SICH IN DER SEELENBURG ZURECHT FINDEN (KW.03)

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Wer seine innere Wohnung nicht erschließt, geht an sich – und damit an Gott – vorbei.
Pierre Stutz, der Initiator des offenen Klosters Fontaine-André (in der Nähe von Neuchâtel), beschreibt einleitend in seinem kleinen Büchlein „50 Rituale für die Seele„, wie ihn die Schriften der Teresa von Avila betroffen gemacht haben: Wer seine innere Burg nicht erschließt…

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Pierre Stutz
bezieht sich auf eine der ganz großen Heiligen, die das  innere Gebet auf ganz besondere Weise gelebt und uns hinterlassen hat. In ihrer Schrift »Die innere Burg« (1577) erzählt Teresa von Avila von ihrer mystischen Gotteserfahrung und Reflexion. Über das Bild der Seelenburg beschreibt sie 7 zum Zentrum hinführende Gemächer oder Wohnungen, von denen die ersten drei dem aktiven Bereich des Betens zugerechnet werden. Das passive Gebet setzt in der 4. Wohnung mit der inneren Sammlung ein. Es führt über das Ruhegebet, die Einheit mit Gott (unio mystica) und das Verlöbnis zur 7. Wohnung, das ist die »geistliche oder göttliche Hochzeit«: Die Seele schaut Gott.*

Unsere Seele, die als Instanz zwischen Geist und Körper (beiden Welten angehörend) gesehen wird, ist die Nabelschnur zu Gott, die wir nie verlieren – weil Gottes Liebe immerwährend und unumkehrbar ist. Was wir allerdings verlieren können, ist der Draht zu unserer inneren Welt. Unsere heutigen Medien- und Konsumwelten sind hervorragend ausgestattet, Körper und Geist anzusprechen und einzunehmen, wobei sie uns den Blick auf die Seele verlieren lassen.

Pierre Stutz bietet Wege, genauer gesagt Rituale für den Alltag, um zurück zu sich selbst zu finden:

Einfach da sein können, zu Gast bei sich selber sein, gehört zum Schwierigsten. Darum nehme ich mir einen Abend pro Woche und verlasse mich auf die Kraft des Augenblicks: Ich sitze da, zünde eine Kerze an und lasse innere Bilder aufsteigen, die einen Raum zur Vertiefung möchten. Kraftvolle und schmerzliche Erlebnisse kommen da hoch. Ich versuche sie anzuschauen, ohne zu werten und zu beurteilen. Nach einer Stunde erst male oder schreibe ich das Wichtigste auf – damit ich es schließlich besser loslassen kann. Solche fernsehfreien Abende, auch zu zweit oder als Familie, erneuern unser Leben.“

Diese innere Wohnung ist unsere eigentliche Identität, die uns Gott geschenkt hat, und die wir – durch das auf Gott gerichtete, innere Gebet – entfalten können. Wahre Erlösung finden wir, wenn wir uns als vollständig und allumfassend geliebt begreifen. Und dazu brauchen wir unsere Seele – möglichst empfindsam und besonders wachsam.

*Eine kleine Einführung zu Teresa von Avila findest du hier

Buchtipp: Pierre Stutz, 50 Rituale für die Seele, Herderverlag (2008, 7.Auflage)

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Ein Gedanke für diese Woche und unser gemeinsames Beten:

Wie sehr beschäftige ich mich mit meinem Seelenleben?
Nehme ich mir regelmäßig Zeit, meine innere Wohnung zu erkunden, um mich für Gott zu öffnen?

Hast Du ein Anliegen? Dann bist Du genau hier richtig!

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2 Gedanken zu “SICH IN DER SEELENBURG ZURECHT FINDEN (KW.03)

  1. Grrrrrrrrrrrr ich kann gar nicht sage wie ich solche Aussagen hasse!
    „Auch wenn wir die Spiritualität der „großen Therese” nicht erreichen, ist instinktiv zu spüren, dass hier eine Kernbotschaft angesprochen wird.“

    Was soll das? Wenn der Schreiber dieser Zeilen es noch nicht erreicht hat, dann ist ihm aufgetragen in sich zu gehen und nach zu schauen, wo sein Blick gestört ist.
    Gott hat den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen und zwar als Mann und als Frau und Gott wurde Mensch. Also ist doch völlig klar, dass der Mensch göttlich und ok ist. Was müssen wir erreichen? Nichts denn Gott ist immer da! Nur diese befreiende Tatsache machen wir uns nicht bewusst. Es geht also um Aufmerksamkeit und wenn ich Gott zuerst nicht in mir finde, kann ich trotzdem keinen einzigen Schnaufer tun ohne Gott, der das Leben ist und alles was um mich rum ist.
    Gott hat alles gut geschaffen, mach es doch wie er und halte alles für gut.

  2. Was zählt mehr, der Inhalt oder die Form?

    Zur Form sage ich, dass der angesprochene Satz mit etwas Abstand betrachtet, einverstanden, ein wenig daneben klingt. Aber:

    Ich habe Respekt vor Teresa von Avila. Sie hat sich eine langes Leben lang mit dem Dialog mit Gott beschäftigt. Und jetzt komme ich, Stefan, und behaupte so mir nichts dir nichts, diese Tiefe des Betens erreicht zu haben???

    Pierre Stutz und Johannes Paul II. haben jeder auf seine Art ihre Achtung vor Teresa von Avila zum Ausdruck gebracht, das wird schon seine guten Gründe haben.

    Nun zur „Kernbotschaft“: Wir müssen nichts erreichen, weil Gott ohnedies immer und in jedem ist und lebt. (Einzig meine Bereitschaft ist nötig – oder die Aufmerksamkeit, wie du es nennst.) Umgekehrt ergeht es jeden, der im angesprochenen Sinn offen bzw. aufmerksam ist, und einen Ruf Gottes hört, so, dass er diese Berufung hinausträgt, und ganz klar etwas erreichen will…

    …er oder sie will andere Menschen erreichen, mit der einen guten Botschaft!

    In diesem Sinn, ja, das halte ich für gut.

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