktober 1908. Hildegard musste sich schwer erkrankt in das katholische St. Hedwigs Spital in Berlin begeben. Am Karsamstag ist sie dem Tod nahe, von den Ärzten aufgegeben.

Doch am Ostersonntag ist die 25-jährige auf dem Weg der Heilung. Hildegard wird die pflegenden Schwestern in ihrer Aufopferung nie vergessen. Sie erfährt und erkennt die Wirkung der Gnade.

Später, nachdem Gott sie weitere 25 Jahre auf den Armen durch das Leben getragen hat, wird Hildegard sagen:

Mein Sterben ist ein einziges Deo Gratia!

Hildegard hatte nicht nur Kraft für ihre Familie, Ehe, Kind, sondern auch für ihr besonderes christliches Werk: Die Gründung und Führung der Gemeinschaft Caritas Socialis.

Ich habe nie etwas anderes gemacht, als den Willen Gottes zu suchen.

Als persönliches Leitwort wählt Hildegard einen Vers von Paulus:

Die Liebe Christi drängt uns (2.Kor 5,14).

Ohne viele Worte hat sie die Predigt der Tat gelebt, in der Liebe zu den Menschen.

In die Schule Jesu gehen, diese Botschaft können wir von der seligen Hildegard – auch für die Erneuerung der Kirche Österreichs – aufnehmen:

Es wäre doch so einfach, sich einmal von Jesus an der Hand nehmen zu lassen, und sehen, wohin es führt!

Die neue Selige ist - ohne viele Worte – eine große Frau der sozialen Tat!”

Auch Papst Benedikt dachte am Sonntag Mittag beim Angelusgebet in Rom an die neue Selige:

„Ganz herzlich grüße ich die Pilger und Besucher deutscher Sprache und verbinde mich in besonderer Weise mit allen Gläubigen, die heute nachmittag im Wiener Stephansdom an der Seligsprechung von Hildegard Burjan teilnehmen. Sie sagte: „Ich weiß sicher, daß es nur ein wahres Glück gibt, und das ist die Liebe Gottes! Alles andere kann erfreuen, aber Wert hat es nur, wenn es aus dieser Liebe stammt, in ihr begründet ist.“ Aus dieser Liebe hat sie gelebt. Und als Gründerin der Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis hat sie Frauen um sich geschart, die bis heute Quelle dieser Liebe sein wollen, um den notleidenden Menschen Trost und Hilfe zukommen zu lassen. Nach dem Beispiel von Hildegard Burjan laßt auch uns Boten der helfenden Liebe Gottes sein. Gott segne euch alle!”

Selige Hildegard Burjan, bitte für uns!

Quelle: Eigene Aufzeichnungen

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Dialogprozess in der Erzdiözese Wien, Stand 2011

Nach meiner gestrigen Kritik an den kath.net-Kommentatoren gemäß der Erkenntnis “Dialog ist nicht gleich Dialog” hier nun der Stand der Gespräche “APOSTELGESCHICHTE 2010″ in der Erzdiözese Wien, Sommer 2011. Im kommenden Jahr zu Pfingsten wird der Gesprächsprozess, der zeitweise bis zu 1.500 Delegierte miteinschließt, abgeschlossen. Dann soll die “APOSTELGESCHICHTE 2010″ zu konkreten Umsetzungsschritten in den einzelnen Gemeinden führen.

Da nicht jeder Zeit und Muße haben wird, dieses umfangreiche Papier im einzelnen zu studieren, folgt hier die Kurzversion “APG 2010 in 60 seconds”.

7 Punkte sind es, die noch in Diskussion sind, und in konkrete Maßnahmen in den Gemeinden münden:

1. JÜNGERSCHAFTSSCHULEN ERRICHTEN
Die Vermittlung des Glaubens soll zunächst in den eigenen Reihen der Gemeinden gestärkt werden, und dann zu einer Neuevangelisierung nach außen führen.

2. NEUES MITEINANDER VON LAIEN UND PRIESTERN
Noch sind wir oft in einer überhöhten Sicht des geweihten Priesters befangen. Zum anderen gibt es Laien, die so von sich überzeugt sind, dass auch gute und wohlmeinende Priester keine Chance haben. Das gemeinsame Priestertum wird dagegen oft noch zu wenig wahrgenommen, geschätzt und gelebt.

3. CHRISTLICHE GEMEINSCHAFTEN UND GEMEINDEN VOR ORT
Wir wollen wachsen, auch wenn wir vorerst zahlenmäßig Mitglieder verlieren! Das Ziel ist eine wachsende Anzahl von kleinen lebendigen Gemeinden/Gemeinschaften, die wie „Sauerteig“ in die Gesellschaft hinein wirken. Hier gilt es, bestehende weiter aufzubauen und neue zu gründen. Ihre Leitung wird getauften Frauen und Männern übertragen werden. Mehrere kleine christliche Gemeinden oder Gemeinschaften werden unter der Leitung eines Pfarrers zusammengefasst werden. Zur Leitung und Begleitung dieser größeren Einheiten werden Laien, haupt- und ehrenamtlich, im pastoralen Dienst mit Priestern in Teams zusammenarbeiten.

4. NEUE GEMEINDEN JENSEITS DER TERRITORIALEN ORDNUNGEN
Gemeindebildung findet nicht nur im Sinne von Pfarren statt, die als Territorium auf einer Landkarte beschrieben werden können. Es gibt eine Vielzahl von kirchlichen Gemeindeformen und Gemeinschaften, die sich nach anderen Kriterien zusammenfinden: Menschen, die von derselben Lebenssituation betroffen sind; Menschen, die sich um ein geistliches Zentrum sammeln; Menschen, die sich von einer bestimmten Spiritualität angezogen fühlen etc. Diese Art der Gemeindebildung wird wahrscheinlich in Zukunft noch wichtiger werden. Es ist ein Herzensanliegen, dass die kirchlichen Schulen, Kindergärten, Studentenheime, Krankenhäuser,… zu Orten der Lebensschule Jesu werden. Für alle Gemeindeformen wird es neue Visitationsordnungen geben – adaptiert an „Mission zuerst“.

5. EINE NEUE PASTORAL DES RUFENS
Es braucht die Aufmerksamkeit für die Charismen. Unsere Charismen, die Gaben des Hl. Geistes sind das unerschöpfliche „Kapital“ der Kirche. Sie sind die wesentliche Ressource für unseren Dienst, zur Erfüllung unseres Auftrags. Sie zu entdecken und zu fördern, ist Aufgabe der komplexen Organisation Kirche, in erster Linie der Leitung. Oft sind wir in Teilorganisationen und Gemeinden auf der Suche nach Menschen für bestimmte Aufgaben. Wir dürfen darüber aber nicht übersehen, mit welchen vielleicht unerwarteten Charismen der Herr unsere Gemeinschaft beschenkt…

6. LOSLASSEN FÜR NEUES

Dankbar dürfen wir zurückschauen auf eine wertvolle und reiche Vergangenheit. Zugleich ist es unübersehbar, dass sowohl die personellen wie die finanziellen Ressourcen für die Kirche weniger werden. Die größte Ressource sind die Menschen, die sich für einen ehren- oder hauptamtlichen Dienst zur Verfügung stellen. Das sind sehr viele. Ich bin ihnen allen sehr dankbar! Lange Zeit haben wir versucht zu überspielen, dass die Ressourcen weniger werden und den bislang üblichen Betrieb dennoch aufrechterhalten. Viel Phantasie und mancher Druck wurde eingesetzt, um dennoch zurecht zu kommen – „Löcher zu stopfen“, sagen manche. Energie für Alternativen hat dann oft gefehlt.

7. AUFBAU DER ALLIANZEN STÄRKEN

Auch angesichts der wachsenden Not wollen wir den Weg frei machen, uns öfter an vielen Stellen und bei vielen Gelegenheiten mit anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren zusammen tun. Alle, die sich – oft ohne es so zu nennen – für die Werte des Evangeliums in Dienst nehmen lassen, sind für uns mögliche Partner, deren Weggemeinschaft wir gerne annehmen. Wer immer sich für Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung, die Bekämpfung der Armut, den Respekt vor Fremden, unbedingte Anerkennung der Würde aller einsetzt, verdient unsere Solidarität und unseren Dank.

Das ist die sehr, sehr geraffte Version dieses Papiers, dass von Basis und Kirchenleitung gemeinsam vorangetrieben wird. Da ist keine Rede von verheirateten Priestern, von Geschieden-Wiederverheirateten, von Frauenpriestertum… Genau das meine ich mit dem Hinweis “Dialog ist nicht gleich Dialog”.

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Nachfolgend ist das ganze bis jetzt vorliegende Dokument “APOSTELGESCHICHTE 2010” zu lesen:

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Wir verkündigen nämlich nicht uns selbst, sondern Jesus Christus als den Herrn, uns aber als eure Knechte um Jesu willen. Denn Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten!, er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi. Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt. (2 Kor 4,5-7)

Liebe Schwestern und Brüder!

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!

Ja, wir haben den Heiligen Geist empfangen! In Taufe und Firmung sind wir mit dem Heiligen Geist ausgerüstet worden, um Zeugen Jesu Christi zu sein. Zugleich sehnen wir uns danach, dass der Heilige Geist neu ausgegossen wird, über die Kirche, über die Welt. Ein „Neues Pfingsten“ hat Papst Johannes XXIII. erhofft, als er das II. Vatikanische Konzil einberief.

Dieselbe Sehnsucht hat mich und viele mit mir bewogen, für die Erzdiözese Wien den Prozess „Apostelgeschichte 2010“ zu beginnen und so den Weg der Erneuerung, den das Konzil wollte, weiterzugehen, im Bewusstsein einer sich schnell verändernden Situation unserer Kirche, aber auch unserer Gesellschaft.

Dieser Hirtenbrief greift nochmals die Themen meines Hirtenbriefs vom 1. Oktober 2008 auf, der den „Startschuss“ zum Vorgang „Apostelgeschichte 2010“ gegeben hat. Dieser Weg hat uns im Jahr 2009 zunächst mit der Diözesanwallfahrt auf den Spuren des hl. Paulus nach Rom geführt. Paulus, der große Missionar, bleibt auch für unseren weiteren Weg ein großes Vorbild: Wie hat er Christus verkündigt? Wie hat er Gemeinden gegründet? Wie haben er und die anderen Apostel Probleme und Konflikte gelöst?

VON DER VISION EINES APOSTELKONZILS

Schon lange bewegt mich das Modell „Apostelkonzil“ (Apg 15) als Weg der Unterscheidung und Entscheidung. Es hat mich und die, die den Vorgang „Apostelgeschichte 2010“ mit mir vorbereitet haben, angeregt, drei große Diözesanversammlungen einzuberufen. 1.500 Delegierte haben sich drei Mal für zwei volle Tage (im Oktober 2009, im März und im Oktober 2010, jeweils von Donnerstagnachmittag bis Samstagmittag) im Stephansdom versammelt. Ich denke, nicht nur für mich, sondern für sehr viele waren es starke, bewegende, hoffnungsreiche Erfahrungen.

Meiner Vision von einem „Apostelkonzil“ sind wir dabei gemeinsam ein Stück näher gekommen, und zwar weniger im Hinblick auf die schwer vergleichbare Situation, um die es damals ging, als vielmehr durch den Stil. Wir haben versucht, uns die „Methode des Apostelkonzils“ zu eigen zu machen. Ich bin überzeugt: Sie kann uns in so manchen Konflikten in unseren Gemeinden und Gemeinschaften helfen, einen guten, schöpferischen Weg zu finden. Worin besteht sie? Wie haben wir versucht, sie anzuwenden?

Der Konflikt um die Heidenmission drohte die junge Kirche zu zerreißen und schon in den Anfängen zu lähmen. Mussten die zum Glauben an Christus gekommenen Heiden die Beschneidung und sämtliche Bestimmungen des jüdischen Gesetzes übernehmen, also Juden werden, um Christen zu sein? Mich fasziniert der Lösungsansatz: Es wurde nicht zuerst über das Problem diskutiert, das den Konflikt aus gelöst hatte, sondern alle Beteiligten erzählten, „was Gott mit ihnen zusammengetan hatte“ (Apg 15,4). Indem sie gemeinsam auf das schauten, was Gott in ihrer Mitte wirkt, kamen sie zum Schluss, „dass Gott schon längst … die Entscheidung getroffen hat“ (Apg 15,7).

Das war die Idee hinter der Methode unserer drei Diözesanversammlungen. Wir hatten bewusst keine vorbereitenden Kommissionen gebildet, keine Dokumente vorbereitet, um sie dann in langen Debatten zu bearbeiten, zu verabschieden – und dann in den Schubladen liegen zu lassen. Wichtiger als Papiere war mir das offene Wort, die Atmosphäre des gegenseitigen Hörens, des gemeinsamen Betens und Feierns. So entstand ein ganz eigenes Klima, das ich als wohltuend, wertschätzend und aufbauend erlebt habe. Vielen ist es ähnlich ergangen.

HINSCHAUEN UND JA SAGEN ZU UNSERER SITUATION

Die Kirche ist auch eine „Erzähl- und Deutungsgemeinschaft“. Sie lebt aus den Sakramenten, aber auch daraus, dass wir miteinander unsere Glaubenserfahrungen teilen und gemeinsam die „Zeichen der Zeit“ im Licht des Glaubens deuten. Ich danke Gott und allen, die an den Diözesanversammlungen teilgenommen haben, für die Erfahrungen dieser Tage. Vieles davon habe ich in meinem „Logbuch“ festgehalten, (diesem so schön und liebevoll gestalteten geistlichen Notizbuch, das alle Delegierten bekamen).

• Ich habe gehört und wahrgenommen, wie sehr für viele die Kirche Heimat, „Dach über der Seele“ ist, wie viele treu zur Kirche stehen und sie lieben. Ich habe besser verstehen gelernt, dass das auch dann gilt, wenn Lösungsvorschläge für die heutigen Herausforderungen vorgebracht werden, die nicht die meinen sind. Das „offene Mikrofon“ war ein Wagnis, das sich gelohnt hat. Diese Offenheit müssen wir uns bewahren. Sie ist befreiend – und sehr anspruchsvoll.

• Ich war beeindruckt von der Vielfalt der Gaben und Talente, die unter uns lebendig sind. Es gibt so viel bewundernswertes Engagement von Getauften, Männern und Frauen, Jugendlichen, Ordensleuten, Diakonen und Priestern. Ich kann Gott nur danken für so viele Charismen, so viel Einsatz für das Reich Gottes!

• Ich habe bewusst das Miteinander, aber auch den Unterschied vom gemeinsamen Priestertum aller Getauften und dem Weihepriestertum thematisiert. Ich weiß, dass wir an diesem Thema dranbleiben“ müssen. Es war und ist eines der großen Anliegen des Konzils. Hier gilt es noch manches zu vertiefen.

• Das vergangene Jahr war stark vom Thema Missbrauch und Gewalt im Allgemeinen und besonders in der Kirche bestimmt. Unser Weg „Apostelgeschichte 2010“ war davon mitgeprägt. Das war zugleich belastend, aber auch hilfreich. Es braucht viel Mut, wirklich genau hinzusehen und konsequent aus der Option für die Opfer zu handeln. Ich habe hier – auch schmerzlich – viel gelernt. Ich glaube, es war und ist ein Weg der Läuterung, den der Herr zugelassen hat und auf dem er uns führt.

• Ich nehme wahr, dass nicht wenige an und in der Kirche leiden. Es fällt nicht immer leicht, sich als Teil der vom Papst geleiteten weltumspannenden Kirche zu verstehen und sich auch öffentlich dazu zu bekennen. Es tut gut, einander darüber offen erzählen zu können, Kummer abzuladen. Ich erlebe es aber auch als positiv, dass wir einander und auch anderen erzählen, was uns in der Kirche hält – ja, warum wir sie lieben.

• Ich nehme auch wahr (manchmal mit Erschrecken), dass die gesellschaftlichen Wandlungsprozesse schnell gehen, und dass wir noch zu wenig realisieren, dass auch die kirchliche Situation sich schneller ändert, als viele von uns wahrhaben wollen. Ich selber bin überrascht und betroffen von der Beschleunigung dieser Veränderung. Sie fordert uns alle heraus.

• Ich nehme wahr, dass bei unseren Diözesanversammlungen die Aufmerksamkeit noch zu wenig auf diesen rasanten gesellschaftlichen Wandlungsprozess gerichtet war. Die Herausforderungen der kommenden Jahre und Jahrzehnte werden enorm sein. An erster Stelle steht hier die demographische Entwicklung. Sie trifft uns als Kirche besonders schmerzlich. Die Zahlen der Erstkommunionkinder in vielen Gemeinden sprechen eine deutliche Sprache. Das Thema Migration wird zunehmend unsere Gesellschaft bestimmen. Die Energie- und Umweltfragen werden zu bedrängenden Sorgen. Die Schere zwischen den Armen und den Reichen klafft immer weiter auseinander. Sie bedroht den sozialen Zusammenhalt. Schon heute erleben wir, dass diese Nöte vor unseren Kirchentüren nicht Halt machen. Wenden wir ihnen noch mehr unsere Herzen zu!

• Wagen wir es auch, ehrlich auf die innerkirchlichen Entwicklungen zu schauen: Ich erlebe fast unterschiedslos im ländlichen wie im städtischen Raum einen Schwund an Menschen, die das kirchliche Leben mittragen, der fast überall (es gibt erfreuliche Ausnahmen) unaufhaltbar scheint. Dazu kommen die anhaltend hohen Kirchenaustrittszahlen. Die geburtenschwachen Jahrgänge tragen das Ihre bei. Die traditionellen Bindungen halten nicht mehr. Die religiöse Praxis hat sich tiefgreifend verändert. Der regelmäßige Gottesdienstbesuch ist radikal zurückgegangen. Er liegt manchmal sogar bei nur zwei bis fünf Prozent der Katholiken. Als Folge davon schrumpfen auch die Kerngemeinden. Trotz dem sind diese meist von einem bewundernswerten Engagement geprägt. Es bewegt mich tief zu erleben, mit wie viel Liebe, Einsatz, Hingabe unsere Gemeinden vom Stammkreis der Aktiven getragen werden. Ich wünschte mir, die Medien würden mehr über diese oft klein gewordenen, aber großartigen Gemeinden berichten!

• Ich erlebe bei mir selber, aber auch in vielen Gemeinden, Ordensgemeinschaften, kirchlichen Gruppierungen ein schmerzliches Gefühl der Überforderung. Wir werden weniger, aber die Aufgaben werden mehr. Die finanziellen und personellen Ressourcen werden geringer, die Herausforderungen der Mission würden genau das Gegenteil brauchen: mehr Personal, mehr finanzielle Mittel. Viele fühlen sich vom Bischof, von „denen da drinnen“ in der Diözesanleitung oder auch von Rom im Stich gelassen. Nicht wenige meinen, die oft geforderten Reformen würden das Ruder herumreißen, würden endlich wieder eine Aufwärtsbewegung bringen, mehr Ansehen für die Kirche, mehr Jugend.

• In unserer Erzdiözese gibt es viele, die ausdrücklich zu einem Dienst in der Kirche bestellt sind. Als Bischof habe ich sie im Namen der Kirche in ihren Dienst gesendet. Damit sollen sie nicht in ihr Schicksal entlassen sein, sondern Sendung bedeutet auch, für die Gesendeten Verantwortung und Sorge zu übernehmen. Sie sollen um den Rückhalt ihres Bischofs wissen – ich denke dabei z.B. an die Religionslehrerinnen und Religionslehrer, die heute oft die ersten sind, die Kindern und Jugendlichen das Evangelium verkünden. Ihnen und allen im kirchlichen Dienst wird verstärkt meine Sorge gelten.

• Was ich schon bei der Stadtmission 2003 gesagt habe, hat sich seither noch enorm zugespitzt: Ich sprach damals davon, dass wir als Kirche gedemütigt sind durch Skandale, geschwächt durch Kirchenaustritte, entmutigt durch Erfolglosigkeit – und genau in dieser Situation mutet uns der Herr zu: Geht hinaus! Seid meine Zeugen! Verkündet das Evangelium, die Frohe Botschaft! Es ist eine typisch biblische Situation. Ich war geneigt zu sagen: Herr, das geht nicht! Das überfordert uns. Doch da stand klar das Wort des Apostels: „Wenn ich schwach bin, bin ich stark“ (2 Kor 12,10). Jesu ruft uns zu: „Fürchtet euch nicht!“

(Mt 28,10) Seine Zusage gilt: „Ich bin bei euch, alle Tage…“ (Mt 28,20). Seit der Stadtmission 2003 ist die Situation noch deutlicher geworden. Die Katholikenanzahl ist weiter geschrumpft. Zugleich ist der Ruf nach Mission noch stärker geworden. Ich sehe das immer klarer als einen drängenden Anruf des Herrn an uns, IHM zu vertrauen. ER allein kann die Lage wenden. ER allein kann die Herzen erreichen, sie zu IHM hinwenden. Wir sind schwache Werkzeuge, und es ist unsere Auszeichnung, von IHM gebraucht und in Dienst genommen zu werden. Drei Zahlen geben mir zu denken: Fast drei Viertel der Österreicher sagen, sie wollten, dass Österreich ein christliches Land bleibe, und 91 Prozent haben sich bei einer ORF-Umfrage dafür ausgesprochen, dass Kruzifixe in den Schulen bleiben. Aber nur zehn Prozent der Katholiken nehmen regelmäßig am Gemeindeleben teil. Was heißt das? Ich lese es so: Viele, vielleicht sogar sehr viele Menschen haben den – oft vagen – Wunsch nach einem „halbwegs christlichen“ Österreich. Nur eine Minderheit bildet den tragenden Kern der Kirche. Wie können wir, das „engagierte“ Segment der Kirche, den vielen Erwartungen entsprechen, die auf uns liegen? Wie können wir alles das leisten, was unser Gemeindeleben erfordert und was so viele Kräfte bindet, und doch unseren Blick, unser Herz und unsere Hände frei halten für den Auftrag, Menschen für Christus zu gewinnen?

Mit allen diesen Eindrücken, Fragen, Gedanken bin ich aus dem Prozess „Apostelgeschichte 2010“ herausgekommen. Er hat mich verändert. Ich habe viel gelernt. Mein Eindruck ist, dass es vielen so ergangen ist: Wir erlebten gemeinsam die Freude des Christseins! „Mit euch bin ich Christ“, kann ich mit dem hl. Augustinus sagen, und „für euch bin ich Bischof“. Diese Erfahrung macht es mir leichter, auch den Erwartungsdruck anzunehmen, der auf mir liegt, mit der Frage: Wie geht es weiter? Eines kann ich sagen: Ich glaube, die eingeschlagene Richtung stimmt. Ich traue mich heute zu sagen: Gehen wir auf diesem Weg beherzt weiter!

DER „MASTERPLAN“ ALS DIÖZESANER ENTWICKLUNGSPROZESS

Am Schluss der dritten Diözesanversammlung habe ich von einem „Masterplan“ für die Diözese gesprochen. Ich habe gesagt, für unsere Situation passe kein „Rasterplan“, wie er in anderen Ländern durchgezogen wurde und wird. Zu vielschichtig, zu bunt und vielgestaltig ist unsere Diözese, als dass ein uniformer, systematischer Einsparungsplan über die ganze Diözese gelegt werden könnte. Unser Entwicklungsplan muss zu dieser komplexen Situation passen. Einige Merkmale unserer Situation: Fast die Hälfte unserer Pfarren wird von Ordensgemein schaften geleitet. Die Unterschiede zwischen den drei Vikariaten erfordern unterschiedliche Zugänge. Eine wachsende Zahl von Katholiken mit Migrationshintergrund gehört zum Leben unserer Ortskirche. Die Kategoriale Seelsorge ist stark im Wachsen.

Was verstehe ich unter „Masterplan“? Es ist nicht ein billiges Wortspiel, wenn ich darunter zuerst den Plan verstehe, den der Meister, unser Herr, selber mit uns hat. Wenn wir nicht Seinen Plan zu verwirklichen suchen, mühen wir uns umsonst. „Wenn nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst, der daran baut“ (Ps 127,1). Wer sagt uns aber, was Sein Plan für uns, Seine Kirche heute ist? Wie wird das konkret? Wie soll es weitergehen?

Vorweg sei ein Missverständnis abgewehrt: Sobald ich von „Mission“ oder gar „Neuevangelisierung“ spreche, kommt immer wieder der Einwurf: Das tun wir doch längst! Ist nicht heute fast jedes Taufgespräch, jede Erstkommunion- und Firmvorbereitung „Mission pur“? Tun wir das nicht längst schon, was jetzt als etwas Neues angepriesen wird? Ja, wir tun es, mit großem Einsatz, mit einem Erfolg, den letztlich nur Gott kennt, und mit unermüdlicher Bereitschaft, Jahr für Jahr unter schwieriger werdenden Verhältnissen neu zu beginnen. Ich kann dafür nicht genug danken.

Unter dem Begriff „Masterplan“ verstehe ich kein fertiges Rezept, das ich in der Tasche haben kann. Uns geht es darum, dass wir gemeinsam neu und frisch dem Herrn selber die Frage stellen: Was willst Du, das wir tun sollen? Deine Kirche ist ja kein Selbstzweck!

Was sagst DU uns durch die vielen Suchenden? Wie lässt DU uns Deinen Herzschlag im Leben so vieler vernehmen, die nicht in unseren Kerngemeinden sind? Willst DU uns nicht zu einem Umdenken, einer Umkehr führen? Rufst DU uns nicht, uns neu hinter DICH zu stellen und DIR nachzufolgen? Denken wir nicht allzu oft in allzu menschlichen Kategorien, sodass Jesus zu uns wie zu Petrus energisch sagen muss: „Du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen“ (Mt 16,23)?

Ich frage mich selbstkritisch: Träume ich nicht insgeheim von der Gestalt der Kirche, die ich in meinen jungen Jahren erlebt habe? Hoffe ich nicht doch ins geheim, dass es irgendwie gelingen muss, der Kirche wieder Ansehen, Akzeptanz, Beliebtheit und greifbaren Erfolg zu verschaffen? Bin ich bereit, zur heutigen Situation wirklich ja zu sagen? Sie als die Chance zu sehen, die Gott uns heute gibt? Ich bin gewiss: Christus will seine Kirche in Dienst nehmen als Zeichen und Werkzeug der Vereinigung mit Gott und der Erlösung der Menschen (vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Lumen Gentium 1).

Wenn das Zeichen undeutlich, das Werkzeug untauglich wird, muss es neu geschmiedet werden – im Feuer der Prüfung, unter mächtigen Schlägen und im stillen Aufschmelzen des Materials und seiner Ausgießung in die kommen de Form. Denn der Geist will unsere Herzen erneuern und mit ihnen das Angesicht der Erde.

„MISSION ZUERST“ – UNSERER SENDUNG AUF DER SPUR

„Mission zuerst“ habe ich als oberste Priorität des „Masterplanes“ genannt. Welche konkreten Schritte folgen daraus? Zuerst die Frage: Wie können wir unsere Jüngerschaft in der Nachfolge Jesu vertiefen, beleben, ja sie konkret lernen und einüben? Welche Entwicklungen unserer Struktur und Organisation braucht es in unserer Diözese, damit wir uns auf unsere Mission ausrichten können? Welche Strukturen müssen wir eventuell aufgeben, welche ändern, welche neu schaffen, damit sie der Mission dienen?

Ich habe für den diözesanen Entwicklungsprozess eine Steuerungsgruppe eingerichtet, die aus dem Bischofsrat und dem Team der Stabstelle „Apostelgeschichte 2010“ besteht. Diese Steuerungsgruppe strukturiert, koordiniert und begleitet den ganzen Prozess. Die konkrete Planung und Gestaltung habe ich einer Arbeitsgruppe über tragen. Ihr steht Generalvikar Nikolaus Krasa vor; weiters gehören ihr an: Weihbischof Stephan Turnovszky, Bischofsvikar Matthias Roch, Pastoralamtsleiterin Veronika Prüller-Jagenteufel, Michael Scharf, Andrea Geiger, Otto Neubauer und Otmar Spanner.

Diese Gruppe erarbeitet für den Prozess eine Vorgangsweise, die es den jeweils Betroffenen ermöglicht mitzugestalten und die für die Breite der Diözese angemessen ist. Entscheidungen für die Erzdiözese fallen durch die jeweils im Kirchenrecht vorgesehenen Organe.

In diesem Prozess setze ich in der Arbeitsweise den Stil von „Apostelgeschichte 2010“ voraus. Im Buch „Vom Wendepunkt der Hoffnung“ (und auf der Homepage www.apg2010.at) sind bereits viele Grundüberlegungen und Anstöße dokumentiert.

Die Themenfelder, um die es in diesem Prozess gehen wird, sowie erste, vorläufige Schritte und einige Fragen, die sich Einzelne, Pfarrgemeinden, Gemeinschaften jetzt schon stellen sollen, habe ich wie im Hirtenbrief von 2008 wieder in sieben Punkten zusammengefasst:

1. NEU IN DIE LEBENSSCHULE JESU GEHEN – JÜNGERSCHAFTSSCHULEN ERRICHTEN

„Gehend nun, macht zu Schülern alle Völker, taufend sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, lehrend sie, alles zu bewahren, wieviel ich euch geboten habe …“
(Mt 28,19f – Münchner Neues Testament)

Der Glaube ist ein Geschenk, in das wir immer tiefer hineinwachsen. Die kirchliche „Urform“ dafür ist das Katechumenat – der Weg eines Taufkandidaten, einer Taufkandidatin. Wir lernen den Glauben – unser Leben lang. Wir haben in der Diözese vielfältige alte und neue Erfahrungen mit solchen Lernvorgängen des Glaubens. Ich denke z.B. an Gruppen der Katholischen Aktion, Exerzitien (im Alltag), Einkehrtage, Familienrunden, Bibel teilen, Cursillo, neokatechumenale Katechesen, Alpha-Kurse, Glaubenskurse verschiedener Art, Pfarrmissionen, den ganzen Bereich der Sakramentenvorbereitung und auch an viele Sozial- und Caritaskreise. Es lohnt sich, persönlich, wie in allen Gruppen und Runden immer wieder bewusst auf dieses Lernen im Glauben zu achten. Kirchliche Orte sollten Schulen der Jüngerschaft sein, kirchliche Gemeinschaften sind Lebensschulen Jesu.

In welche Schulen des Glaubens bin ich schon gegangen?

Was möchte ich noch lernen im Glauben?

Wer spricht mit mir über Gott, Jesus, den Heiligen Geist, die Kirche,

über Auferstehung, Erlösung, Reich Gottes?

Mit wem lerne ich, über meinen Glauben zu reden?

Woran erkennen wir und andere, dass wir Jesu Jünger und Jüngerinnen sind?

Inwiefern sind unsere Pfarren und Gemeinschaften, die Sakramentenvorbereitung, die vielen Aktivitäten und Runden Lebensschulen Jesu, Lernorte für Glauben und Jüngerschaft?

Welche Lerngemeinschaften des Glaubens gibt es bei uns?

Um bestehende Vorgänge zu überprüfen und zu verbessern bzw. um neue Lerngruppen aufzubauen, wird die Steuerungsgruppe Hilfen entwickeln (z.B. Kriterienkataloge, Modellprojekte) bzw. deren Entwicklung beauftragen. Um als missionarische Gemeinden zu leben, solche Gemeinden zu gründen, aufzubauen und zu fördern, braucht es Menschen, die bereit sind, Jüngerinnen und Jünger Jesu zu sein und immer neu zu werden. Die Jünger von damals sind an der Hand Jesu gegangen. Jüngerinnen und Jünger von heute gehen mit der Bibel in der Hand.

Derzeit ist ein Ausbildungslehrgang in Erarbeitung für die (ehrenamtliche) Leitung von kleinen christlichen Gemeinschaften/Gemeinden, der mit Jahres beginn 2012 starten soll.

Wir werden unsere Formen der Sakramentenkatechese kritisch hinterfragen und neue Akzente setzen. Ich wünsche mir, dass viele junge und ältere Menschen zum YouCat greifen. Bleiben wir im Gespräch über unseren Glauben. Wir werden in Zukunft verstärkt Ressourcen in Glaubens- und Missionsschulen einbringen. Ich wünsche mir viele erneuerte und neue Glaubens- und Missionsschulen, denn wir werden mehr denn je auskunftsfähig sein müssen, über die Hoffnung, die uns leben lässt.

2. NEUES MITEINANDER VON GEMEINSAMEM PRIESTERTUM DER GLÄUBIGEN UND WEIHEPRIESTERAMT

„Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.“ (1 Petr 2,9)

Kirche ist Volk Gottes – ein gemeinsames Priestertum im Dienst an der Welt, besonders den Armen, Schwachen und Fremden. Das Weihepriesteramt steht im Dienst am Volk Gottes. Wie das gemeinsame Priestertum und das Weihepriesteramt in der Praxis zueinander stehen und aufeinander bezogen sind, ist weiterzuentwickeln. Noch scheinen wir – zum einen – oft in einer überhöhten Sicht des geweihten Priesters befangen zu sein. Zum anderen gibt es Laien, die so von sich überzeugt sind, dass auch gute und wohlmeinende Priester keine Chance haben. Das gemeinsame Priestertum wird dagegen oft noch zu wenig wahrgenommen, geschätzt und gelebt.

Wir alle gehören durch die Taufe Christus an. Christsein ist weder ein Ehrenamt, noch ein Hauptamt, sondern eine Lebensentscheidung. Wir sind aufeinander angewiesen und verwiesen. Gemeinsam tragen wir Sorge und Verantwortung für die Kirche, für Gemeinden und Gemeinschaften. Wir sind uns gegenseitig anvertraut und geschenkt. Und wir bedürfen der gegenseitigen Vergebung, wo wir uns nicht in Würde begegnet sind und falsche oder unerfüllbare Erwartungen aneinander gestellt haben.

Was heißt für mich, Anteil zu haben am gemeinsamen Priestertum?

Wie wird mir die gleiche Würde aller Getauften bewusst?

Wie können wir uns gegenseitig stärken und unterstützen?

Wie sind wir eine Hilfe füreinander?

Wie können wir uns in unseren unterschiedlichen Aufgaben ernst nehmen, einander begleiten und korrigieren?

Wie können wir gemeinsam besser für die Menschen da sein?

Welche Erwartungen haben wir aneinander?

Wie sehe ich mich als geweihter Priester oder Diakon, und wie sehe ich die anderen?

Bin ich bereit, auf die mir anvertrauten Mitchristen zu hören, sie in ihren Charismen ernst zu nehmen?

Was bedeutet es für uns, dass jeder seine und jede ihre eigene unmittelbare Beziehung zu Gott hat?

Alle, die andere in ihrem Engagement begleiten, müssen gut darauf achten, wer an welcher Stelle seine/ihre eigene Berufung entfalten kann. Es gilt genauer hinzuschauen und die vorhandenen Kräfte gezielter einzusetzen. Das betrifft auch Entscheidungen der Diözesanleitung. Hier möchte ich in Zukunft bewusster beachten, wer das Charisma der Leitung, besonders der geistlichen Leitung hat.

Ich sage es ohne Umschweife, wir brauchen heute in der Kirche eine tief greifende doppelte Bekehrung: Wir Priester müssen uns bekehren, uns tatsächlich in den Dienst des gemeinsamen Priestertums aller zu stellen, d.h. „darunter“ und das in Freude. Die Laien – so bekennen mir immer mehr Laien – brauchen eine Bekehrung zur inneren dankbaren Haltung, von den Priestern etwas zu empfangen, das sie sich selber nicht geben können. Das hat weitreichende Konsequenzen, wenn wir bereit sind, uns gegenseitig zu tragen, wertzuschätzen, mit den Charismen zu beschenken und Hirtensorge gemeinsam wahrzunehmen.

3. CHRISTLICHE GEMEINSCHAFTEN UND GEMEINDEN VOR ORT – AUFBAUEN, STÄRKEN UND GRÜNDEN

„Die Einheimischen waren uns gegenüber ungewöhnlich freundlich; sie zündeten ein Feuer an und holten uns alle zu sich, weil es zu regnen begann und kalt war.“ (Apg 28,2)

Paulus erlebt nach seinem Schiffbruch vor Malta überraschende Gastfreundschaft (Apg 27/28). Diese ist heute eine der wichtigen Aufgaben, die christlichen Gemeinden und Gemeinschaften aufgetragen sind: ein Feuer anzünden und die Gäste und Pilger aus den Stürmen des Lebens freundlich empfangen. Ob sie bleiben wollen oder nur eine kurze Rast machen, soll ihnen überlassen werden. Christus braucht Gemeinden, damit die Gemeinschaft, die er stiftet, konkret erfahren werden kann – im geteilten Leben und Glauben sowie im Dasein für andere.

Pfarren sind Kirche vor Ort, Gemeinschaft von Glaubenden. Woran merken wir das selbst in der konkreten Praxis?

Woran können es andere, die bei uns vorbeikommen, spüren?

Ist unsere Gemeinde gastfreundlich?

Wie viele Menschen sind im vergangenen Jahr neu zu uns gestoßen?

Gibt es bei uns einen „welcome service“?

Welche Menschen finden bei uns Hilfe und Begleitung auf der Suche nach Gott, nach dem Woher und Wohin, dem Sinn des Lebens?

Welche neuen Formen, miteinander Gottesdienst zu feiern, kennen wir?

Welche Kräfte sind gebunden für unsere derzeitige Pfarrstruktur?

Über welche freien Ressourcen verfügen wir?

Worauf richten wir die vorhandenen Kräfte?

Wozu/Für wen ist unsere Gemeinde/Pfarre da?

In den nächsten Jahren wird sich in der Struktur unserer Pfarren vieles verändern. Nehmen wir das ehrlich und ohne Scheu in den Blick. Einzelne Dekanate sind bereits auf einem guten Weg einer wachsenden Zusammenarbeit.

Wir wollen wachsen, auch wenn wir vorerst zahlenmäßig Mitglieder verlieren! Das Ziel ist eine wachsende Anzahl von kleinen lebendigen Gemeinden/Gemeinschaften, die wie „Sauerteig“ in die Gesellschaft hinein wirken. Hier gilt es, bestehende weiter aufzubauen und neue zu gründen. Ihre Leitung wird getauften Frauen und Männern übertragen werden. Mehrere kleine christliche Gemeinden oder Gemeinschaften werden unter der Leitung eines Pfarrers zusammengefasst werden. Zur Leitung und Begleitung dieser größeren Einheiten werden Laien, haupt- und ehrenamtlich, im pastoralen Dienst mit Priestern in Teams zusammenarbeiten. Das kann bedeuten, dass manche Pfarrkirchen in Filialkirchen umgewandelt werden, vor allem aber sollen viele kleine christliche Gemeinden/Gemeinschaften wachsen können, die auf die neuen Erfordernisse antworten wollen. Bestehende Modelle der Kooperation (wie etwa Pfarrverbände und Seelsorgeräume) müssen berücksichtigt, aber auch auf ihre Praktikabilität hin kritisch hinterfragt werden bzw. sind sie auf ihre Wachstumsmöglichkeiten und Lebendigkeit hin zu prüfen. Für die Gestaltung solcher Prozesse des Zusammenwachsens und Zusammenarbeitens von Gemeinden innerhalb größerer Gebiete bzw. Verwaltungseinheiten erarbeitet die Steuerungsgruppe diözesane Vorgaben.

Diese sollen Spielraum eröffnen für jeweils passende ortsbezogene Lösungen. Dadurch soll der Entwicklungsprozess der Verschiedenartigkeit der Situationen in der großen Erzdiözese Rechnung tragen.

In Zukunft wird es Kennzeichen einer Pfarrkirche sein, dass dort sonntags Eucharistie gefeiert wird. In vielen Kirchen wird nur mehr eine Eucharistiefeier pro Sonntag gefeiert werden. Es bedeutet jedenfalls, dass alle derzeit bestehenden Pfarren in Vorgänge der Neuordnung einbezogen werden. Solange diese kommenden Strukturen noch in Entwicklung sind, möchte ich keine neuen Pfarrer ernennen, sondern Moderatoren, damit so die Möglichkeiten für Veränderungen offener bleiben.

4. NEUE GEMEINDEN JENSEITS DER TERRITORIALEN ORDNUNGEN ENTWICKELN UND UNTERSTÜTZEN

„Lebt als Gemeinde so, wie es dem Evangelium Christi entspricht.“ (Phil 1,27)

Gemeindebildung findet nicht nur im Sinne von Pfarren statt, die als Territorium auf einer Landkarte beschrieben werden können. Es gibt eine Vielzahl von kirchlichen Gemeindeformen und Gemeinschaften, die sich nach anderen Kriterien zusammenfinden: Menschen, die von derselben Lebenssituation betroffen sind; Menschen, die sich um ein geistliches Zentrum sammeln; Menschen, die sich von einer bestimmten Spiritualität angezogen fühlen etc. Diese Art der Gemeindebildung wird wahrscheinlich in Zukunft noch wichtiger werden. Es wird wichtiger, dass Menschen auf vielerlei Weisen und an ganz unterschiedlichen Orten mit Kirche, mit der Gemeinschaft des Glaubens an Christus in Berührung kommen. Dazu braucht es Pioniergeist und Unterstützung solcher Initiativen und Einrichtungen. Solche hervorragenden Orte sind und können sein: Ordensniederlassungen, die kirchlichen Schulen, der Religionsunterricht, die kirchlichen Krankenhäuser, kirchliche Erwachsenenbildungseinrichtungen, die vielen Einrichtungen der Caritas. Das sind heute Orte, an denen Menschen von Kirche konkrete Hilfe und Begleitung erfahren und auch explizit zur Begegnung mit Christus eingeladen werden. Immer wieder bilden sich auch neue Gemeinden, etwa um Orden und geistliche Zentren oder als Gründungen neuer geistlicher Bewegungen. Zu diesen stark personenbezogenen Gemeindeformen zähle ich auch die anderssprachigen Gemeinden. Sie sind eine starke und stark wachsende Größe, vor allem in der Großstadt Wien.

Wie gestaltet sich Gemeindeleben ohne einen fixen Ort?

Wo sind Orte mit besonderer Anziehungskraft?

Was kann die ganze Diözese/die territoriale Seelsorge von ihnen lernen?

Wie können unsere Einrichtungen noch ansprechendere Orte der Verkündigung der Frohbotschaft Christi werden?

Wie wird Glaubensgemeinschaft in ihnen erlebbar?

Wie können verschiedene Gemeindeformen voneinander lernen?

Wie kann der Zusammenhalt verschiedener Gemeindeformen in der einen Erzdiözese gefördert werden?

Welche Unterstützung brauchen neue kirchliche Gemeinden/Gemeinschaften?

Zum Entwicklungsprozess der Diözese wird auch ein Konzept für die bessere Einbindung dieser verschiedenartigen Gemeinden gehören. Ich sehe mit großer Freude das Wachsen von kirchlichen Gemeinden/Gemeinschaften von anderssprachigen Bevölkerungsgruppen und auch die ganz kleinen Initiativen einzelner neuer Bewegungen. Der spirituelle Reichtum der vielen Ordensgemeinschaften in unserer Diözese soll wesentlich stärker im Aufbau von kirchlichen Gemeinden/Gemeinschaften zum Tragen kommen. Dort, wo Neues wächst, muss in Zukunft investiert und für ein gutes Zusammenwirken aller gesorgt werden.

Einen besonderen Schwerpunkt lege ich auf alle im Religionsunterricht verkündigenden Frauen und Männer. Es ist mir ein Herzensanliegen, dass die kirchlichen Schulen, Kindergärten, Studentenheime, Krankenhäuser,… zu Orten der Lebensschule Jesu werden. Für alle Gemeindeformen wird es neue Visitationsordnungen geben – adaptiert an „Mission zuerst“.

5. EINE NEUE PASTORAL DES RUFENS – FÜR DIENSTE IN HINGABE UND PROFESSIONALITÄT

„Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele!“ (Joh 6,9)

Bei der Brotvermehrung sind die Jünger zunächst nicht fähig, die Aufgabe zu erfüllen, die Jesus ihnen gestellt hat: Gebt ihr ihnen zu essen! Doch dann erkennen sie den Buben, der Brote und Fische hat; und Jesus kann allen zu essen geben.

Unsere Erzdiözese ist eine große und komplexe Organisation. Gerade auch die kirchlichen Angestellten stehen vor neuen Herausforderungen in dieser Phase der Neuorientierung. Von ihnen wird zu Recht professionelles Handeln erwartet. Zugleich braucht Handeln im Auftrag der Kirche die Bereitschaft zur Hingabe im Dienst.

Es braucht die Aufmerksamkeit für die Charismen. Unsere Charismen, die Gaben des Hl. Geistes sind das unerschöpfliche „Kapital“ der Kirche. Sie sind die wesentliche Ressource für unseren Dienst, zur Erfüllung unseres Auftrags. Sie zu entdecken und zu fördern, ist Aufgabe der komplexen Organisation Kirche, in erster Linie der Leitung. Oft sind wir in Teilorganisationen und Gemeinden auf der Suche nach Menschen für bestimmte Aufgaben. Wir dürfen darüber aber nicht übersehen, mit welchen vielleicht unerwarteten Charismen der Herr unsere Gemeinschaft beschenkt. Eventuell vorsichtig Interessierte sind nicht zuerst als potenzielle zusätzliche Arbeitskräfte anzusehen. Es braucht die offene Begegnung, um zu entdecken, was der oder die andere mitbringt.

Was würde sich in meiner Gemeinde/Gemeinschaft, Einrichtung oder Dienststelle verändern, wenn wir sie mehr nach den Charismen aufbauen als nach dem, was wir meinen, was erledigt werden muss?

Welche Charismen haben die Menschen in meiner Umgebung?

Wie können sie dem Aufbau von kirchlichen Gemeinden dienen?

Wie kann ich meine Begabungen besser einbringen?

Als Bischof weiß ich mich für beides verantwortlich: für eine gute, professionelle Qualität meiner Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowie für ihre Herzensbildung und ihre geistliche Berufshaltung. Auf beides möchte ich in Zukunft stärker achten und Anreize dafür setzen. Unter den sich verändernden gesellschaftlichen Bedingungen wird die Mitgliederzahl der Kirche derzeit kleiner. Es geht aber nicht um eine „Elitekirche“. Vermehrt Menschen in den Dienst der Kirche zu rufen, bedeutet nicht, von allen spirituelle oder aktivistische Hochleistungen zu fordern. Es geht um das Wesen von Christsein und von Kirche: ein Dasein für die anderen, Dasein für die Welt. Alle Einrichtungen der Erzdiözese – von Pfarren bis zu den diözesanen Dienststellen – müssen sich an diesem Kriterium des grundlegenden Dienstcharakters messen lassen.

6. LOSLASSEN FÜR NEUES – WAGEMUT IST GEFRAGT!

„Denkt nicht mehr an das, was früher war; auf das, was vergangen ist, sollt ihr nicht achten. Seht her, nun mache ich etwas Neues. Schon kommt es zum Vorschein, merkt ihr es nicht?“ (Jes 43,18f)

Dankbar dürfen wir zurückschauen auf eine wertvolle und reiche Vergangenheit. Zugleich ist es unübersehbar, dass sowohl die personellen wie die finanziellen Ressourcen für die Kirche weniger werden. Die größte Ressource sind die Menschen, die sich für einen ehren- oder hauptamtlichen Dienst zur Verfügung stellen. Das sind sehr viele. Ich bin ihnen allen sehr dankbar!

Die zweite wesentliche Ressource sind die großzügigen Zahlungen durch die Mitglieder der Kirche: der Kirchenbeitrag. Dankbar bin ich den Vielen, die trotz mancher innerer Distanz genug Sympathie für die Kirche aufbringen, um ihr finanzielle Zuwendungen zukommen zu lassen. Nur durch diese Beiträge ist es möglich, dass wir so viele kirchliche Aktivitäten und Einrichtungen nach wie vor erhalten können.

Lange Zeit haben wir versucht zu überspielen, dass die Ressourcen weniger werden und den bislang üblichen Betrieb dennoch aufrechterhalten. Viel Phantasie und mancher Druck wurde eingesetzt, um dennoch zurechtzukommen – „Löcher zu stopfen“, sagen manche. Energie für Alternativen hat dann oft gefehlt.

Wo bricht Neues hervor?

Welches Neuland können wir „beackern“?

Wo würde Jesus heute hingehen?

Wen würde er heute treffen wollen?

In welchen Räumen würde er sich aufhalten wollen?

Was stellen wir hinten an? Was lassen wir?

Jede Pfarre, Gemeinde, Einrichtung, Dienststelle,… möge sich ganz konkret fragen: Was machen wir nicht mehr, damit wir Kräfte frei bekommen für Neues?

Der beginnende diözesane Entwicklungsprozess bringt auch hier eine neue Chance: Nicht irgendwie weiterzumachen wie bisher, sondern Neues zu wagen. Damit wir dazu Kraft haben, müssen wir bisher Getanes aufgeben. Wir werden auch Aktivitäten lassen, die gut und wichtig waren und uns Freude gemacht haben. Wir werden an dieser Erfahrung der Endlichkeit unserer Kräfte und Ressourcen leiden. Wir werden zugleich die Erfahrung von Freiheit machen, die erleichternde Klarheit der Konzentration erleben und die Lust des Neuanfangs spüren.

Ich möchte, dass alle Ebenen und Teile der Diözese danach trachten, mindestens zehn Prozent ihrer personellen wie finanziellen Kräfte für das Neue und den Wandlungsprozess frei zu bekommen.

7. AUFBAU DER ALLIANZEN IM „TUN DER GERECHTEN“ STÄRKEN

„Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40)

Nach dem Matthäusevangelium ist die entscheidende Bedingung im Gericht Gottes der konkrete Einsatz für die Notleidenden. Hier geschieht sehr viel Gutes in vielen verschiedenen Formen durch Mitglieder und Einrichtungen unserer Diözese. Keine andere soziale Organisation hat ein derart dichtes Netz.

Angesichts der Not bei uns und erst recht in der weiten Welt erscheint das dennoch oft wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Da ist es tröstlich, dass wir als Kirche nicht allein sind in unserem Engagement; wir teilen es dankbar mit vielen Menschen guten Willens. Als Kirche stehen wir im Engagement für eine bessere Welt neben anderen, die das auch tun. Zudem stehen wir auf dem „Markt der Sinnangebote und Weltanschauungen“ als ein Anbieter neben anderen. Wir haben eine lange innegehabte, bequeme Vormachtstellung inzwischen ziemlich deutlich und endgültig verloren. Ich möchte das nicht beklagen, sondern als Gelegenheit sehen, demütig zu werden, sozusagen vom hohen Ross zu steigen, unsere Position und unsere Möglichkeiten richtig einzuschätzen. Gleichzeitig gibt uns diese Situation die Chance, den Glauben neu buchstabieren zu lernen und die Schönheit des Christentums wieder zu entdecken.

Mit wem bin ich/sind wir als kirchliche Gemeinde/Gemeinschaft im Engagement verbunden?

Wem bin ich für diese Gemeinsamkeit dankbar?

Von wem können wir lernen, was Gerechtigkeit, Würde und Heil bedeutet?

Wer ist für uns Partner im Engagement für eine bessere Welt für alle?

Auch angesichts der wachsenden Not wollen wir den Weg frei machen, uns öfter an vielen Stellen und bei vielen Gelegenheiten mit anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren zusammen tun. Alle, die sich – oft ohne es so zu nennen – für die Werte des Evangeliums in Dienst nehmen lassen, sind für uns mögliche Partner, deren Weggemeinschaft wir gerne annehmen. Wer immer sich für Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung, die Bekämpfung der Armut, den Respekt vor Fremden, unbedingte Anerkennung der Würde aller einsetzt, verdient unsere Solidarität und unseren Dank.

Wichtige Kriterien für die Zuteilung von Ressourcen werden in der Erzdiözese künftig der diakonale Einsatz sowie die Verknüpfung der Aktivitäten in die Zivilgesellschaft hinein sein. Wo wir in konkreten Anliegen mit anderen, die nicht aus der Kirche kommen, zusammenarbeiten, können wir unendlich viel voneinander lernen.

Wir Christen lernen im barmherzigen Tun unseren eigenen Glauben neu kennen; wir bekommen ihn neu geschenkt von denen, die uns bitten, brauchen und auf uns hoffen. Wir bekommen ihn auch neu geschenkt aus der Hand derer, die mit uns zusammenarbeiten, unsere Motive achten, nach unserer Hoffnung trotz allem fragen.

„… DAMIT WIR SEINE FREUDE IN FÜLLE IN UNS HABEN.“

(Joh 17,13c)

Eine weitere Etappe unseres Weges beginnt! Es wird ein strukturierter Veränderungsprozess sein. Die konkrete Form muss sich erst entwickeln, weil es eben kein Rasterplan, kein fertiges Rezept ist. Das Ziel dürfen wir nicht aus den Augen verlieren: Wir haben einen Auftrag!

Im Frühjahr 2013 werden wir – wie schon angekündigt – zu einer diözesanen Wallfahrt zu den paulinischen Gemeinden aufbrechen, um uns wiederum vom hl. Paulus inspirieren zu lassen, in seine Schule zu gehen für unsere Zukunft.

Um unsere Erfahrungen, die wir mit dem Herrn machen, auszutauschen, werden sich im Oktober 2013 erneut Delegierte aus allen Pfarren und Einrichtungen der Erzdiözese in einer Diözesanversammlung treffen. Bis dahin wünsche und hoffe ich, dass vieles in Bewegung kommt – mit Bangen wohl auch, aber freudig folgend dem Auftrag Christi.

Gott umarmt uns durch die Wirklichkeit. In dem wir die Zeichen der Zeit erkennen, können wir darin den Anruf Gottes für unser Engagement heute deuten. Gerade in der Dramatik unserer Situation wird sein Rufen deutlich und zeigt sich, was ER heute von seinen Hirten und seinem Volk erwartet. Das nüchterne und demütige Hinschauen auf unsere Wirklichkeit ist kein Jammern, es ist eine große Chance für unsere Umkehr und unseren Neuanfang. Nicht Notlösungen und Überbrückungen dürfen uns leiten, sondern das bewusste JA zu unserer Situation. Es geht darum, sich auf eine rasant verändernde Wirklichkeit einzulassen – vor allem aber auf die Menschen, die sich darin zurechtfinden müssen.

Es wird uns schwerfallen loszulassen – gerade Gewohntes und Liebgewordenes. Wir werden uns auch nicht immer einig sein, was wir lassen und tun und welche Prioritäten wir setzen. – Wir stehen wieder an einem Anfang.

Wir dürfen zugleich dank bar auf eine reiche und wertvolle Vergangenheit blicken. Angesichts dessen, was hinter uns liegt, und dessen, was vor uns liegt, scheint es nicht leicht, von der Freude zu sprechen. Dennoch ist es die Freude, die uns antreibt. Wir können sie nicht machen, sondern nur empfangen – in dem Moment, in dem wir begreifen, zu welcher Würde wir gesalbt und berufen sind. Diese Freude, die wir am gemeinsamen Christ sein erleben, lässt uns auch immer wieder ganz absichtslos missionarisch sein.

Halten wir fest an der Zusage Gottes: Fürchtet euch nicht! Es kann gut sein, dass dort, wo Gewohntes und Liebgewordenes vergeht, der Geist selber die Mauern und Dächer unserer kirchlichen Behausungen abbricht und alte Wege verwehrt, um uns auf Reisen zu schicken, auf Pilgerschaft in unbekanntes Gebiet:

„Nehmt Neuland unter den Pflug! Es ist Zeit, den Herrn zu suchen; dann wird er kommen und euch mit Heil überschütten.“ (Hos 10,12)

Wir alle sind gemeinsam Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Gottes, unkündbar – Gesandte an Christi statt! Nicht aufgrund von Verdiensten und Tugenden, sondern allein aus Gottes Güte. Am hl. Paulus wird deutlich, wie Gott in seiner Freiheit auch Unerwartete beruft auf nicht vorhergesehene Weise. Gott weitet unseren Blick auf seine ganze Schöpfungsfamilie. Diese hat er auch jenseits unserer Kirchengrenzen mit seinem Geist reich beschenkt in ihrem Erbe und in ihren Träumen. Er lässt sich finden, wo wir ihn nicht erwarten. Im Gewand des Fremden kommt er uns entgegen und bittet um Aufnahme.

Geben wir also, was wir zu geben haben zum Wohl der Menschen und zum Aufbau der Gemeinden. Wenn wir aber schenken, dann muss uns bewusst sein, wir geben weiter, was wir selbst empfangen haben. Segen haben wir empfangen, Segen sollen wir sein!

Beten wir gemeinsam – miteinander und füreinander, dass wir SEINE Freude in Fülle in uns haben!

Mit herzlichen Segenswünschen

Christoph Kardinal Schönborn
Erzbischof von Wien

Wien, am 4. Sonntag der Osterzeit 2011 (Gut-Hirten-Sonntag)

Herr Jesus Christus

durch die Taufe gehören wir Dir an.

Durch Dich hat uns der Vater seine Liebe gezeigt

und sich selbst uns zugewendet.

Du hast Dich klein gemacht, um uns nahe zu sein.

Wir danken Dir und preisen Dich,

denn Du zeigst uns den Weg zum Leben in Fülle.

Du begegnest uns durch die Wirklichkeit unserer Zeit.

Auch im Gewand des Fremden kommst Du uns entgegen.

Ja Jesus, Dir vertrauen wir, von Dir wollen wir lernen:

Dein Zugehen auf die Menschen,

Dein Dasein besonders für die Notleidenden.

Wir ersehnen Deinen Heiligen Geist, der uns Kraft und Mut ist.

Dein Heiliger Geist wecke in uns neu die Freude und die Leidenschaft,

für Dich und die Menschen zu brennen.

Amen.

„Wir verkündigen nämlich nicht uns selbst, sondern Jesus Christus als den Herrn. Denn Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten!, er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi. Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt.“ (2 Kor 4,5-7)

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Herausgegeben von:

Erzdiözese Wien
APG 2010
Wollzeile 2 | A-1010 Wien
http://www.erzdioezese-wien.at
http://www.apg2010.at

Das Buch „Vom Wendepunkt der Hoffnung – Der Prozess Apg 2010 in der Erzdiözese Wien“ ist erhältlich in der Materialstelle der Erzdiözese Wien und im Büro „Apg 2010“ – beide:
Stephansplatz 6 | 1010 Wien | apg2010@edw.or.at | http://www.apg2010.at

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Kardinal Christoph Schönborn kritisiert Pfarrer-Initiative

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UPDATE: kath.net hat zur Abwechslung die offizielle Berichterstattung der katholischen Presseagentur übernommen. Was die Linzer Redaktion nicht selber macht, besorgt der harte Kern der kath.net-Leserkommentatoren:

Siebtel: “Schönborn sagt: ‘Wir wissen alle, dass die Kirche stete Reform braucht.’ Was bedeutet diese angeblich permanent vorhandene Reformnotwendigkeit für das Haupt der Kirche? Was will man verändern? Alles extrem diffus.”

GvdBasis: “Irgendwie regt mich das auf, dass die österreichischen Bischöfe nicht zu handeln scheinen. Über die Medien verbreitet sich das Gedankengut dieser Rebellen wie eine Giftsuppe, und wir kleinen Leute an der Basis haben diese tagtäglich auszulöffeln mit den immer mehr verwirrten Leuten in unserem Lebensumfeld und endlosen Debatten, was da zum Beispiel in dieser Fernsehsendung wieder für ein Quatsch verbreitet wurde.”

a.t.m: “Denn einzigen Punkt der angschaut werden kann, ist doch punkt 1 dieses schismatisch-häretischen Aufrufes. Denn die anderen Punkte des Ungehorsam werden entweder vom Heiligen Willen Gottes…oder von der einen, heiligen, katholsichen und apostolischen Kirche nicht nur einmal sonder vermutlich um ein vielfaches öfter geklärt und richtig gestellt. Oder hat seine Eminenz Angst die Position Gottes unseres Herrn und der HRKK einzunehmen?”

Eine geradezu unglaublich einseitige Berichterstattung (diesmal der eigenen Redaktion) bietet kath.net zum bereits besprochenen Club2 “Als der Altabt von Heiligenkreuz Helmut Schüller entzauberte“, man vergleiche dazu den Bericht von Giovanni und meine festgehaltenen 5 Punkte.

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Bitte schließt euch dem Gebet für die Kirche Österreichs an!!!

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Kardinal Christoph Schönborn hat am Freitagabend neuerlich die Forderungen der Pfarrer-Initiative abgelehnt und Konsequenzen für die Priester, die zum Ungehorsam aufgerufen haben, nicht ausgeschlossen. Ob es tatsächlich zu solchen komme, hänge davon ab, wie diese Priester in der Praxis mit ihren Forderungen umgehen, sagte der Wiener Erzbischof in der “ZiB2″.

Wenn sie Handlungen setzen, die der katholischen Glaubenslehre ernstlich widersprechen, dann würden Konsequenzen drohen, so Schönborn. Gleichzeitig betonte er aber, dass er auf das Gespräch setze. “Ich hoffe auf die Brücke des Gesprächs.”

Inhaltlich will Schönborn der Pfarrer-Initiative aber offenbar nicht entgegen kommen. “Gehen wir den Weg mit dem Papst”, lud er die Katholiken ein. Das sei langfristig der Weg, der für die Kirche der Richtige sei, zeigte sich Schönborn ganz auf Linie mit Rom. Gleichzeitig bekannte er sich dazu, dass die Kirche ebenso wie die Gesellschaft “stete Reformen” brauche.

Die Frage sei nur, welche Reformen notwendig und zielführend seien. Da gebe es große Unterschiede. Auch die Bischöfe hätten ein Reformkonzept und in der Wiener Diözese sein man mitten in einem Reformprozess, der aber von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt bleibe.

Die Forderung nach Abschaffung des Zölibats wies Schönborn neuerlich zurück. Er werde sich “aus tiefster Überzeugung” für den Zölibat in der katholischen Kirche einsetzen. Als Begründung sagte der Kardinal: “Es ist die Lebensform Jesu gewesen.”

Zur Frage der Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene merkte Schönborn an, dass dies jeder Priester in seiner seelsorglichen Verantwortung selbst im Einzelfall entscheiden könne. Er müsse dabei aber den Schutz der Ehe und die Unauflöslichkeit der Ehe berücksichtigen. Es gebe Wege, wie man mit dem Scheitern der Ehe seelsorglich umgehen könne. Dabei aber nur auf die Kommunion zu schauen ist nach Ansicht Schönborns zu einseitig.

Wetten wir, dass kath.net in Jubelstimmung über die “Papst-Linie” des Kardinals berichten wird, und über den Reformprozess in der Diözese Wien nicht viele Worte verlieren wird? Die obigen Absätze stammen jedenfalls aus der ersten APA-Meldung zum Thema, und sind daher eher unverdächtig.

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Apostelgeschichte-2010


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Mannheim ist nicht Wien (APG2010)

Im letzten Beitrag war die Antwort Kardinal Schönborns auf die Pfarrerinitiative zu lesen, die auch in Zusammenhang mit dem kürzlich veröffentlichten Hirtenbrief zur “Apostelgeschichte 2010” (APG2010) zu sehen ist. Aus diesem Anlass möchte ich den Hirtenbrief des Kardinals in Erinnerung rufen, der ganz entscheidende Weichenstellungen für die nächsten Jahre einleitet.

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Auch im Hinblick auf die dieser Tage abgeführten Diskussionen in Mannheim ist es interessant zu sehen, wieweit die Analysen und Ansätze übereinstimmen – oder auch nicht.

“Der Auftakt des von der Deutschen Bischofskonferenz initiierten Gesprächsprozesses der katholischen Kirche in Deutschland ist gestern (9. Juli 2011) mit einem feierlichen Gottesdienst zu Ende gegangen. 300 Teilnehmer, unter ihnen Vertreter aus den Bistümern, dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken und den Hochschulen, Ordensleute und Verbändevertreter waren dazu nach Mannheim gekommen. Übereinstimmend bewerteten die anwesenden Bischöfe und Laienchristen, dass es sich um einen „Dialog auf Augenhöhe“ gehandelt habe. Erzbischof Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, sagte: „Das Wagnis hat sich gelohnt. Die Standortbestimmung, wo wir im Glauben heute stehen, war notwendig….” heißt es in der Pressemitteilung der DBK.

In Mannheim wurde im Eiltempo versucht, das auf die Beine zu Stellen, was in Wien 2008 bis 2010 auf ganz andere Weise erarbeitet wurde. Im Zuge der APG2010 haben in Wien 1.500 Priester und pastorale Mitarbeiter zusammen mit dem Kardinal Richtlinien für die Zukunft der Kirche erarbeitet. Die Ergebnisse der drei Diözesanversammlungen hat Christoph Kardinal im sogenannten “Masterplan” zusammengefasst, der nun in den einzelnen Pfarren diskutiert und umgesetzt wird.

Dieser Wandel wird als offener Prozess verstanden, der auf breitestmöglicher Basis in Gang gesetzt wurde – und an vielen Orten der Umsetzung immer wieder zu überprüfen ist. Was mir (und vielen anderen) daran gefällt, ist

- die klare Beschreibung der Ist-Situation, also der kirchlichen und gesellschaftlichen Veränderungen

- die mehrstufige Erarbeitung von Rahmenordnungen einer sich permanent erneuernden Kirche

- die nun in Gang gekommene Diskussion des “Masterplans” auf Gemeindebene und die bereits beginnende Umsetzung

Hier nun die wesentlichen Auszüge (nur Einleitung und Schluss wurden etwas gekürzt) des Hirtenbriefs, den Kardinal Schönborn als Präsentation des “Masterplans” an alle Pfarren verschickt hat.

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Liebe Schwestern und Brüder!

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!

Ja, wir haben den Heiligen Geist empfangen! In Taufe und Firmung sind wir mit dem Heiligen Geist ausgerüstet worden, um Zeugen Jesu Christi zu sein. Zugleich sehnen wir uns danach, dass der Heilige Geist neu ausge­gossen wird, über die Kirche, über die Welt. Ein „Neues Pfingsten“ hat Papst Johannes XXIII. erhofft, als er das II. Vatikanische Konzil einberief.

Dieselbe Sehnsucht hat mich und viele mit mir bewogen, für die Erzdiözese Wien den Prozess „Apostelgeschichte 2010“ zu beginnen und so den Weg der Erneuerung, den das Konzil wollte, weiterzugehen, im Bewusstsein einer sich schnell verändernden Situation unserer Kirche, aber auch unserer Gesellschaft.

Dieser Hirtenbrief greift nochmals die Themen meines Hirtenbriefs vom 1. Oktober 2008 auf, der den „Startschuss“ zum Vorgang „Apostelgeschichte 2010“ gegeben hat. Dieser Weg hat uns im Jahr 2009 zunächst mit der Diözesanwallfahrt auf den Spuren des hl. Paulus nach Rom geführt. Paulus, der große Missionar, bleibt auch für unseren weiteren Weg ein großes Vor­bild: Wie hat er Chris tus verkündigt? Wie hat er Gemeinden gegründet? Wie haben er und die anderen Apostel Probleme und Konflikte gelöst?

Der Konflikt um die Heidenmission drohte die junge Kirche zu zerreißen und schon in den Anfängen zu lähmen. Mussten die zum Glauben an Christus gekommenen Heiden die Beschneidung und sämtliche Bestimmungen des jüdischen Gesetzes übernehmen, also Juden werden, um Christen zu sein? Mich fasziniert der Lösungsansatz: Es wurde nicht zuerst über das Problem diskutiert, das den Konflikt aus gelöst hatte, sondern alle Beteiligten erzählten, „was Gott mit ihnen zusammen getan hatte“ (Apg 15,4). Indem sie gemeinsam auf das schauten, was Gott in ihrer Mitte wirkt, kamen sie zum Schluss, „dass Gott schon längst … die Entscheidung getroffen hat“ (Apg 15,7).

Das war die Idee hinter der Methode unserer drei Diözesanversammlungen. Wir hatten bewusst keine vorbereitenden Kommissionen gebildet, keine Dokumente vorbereitet, um sie dann in langen Debatten zu bearbeiten, zu verabschieden – und dann in den Schubladen liegen zu lassen. Wichtiger als Papiere war mir das offene Wort, die Atmosphäre des gegenseitigen Hörens, des gemeinsamen Betens und Feierns. So entstand ein ganz eigenes Klima, das ich als wohltuend, wertschätzend und aufbauend erlebt habe. Vielen ist es ähnlich ergangen.

HINSCHAUEN UND JA SAGEN ZU UNSERER SITUATION

Die Kirche ist auch eine „Erzähl- und Deutungsgemeinschaft“. Sie lebt aus den Sakramenten, aber auch daraus, dass wir miteinander unsere Glaubenserfahrungen teilen und gemeinsam die „Zeichen der Zeit“ im Licht des Glaubens deuten. Ich danke Gott und allen, die an den Diözesanversammlungen teilgenommen haben, für die Erfahrungen dieser Tage. Vieles davon habe ich in meinem „Logbuch“ festgehalten, (diesem so schön und liebevoll gestalteten geistlichen Notizbuch, das alle Delegierten bekamen).

  • Ich habe gehört und wahrgenommen, wie sehr für viele die Kirche Heimat, „Dach über der Seele“ ist, wie viele treu zur Kirche stehen und sie lieben. Ich habe besser verstehen gelernt, dass das auch dann gilt, wenn Lösungsvorschläge für die heutigen Herausforderungen vorge­bracht werden, die nicht die meinen sind. Das „offene Mikrofon“ war ein Wagnis, das sich gelohnt hat. Diese Offenheit müssen wir uns be­wahren. Sie ist befreiend – und sehr anspruchsvoll.
  • Ich war beeindruckt von der Vielfalt der Gaben und Talente, die unter uns lebendig sind. Es gibt so viel bewundernswertes Engagement von Getauften, Männern und Frauen, Jugendlichen, Ordensleuten, Diakonen und Priestern. Ich kann Gott nur danken für so viele Charismen, so viel Einsatz für das Reich Gottes!
  • Ich habe bewusst das Miteinander, aber auch den Unterschied vom gemeinsamen Priestertum aller Getauften und dem Weihepriestertum thematisiert. Ich weiß, dass wir an diesem Thema „dranbleiben“ müssen. Es war und ist eines der großen Anliegen des Konzils. Hier gilt es noch manches zu vertiefen.
  • Das vergangene Jahr war stark vom Thema Missbrauch und Gewalt im Allgemeinen und besonders in der Kirche bestimmt. Unser Weg „Apostelgeschichte 2010“ war davon mitgeprägt. Das war zugleich belastend, aber auch hilfreich. Es braucht viel Mut, wirklich genau hin­zusehen und konsequent aus der Option für die Opfer zu handeln. Ich habe hier – auch schmerzlich – viel gelernt. Ich glaube, es war und ist ein Weg der Läuterung, den der Herr zugelassen hat und auf dem er uns führt.
  • Ich nehme wahr, dass nicht wenige an und in der Kirche leiden. Es fällt nicht immer leicht, sich als Teil der vom Papst geleiteten weltum­spannenden Kirche zu verstehen und sich auch öffentlich dazu zu be­kennen. Es tut gut, einander darüber offen erzählen zu können, Kummer abzuladen. Ich erlebe es aber auch als positiv, dass wir ein­ander und auch anderen erzählen, was uns in der Kirche hält – ja, warum wir sie lieben.
  • Ich nehme auch wahr (manchmal mit Erschrecken), dass die gesell­schaftlichen Wandlungsprozesse schnell gehen, und dass wir noch zu wenig realisieren, dass auch die kirchliche Situation sich schneller ändert, als viele von uns wahrhaben wollen. Ich selber bin überrascht und betroffen von der Beschleunigung dieser Veränderung. Sie fordert uns alle heraus.
  • Ich nehme wahr, dass bei unseren Diözesanversammlungen die Auf­merksamkeit noch zu wenig auf diesen rasanten gesellschaftlichen Wandlungsprozess gerichtet war. Die Herausforderungen der kom­menden Jahre und Jahrzehnte werden enorm sein. An erster Stelle steht hier die demographische Entwicklung. Sie trifft uns als Kirche besonders schmerzlich. Die Zahlen der Erstkommunionkinder in vielen Gemeinden sprechen eine deutliche Sprache. Das Thema Migration wird zunehmend unsere Gesellschaft bestimmen. Die Energie- und Umweltfragen werden zu bedrängenden Sorgen. Die Schere zwischen den Armen und den Reichen klafft immer weiter auseinander. Sie bedroht den sozialen Zusammenhalt. Schon heute erleben wir, dass diese Nöte vor unseren Kirchentüren nicht Halt machen. Wenden wir ihnen noch mehr unsere Herzen zu!
  • Wagen wir es auch, ehrlich auf die innerkirchlichen Entwicklungen zu schauen: Ich erlebe fast unterschiedslos im ländlichen wie im städtischen Raum einen Schwund an Menschen, die das kirchliche Leben mittragen, der fast überall (es gibt erfreuliche Ausnahmen) unaufhaltbar scheint. Dazu kommen die anhaltend hohen Kirchenaustrittszahlen. Die geburtenschwachen Jahrgänge tragen das Ihre bei. Die traditionellen Bindungen halten nicht mehr. Die religiöse Praxis hat sich tiefgreifend verändert. Der regelmäßige Gottesdienstbesuch ist radikal zurückgegangen. Er liegt manchmal sogar bei nur zwei bis fünf Prozent der Katholiken. Als Folge davon schrumpfen auch die Kerngemeinden. Trotz dem sind diese meist von einem bewundernswerten Engagement geprägt. Es bewegt mich tief zu erleben, mit wie viel Liebe, Einsatz, Hingabe unsere Gemeinden vom Stammkreis der Aktiven getragen werden. Ich wünschte mir, die Medien würden mehr über die se oft klein gewordenen, aber großartigen Gemeinden berichten!
  • Ich erlebe bei mir selber, aber auch in vielen Gemeinden, Ordensgemeinschaften, kirchlichen Gruppierungen ein schmerzliches Gefühl der Überforderung. Wir werden weniger, aber die Aufgaben werden mehr. Die finanziellen und personellen Ressourcen werden geringer, die Herausforderungen der Mission würden genau das Gegenteil brauchen: mehr Personal, mehr finanzielle Mittel. Viele fühlen sich vom Bischof, von „denen da drinnen“ in der Diözesanleitung oder auch von Rom im Stich gelassen. Nicht wenige meinen, die oft geforderten Reformenwürden das Ruder herumreißen, würden endlich wieder eine Aufwärtsbewegung bringen, mehr Ansehen für die Kirche, mehr Jugend.
  • In unserer Erzdiözese gibt es viele, die ausdrücklich zu einem Dienst in der Kirche bestellt sind. Als Bischof habe ich sie im Namen der Kirche in ihren Dienst gesendet. Damit sollen sie nicht in ihr Schicksal ent­lassen sein, sondern Sendung bedeutet auch, für die Gesendeten Ver­antwortung und Sorge zu übernehmen. Sie sollen um den Rückhalt ihres Bischofs wissen – ich denke dabei z.B. an die Religionslehrerin­nen und Religionslehrer, die heute oft die ersten sind, die Kindern und Jugendlichen das Evangelium verkünden. Ihnen und allen im kirchli­chen Dienst wird verstärkt meine Sorge gelten.
  • Was ich schon bei der Stadtmission 2003 gesagt habe, hat sich seither noch enorm zugespitzt: Ich sprach damals davon, dass wir als Kirche gedemütigt sind durch Skandale, geschwächt durch Kirchenaustritte, entmutigt durch Erfolglosigkeit – und genau in dieser Situation mutet uns der Herr zu: Geht hinaus! Seid meine Zeugen! Verkündet das Evangelium, die Frohe Botschaft! Es ist eine typisch biblische Situa­tion. Ich war geneigt zu sagen: Herr, das geht nicht! Das überfordert uns. Doch da stand klar das Wort des Apostels: „Wenn ich schwach bin, bin ich stark“ (2 Kor 12,10). Jesu ruft uns zu: „Fürchtet euch nicht!“ (mt 28,10) Seine Zusage gilt: „Ich bin bei euch, alle Tage…“ (mt 28,20).

Seit der Stadtmission 2003 ist die Situation noch deutlicher geworden. Die Katholikenanzahl ist weiter geschrumpft. Zugleich ist der Ruf nach Mission noch stärker geworden. Ich sehe das immer klarer als einen drängenden Anruf des Herrn an uns, IHM zu vertrauen. ER allein kann die Lage wenden. ER allein kann die Herzen erreichen, sie zu IHM hinwenden. Wir sind schwa­che Werkzeuge, und es ist unsere Auszeichnung, von IHM gebraucht und in Dienst genommen zu werden.

Drei Zahlen geben mir zu denken: Fast drei Viertel der Österreicher sagen, sie wollten, dass Österreich ein christli­ches Land bleibe, und 91 Prozent haben sich bei einer ORF-Umfrage dafür ausgesprochen, dass Kruzifixe in den Schulen bleiben. Aber nur zehn Pro­zent der Katholiken nehmen regelmäßig am Gemeindeleben teil. Was heißt das? Ich lese es so: Viele, vielleicht sogar sehr viele Menschen haben den – oft vagen – Wunsch nach einem „halbwegs christlichen“ Österreich. Nur eine Minderheit bildet den tragenden Kern der Kirche. Wie können wir, das „engagierte“ Segment der Kirche, den vielen Erwartungen entsprechen, die auf uns liegen? Wie können wir alles das leisten, was unser Gemeindeleben erfordert und was so viele Kräfte bindet, und doch unseren Blick, unser Herz und unsere Hände frei halten für den Auftrag, Menschen für Christus zu gewinnen?

Mit allen diesen Eindrücken, Fragen, Gedanken bin ich aus dem Prozess „Apostelgeschichte 2010“ herausgekommen. Er hat mich verändert. Ich habe viel gelernt. Mein Eindruck ist, dass es vielen so ergangen ist: Wir erlebten gemeinsam die Freude des Christseins! „Mit euch bin ich Christ“, kann ich mit dem hl. Augustinus sagen, und „für euch bin ich Bischof“. Die se Erfahrung macht es mir leichter, auch den Erwartungsdruck anzu­nehmen, der auf mir liegt, mit der Frage: Wie geht es weiter? Eines kann ich sagen: Ich glaube, die eingeschlagene Richtung stimmt. Ich traue mich heute zu sagen: Gehen wir auf diesem Weg beherzt weiter!

DER „MASTERPLAN“ ALS DIÖZESANER ENTWICKLUNGSPROZESS

Am Schluss der dritten Diözesanversammlung habe ich von einem „Master-plan“ für die Diözese gesprochen. Ich habe gesagt, für unsere Situation pas se kein „Rasterplan“, wie er in anderen Ländern durchgezogen wurde und wird. Zu vielschichtig, zu bunt und vielgestaltig ist unsere Diözese, als dass ein uniformer, systematischer Einsparungsplan über die ganze Diözese gelegt werden könnte. Unser Entwicklungsplan muss zu dieser komplexen Situation passen. Einige Merkmale unserer Situation: Fast die Hälfte unserer Pfarren wird von Ordensgemeinschaften geleitet. Die Unterschiede zwischen den drei Vikariaten erfordern unterschiedliche Zugänge. Eine wachsende Zahl von Katholiken mit Migrationshintergrund gehört zum Leben unserer Ortskirche. Die Kategoriale Seelsorge ist stark im Wachsen.

Was verstehe ich unter „Masterplan“? Es ist nicht ein billiges Wortspiel, wenn ich darunter zuerst den Plan verstehe, den der Meister, unser Herr, selber mit uns hat. Wenn wir nicht Seinen Plan zu verwirklichen suchen, mühen wir uns umsonst. „Wenn nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst, der daran baut“ (Ps 127,1). Wer sagt uns aber, was Sein Plan für uns, Seine Kirche heute ist? Wie wird das konkret? Wie soll es weiter­gehen? Vorweg sei ein Missverständnis abgewehrt: Sobald ich von „Mis­sion“ oder gar „Neuevangelisierung“ spreche, kommt immer wieder der Einwurf: Das tun wir doch längst! Ist nicht heute fast jedes Taufgespräch, jede Erstkommunion- und Firmvorbereitung „Mission pur“? Tun wir das nicht längst schon, was jetzt als etwas Neues angepriesen wird? Ja, wir tun es, mit großem Einsatz, mit einem Erfolg, den letztlich nur Gott kennt, und mit unermüdlicher Bereitschaft, Jahr für Jahr unter schwieriger wer­denden Verhältnissen neu zu beginnen. Ich kann dafür nicht genug danken.

Unter dem Begriff „Masterplan“ verstehe ich kein fertiges Rezept, das ich in der Tasche haben kann. Uns geht es darum, dass wir gemeinsam neu und frisch dem Herrn selber die Frage stellen: Was willst Du, das wir tun.

Deine Kirche ist ja kein Selbstzweck! Was sagst DU uns durch die vielen Suchenden? Wie lässt DU uns Deinen Herzschlag im Leben so vieler vernehmen, die nicht in unseren Kerngemeinden sind? Willst DU uns nicht zu einem Umdenken, einer Umkehr führen? Rufst DU uns nicht, uns neu hinter DICH zu stellen und DIR nachzufolgen? Denken wir nicht allzu oft in allzu menschlichen Kategorien, sodass Jesus zu uns wie zu Petrusenergisch sagen muss: „Du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen“ (Mt 16,23)?

„MISSION ZUERST“ – UNSERER SENDUNG AUF DER SPUR

„Mission zuerst“ habe ich als oberste Priorität des „Masterplanes“ genannt. Welche konkreten Schritte folgen daraus? Zuerst die Frage: Wie können wir unsere Jüngerschaft in der Nachfolge Jesu vertiefen, beleben, ja sie konkret lernen und einüben? Welche Entwicklungen unserer Struktur und Organisation braucht es in unserer Diözese, damit wir uns auf unsere Mis­sion ausrichten können? Welche Strukturen müssen wir eventuell aufgeben, welche ändern, welche neu schaffen, damit sie der Mission dienen?

Ich habe für den diözesanen Entwicklungsprozess eine Steuerungsgruppe eingerichtet, die aus dem Bischofsrat und dem Team der Stabstelle „Apostelgeschichte 2010“ besteht. Diese Steuerungsgruppe strukturiert, koordiniert und begleitet den ganzen Prozess. Die konkrete Planung und Gestaltung habe ich einer Arbeitsgruppe übertragen. Ihr steht Generalvikar Nikolaus Krasa vor; weiters gehören ihr an: Weihbischof Stephan Turnovszky, Bischofsvikar Matthias Roch, Pastoralamtsleiterin Veronika Prüller-Jagenteufel, Michael Scharf, Andrea Geiger, Otto Neubauer und Otmar Spanner. Diese Gruppe erarbeitet für den Prozess eine Vorgangsweise, die es den jeweils Betroffenen ermöglicht mitzugestalten und die für die Breite der Diözese angemessen ist. Entscheidungen für die Erzdiözese fallen durch die jeweils im Kirchenrecht vorgesehenen Organe.

In diesem Prozess setze ich in der Arbeitsweise den Stil von „Apostelge­schichte 2010“ voraus. Im Buch „Vom Wendepunkt der Hoffnung“ (und auf der Homepage www.apg2010.at) sind bereits viele Grundüberlegungen und Anstöße dokumentiert.

Die Themenfelder, um die es in diesem Prozess gehen wird, sowie erste, vorläufige Schritte und einige Fragen, die sich Einzelne, Pfarrgemeinden, Gemein schaften jetzt schon stellen sollen, habe ich wie im Hirtenbrief von 2008 wieder in sieben Punkten zusammengefasst:

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1.   NEU IN DIE LEBENSSCHULE JESU GEHEN –

JÜNGERSCHAFTSSCHULEN ERRICHTEN

„Gehend nun, macht zu Schülern alle Völker, taufend sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, lehrend sie, alles zu bewahren, wieviel ich euch geboten habe …“

(Mt 28,19f – Münchner Neues Testament)

Der Glaube ist ein Geschenk, in das wir immer tiefer hineinwachsen. Die kirchliche „Urform“ dafür ist das Katechumenat – der Weg eines Taufkandidaten, einer Taufkandidatin. Wir lernen den Glauben – unser Leben lang. Wir haben in der Diözese vielfältige alte und neue Erfahrungen mit solchen Lernvorgängen des Glaubens. Ich denke z.B. an Gruppen der Katholischen Aktion, Exerzitien (im Alltag), Einkehrtage, Familienrunden, Bibel teilen, Cursillo, neokatechumenale Katechesen, Alpha-Kurse, Glaubenskurse ver­schiedener Art, Pfarrmissionen, den ganzen Bereich der Sakramentenvor­bereitung und auch an viele Sozial- und Caritaskreise. Es lohnt sich, persönlich, wie in allen Gruppen und Runden immer wieder bewusst auf dieses Lernen im Glauben zu achten. Kirchliche Orte sollten Schulen der Jünger­schaft sein, kirchliche Gemeinschaften sind Lebensschulen Jesu.

In welche Schulen des Glaubens bin ich schon gegangen?

Was möchte ich noch lernen im Glauben?

Wer spricht mit mir über Gott, Jesus, den Heiligen Geist, die Kirche,

über Auferstehung, Erlösung, Reich Gottes?

Mit wem lerne ich, über meinen Glauben zu reden?

Um bestehende Vorgänge zu überprüfen und zu verbessern bzw. um neue Lerngruppen aufzubauen, wird die Steuerungsgruppe Hilfen entwickeln (z.B. Kriterienkataloge, Modellprojekte) bzw. deren Entwicklung beauftragen. Um als missionarische Gemeinden zu leben, solche Gemeinden zu gründen, aufzubauen und zu fördern, braucht es Menschen, die bereit sind, Jünge­rinnen und Jünger Jesu zu sein und immer neu zu werden. Die Jünger von damals sind an der Hand Jesu gegangen. Jüngerinnen und Jünger von heute gehen mit der Bibel in der Hand. Derzeit ist ein Ausbildungslehrgang in Erarbeitung für die (ehrenamtliche) Leitung von kleinen christlichen Gemeinschaften/Gemeinden, der mit Jahres beginn 2012 starten soll.

Wir werden unsere Formen der Sakramentenkatechese kritisch hinterfragen und neue Akzente setzen. Ich wünsche mir, dass viele junge und ältere Menschen zum YouCat greifen. Bleiben wir im Gespräch über unseren Glauben. Wir werden in Zukunft verstärkt Ressourcen in Glaubens- und Missions­schulen einbringen. Ich wünsche mir viele erneuerte und neue Glaubens-und Missionsschulen, denn wir werden mehr denn je auskunftsfähig sein müssen, über die Hoffnung, die uns leben lässt.

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2.   NEUES MITEINANDER VON

GEMEINSAMEM PRIESTERTUM DER GLÄUBIGEN UND WEIHEPRIESTERAMT

„Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priester­schaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.“

(1 Petr 2,9)

Kirche ist Volk Gottes – ein gemeinsames Priestertum im Dienst an der Welt, besonders den Armen, Schwachen und Fremden.

Das Weihepriesteramt steht im Dienst am Volk Gottes. Wie das gemeinsame Priestertum und das Weihepriesteramt in der Praxis zueinander stehen und aufeinander bezogen sind, ist weiterzuentwickeln. Noch scheinen wir – zum einen – oft in einer überhöhten Sicht des geweihten Priesters befangen zu sein. Zum anderen gibt es Laien, die so von sich überzeugt sind, dass auch gute und wohlmeinende Priester keine Chance haben. Das gemeinsame Priestertum wird dagegen oft noch zu wenig wahrgenommen, geschätzt und gelebt.

Wir alle gehören durch die Taufe Christus an. Christsein ist weder ein Ehrenamt, noch ein Hauptamt, sondern eine Lebensentscheidung. Wir sind auf­einander angewiesen und verwiesen. Gemeinsam tragen wir Sorge und Verantwortung für die Kirche, für Gemeinden und Gemeinschaften. Wir sind uns gegenseitig anvertraut und geschenkt. Und wir bedürfen der gegenseitigen Vergebung, wo wir uns nicht in Würde begegnet sind und falsche oder unerfüllbare Erwartungen aneinander gestellt haben.

Was heißt für mich, Anteil zu haben am gemeinsamen Priestertum?

Wie wird mir die gleiche Würde aller Getauften bewusst?

Wie können wir uns gegenseitig stärken und unterstützen?

Wie können wir uns in unseren unterschiedlichen Aufgaben ernst nehmen, einander begleiten und korrigieren?

Wie können wir gemeinsam besser für die Menschen da sein?

Welche Erwartungen haben wir aneinander?

Wie sehe ich mich als geweihter Priester oder Diakon, und wie sehe ich die anderen?

Bin ich bereit, auf die mir anvertrauten Mitchristen zu hören, sie in ihren Charismen ernst zu nehmen?

Was bedeutet es für uns, dass jeder seine und jede ihre eigene unmittel­bare Beziehung zu Gott hat?

Alle, die andere in ihrem Engagement begleiten, müssen gut darauf achten, wer an welcher Stelle seine/ihre eigene Berufung entfalten kann. Es gilt genauer hinzuschauen und die vorhandenen Kräfte gezielter einzusetzen. Das betrifft auch Entscheidungen der Diözesanleitung. Hier möchte ich in Zukunft bewusster beachten, wer das Charisma der Leitung, besonders der geistlichen Leitung hat.

Ich sage es ohne Umschweife, wir brauchen heute in der Kirche eine tief greifende doppelte Bekehrung: Wir Priester müssen uns bekehren, uns tatsächlich in den Dienst des gemeinsamen Priestertums aller zu stellen, d.h. „darunter“ und das in Freude. Die Laien – so bekennen mir immer mehr Laien – brauchen eine Bekehrung zur inneren dankbaren Haltung, von den Priestern etwas zu empfangen, das sie sich selber nicht geben können. Das hat weitreichende Konsequenzen, wenn wir bereit sind, uns gegenseitig zu tragen, wertzuschätzen, mit den Charismen zu beschenken und Hirtensorge gemeinsam wahrzunehmen.

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3.  CHRISTLICHE GEMEINSCHAFTEN UND GEMEINDEN VORORT –

AUFBAUEN, STÄRKEN UND GRÜNDEN

„Die Einheimischen waren uns gegenüber ungewöhnlich freundlich; sie zündeten ein Feuer an und holten uns alle zu sich, weil es zu regnen begann und kalt war.“

(Apg 28,2)

Paulus erlebt nach seinem Schiffbruch vor Malta überraschende Gast­freundschaft (Apg 27/28). Diese ist heute eine der wichtigen Aufgaben, die christlichen Gemeinden und Gemeinschaften aufgetragen sind: ein Feuer anzünden und die Gäste und Pilger aus den Stürmen des Lebens freund­lich empfangen. Ob sie bleiben wollen oder nur eine kurze Rast machen, soll ihnen überlassen werden.

Christus braucht Gemeinden, damit die Gemeinschaft, die er stiftet, konkret erfahren werden kann – im geteilten Leben und Glauben sowie im Dasein für andere.

Pfarren sind Kirche vor Ort, Gemeinschaft von Glaubenden. Woran

merken wir das selbst in der konkreten Praxis?

Woran können es andere, die bei uns vorbeikommen, spüren?

Ist unsere Gemeinde gastfreundlich?

Wie viele Menschen sind im vergangenen Jahr neu zu uns gestoßen?

Gibt es bei uns einen „welcome service“?

Welche Menschen finden bei uns Hilfe und Begleitung auf der Suche

nach Gott, nach dem Woher und Wohin, dem Sinn des Lebens?

Welche neuen Formen, miteinander Gottesdienst zu feiern, kennen wir?

Welche Kräfte sind gebunden für unsere derzeitige Pfarrstruktur?

Über welche freien Ressourcen verfügen wir?

In den nächsten Jahren wird sich in der Struktur unserer Pfarren vieles ver­ändern. Nehmen wir das ehrlich und ohne Scheu in den Blick. Einzelne De­kanate sind bereits auf einem guten Weg einer wachsenden Zusammenarbeit. Wir wollen wachsen, auch wenn wir vorerst zahlenmäßig Mitglieder verlieren! Das Ziel ist eine wachsende Anzahl von kleinen lebendigen Gemeinden/Gemeinschaften, die wie „Sauerteig“ in die Gesellschaft hinein wirken. Hier gilt es, bestehende weiter aufzubauen und neue zu gründen. Ihre Leitung wird getauften Frauen und Männern übertragen werden.

kleine christliche Gemeinden oder Gemeinschaften werden unter der Leitung eines Pfarrers zusammengefasst werden. Zur Leitung und Begleitung dieser größeren Einheiten werden Laien, haupt- und ehrenamtlich, im pastoralen Dienst mit Priestern in Teams zusammenarbeiten. Das kann bedeuten, dass manche Pfarrkirchen in Filialkirchen umgewandelt werden, vor allem aber sollen viele kleine christliche Gemeinden/Gemeinschaften wachsen können, die auf die neu en Erfordernisse antworten wollen.

Bestehende Mo­delle der Kooperation (wie etwa Pfarrverbände und Seelsorgeräume) müssen berück sichtigt, aber auch auf ihre Praktikabilität hin kritisch hinterfragt werden bzw. sind sie auf ihre Wachstumsmöglichkeiten und Lebendigkeit hin zu prüfen. Für die Gestaltung solcher Prozesse des Zusammenwach­sens und Zusammenarbeitens von Gemeinden innerhalb größerer Gebiete bzw. Verwaltungseinheiten erarbeitet die Steuerungsgruppe diözesane Vor­gaben. Diese sollen Spielraum eröffnen für jeweils passende ortsbezogene Lösungen. Dadurch soll der Entwicklungsprozess der Verschiedenartigkeit der Situationen in der großen Erzdiözese Rechnung tragen.

In Zukunft wird es Kennzeichen einer Pfarrkirche sein, dass dort sonntags Eucharistie gefeiert wird. In vielen Kirchen wird nur mehr eine Eucharistiefeier pro Sonntag gefeiert werden.

Es bedeutet jedenfalls, dass alle derzeit bestehenden Pfarren in Vorgänge der Neuordnung einbezogen werden. Solange diese kommenden Strukturen noch in Entwicklung sind, möchte ich keine neuen Pfarrer ernennen, sondern Moderatoren, damit so die Möglichkeiten für Veränderungen offener bleiben.

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4.   NEUE GEMEINDEN JENSEITS DER TERRITORIALEN ORDNUNGEN –

ENTWICKELN UND UNTERSTÜTZEN

„Lebt als Gemeinde so, wie es dem Evangelium Christi entspricht.“

(Phil 1,27)

Gemeindebildung findet nicht nur im Sinne von Pfarren statt, die als Terri­torium auf einer Landkarte beschrieben werden können. Es gibt eine Viel­zahl von kirchlichen Gemeindeformen und Gemeinschaften, die sich nach anderen Kriterien zusammenfinden: Menschen, die von derselben Lebenssituation betroffen sind; Menschen, die sich um ein geistliches Zentrum sammeln; Menschen, die sich von einer bestimmten Spiritualität angezogen fühlen etc.

Diese Art der Gemeindebildung wird wahrscheinlich in Zukunft noch wichti­ger werden. Es wird wichtiger, dass Menschen auf vielerlei Weisen und an ganz unterschiedlichen Orten mit Kirche, mit der Gemeinschaft des Glau­bens an Christus in Berührung kommen. Dazu braucht es Pioniergeist und Unterstützung solcher Initiativen und Einrichtungen. Solche hervorragenden Orte sind und können sein: Ordensniederlassungen, die kirchlichen Schulen, der Religionsunterricht, die kirchlichen Krankenhäuser, kirchliche Erwach­senenbildungseinrichtungen, die vielen Einrichtungen der Caritas. Das sind heute Orte, an denen Menschen von Kirche konkrete Hilfe und Begleitung erfahren und auch explizit zur Begegnung mit Christus eingeladen werden. Immer wieder bilden sich auch neue Gemeinden, etwa um Orden und geistliche Zentren oder als Gründungen neuer geistlicher Bewegungen. Zu die­sen stark personenbezogenen Gemeindeformen zähle ich auch die anders-sprachigen Gemeinden. Sie sind eine starke und stark wachsende Größe, vor allem in der Großstadt Wien.

Wie gestaltet sich Gemeindeleben ohne einen fixen Ort? Wo sind Orte mit besonderer Anziehungskraft?

Was kann die ganze Diözese/die territoriale Seelsorge von ihnen lernen?

Wie können unsere Einrichtungen noch ansprechendere Orte der Ver­kündigung der Frohbotschaft Christi werden?

Wie wird Glaubensgemeinschaft in ihnen erlebbar?

Wie können verschiedene Gemeindeformen voneinander lernen? Wie kann der Zusammenhalt verschiedener Gemeindeformen in der einen Erzdiözese gefördert werden?

Welche Unterstützung brauchen neue kirchliche Gemeinden/Gemein­schaften?

Zum Entwicklungsprozess der Diözese wird auch ein Konzept für die bessere Einbindung dieser verschiedenartigen Gemeinden gehören. Ich sehe mit großer Freude das Wachsen von kirchlichen Gemeinden/Gemeinschaften von anderssprachigen Bevölkerungsgruppen und auch die ganz kleinen Initiativen einzelner neuer Bewegungen. Der spirituelle Reichtum der vielen Ordensgemeinschaften in unserer Diözese soll wesentlich stärker im Aufbau von kirchlichen Gemeinden/Gemeinschaften zum Tragen kommen. Dort, wo Neues wächst, muss in Zukunft investiert und für ein gutes Zusammenwirken aller gesorgt werden.

Einen besonderen Schwerpunkt lege ich auf alle im Religionsunterricht ver­kündigenden Frauen und Männer. Es ist mir ein Herzensanliegen, dass die kirchlichen Schulen, Kindergärten, Studentenheime, Krankenhäuser,… zu Orten der Lebensschule Jesu werden.

Für alle Gemeindeformen wird es neue Visitationsordnungen geben – adaptiert an „Mission zuerst“.

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5 EINE NEUE PASTORAL DES RUFENS –

FÜR DIENSTE IN HINGABE UND PROFESSIONALITÄT

„Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele!“

(Joh 6,9)

Bei der Brotvermehrung sind die Jünger zunächst nicht fähig, die Aufgabe zu erfüllen, die Jesus ihnen gestellt hat: Gebt ihr ihnen zu essen! Doch dann erkennen sie den Buben, der Brote und Fische hat; und Jesus kann allen zu essen geben.

Unsere Erzdiözese ist eine große und komplexe Organisation. Gerade auch die kirchlichen Angestellten stehen vor neuen Herausforderungen in dieser Phase der Neuorientierung. Von ihnen wird zu Recht professionelles Handeln erwartet. Zugleich braucht Handeln im Auftrag der Kirche die Bereitschaft zur Hingabe im Dienst.

Es braucht die Aufmerksamkeit für die Charismen. Unsere Charismen, die Gaben des Hl. Geistes sind das unerschöpfliche „Kapital“ der Kirche. Sie sind die wesentliche Ressource für unseren Dienst, zur Erfüllung unseres Auftrags. Sie zu entdecken und zu fördern, ist Aufgabe der komplexen Or­ganisation Kirche, in erster Linie der Leitung. Oft sind wir in Teilorganisatio­nen und Gemeinden auf der Suche nach Menschen für bestimmte Aufgaben. Wir dürfen darüber aber nicht übersehen, mit welchen vielleicht unerwarteten Charismen der Herr unsere Gemeinschaft beschenkt. Eventuell vorsichtig Interessierte sind nicht zuerst als potenzielle zusätzliche Arbeitskräfte anzusehen. Es braucht die offene Begegnung, um zu entdecken, was der oder die andere mitbringt.

Was würde sich in meiner Gemeinde/Gemeinschaft, Einrichtung oder Dienststelle verändern, wenn wir sie mehr nach den Charismen aufbauen als nach dem, was wir meinen, was erledigt werden muss?

Welche Charismen haben die Menschen in meiner Umgebung?

Wie können sie dem Aufbau von kirchlichen Gemeinden dienen? Wie kann ich meine Begabungen besser einbringen?

Als Bischof weiß ich mich für beides verantwortlich: für eine gute, professionelle Qualität meiner Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowie für ihre Herzensbildung und ihre geistliche Berufshaltung. Auf beides möchte ich in Zukunft stärker achten und Anreize dafür setzen.

Unter den sich verändernden gesellschaftlichen Bedingungen wird die Mit­gliederzahl der Kirche derzeit kleiner. Es geht aber nicht um eine „Elitekirche“. Vermehrt Menschen in den Dienst der Kirche zu rufen, bedeutet nicht, von allen spirituelle oder aktivistische Hochleistungen zu fordern. Es geht um das Wesen von Christsein und von Kirche: ein Dasein für die anderen, Dasein für die Welt. Alle Einrichtungen der Erzdiözese – von Pfarren bis zu den diözesanen Dienststellen – müssen sich an diesem Kriterium des grundlegenden Dienstcharakters messen lassen.

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6.  LOSLASSEN FÜR NEUES –

WAGEMUT IST GEFRAGT!

„Denkt nicht mehr an das, was früher war; auf das, was vergangen ist, sollt ihr nicht achten. Seht her, nun mache ich etwas Neues. Schon kommt es zum Vorschein, merkt ihr es nicht?“

(Jes 43,18f)

Dankbar dürfen wir zurückschauen auf eine wertvolle und reiche Ver gangenheit. Zugleich ist es unübersehbar, dass sowohl die personellen wie die finanziellen Ressourcen für die Kirche weniger werden.

Die größte Ressource sind die Menschen, die sich für einen ehren- oder hauptamtlichen Dienst zur Verfügung stellen. Das sind sehr viele. Ich bin ihnen allen sehr dankbar!

Die zweite wesentliche Ressource sind die großzügigen Zahlungen durch die Mitglieder der Kirche: der Kirchenbeitrag. Dankbar bin ich den Vielen, die trotz mancher innerer Distanz genug Sympathie für die Kirche aufbringen, um ihr finanzielle Zuwendungen zukommen zu lassen. Nur durch diese Beiträge ist es möglich, dass wir so viele kirchliche Aktivitäten und Einrichtungen nach wie vor erhalten können.

Lange Zeit haben wir versucht zu überspielen, dass die Ressourcen weniger werden und den bislang üblichen Betrieb dennoch aufrechterhalten. Viel Phantasie und mancher Druck wurde eingesetzt, um dennoch zurecht zu kommen – „Löcher zu stopfen“, sagen manche. Energie für Alternativen hat dann oft gefehlt.

Wo bricht Neues hervor?

Welches Neuland können wir „beackern“?

Wo würde Jesus heute hingehen?

Wen würde er heute treffen wollen?

In welchen Räumen würde er sich aufhalten wollen?

Was stellen wir hinten an? Was lassen wir?

Jede Pfarre, Gemeinde, Einrichtung, Dienststelle,… möge sich ganz kon­kret fragen: Was machen wir nicht mehr, damit wir Kräfte frei bekommen für Neues?

Der beginnende diözesane Entwicklungsprozess bringt auch hier eine neue Chance: Nicht irgendwie weiterzumachen wie bisher, sondern Neues zu wagen. Damit wir dazu Kraft haben, müssen wir bisher Getanes aufgeben. Wir werden auch Aktivitäten lassen, die gut und wichtig waren und uns Freude gemacht haben. Wir werden an dieser Erfahrung der Endlichkeit unserer Kräfte und Ressourcen leiden. Wir werden zugleich die Erfahrung von Freiheit machen, die erleichternde Klarheit der Konzentration erleben und die Lust des Neuanfangs spüren.

Ich möchte, dass alle Ebenen und Teile der Diözese danach trachten, min­destens zehn Prozent ihrer personellen wie finanziellen Kräfte für das Neue und den Wandlungsprozess frei zu bekommen.

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7.  AUFBAU DER ALLIANZEN IM „TUN DER GERECHTEN“ STÄRKEN

„Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

(Mt 25,40)

Nach dem Matthäusevangelium ist die entscheidende Bedingung im Gericht Gottes der konkrete Einsatz für die Notleidenden. Hier geschieht sehr viel Gutes in vielen verschiedenen Formen durch Mitglieder und Einrichtungen unserer Diözese. Keine andere soziale Organisation hat ein derart dichtes Netz.

Angesichts der Not bei uns und erst recht in der weiten Welt erscheint das dennoch oft wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Da ist es tröstlich, dass wir als Kirche nicht allein sind in unserem Engagement; wir teilen es dank­bar mit vielen Menschen guten Willens.

Als Kirche stehen wir im Engagement für eine bessere Welt neben anderen, die das auch tun. Zudem stehen wir auf dem „Markt der Sinnangebote und Weltanschauungen“ als ein Anbieter neben anderen. Wir haben eine lange innegehabte, bequeme Vormachtstellung inzwischen ziemlich deutlich und endgültig verloren. Ich möchte das nicht beklagen, sondern als Gelegenheit sehen, demütig zu werden, sozusagen vom hohen Ross zu steigen, unsere Position und unsere Möglichkeiten richtig einzuschätzen. Gleichzeitig gibt uns diese Situation die Chance, den Glauben neu buchstabieren zu lernen und die Schönheit des Christentums wieder zu entdecken.

Mit wem bin ich/sind wir als kirchliche Gemeinde/Gemeinschaft im Engagement verbunden?

Wem bin ich für diese Gemeinsamkeit dankbar?

Von wem können wir lernen, was Gerechtigkeit, Würde und Heil bedeutet? Wer ist für uns Partner im Engagement für eine bessere Welt für alle?

Auch angesichts der wachsenden Not wollen wir den Weg frei machen, uns öfter an vielen Stellen und bei vielen Gelegenheiten mit anderen zivilgesell­schaftlichen Akteuren zusammen tun. Alle, die sich – oft ohne es so zu nennen – für die Werte des Evangeliums in Dienst nehmen lassen, sind für uns mögliche Partner, deren Weggemeinschaft wir gerne annehmen. Wer immer sich für Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung, die Be­kämpfung der Armut, den Respekt vor Fremden, unbedingte Anerkennung der Würde aller einsetzt, verdient unsere Solidarität und unseren Dank. Wichtige Kriterien für die Zuteilung von Ressourcen werden in der Erzdiözese künftig der diakonale Einsatz sowie die Verknüpfung der Aktivitäten in die Zivilgesellschaft hinein sein. Wo wir in konkreten Anliegen mit anderen, die nicht aus der Kirche kommen, zusammenarbeiten, können wir unendlich viel voneinander lernen.

Wir Christen lernen im barmherzigen Tun unseren eigenen Glauben neu kennen; wir bekommen ihn neu geschenkt von denen, die uns bitten, brauchen und auf uns hoffen. Wir bekommen ihn auch neu geschenkt aus der Hand derer, die mit uns zusammenarbeiten, unsere Motive achten, nach unserer Hoffnung trotz allem fragen.

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“DAMIT WIR SEINE FREUDE IN FÜLLE IN UNS HABEN.“

(Joh 17,13c)

Eine weitere Etappe unseres Weges beginnt! Es wird ein strukturierter Veränderungsprozess sein. Die konkrete Form muss sich erst entwickeln, weil es eben kein Rasterplan, kein fertiges Rezept ist. Das Ziel dürfen wir nicht aus den Augen verlieren: Wir haben einen Auftrag!

Im Frühjahr 2013 werden wir – wie schon angekündigt – zu einer diözesanen Wallfahrt zu den paulinischen Gemeinden aufbrechen, um uns wiederum vom hl. Paulus inspirieren zu lassen, in seine Schule zu gehen für unsere Zukunft.

Um unsere Erfahrungen, die wir mit dem Herrn machen, auszutauschen, wer den sich im Oktober 2013 erneut Delegierte aus allen Pfarren und Ein­richtungen der Erzdiözese in einer Diözesanversammlung treffen. Bis dahin wünsche und hoffe ich, dass vieles in Bewegung kommt – mit Bangen wohl auch, aber freudig folgend dem Auftrag Christi…

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Soweit ich es überblicken und mit(er)leben darf, sind deutliche Zeichen eines Aufbruchs zu bemerken. Setzen wir uns alle, egal an welcher Stelle in kirchlichen oder gemeindlichen Bereichen wir stehen, für die Zukunft unserer gemeinsamen Kirche ein.

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Aufruf zur Einheit (APG2010 und Pfarrer-Initiative)

“Der Vorstand der “Pfarrer-Initiative” hat am Dreifaltigkeitssonntag (19. Juni) einen “Aufruf zum Ungehorsam” veröffentlicht (www.pfarrer-initiative.at). Ich wollte nicht sofort reagieren, um nicht im Zorn und in der Trauer zu antworten, die dieser Aufruf in mir ausgelöst hat.

Bei der Priesterweihe am 24. Juni habe ich in meiner Predigt indirekt darauf Bezug genommen. Mich erschüttert der offene Aufruf zum Ungehorsam. Wie würden in unserem Land die Familien aussehen, wenn Ungehorsam zur Tugend erhoben würde? Viele Berufstätige fragen sich, wie es möglich ist, in der Kirche den Ungehorsam zu propagieren und zu praktizieren, wo sie wissen, dass sie ihren Arbeitsplatz längst verloren hätten, wenn sie dort zum Ungehorsam aufriefen.”

Christoph Kardinal Schönborn antwortet auf den offenen Brief der österreichischen Pfarrer-Initiative, der zum Ungehorsam gegen Bischöfe und Vatikan aufruft. In seiner Adresse an die Pfarrer heißt es weiter:

“Der christliche Gehorsam ist eine Schule der Freiheit. Es geht um die konkrete Übersetzung ins Leben von dem, was wir in jedem Vaterunser beten, wenn wir den Vater bitten, sein Wille möge geschehen, im Himmel und auf Erden. Diese Bitte erhält ihren Sinn und ihre Kraft durch die innere Bereitschaft des Beters, den Willen Gottes auch dort anzunehmen, wo er von den eigenen Vorstellungen abweicht. Diese Bereitschaft konkretisiert sich auch im kirchlichen Gehorsam dem Papst und Bischof gegenüber. Sie kann manchmal Schmerzliches abverlangen.

Um den Willen Gottes geht es auch im “Masterplan” für unsere Diözese, im Prozess Apostelgeschichte 2010 und im diözesanen Entwicklungsplan. Was ist Gottes Willen für uns, die Erzdiözese heute, in der Situation großen Wandels? In gemeinsamem Gebet und Eucharistiefeier, im Betrachten der Schrift, im Hinschauen auf die Entwicklung unserer Gesellschaft, bemühen wir uns, den Willen Gottes zu erkennen. Der “Masterplan” soll ja der Plan des Meisters, des Herrn sein.

Genau hier setzt nun der “Aufruf zum Ungehorsam” an – aber quer zum “Masterplan”. Da die von den Initiatoren der “Pfarrer-Initiative” geforderten Reformen noch immer nicht erfolgt sind, und da die Bischöfe, so meinen sie, untätig sind, sehen sie sich gezwungen, “dem Gewissen zu folgen und selbstständig tätig zu werden”.

Wenn es zur Gewissensfrage wird, dem Papst und dem Bischof gegenüber ungehorsam zu werden, dann ist eine neue Stufe erreicht, die zu einer klaren Entscheidung drängt. Denn dem Gewissen ist immer Folge zu leisten, wenn es ein geformtes und sich selbst kritisch prüfendes Gewissen ist. Der selige Franz Jägerstätter hat in einsamer Gewissensentscheidung den Kriegsdienst in Hitlers Armee verweigert, um den Preis seines Lebens.

Der selige John Henry Newman kam in einem jahrelangen intensiven Ringen zur Gewissheit seines Gewissens, dass die anglikanische Kirche von der Wahrheit abgewichen ist und dass die Kirche Jesu Christi in der katholischen Kirche weiterlebt. So verließ er seine Kirche und wurde katholisch.

Wer also im geprüften Gewissen zur Überzeugung kommt, dass “Rom” auf einem Irrweg ist, der gravierend dem Willen Gottes widerspricht, müsste im äußersten Fall die Konsequenz ziehen, den Weg nicht mehr mit der römisch-katholischen Kirche zu gehen. Ich glaube und hoffe aber, dass dieser äußerste Fall hier nicht eintritt.

Den “Aufruf zum Ungehorsam” halte ich für keinen hilfreichen Schritt. Ich werde zum nächstmöglichen Zeitpunkt ein Gespräch mit den Vertretern der “Pfarrer-Initiative” führen. Ich werde sie besonders auch auf einige Ungereimtheiten in ihrem “Ungehorsams-Programm” hinweisen, etwa die Formulierung “priesterlose Eucharistiefeier” oder die abschätzigen Bemerkungen über Priesteraushilfen als “liturgische Gastspielreisen”. Nur ein von gegenseitiger Wertschätzung geprägter Stil hilft uns weiter, wie wir ihn beglückend in den drei Diözesanversammlungen erleben durften.

Danke, Kardinal Schönborn, für Ihre klaren Worte. Viele Katholiken sind im Gebet sehr mit ihnen und mit den etwa 4.000 Priestern und Pfarrern Österreichs, die täglich ihren wichtigen und guten Dienst im Sinne der Kirche Christi tun, verbunden – einschließlich der 300, die ihrem Ungehorsam Ausdruck verleihen.

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YOUCAT – erste Eindrücke des neuen Jugendkatechismus

“Studiert den Katechismus. Das ist mein Herzenswunsch! … Studiert den Katechismus mit Leidenschaft und Ausdauer! Opfert Lebenszeit dafür! Studiert ihn in der Stille Eurer Zimmer! Lest ihn zu zweit, wenn Ihr befreundet seid! Bildet Lerngruppen und Netzwerke, tauscht Euch im Internet aus. Ihr müsst wissen, was Ihr glaubt!” Papst Benedikt wendete sich in einem eigenen Vorwort an die Jugendlichen der Welt.

Unter dem Patronat des Wiener Kardinals Christoph Schönborn und in Zusammenarbeit mit Jugendlichen entstand… Weiterlesen →


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Wiener Erzbischof als Feuerwerfer…

schönborn-diözesanV-2009…die Überschrift knüpft – wie Leser dieses Blogs unschwer bemerken – an das letzte Posting Ein berühmter Mann als Feuerwerfer an. Nach dem feurigen Evangelium von gestern hat der Wiener Erzbischof das Wort.
Mit der Initiative “Apostelgeschichte 2010” will Christoph Kardinal Schönborn ein neues Kapitel Kirchengeschichte beginnen, und legt ein erstes Bekenntnis vor der heute beginnenden Diözesan-versammlung ab, im Wiener Stephansdom vor 1.500 Delgierten und Gästen aus 500 Pfarren.

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wpa Impuls des Bischofs


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Kardinal Schönborn zur Hilfe der Kirche in Fragen des Lebensschutzes

Schönborn-segnet+
Christoph Kardinal Schönborn
hat wieder zur europäischen „Kultur des Todes“ (so Papst Benedikt XVI. 2007 in Wien)  Stellung genommen. Da sich dieses Blog in mehreren Beiträgen mit dem Thema Schutz des Lebens, Das Weggeworfene der Gesellschaft und Abtreibung in Österreich beschäftigt hat, ist es naheliegend, den aktuellen Worten des Wiener Erzbischofs entsprechend Raum zu geben:

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Wie Christoph Kardinal Schönborn ausführt, hat die katholische Kirche…

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Kreuzerhöhung in Stift Heiligenkreuz (2009)

kreuzreliquie

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Das Fest der Kreuzerhöhung wurde vergangenen Sonntag im Stift Heiligenkreuz besonders festlich begangen. Hauptzelebrant des Pontifikalamtes war Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn.

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Im Mittelpunkt des Heiligenkreuzer Kreuzerhöhungsfestes steht die Kreuzreliquie des Stiftes, die bedeutendste ihrer Art nördlich der Alpen.

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„Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung“

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Vorbereitung zur Kreuzerhöhungsmesse

Vorbereitung zur Kreuzerhöhungsmesse

Prozession mit der Kreuzreliquie

Prozession mit der Kreuzreliquie

Co-Zelebrant P. Bernhard

Konzelebrant P. Bernhard Vošicky

Ankunft von Christoph Kardinal Schönborn

Ankunft von Christoph Kardinal Schönborn

Segnung durch Christoph Kardinal Schönborn

Segnung durch den Wiener Erzbischof

Zug Richtung Stiftskirche

Zug der Prozession Richtung Stiftskirche

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Die “Kultur des Todes” in den Worten der seligen Teresa von Kalkutta

mutter-teresa

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Be only all for Jesus
through Mary.
Be holy.
God bless you.

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“Nur sehr arme und ungebildete Gesellschaften setzen Abtreibung als Mittel zur Geburtenkontrolle ein”, so der ehemalige österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky in einer Stellungnahme aus dem Jahr 1974. Kreisky weiter: “Eine reiche Gesellschaft wie die österreichische, eine blühende Stadt wie Wien muss Rahmenbedingungen schaffen können…

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