Die Katechesen der Sr. Teresia Benedicta (2)

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Sr. Teresia Benedicta
steht auch heute wieder strahlend, voller Leidenschaft und Liebe vor uns. „Da wir hier und jetzt nicht in einem Paradies leben, erfahren wir täglich unsere Begrenztheit. Manchmal schmerzhaft, manchmal liebevoll, ein anderes Mal mit Humor – immer spüren wir dabei, dass uns unsere menschliche Natur viel erkennen lässt, aber bei weitem nicht alles.“

Als gläubige Menschen sprechen wir von der Gottferne, dass wir uns in den Momenten unseres Daseins einmal mehr und einmal weniger weit von Gott entfernt haben. In unserem Glauben hilft uns dann diese unbeschreibliche Sehnsucht,…

…wieder zu Gott zu wollen und unseren Weg zu finden.

In Zeiten der Trockenheit, die vermutlich keinem Menschen erspart bleiben, kann sich die Gottferne in eine scheinbar unüberbrückbare Distanz verwandeln; in solchen Phasen ist es – um eine Erfahrung des Autors einzubringen – ein wunderbarer Trost, an die „kleine Therese“ (Thérèse von Lisieux) zu denken:

„Wenn ich gar nichts mehr empfinde, wenn ich unfähig bin zu beten, die Tugend zu üben, dann ist es an der Zeit, kleine Gelegenheiten zu suchen, Nichtigkeiten, die Jesus Freude bereiten, mehr Freude als die Herrschaft über die Welt (!), mehr als das großmütig erlittene Martyrium, beispielsweise ein Lächeln, ein liebes Wort, wenn ich eigentlich schweigen möchte…“

Das Sakrament der Versöhnung

Zurück zu Sr. Teresia Benedicta, die vom Glück erzählt, sich mit Gott auszusöhnen. Wenn wir uns also von Gott und von Jesus entfernt haben, was kann uns daran hindern, wieder einen guten Schritt in Richtung Vater und Sohn zu tun? Wovor haben wir Angst, wenn wir uns vor der Beichte drücken, wenn wir sagen, jetzt gerade keine Zeit dafür zu haben?

Jesus hat immer Zeit für uns! In einem kürzlich gelesenen Evangelium heißt es unüberhörbar: „Ich werde immer bei euch sein, bis ans Ende der Tage.“ Was für eine fantastische Botschaft, was für ein Trost, was für eine Verantwortung, was für eine Liebe zu uns! Und dann sagen wir: „Ich kann nicht beichten gehen.“ Oder: „Ich hab’ jetzt wirklich keine Zeit dafür.“ Wo bleibt dann unsere Liebe, unsere Antwort auf den Liebestod des Jesus von Nazareth?

Thérèse von Lisieux, ein Jahr vor ihrem Tod
Thérèse von Lisieux, ein Jahr vor ihrem Tod

Es ist mittlerweile Abend, wir befinden uns im riesigen Salzburger Dom, der in dieser Nacht der Versöhnung gut gefüllt ist, und vorne steht klein aber hell beleuchtet Sr. Teresia Benedicta, und tröstet uns mit Worten, die tief in unser Bewusstsein sinken: „Ich möchte euch nochmals von der „kleinen Therese“ erzählen. Diese junge Schwester war über die Maßen in Christus verliebt und stand in einer tiefen Beziehung zu unserem Heiland. Sie sagt uns, dass Sünden überhaupt kein Problem für Jesus sind:

„Wenn ich (Theresia vom Kinde Jesu) auch alle nur möglichen Verbrechen begangen hätte, wäre mein Vertrauen (zu Jesus) doch genauso groß. Ich fühle es, diese ganze Masse von Sünden wäre wie ein Wassertropfen, den man auf glühende Kohlen fallen lässt“ (IGL 95).

Was für ein umwerfendes Bild: Die junge französische Nonne ist derart von der Barmherzigkeit Jesu überzeugt, dass selbst alle Sünden unserer Welt (!) nichts als ein Wassertropfen wären, der von einem Moment zum anderen auf glühenden Steinen zischend vergeht… und jetzt frage ich jeden Leser: Was hält dich noch, deine Probleme und alles, was dich von Gott entfernt hat, in Gegenwart eines Priesters unserem Erlöser Jesus Christus anzuvertrauen, Jesus um Verzeihung zu bitten – in der Gewissheit, dass sein barmherziges Herz unendlich mal größer ist, als es deine Vergehen je sein könnten!

Wir können und sollen uns, nachdem wir uns zur Beichte entschlossen haben, nach dem Inhalt unserer Vergebungsbitte befragen. Sr. Teresia Benedicta gibt uns folgenden Ratschlag von Johannes Paul II. mit auf den Weg: „Die 10 Gebote kennt ihr ja, die geht ihr der Reihe nach durch und fragt euch, wo ihr euch von den Geboten entfernt habt. Und dann geht ihr noch einen Schritt weiter, und denkt über die Seligpreisungen nach, wieweit ihr diese befolgt oder auch nicht erfüllt habt. Das ist es, in den Geboten und Seligpreisungen steckt alles, was ihr für eure Beziehung zu Jesus und zu den Menschen braucht – geht in euch und reinigt euch, Jesus wird euch vergeben!“

Selig, die „klein“ sind vor Gott – wie viel Hochmut steckt noch in mir?

Selig die Trauernden… – kann ich überhaupt trauern, stehe ich mit meiner Anteilnahme bei den Trostsuchenden, fühle ich auch meine Verluste und Versäumnisse?

Selig die Gewaltlosen… – wo habe ich Gewalt oder Härte gezeigt, wie kann ich es wieder gut machen?

Selig, die nach Gerechtigkeit dürsten… – wie sehr lebe ich für Gerechtigkeit im Alltag, setze ich mich wirklich für andere ein?

Selig die Barmherzigen… – wie steht es um meine Nachsicht gegenüber den Mitmenschen, wie liebevoll verhalte ich mich in schwierigen Situationen?

Selig, die ein reines Herz haben… – wie sehr sehne ich mich nach einem unbefleckten Gespräch mit Jesus, was tue ich für meine Versöhnung mit Gott?

Selig, die Frieden stiften… – wie sehr weiche ich Auseinandersetzungen aus, anstatt Menschen zusammenzubringen?

Selig, die ihr um Jesu willen beschimpft und verfolgt werdet… – wie mutig und klar stehe ich für das Leben und Wort Jesu ein, mit welcher Freude verkünde ich seine Botschaft?

Diese Aufzählung (des Autors) ist fern von aller Vollständigkeit, sie will bestenfalls Hinweis sein auf mögliche Fragen. Bei all diesen Fragen und Verzeihungsbitten geht es – wie das Wort Versöhnung schon zeigt – weniger um Schuld als vielmehr um Sühne. Dazu möchte ich an die Worte von Sr. Teresia Benedicta einen Gedanken von P. Karl Wallner OCist (Stift Heiligenkreuz) anschließen, der das Sakrament der Buße in einen noch umfassenderen Zusammenhang stellt.

In der Buße beschäftigen wir uns (selbstbezogen) mit unserem individuellen Christenleben, während der Begriff Sühne (Versöhnung) einen größeren Zusammenhang herstellt: Den Bezug zum Nächsten (an dem ich schuldig wurde), und mehr noch, zu allen Menschen, die im selben Boot (unseres Erdenlebens) sitzen. Jesus Christus ist den Sühnetod für alle gestorben, mit seinem Liebestod hat er jeden einzelnen Menschen erlöst. Damit stehen wir in einer großen Gemeinschaft, der heiligen katholischen Kirche:

Wenn wir uns als Teil der Gemeinschaft der Menschen sehen, zum einen als bedeutungsloses Staubkorn, zum anderen als lebendiger, fröhlicher, liebender Zellkern des einen Leibes der Kirche Christi, im Gebet und Handeln für das Wohl aller – dann leben wir die Worte der Heiligen Schrift, dann folgen wir unserer Berufung, dann stehen wir in der Nachfolge Jesu Christi, ja dann nehmen wir tatsächlich am Tod und Erlösungswerk des Sohnes Gottes teil!
(Siehe dazu „Sühne“, P.Karl Wallner OCist, Wien 1996).

PS: Der Beichtspiegel, der in den Kirchen aufliegt, ist damit nicht „wegargumentiert“. Im Gegenteil, alles was deine Fragen fördert, ist gut und richtig!

zur Katechese Teil 1

zu Beten mit Theresia vom Kinde Jesu (Thérèse von Lisieux)

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