Zeit zu beten – Dialog durch Gebete

Beten, katholische Gebete, christliche Spiritualität, Online Gebetskreis, Jesus Christus, Gottesmutter Maria

schönborn-artikel


Hinterlasse einen Kommentar

“Wo katholisch draufsteht, muss auch katholisch drinsein”

Im Anschluss an die österreichische Bischofskonferenz in Salzburg hat sich Kardinal Christoph Schönborn zu Wort gemeldet und die Ergebnisse zu verschiedenen Tagungspunkten erläutert. Dabei gab es auch klare Meinungen zu den Themen Reform und Pfarrer-Initiative, wobei sich letztere mit weiteren Gesprächen in den zuständigen Diözesen zurechtfinden muss. Nach meinem Verständnis ist auch klargestellt , dass die Erneuerungsprozesse in den Diözesen, wie die Apostelgeschichte 2010 (APG2010) in Wien, mittelfristig Vorrang gegenüber allen anderen Reformbestrebungen haben.

“Vorrang für Glaubenserneuerung von innen her”

Es sei unbestritten, dass sich die Kirche immer wieder erneuern muss, sagte der Kardinal. Unterschiedliche Auffassungen gebe es in Bezug auf das Wie”. Die Überzeugung Schönborns: “Es gibt seit 2.000 Jahren keinen besseren Reformweg als das Evangelium.” Wie auch beim Thema Bildungsreform gelte es sich zunächst auf Visionen und Ziele zu besinnen, Strukturfragen seien demgegenüber nachrangig. Im Unterschied zu Marxisten seien Christen überzeugt, “dass Menschen die Gesellschaft verändern, nicht Strukturreformen“. Der Kardinal rief dazu auf, wieder “neu in die Lebensschule Jesu Christi zu gehen“. Wenn Glaubenserneuerung “von innen her” nicht gelinge, seien bessere Strukturen “für die Katz’”, so Schönborn wörtlich.

Thema Reform und Pfarrer-Initiative

Auf Fragen nach möglichen disziplinarrechtlichen Konsequenzen für Pfarrer, die öffentlich “Ungehorsam” ankündigen, verwies Schönborn auf Gespräche, die die einzelnen Diözesanbischöfe mit ihren Pfarrern führen. “Vieles ist im Gespräch zu klären“, setzte der Kardinal auf einen konsensorientierten Weg. Dieser sei unter Christen der richtige.

Wo ‘katholisch’ draufsteht, muss auch ‘katholisch’ drinnen sein“, hat Kardinal Christoph Schönborn im Blick auf jene Forderungen der Pfarrer-Initiative erklärt. Dies betreffe die Eucharistie und andere Sakramente, die für die katholische Identität von fundamentaler Bedeutung seien. Missbräuchlicher Umgang mit diesen zentralen Glaubensthemen könnte sicher nicht hingenommen werden, so der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz bei einer Pressekonferenz am Freitag in Wien, bei der er über die Ergebnisse der Herbstsession der Bischofskonferenz berichtete. Andere Pfarrer-Forderungen betreffend den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen oder die Predigt von qualifizierten Laien seien innerkirchlich seit langem Thema, da gebe es “Sorgen, die wir alle teilen”.

+

Auszüge aus den Erklärungen zur Herbstvollversammlung 2011

Herbstvollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz vom 7. bis 10. November 2011 in Salzburg

1. Erneuerung in Treue zum Zweiten Vatikanischen Konzil

Die Kirche steht so wie auch die Gesellschaft in einer Zeit, die von tiefgreifenden Veränderungen geprägt ist. Die gegenwärtigen Umbrüche zeigen sowohl den Verlust von bisher Vertrautem und Bewährtem, aber auch nicht wenig Hoffnungsvolles. “Nach den Zeichen der Zeit zu forschen und sie im Lichte des Evangeliums zu deuten” mit dem Ziel einer Erneuerung der Kirche war der große Anspruch des Zweiten Vatikanischen Konzils, dem wir auch heute verpflichtet sind und in Zukunft verpflichtet bleiben. Das gilt besonders auch für das von Papst Benedikt XVI. proklamierte “Jahr des Glaubens” fünfzig Jahre nach dem Beginn dieses großen Konzils.

Vor diesem Hintergrund haben sich die Bischöfe auch intensiv mit einigen österreichischen Initiativen befasst, die massiv auf Veränderungen in der Kirche drängen. Wir Bischöfe nehmen selbstverständlich alle Sorgen um die Gegenwart und Zukunft der Kirche wahr und ernst. Die österreichischen Diözesen stellen sich dieser Situation und nehmen die Chancen zu Neuem wahr. Wir ersuchen alle Katholiken und Verantwortungsträger für das öffentliche Leben darum, dies wohlwollend zu sehen und mitzutragen, statt Modelle aufzudrängen, die nach Überzeugung vieler zu kurz greifen oder gar der kirchlichen Identität schwerwiegend widersprechen und die Einheit der Kirche aufs Spiel setzen.

Ein “Aufruf zum Ungehorsam” durch einige Priester hat bei vielen Katholiken nicht nur ein Kopfschütteln, sondern tiefe Sorge und Traurigkeit ausgelöst. Ungehorsam ist ein Kampfwort, das so nicht stehenbleiben kann. Wer bei der Weiheliturgie öffentlich und freiwillig ein Dienstamt in der Kirche übernommen hat, schadet der Gemeinschaft und sich selbst, wenn er mit diesem Wort leichtfertig umgeht. Meinungsumfragen können ihm die schwerwiegende Verantwortung für eine fundamentale Einheit in der Kirche nicht abnehmen.

Gehorsam ist in der Kirche nicht “blind” oder “sklavisch”, sondern hat seinen Quellgrund in der Bibel selbst und in der lebendigen Tradition der Kirche. Das zeigt uns ein Blick auf den Gehorsam Abrahams, Marias und unseres Erlösers Jesus Christus selbst sowie auf das Leben exemplarischer heiliger Christen aller Generationen bis heute.

Einige mit der Aufforderung zum Ungehorsam verbundene Forderungen seitens einer Priesterinitiative und von Laieninitiativen sind nicht einlösbar. Die Rede von einer Eucharistiefeier ohne Weihesakrament ist ein offener Bruch mit einer zentralen Wahrheit unseres katholischen Glaubens. Hier geht es nicht um Fragen der Kirchenorganisation, sondern um fundamentale Fragen der katholischen Identität. Die Bischöfe führen das Gespräch über diese Fragen und über Konsequenzen daraus mit den Priestern und mit den Gremien in je ihrer Diözese und haben damit bereits begonnen.

Unterschiedliche, aber dem selben Ziel zugeordnete Wege zu einer kirchlichen Erneuerung unter den heute gegebenen Bedingungen sind in einigen Diözesen bereits im Gange. Sie werden beharrlich fortgesetzt und öffentlich kommuniziert. Viel Gutes gelingt. Volle Harmonie ist aber in einer Zeit großen Wandels weder in der Gesellschaft noch in der Kirche erreichbar. Deshalb braucht es gerade heute von allen die Bereitschaft, Spannungen auszuhalten und fruchtbar zu machen. Es ist keine Ablenkung von unbequemen Spannungen, wenn wir betonen, dass es heute und morgen vor allem darauf ankommt, die Zahl jener Getauften zu vermehren, die Gott inständig suchen und für die der Glaube an Jesus Christus immer mehr zur entscheidenden Frage für ein gelingendes Leben wird. Damit verbunden ist die Bereitschaft, sich im Glaubenswissen zu vertiefen und aus den Sakramenten zu leben.

Die Kirche ist auch in unserem Land viel lebendiger, als es oft gesehen oder dargestellt wird. Auch hier gilt das Wort des Propheten Jesaja: “Schon wächst Neues. Merkt ihr es noch nicht?” In den Diözesen Österreichs sind die Bemühungen um eine lebensnahe und missionarische Seelsorge gewachsen und werden gerade jetzt intensiviert. Es geht dabei kurz gesagt um drei Leitworte. Erstens: “Auf Christus schauen”. Zweitens: “Mit den Augen Christi auf die Menschen blicken”. Drittens: “Den Menschen Christus zeigen”. Damit sind die Beziehung zu Christus, die Nächstenliebe und die missionarische Dimension des Christseins benannt. Dies ist der Weg der Nachfolge Christi. Wir wollen ihn als Bischöfe gemeinsam mit allen Glaubenden gehen.

Auf diesem Weg geht es besonders auch um zwei konkrete Vorhaben der Bischofskonferenz: Im kommenden Jahr jährt sich zum 50. Mal der Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils. Papst Benedikt XVI. hat aus diesem Anlass ein weltweites “Jahr des Glaubens” proklamiert. Wir Bischöfe nehmen dies zum Anlass, um mit allen, die mit uns gehen wollen, auf die Texte dieses großen Reformkonzils zu hören. Wir sind davon überzeugt, dass wir dort Antworten finden können auf die Fragen, die uns heute gestellt sind. Dazu suchen wir auch die Kooperation mit den katholischen Fakultäten der Universitäten unseres Landes und mit anderen katholischen Hochschuleinrichtungen. Konkretes dazu werden wir bei der Frühjahrskonferenz 2012 vorstellen.

Darüber hinaus werden wir uns besonders mit der Situation der Priester, die ja die engsten Mitarbeiter der Bischöfe sind, befassen. Unter dem Generalthema “Was heißt Pfarrer-Sein heute?” werden die Bischöfe das Gespräch mit Priestern suchen und vertiefen.

Wir Bischöfe bitten alle Glaubenden mit uns den Weg der Erneuerung in der Nachfolge des gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus Christus zu gehen. Wir vertrauen dabei auf den Beistand des Heiligen Geistes und die Mitarbeit aller aus Glaube, in Liebe, auf Hoffnung hin.

[ ... ]

3. Bildung zum Menschsein

Bildung ist nicht nur ein Menschenrecht, sondern auch für eine humane Gesellschaft von grundlegender Bedeutung. Von daher ist es sehr erfreulich, dass in Österreich eine breite Diskussion über Bildung eingesetzt hat, die durch ein Bildungsvolksbegehren und eine neue Bildungsplattform verstärkt wurden.

Die katholische Kirche ist neben den öffentlichen Schulerhaltern Bund und Ländern der größte private Träger von Bildungseinrichtungen in Österreich. Dieses umfassende kirchliche Engagement ist Ausdruck einer gelebten Vision von christlicher Bildung. Sie soll zu einem erfüllten Menschsein führen und die vielfältigen Potenziale und Begabungen jedes einzelnen auf dem Weg zu einem selbstverantwortlichen Leben im Miteinander und Füreinander fördern. Bildung ermächtigt zur Teilhabe in einer demokratischen Gesellschaft und eröffnet einen Ausweg aus Benachteiligung und Armut. So wichtig der Erwerb von Fertigkeiten und Kenntnissen ist, aus christlicher und gut belegter pädagogisch argumentierter Sicht ist Bildung aber mehr als Wissen. Sie ist nie abgeschlossen, so wie auch der Mensch nie fertig ist; sie erschöpft sich nicht in mess-, zähl- und verwertbaren Dimensionen, sondern ist offen für Werte und für den tiefsten Sinn, den höchsten Anspruch und das letzte Ziel menschlicher Existenz. Aus christlicher Sicht ist daher die ethische und religiöse Dimension von Bildung von fundamentaler Bedeutung, was auch in der österreichischen Bundesverfassung festgeschrieben ist.

Vor diesem Hintergrund muss kritisch angefragt werden, ob sich die Akteure der laufenden Debatte ausreichend Rechenschaft über die Grundsatzfragen von Bildung geben, die ohne eine deutliche anthropologische Grundlegung weder gestellt noch beantwortet werden können. Auffallend ist der zunehmend ökonomisch verzweckte Zugang zum Bildungsthema, der sich auch auf europäischer Ebene deutlich manifestiert. Bildung ist nicht nur mehr als Wissen und sie ist schon gar nicht nur eine “Investition in das Humankapital”. Bildung ist an und für sich wertvoll und hat ein hohes Maß an Zweckfreiheit. Sie ist ureigenste und höchstpersönliche Leistung des Menschen auf dem Weg zu einem entfalteten Menschsein. Insofern darf Bildung nicht auf Ausbildung und dürfen ihre Ziele nicht auf Nützlichkeit für allgemeines Wirtschaftswachstum reduziert werden. Bildung zielt letztlich auf Freiheit und Mündigkeit. Von daher und aufgrund der Rechte der Eltern darf der Staat keine ideologischen Bildungsinhalte vorgeben.

Auch die derzeit feststellbare Fixierung der Bildungsdebatte auf schulische Strukturfragen ist wohl unzureichend. Zweifelsohne müssen Strukturen immer wieder überprüft und verbessert werden. Aber Strukturfragen sind bekanntermaßen immer sekundäre Fragen gegenüber den Visionen, die Menschen bewegen. Dies wird auch durch die Erfahrung der Kirche bestätigt, die als weltweit agierender Schulträger in den unterschiedlichsten sozio-kulturellen Kontexten und konkreten Schulstrukturen wirkt und dennoch in allen Ländern christlich inspirierte Bildung mit hoher Akzeptanz anbietet.

Besorgniserregend sind Befunde, wonach beim gegenwärtigen Bildungssystem familiäre Herkunft und sozialer Status eine so wichtige Rolle spielen, dass damit soziale Unterschiede und materielle Armut eher verfestigt werden. Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, dass für alle der individuell beste Bildungsweg mit optimaler differenzierter Förderung offen bleiben und so auch die soziale Nachhaltigkeit des Bildungssystems angezielt werden muss. Die geplante Einführung der Neuen Mittelschule in der derzeitigen Form scheint dazu ein geeigneter Weg zu sein.

Denn aufgrund des hohen Stellenwerts der Elternrechte in der Katholischen Soziallehre ist es wichtig, dass Eltern und Kinder Wahlfreiheit hinsichtlich der konkreten Schulformen haben. Gleichzeitig muss auf größtmögliche Durchlässigkeit der Schulformen geachtet werden. Schulische Vielfalt gepaart mit dem Prinzip der Wahlfreiheit und der Durchlässigkeit entspricht am ehesten den unterschiedlichen Bedürfnissen von Kindern und Eltern und stellt zugleich auf den gesellschaftlichen Bedarf ab. Diesen Prinzipien entspricht auch die Forderung nach einer Wahlmöglichkeit zwischen einer Schule mit Nachmittagsbetreuung und einer Schule in verschränkter ganztägiger Form.

Dabei ist festzuhalten, dass die Kirche selbst eine “Expertin für Bildung” ist, wobei innerhalb der Kirche die diözesanen Schulamtsleiter die offiziell beauftragten Experten sind. In vielfältiger Weise beteiligen sich aber auch zahlreiche katholische Organisationen und Initiativen aus den Bereichen Familie, Bildung, Caritas und Soziales am Diskurs für ein Bildungssystem mit Zukunft. Dabei kommt es in einzelnen Fragen aufgrund unterschiedlicher Zugänge zur Thematik mitunter auch zu verschiedenen Positionierungen. Wer das Bildungssystem primär unter dem Blickwinkel der Armutsvermeidung betrachtet, kann zu anderen Ergebnissen kommen als beispielsweise katholische Eltern oder Lehrerverbände. Diese Meinungsvielfalt ist nachvollziehbar, zumal es sich um Sachfragen handelt, bei denen Katholiken legitimerweise zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen können.

Wesentlicher Teil der Initiativen im Bereich der österreichischen Bildungslandschaft ist das Katholische Private Schulwesen. Die katholische Kirche ist weltweit der größte nicht-staatliche Träger von Schulen, die von rund 48 Millionen Kindern und Jugendlichen besucht werden. Seit der ausgehenden Antike prägt und trägt die Kirche das Bildungswesen in Europa. Und auch heute, nachdem der Staat zu Recht die volle Verantwortung für das Bildungswesen übernommen hat, sind kirchliche Bildungseinrichtungen von großer Bedeutung und ist die Kirche weiterhin verlässlicher Partner in der Innovation von Bildung. So besuchen mehr als 70.000 Schülerinnen und Schüler die 340 katholischen Schulen in ganz Österreich.

Das kirchliche Engagement in Sachen Bildung zeigt sich in Österreich besonders deutlich im Engagement für die Lehrerbildung. Letztlich ist diese entscheidend für die Unterrichtsqualität. Die Kirche erhält vier Kirchliche Pädagogische Hochschulen (KPH) und eine Katholische Pädagogische Hochschuleinrichtung in Kärnten. An diesen Institutionen werden Lehrerinnen und Lehrer für den Bereich der Pflichtschule ausgebildet. Fort-und Weiterbildung wird für alle Lehrkräfte aller Gegenstände und aller Schulformen angeboten. Die größte Pädagogische Hochschule Österreichs ist derzeit die KPH Wien/Krems, zudem ein außergewöhnliches ökumenisches Projekt. Damit ist eine große Tradition wieder aufgenommen, war doch die Katholische Kirche die erste, die überhaupt in Europa Lehrer ausgebildet hat.

Bildung im umfassenden Sinn war immer schon und ist auch heute für die katholische Kirche maßgebend. Von daher erklärt sich auch, weshalb die Kirche neben den Ländern auch der größte Träger sowohl von Kindergärten wie auch von Einrichtungen im Bereich der Erwachsenenbildung ist. Diesem breiten Ansatz entsprechen die vielen kirchlichen Orte informellen Lernens: Jugendgruppen, sozial-karitatives Engagement, Pfarrbüchereien und Bildungsveranstaltungen in den über 4400 katholischen Pfarren und Seelsorgestellen bilden ein dichtes Netz gelebter Bildung in ganz Österreich.

4. Hilfe für die Ärmsten

Die aktuelle Hungerkatastrophe am Horn von Afrika erinnert daran, wie groß die Not im Dürregebiet von Somalia, Kenia und Äthiopien, aber auch in anderen Teilen der Welt ist. Bei aller berechtigten Sorge um geordnete staatliche Haushalte und die Lösung der kritischen Situation im weltweiten Finanzbereich darf auf die Ärmsten der Armen nicht vergessen werden.

Entwicklungszusammenarbeit muss eine zentrale politische Aufgabe bleiben, um Armut und Hunger zu bekämpfen. Die Kürzungen der Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit sind daher beschämend für ein nach wie vor sehr reiches Land wie Österreich.

Umso erfreulicher ist der Umstand, dass die österreichischen Spenderinnen und Spender immer wieder ihre Solidarität mit den Ärmsten beweisen: Mit einer Rekordsumme von fast 100 Millionen Euro konnten im vergangenen Jahr kirchliche Organisationen über 4000 Projekte unterstützen und damit rasche und umfassende Hilfe leisten. Daraus leitet sich ein Auftrag an den Staat ab, auch seinen Teil zur Entwicklungszusammenarbeit beizutragen.

Die Österreichischen Bischöfe appellieren daher an die Bundesregierung, die Kürzungen der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit im Budget 2012 zurückzunehmen und zusätzliche Mittel für den Auslandskatastrophenfonds bereitzustellen.

Erneut setzen sich die Bischöfe dafür ein, die Entwicklungszusammenarbeit gesetzlich abzusichern und einen verbindlichen Stufenplan zur Erhöhung der finanziellen Mittel festzulegen. Österreich hat sich mehrfach sowohl international auf UN- und EU-Ebene als auch national auf Regierungsebene zu einer Anhebung seiner Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit auf 0,7% des Bruttonationaleinkommens bekannt.

In diesem Zusammenhang braucht es genügend Geld und bessere Rahmenbedingungen für den Einsatz von Entwicklungshelfern. Der Einsatz von Fachkräften aus Österreich und Europa hat sich in den letzten 50 Jahren als wirksames Instrument der Entwicklungszusammenarbeit erwiesen. Heute ist „HORIZONT3000″ die einzige österreichische Organisation, die den Fachkräfteeinsatz professionell als Aufgabenbereich führt. Die geltenden staatlichen Rahmenbedingungen sollen so geändert werden, dass Personaleinsätze auch in kirchlichen Schwerpunktregionen besser möglich sind.

+++

schönborn-wahrheit-artikel


Hinterlasse einen Kommentar

Kardinal Christoph Schönborn kritisiert Pfarrer-Initiative

************

UPDATE: kath.net hat zur Abwechslung die offizielle Berichterstattung der katholischen Presseagentur übernommen. Was die Linzer Redaktion nicht selber macht, besorgt der harte Kern der kath.net-Leserkommentatoren:

Siebtel: “Schönborn sagt: ‘Wir wissen alle, dass die Kirche stete Reform braucht.’ Was bedeutet diese angeblich permanent vorhandene Reformnotwendigkeit für das Haupt der Kirche? Was will man verändern? Alles extrem diffus.”

GvdBasis: “Irgendwie regt mich das auf, dass die österreichischen Bischöfe nicht zu handeln scheinen. Über die Medien verbreitet sich das Gedankengut dieser Rebellen wie eine Giftsuppe, und wir kleinen Leute an der Basis haben diese tagtäglich auszulöffeln mit den immer mehr verwirrten Leuten in unserem Lebensumfeld und endlosen Debatten, was da zum Beispiel in dieser Fernsehsendung wieder für ein Quatsch verbreitet wurde.”

a.t.m: “Denn einzigen Punkt der angschaut werden kann, ist doch punkt 1 dieses schismatisch-häretischen Aufrufes. Denn die anderen Punkte des Ungehorsam werden entweder vom Heiligen Willen Gottes…oder von der einen, heiligen, katholsichen und apostolischen Kirche nicht nur einmal sonder vermutlich um ein vielfaches öfter geklärt und richtig gestellt. Oder hat seine Eminenz Angst die Position Gottes unseres Herrn und der HRKK einzunehmen?”

Eine geradezu unglaublich einseitige Berichterstattung (diesmal der eigenen Redaktion) bietet kath.net zum bereits besprochenen Club2 “Als der Altabt von Heiligenkreuz Helmut Schüller entzauberte“, man vergleiche dazu den Bericht von Giovanni und meine festgehaltenen 5 Punkte.

************

Bitte schließt euch dem Gebet für die Kirche Österreichs an!!!

***********

Kardinal Christoph Schönborn hat am Freitagabend neuerlich die Forderungen der Pfarrer-Initiative abgelehnt und Konsequenzen für die Priester, die zum Ungehorsam aufgerufen haben, nicht ausgeschlossen. Ob es tatsächlich zu solchen komme, hänge davon ab, wie diese Priester in der Praxis mit ihren Forderungen umgehen, sagte der Wiener Erzbischof in der “ZiB2″.

Wenn sie Handlungen setzen, die der katholischen Glaubenslehre ernstlich widersprechen, dann würden Konsequenzen drohen, so Schönborn. Gleichzeitig betonte er aber, dass er auf das Gespräch setze. “Ich hoffe auf die Brücke des Gesprächs.”

Inhaltlich will Schönborn der Pfarrer-Initiative aber offenbar nicht entgegen kommen. “Gehen wir den Weg mit dem Papst”, lud er die Katholiken ein. Das sei langfristig der Weg, der für die Kirche der Richtige sei, zeigte sich Schönborn ganz auf Linie mit Rom. Gleichzeitig bekannte er sich dazu, dass die Kirche ebenso wie die Gesellschaft “stete Reformen” brauche.

Die Frage sei nur, welche Reformen notwendig und zielführend seien. Da gebe es große Unterschiede. Auch die Bischöfe hätten ein Reformkonzept und in der Wiener Diözese sein man mitten in einem Reformprozess, der aber von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt bleibe.

Die Forderung nach Abschaffung des Zölibats wies Schönborn neuerlich zurück. Er werde sich “aus tiefster Überzeugung” für den Zölibat in der katholischen Kirche einsetzen. Als Begründung sagte der Kardinal: “Es ist die Lebensform Jesu gewesen.”

Zur Frage der Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene merkte Schönborn an, dass dies jeder Priester in seiner seelsorglichen Verantwortung selbst im Einzelfall entscheiden könne. Er müsse dabei aber den Schutz der Ehe und die Unauflöslichkeit der Ehe berücksichtigen. Es gebe Wege, wie man mit dem Scheitern der Ehe seelsorglich umgehen könne. Dabei aber nur auf die Kommunion zu schauen ist nach Ansicht Schönborns zu einseitig.

Wetten wir, dass kath.net in Jubelstimmung über die “Papst-Linie” des Kardinals berichten wird, und über den Reformprozess in der Diözese Wien nicht viele Worte verlieren wird? Die obigen Absätze stammen jedenfalls aus der ersten APA-Meldung zum Thema, und sind daher eher unverdächtig.

+

ORF_logo-artikel


17 Kommentare

ORF diskutiert Kirchenspaltung – Mail an den CLUB2

***********

UPDATE: Etwas mehr oder weniger Selbstkritik schadet nicht, jedenfalls versuche ich das hie und da zu zeigen… Im nachhinein kommen mir manche meiner Fragen zu kleinlich vor, muss ich zugeben. Die Diskussion im Club2 war zwar nicht besonders ergiebig, aber sie hatte doch einige besondere Momente, aus meiner Sicht wie folgt:

1. Helmut Schüller liegt mit einigen seiner Forderungen inhaltlich deutlich daneben, aber glaubwürdig – im Sinne persönlicher Erfahrungen und Überzeugungen – ist er.
2. Notwendige Veränderungen betreffen auch den Klerus, der ein paar Stufen herunterkommen muss (Otto Neubauer), um wieder demütig (!) auf Augenhöhe mit der Gemeinschaft aller Gläubigen zu sein.
3. Fragen sind nicht nur an H.Schüller zu richten, sondern auch an die Erzdiözese Wien (Apostelgeschichte 2010), die ihre guten Ansätze (!) nun auch in die Umsetzungsphase bringen muss!
4. Ich sehe wirklich keinen Grund mehr, warum unser Kardinal sich nicht noch stärker für eine “römische Lösung” in der Frage der “Geschieden-Wiederverheirateten” einsetzen sollte.
5. Unsere Kirche ist zu schön und zu wertvoll, als dass nicht alle wieder an einem Strang ziehen sollen, sowie offen und im Namen Christi miteinander sprechen und handeln!

Bitte schließt euch dem Gebet für die Kirche Österreichs an!!!

***********

Sehr geehrte Damen und Herren der CLUB2-Redaktion!

Zur heutigen CLUB2 Diskussion „Rebellion der Pfarrer – droht die Kirchenspaltung?“ möchte ich Ihnen einen Beitrag liefern, der aus der Diskussion mit vielen engagierten Laien und Priestern hervorgeht. Niemand hat etwas gegen engagiert vorgebrachte Reformanliegen, doch gibt es eine Reihe von Fragen an den Vorstand der Pfarrer-Initiative, die in der öffentlichen Diskussion bis heute nicht gestellt bzw. nicht beantwortet wurden:

„Doppelmoral kirchlicher Organe“

  • Aufgrund der zuletzt durch Prof. Zulehner (Pfarrerbefragung 2010) erhobenen Doppelmoral kirchlicher Organe  (Priester leben mit Duldung der Kirchenführung in Beziehungen und werden nur dann suspendiert, wenn ihr Beziehungsstatus offiziell wird), muss es doch ein Hauptanliegen der Pfarrer sein, Maßnahmen zur Lösung dieser Probleme zu fordern:
  1. Wenn von der Pfarrer-Initiative die generelle Forderung nach verheirateten Priestern erhoben wird: Was ändern verheiratete Priester am Problem, dass zölibatäre Priester auch weiterhin Probleme mit ihrer Beziehungslosigkeit erfahren?
  2. Warum wird die Forderung nach der verstärkten und intensiven Einsetzung von „Viri Probati“ (bereits verheiratete und in der Gemeindearbeit sehr bewährte Männer) nicht ausdrücklich und an erster Stelle gefordert?

 Jugend als Zukunft der Kirche

  • Wie steht Msgr. Schüller dazu, dass die Mitglieder seiner Initiative einen sehr hohen Altersschnitt haben, also die Generation der Jungpfarrer kaum hinter den Anliegen steht und es sich vor allem um einen Aufstand älterer Funktionäre handelt?
  • Wie steht Msgr. Schüller dazu, dass ein Großteil der aktiven christlichen Jugend mehr an einer papsttreuen Kirche der Einheit – wie zuletzt am Weltjugendtag in Madrid erlebt – interessiert ist als an einer Initiative „Pfarrer reparieren die Kirche“?

Fragen, die nur ein Konzil klären kann

  • Müssen derart weitreichende Anliegen wie das Frauenpriestertum nicht aus dem Glauben und dem Gebet heraus motiviert sein, anstatt auf grundsätzliche gesellschaftliche Anliegen (d.h. aus dem Gleichheitsgrundsatz abgeleitete Frauenpriester) zurückgeführt zu werden?
  • Wie kann man davon ausgehen, dass Anliegen wie das Frauenpriestertum von Pfarrern einfach so – ohne weitere theologische Begründungen – auf ernstzunehmende Weise gefordert werden können?

Eine katholische Kirche ohne Eucharistie ist „wie ein Fahrzeug ohne Kraftstoff“

  • Wie verträgt sich die eucharistische Ausrichtung der katholischen Kirche mit dem „Anliegen aus der Not des Priestermangels“, in Zukunft vermehrt Wortgottesdienste (also Gottesdienste ohne Eucharistiefeier) ohne Priester und mit Laienpredigern anzubieten?

Die Pfarrer-Initiative spricht von einem „nicht aufschnürbaren Forderungspaket“

  • Warum formuliert der Vorstand immer wieder neue Anliegen (wie z.B. die Wahl der Bischöfe durch das Kirchenvolk), wo doch ein klar eingegrenztes 7-Punkte Programm der Pfarrer-Initiative vorgelegt wurde? Und wie  sehr kann eine Pfarrer-Initiative, die im Vorfeld eines Verhandlungstermins täglich mit ihren eigenen Anliegen in die Medien geht, an Gesprächsergebnissen mit der Kirchenführung interessiert sein?

Die Vermehrung des Glaubens als Ursache für Reformen

  • Wenn Kirchenreformen darin zu begründen sind, den Menschen den Glauben noch näher zu bringen: Warum fragt dann niemand, was die vorgeschlagenen „liberalen Reformen“ eigentlich am Glauben des Volkes verbessern?

Es wäre sehr wünschenswert, wenn diese Fragen von einem seriösen Medium wie dem ORF gestellt würden, denn viele an der Kirche interessierte Menschen erwarten Antworten…

Mit freundlichen Grüßen

Stefan Ehrhardt
(Ehrenamtlicher Mitarbeiter der Pfarre St.Othmar, Mödling)

+

Luther-verbrennt-Papstbulle


2 Kommentare

Cui bono, Monsignore Schüller?

In jedem Gläubigen sollte ein kleiner Martin Luther stecken, meinte Pfarrer Schüller auf die Frage, wieweit seine Seelenverwandtschaft mit dem Eislebener Theologen ginge. Die Diskussion wurde auf dem Privatsender Puls4 geführt, als weitere Teilnehmer sind der Chefredakteur Michael Fleischhacker (“Die Presse”), Weihbischof Andreas Laun, und der Vertreter der Christenpartei (Rudolf Gehring) zu nennen.

Pfarrer Helmut Schüller ist in den letzten 10 Tagen eine selten dagewesene Pressekampagne geglückt: Ein halbes Dutzend mehr- oder zumindest ganzseitige Interviews in den führenden österreichischen Printmedien, und beachtliche TV-Präsenz nicht nur auf privaten Sendern. Auch wenn die Forderungen der sogenannten „Pfarrer-Initiative“ hinlänglich bekannt sind, werden täglich neue Aspekte der Anliegen benannt und diskutiert.

Pfarrer Schüller:

Unsere Anliegen stellen keine regionale Initiative zur Entlastung der Gemeindearbeit von Pfarrern dar, sondern mittlerweile gibt es weltweit positive Feedbacks zu unseren Forderungen…

Ein weiteres “Kätzchen” ist also aus dem Sack. Kätzchen deshalb, weil es keine große Überraschung ist, dass es inzwischen eine internationale Vernetzung der Initiative gibt – aber jetzt wurde sie öffentlich benannt: Etwa 500 Priester aus Irland, eine unbestimmte Zahl von Pfarrern in Deutschland, sowie mehrere Initiativen in Südamerika wurden erwähnt, wobei ist eine Einschätzung und Überprüfung dieser Angaben derzeit recht schwierig sein dürfte.

Die Diskussion war engagiert und teilweise hitzig, hier einige Kernpunkte.

Pfarrer Schüller:

Das Frauenpriestertum sowie die Option verheirateter Priester fordern wir nicht deshalb, um aus der derzeitigen Berufungs- und Personalkrise herauszufinden – hier geht es um grundsätzliche Anliegen!

Das mag aus ihrer Sicht so sein, Monsignore Schüller, aber dann stellen sich umso drängender die Gegenfragen:

Können derartige “grundsätzliche Ansprüche” von Theologen ohne weitere theologische Begründungen einfach so gefordert werden, ohne auf eine 2.000 Jahre währende begründete Ablehnung einzugehen?
Müssen derart weitreichende Anliegen nicht aus dem Glauben heraus motiviert sein, anstatt auf einer in erster Linie gesellschaftlichen Diskussion zu gründen?

Weihbischof Laun:

Die Frage des Frauenpriestertums fülle ganze Bibliotheken, dazu hätte die römische Kirche also genug zu sagen. Die wichtigste Frage für Reformen sei immer schon gewesen: Fördert und/oder vertieft eine zu diskutierende Reform den Glauben, ja oder nein?

Auch der Weihbischof stellt die Frage nach dem cui bono. Wer möchte sich da nicht anschließen, wenn die allererste Frage diejenige nach dem Beitrag zum Glauben ist?

Pfarrer Schüller:

Zu Beginn des Jahres 1989 hätte niemand vorhergesehen, welche tiefgreifenden (politischen) Umwälzungen stattfinden würden… wir empfehlen den Bischöfen, sich hinter unsere Anliegen zu stellen – dann werden wir ja erleben, wohin der ganze Prozess führe.

Diese gebetsmühlenartig wiederholte Beschwörung mag ein paar Menschen zustimmend nicken lassen, aber ansonsten bringt uns dieser historische Hinweis nichts in der Sache. Haben die „rebellierenden Pfarrer“ denn keine überzeugenden Belege für ihre “grundsätzlichen” Anliegen?

Bleibt die engagiert gestellte Frage eines jungen Mannes um die zwanzig, die er – an Pfarrer Schüller gerichtet – mehrmals wiederholen musste, ohne eine plausible Antwort zu erhalten:

Herr Pfarrer Schüller, wir alle sind uns bewusst, dass die Mehrzahl Ihrer Forderungen in anderen christlichen Konfessionen umgesetzt wurden. Wie können Sie Ihre Forderungen im Rahmen der römisch-katholischen Kirche glaubwürdig aufrecht erhalten, wenn Sie sehen, dass derartige „Reformen“ den betroffenen Kirchen weder im Glauben noch in der Zahl der Gläubigen geholfen haben?

Dass es grundsätzlich die Möglichkeit geben muss, in den Strukturen der Kirche Ungehorsam bzw. Widerstand zu leisten, sollte außer Streit stehen. Dazu ein Auszug aus einem offenen Brief an Kardinal Schönborn, zitiert wird Erich Garhammer, Lexikon für Theologie und Kirche:

„Widerstand kann auch innerkirchlich geboten sein“ und plädiert in diesem Zusammenhang für eine entsprechende „Konflikt- und Streitkultur“. Sein Hinweis auf Gal. 2,11 („Als Kephas aber nach Antiochia gekommen war, bin ich ihm offen entgegengetreten, weil er sich ins Unrecht gesetzt hatte“) zeigt deutlich, dass von einem solchen Widerstand keine kirchliche Instanz, wie hoch sie auch immer sein mag, ausgenommen ist. Wenn Paulus dem Petrus „Heuchelei“ und ein „Abweichen von der Wahrheit des Evangeliums“ vorwerfen musste (Gal. 2, 13 f.), kann Ähnliches auch heute geboten sein.

Dieser Hinweis ist nicht nur richtig: Er ist wichtig und führt uns sogleich zur Frage, wo die Pfarrer-Initiative denn „Heuchelei“ feststellt. Gemeint sind wohl die Duldung von Priestern, die in Lebensgemeinschaften und Beziehungen ohne Dispens leben (dann aber suspendiert werden, wenn sie ihre Beziehung öffentlich machen), sowie die Praxis in Gemeinden, geschieden Wiederverheiratete zur Kommunion zuzulassen: Letztlich sind diese Praktiken als Abweichen von kirchlichen Wahrheiten zu werten.

Die „Kardinalfrage“ des begonnenen Ungehorsam muss doch sein, was die sieben Punkte der Pfarrer-Initiative (mit Ausnahme von Punkt 2, der die Geschieden-Wiederverheirateten anspricht) mit der befundenen Doppelmoral kirchlicher Organe zu tun haben?

So gesehen lautet meine Empfehlung: Liebe Pfarrer, wenn laut Vorstand Schüller das „Abweichen der Kirche von der Wahrheit“ und “grundsätzliche Fragen” den eigentlichen Hintergrund eures Widerstandes bilden, dann heißt es zurück an den Start, um Anliegen festzustellen, die auch tatsächlich und überzeugend von eurer Sorge um die römisch-katholische Kirche zeugen.

+

schönborn-kardinal-Artikel


Hinterlasse einen Kommentar

Aufruf zur Einheit (APG2010 und Pfarrer-Initiative)

“Der Vorstand der “Pfarrer-Initiative” hat am Dreifaltigkeitssonntag (19. Juni) einen “Aufruf zum Ungehorsam” veröffentlicht (www.pfarrer-initiative.at). Ich wollte nicht sofort reagieren, um nicht im Zorn und in der Trauer zu antworten, die dieser Aufruf in mir ausgelöst hat.

Bei der Priesterweihe am 24. Juni habe ich in meiner Predigt indirekt darauf Bezug genommen. Mich erschüttert der offene Aufruf zum Ungehorsam. Wie würden in unserem Land die Familien aussehen, wenn Ungehorsam zur Tugend erhoben würde? Viele Berufstätige fragen sich, wie es möglich ist, in der Kirche den Ungehorsam zu propagieren und zu praktizieren, wo sie wissen, dass sie ihren Arbeitsplatz längst verloren hätten, wenn sie dort zum Ungehorsam aufriefen.”

Christoph Kardinal Schönborn antwortet auf den offenen Brief der österreichischen Pfarrer-Initiative, der zum Ungehorsam gegen Bischöfe und Vatikan aufruft. In seiner Adresse an die Pfarrer heißt es weiter:

“Der christliche Gehorsam ist eine Schule der Freiheit. Es geht um die konkrete Übersetzung ins Leben von dem, was wir in jedem Vaterunser beten, wenn wir den Vater bitten, sein Wille möge geschehen, im Himmel und auf Erden. Diese Bitte erhält ihren Sinn und ihre Kraft durch die innere Bereitschaft des Beters, den Willen Gottes auch dort anzunehmen, wo er von den eigenen Vorstellungen abweicht. Diese Bereitschaft konkretisiert sich auch im kirchlichen Gehorsam dem Papst und Bischof gegenüber. Sie kann manchmal Schmerzliches abverlangen.

Um den Willen Gottes geht es auch im “Masterplan” für unsere Diözese, im Prozess Apostelgeschichte 2010 und im diözesanen Entwicklungsplan. Was ist Gottes Willen für uns, die Erzdiözese heute, in der Situation großen Wandels? In gemeinsamem Gebet und Eucharistiefeier, im Betrachten der Schrift, im Hinschauen auf die Entwicklung unserer Gesellschaft, bemühen wir uns, den Willen Gottes zu erkennen. Der “Masterplan” soll ja der Plan des Meisters, des Herrn sein.

Genau hier setzt nun der “Aufruf zum Ungehorsam” an – aber quer zum “Masterplan”. Da die von den Initiatoren der “Pfarrer-Initiative” geforderten Reformen noch immer nicht erfolgt sind, und da die Bischöfe, so meinen sie, untätig sind, sehen sie sich gezwungen, “dem Gewissen zu folgen und selbstständig tätig zu werden”.

Wenn es zur Gewissensfrage wird, dem Papst und dem Bischof gegenüber ungehorsam zu werden, dann ist eine neue Stufe erreicht, die zu einer klaren Entscheidung drängt. Denn dem Gewissen ist immer Folge zu leisten, wenn es ein geformtes und sich selbst kritisch prüfendes Gewissen ist. Der selige Franz Jägerstätter hat in einsamer Gewissensentscheidung den Kriegsdienst in Hitlers Armee verweigert, um den Preis seines Lebens.

Der selige John Henry Newman kam in einem jahrelangen intensiven Ringen zur Gewissheit seines Gewissens, dass die anglikanische Kirche von der Wahrheit abgewichen ist und dass die Kirche Jesu Christi in der katholischen Kirche weiterlebt. So verließ er seine Kirche und wurde katholisch.

Wer also im geprüften Gewissen zur Überzeugung kommt, dass “Rom” auf einem Irrweg ist, der gravierend dem Willen Gottes widerspricht, müsste im äußersten Fall die Konsequenz ziehen, den Weg nicht mehr mit der römisch-katholischen Kirche zu gehen. Ich glaube und hoffe aber, dass dieser äußerste Fall hier nicht eintritt.

Den “Aufruf zum Ungehorsam” halte ich für keinen hilfreichen Schritt. Ich werde zum nächstmöglichen Zeitpunkt ein Gespräch mit den Vertretern der “Pfarrer-Initiative” führen. Ich werde sie besonders auch auf einige Ungereimtheiten in ihrem “Ungehorsams-Programm” hinweisen, etwa die Formulierung “priesterlose Eucharistiefeier” oder die abschätzigen Bemerkungen über Priesteraushilfen als “liturgische Gastspielreisen”. Nur ein von gegenseitiger Wertschätzung geprägter Stil hilft uns weiter, wie wir ihn beglückend in den drei Diözesanversammlungen erleben durften.

Danke, Kardinal Schönborn, für Ihre klaren Worte. Viele Katholiken sind im Gebet sehr mit ihnen und mit den etwa 4.000 Priestern und Pfarrern Österreichs, die täglich ihren wichtigen und guten Dienst im Sinne der Kirche Christi tun, verbunden – einschließlich der 300, die ihrem Ungehorsam Ausdruck verleihen.

+

wpa vatikan konzil ii logo


1 Kommentar

In memoriam II.Vatikanum: Unfehlbarkeit der Gläubigen!

In Zeiten, in denen die Kritik an Ortskirche und Vatikan wieder stärker und aggressiver wird, ist es angebracht, an die Bestimmungen des II. Vatikanischen Konzils zu erinnern.

Dabei lässt sich feststellen, inwieweit kritische Initiativen dort enthaltene Bestimmungen gar nicht mehr zur Kenntnis nehmen – oder unzureichende Umsetzungen des II. Vatikanums einfordern bzw. reformatorisches Neuland betreten.

.In Lumen Gentium wird festgehalten, dass es nicht nur die Unfehlbarkeit des Papstes, sondern auch diejenige des gläubigen Volkes gibt! Es heißt im Wortlaut:

Weiterlesen →


1 Kommentar

Protest der österreichischen Pfarrer: „Sie leben das schon“


Als besonders alarmierend beobachtet Prof. Paul Zulehner anlässlich der aktuellen “Pfarrer-Befragung”, dass ein signifikanter Teil der Pfarrer nicht mehr erwarten, dass die Kirchenleitung die notwendigen Reformen durchführt, “sondern sie leben das schon”. Und zwar sowohl in pastoralen Belangen wie den Fragen Scheidung und Wiederverheiratungen in der Ökumene als auch in der Inszenierung ihres privaten Lebens, so der Religionsforscher Zulehner.

In der TV-Diskussion „Kreuz und Quer“ vom 29. Juni sprach Zulehner wörtlich davon, dass nach seinen Erhebungen die Mehrheit der Pfarrer Ungehorsam in Form sexueller Beziehungen praktiziere, davon 1/3 hetero- und 2/3 homosexueller Natur. Der anwesende Leiter der Pfarrer-Initiative, Pfarrer Helmut Schüller, hat dieser Einschätzung nicht widersprochen.

500 Pfarrer geben Auskunft

“Kreuz und quer” hat dazu eine Umfrage unter Pfarrern in Österreich in Auftrag gegeben: Die ORF-Medienforschung und das Institut GfK Austria wurden mit der Durchführung beauftragt, der Pastoraltheologe und Religionsforscher Paul Zulehner leitete die Umfrage und interpretierte die teilweise ernüchternden Ergebnisse.

Zulehner zeigt sich aber kaum überrascht von den Ergebnissen: Schon vor zehn Jahren habe man gesehen, “dass es in der Pfarrerschaft Unruhe gibt und eine stillschweigende Entwicklung in eine Richtung, die von der Kirchenleitung derzeit nicht gedeckt wird. Das ist in den letzten zehn Jahren dramatisch vorangekommen. Der Protest ist praktisch und die Basis der Kirche erweist sich als Reformmotor”, zugleich verliere die Kirchenleitung ihre Gestaltungsfähigkeit. Um diese wieder zu gewinnen, verlange es einen tiefen Dialog und die Bereitschaft, die Reformdynamik von unten her aufzugreifen.

Pfarrer gegen Pflichtzölibat

Die Studie der ORF-Medienforschung und GfK Austria für die Sendung “kreuz & quer” hatte ergeben, dass sich mehr als die Hälfte der 500 befragten Pfarrer dazu bekennen, anders zu denken als die Leitung der katholischen Kirche. Rund zwei Drittel sagten, die Kirche solle sich der modernen Welt mehr öffnen. Den Pflichtzölibat abgeschafft wissen wollen 80 Prozent, und 51 Prozent verlangen die Weihe von Frauen zu Priesterinnen. (Anm.: Von der Ablehnung des Pflichtzölibats kann in keinster Weise eine negative Einstellung gegenüber der zölibatären Lebensweise abgeleitet werden; eine deutliche Mehrheit der Pfarrer steht in der Umfrage zu ihrem persönlichen Zölibatsversprechen.)

Das Verhältnis Pfarrer – Kirchenleitung

Das markanteste Ergebnis: Zwischen den sehr loyalen Pfarrern und ihrer Kirchenleitung besteht eine tiefe Dissonanz. Mehr als die Hälfte der befragten Pfarrer denkt in wichtigen Fragen anders als die Kirchenleitung. Es besteht Handlungsbedarf – so könnte man die Ergebnisse der Umfrage auf den Punkt bringen. Und: Der Ruf nach Reformen wird auch innerhalb des Klerus lauter.

Die Studie im Detail

Das Ergebnis der Studie zeigt vor allem eines: eine große Distanz zwischen den erlebten Aufgaben und Nöten der Priester und den Antworten, die sie von der Kirchenleitung vorfinden. 52 Prozent der Pfarrer sagten, dass sie in wichtigen Fragen anders denken als die Kirchenleitung. 74 Prozent beobachten, dass die Vorstellungen der Kirchenleitung und des Kirchenvolks immer weiter auseinanderklaffen.

64 Prozent sagen, die Kirche soll sich der modernen Welt mehr öffnen. Gleichzeitig sagen 39 Prozent aber, dass sich die Kirche von der modernen Welt deutlicher unterscheiden muss. 86 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils entschlossener durchgeführt werden sollen.

Ältere Pfarrer oft liberaler

Auffällig an der Umfrage ist: Es sind die älteren Pfarrer, die zu liberaleren Haltungen tendieren. Je jünger die Pfarrer sind, desto modernitätsskeptischer sind sie. Vor allem die “Spätberufenen”, also diejenigen, die nicht gleich nach der Matura ins Priesterseminar eingetreten sind, zählen zu den Skeptikern, was eine Öffnung anlangt.

So lehnen beispielsweise 39 Prozent der bis 40-Jährigen, die befragt wurden, komplett ab, dass Frauen zu Priesterinnen geweiht werden.

Kirche und sexueller Missbrauch

76 Prozent der Pfarrer sagen, dass sexueller Missbrauch für die Kirche ein größeres Problem ist als für andere Institutionen.

Zwei Drittel der befragten Pfarrer stellen der Kirchenleitung in Österreich im Umgang mit den kirchlichen Missbrauchsfällen ein gutes Zeugnis aus. 23 Prozent sagen, es sei völlig richtig, 43 Prozent sagen, es sei richtig, dass die Kirchenleitung in Österreich mit dem Problem gut umgehe. Nur elf Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Kirchenleitung in Österreich schlecht mit dem Problem umgeht.

Mehr als die Hälfte der befragten Pfarrer hingegen sind der Meinung, dass die Kirchenleitung in Rom schlecht mit dem Problem umgehe. 21 Prozent sind der Meinung, dass auch Rom gut mit dem Problem umgegangen sei. Immerhin 80 Prozent der befragten Pfarrer sind der Meinung, dass das Thema sexueller Missbrauch in der Kirche Anlass sein solle, grundsätzlich über den kirchlichen Umgang mit Sexualität nachzudenken.

Reformbedarf bei Priesterausbildung

Kritik äußern die Pfarrer auch an der Priesterausbildung. 92 Prozent sind der Meinung, dass in der Priesterausbildung mehr Wert auf menschliche Reife zu legen wäre. Der zunehmende Priestermangel hat große Auswirkung auf die Arbeit der Pfarrer. Der Pfarrer wird vom Seelsorger immer mehr zum Manager. Viele Pfarrer reagieren frustriert auf diese Situation.

Drei Viertel sagen, dass den Pfarrern im Zuge des Priestermangels zu viel Arbeit aufgelastet werde. 48 Prozent erleben die Kirchenleitung in diesem Bereich hilf- und visionslos.

Vergrößerte Kluft zwischen Kirche und Menschen

Zwei Drittel der Befragten meinen zudem, dass die Bildung von Pfarrverbänden die Kluft zwischen der Kirche und den Menschen vergrößere.

Vor dem Hintergrund des Priestermangels und der Sorge um ihre Kirche ist es nach Ansicht der befragten Pfarrer notwendig, eine Ausweitung des Personenpools, aus dem die katholische Kirche ihre Priester auswählt, ins Auge zu fassen: und das nicht nur wegen der Überlastung der Priester, sondern auch, um das Amt durch andere Lebenserfahrungen anzureichern – die Erfahrung einer beruflichen Tätigkeit, die Erfahrung einer Partnerschaft, die Erfahrung als Frau.

51 Prozent der befragten Pfarrer sagen jedenfalls: Die katholische Kirche soll Frauen zu Priesterinnen weihen. Die Pfarrer sehen darin einen Qualitätsgewinn für das Priesteramt. 75 Prozent sagen auch, dass die Gemeinschaft, wenn die Kirche in gläubigen Gemeinschaften keine ehelosen Priester zur Verfügung stellen könne, aus der Gemeinschaft bewährte Personen ausbilden und weihen solle.

Kommentare zur Studie und ihren Ergebnissen:

Jüngere Priester überwiegend papsttreu (kath.net)

Aus einer vom ORF in Auftrag gegebene Umfrage, die der mit dem ORF sehr verbundene ehemalige Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner durchgeführt hat, geht hervor, dass die 68-er-Pfarrer-Generation eher romskeptisch ist und dass jüngere Pfarrer wieder stärker sich an Rom orientieren möchten. In der Umfrage wurden 500 Pfarrer befragt, allerdings eine deutliche Minderheit im Angesicht von mehr als 4.000 Welt- und Ordenspriestern in Österreich. Von den 500 Befragten meinten 80 Prozent der befragten Pfarrer beispielsweise, dass die katholische Kirche verheiratete Männer zu Priestern weihen sollte, 51 Prozent möchten sogar Frauen zu Priesterinnen weihen. Die Umfrage zeigt zum Teil recht widersprüchliche Ergebnisse. Einerseits äußern sich knapp die Hälfte der Befragten noch immer zustimmend zur Kirchenleitung. Anderers meinen dann fast 80 % der befragten (!) Pfarrer, dass die katholische Kirche verheiratete Männer zu Priestern weihen sollte. 67 % der befragten Pfarrer sagen in Bezug auf ihr eigenes eheloses Leben übrigens: “Ich habe einen eigenständigen Weg gefunden, den ich verantworten kann!” Immerhin 69 Prozent der Pfarrer erklären dann aber wieder, dass sie mit ihrem ehelosen Leben bisher doch recht glücklich waren.

Der interessanteste Teil der Umfrage ist allerdings folgendes: Je jünger die Pfarrer sind, desto modernitätsskeptischer sind sie. Vor allem die sogenannten “Spätberufenen”, also diejenigen, die nicht gleich nach der Matura ins Priesterseminar eingetreten sind, zählen zu den Modernitätsskeptikern. So lehnen beispielsweise 39 % der bis 40-Jährigen, die befragt wurden, komplett ab, dass Frauen zu Priesterinnen geweiht werden sollen.

Daraus ist zu schließen, dass sich die Priesterausbildung in den letzten Jahren in Österreich tendenziell gebessert hat und jüngere Priester eher wieder romtreu orientiert sind im Vergleich zur sogenannten “68-Priester-Generation”, der auch Paul Zulehner angehört. (kath.net)

Scharfe Kritik an Zulehner und an betroffenen Pfarrern

Der bekannte Abt von Heiligenkreuz, Gregor Henckel-Donnersmarck, übt scharfe Kritik an der Pfarrer-Umfrage von Paul Zulehner, die vom ORF in Auftrag gegeben wurde. “Ich sehe die Umfrage als ein Symptom eines falschen Kirchenbildes von denen, die die Umfrage gestartet haben und von denen, die sich daran beteiligt haben. Es gibt eine kolossale Präsenz einer medialen Öffentlichkeit, die viele in den Bann zieht.“ Henckel-Donnersmarck meint abschließend: “Den Pfarrern fehlt das kirchliche Bewusstsein, die Einfügung auch im Gehorsam. Mich beunruhigt, dass auch im Bewusstsein theologisch ausgebildeter Priester die theologischen Grundlagen von Zölibat und Amtsverständnis nicht mehr vorhanden sind.(kath.net)

Bezugsdaten für die Studie:

„Wie geht’s, Herr Pfarrer?“ ist Titel eines Buches, das am Donnerstag herauskommt und alle Ergebnisse der Umfrage detailliert enthält. Autor: Paul M. Zulehner, Styria Verlag, 176 Seiten.