Mariä Heimsuchung – zwei Frauen am Rand der Welt

Mariä Heimsuchung - Ganzansicht unten
Mariä Heimsuchung – ein Ausschnitt aus dem unten abgebildeten Gemälde

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Der Lobgesang des Magnifikat mit dem Bericht des Lukasevangeliums über die Begegnung der heiligen Frauen Maria und Elisabeth verwurzelte diesen Gedenktag tief im Herzen der Gläubigen. Er ist eines der wenigen Marienfeste, die auch von den evangelischen Christen bis heute begangen werden.

Zwei Frauen am Rand der Welt werden von Gott in die Mitte der Heilsgeschichte gestellt: Für die verzweifelte Elisabeth, als kinderlose Frau geächtet, hören mit der Schwangerschaft die Zweifel und Ängste auf. Für Maria beginnen sie erst. Ein uneheliches Kind – darauf steht Verstoßung, wenn nicht sogar Steinigung. Mit diesen zwei Frauen am Rand der Welt… lässt Gott die Menschheit noch einmal neu anfangen.

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In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet.
Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.
Da sagte Maria:
Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.
Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück. (Lukas 1,39–56)

Die göttliche Absicht dieses Neuanfangs verraten die Namen der Kinder, die diese beiden Frauen zur Welt bringen werden: Johannes = Gott ist barmherzig; Jesus = der Retter. Deshalb wird aus der Begegnung von Maria und Elisabeth Umarmung und aus Umarmung Jubel. Nicht irgendein Jubel, sondern Jubel über Gott. Nicht über irgendeinen Gott, sondern über den Gott, der so groß vom Menschen denkt, dass er selbst Mensch wird und den Kleinen groß, den Hungrigen satt, den Armen reich, den Unterdrückten frei macht. Von diesem Gott können wir nicht groß genug denken. Er ist immer noch größer.

An jenem Tag wird man zu Jerusalem sagen: Fürchte dich nicht, Zion! Lass die Hände nicht sinken! Der Herr, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held, der Rettung bringt. Er freut sich und jubelt über dich, er erneuert seine Liebe zu dir, er jubelt über dich und frohlockt, wie man frohlockt an einem Festtag. (Zef 3,16-18)

(Madonna Magnificat - Botticelli / Ganzansicht siehe unten)
Madonna Magnificat – Botticelli / Ganzansicht siehe unten

Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. (Lk 1,46f.)

Meine Frau Manuela hat mir einen wunderbaren Text unseres Papstes gezeigt, den ich gerne zitieren möchte („Maria, Papst Benedikt XVI. über die Gottesmutter“ St.Ulrich 2008):

„Ich möchte Maria auch meine Dankbarkeit dafür zum Ausdruck bringen, dass sie mich im täglichen Dienst für die Kirche trägt. Ich weiß, dass ich in jeder Situation auf sie zählen kann, mehr noch, ich weiß, dass sie mit mütterlichem Gespür jedem Bedürfnis ihrer Kinder zuvorkommt und wirksam eingreift, um ihnen beizustehen: Das ist die Erfahrung, die das christliche Volk seit den Anfängen in Jerusalem gemacht hat.

Mariä Heimsuchung - Kremsmünster
Mariä Heimsuchung – Kremsmünster 1460

Am heutigen Fest „Mariä Heimsuchung“ ebenso wie in jedem Abschnitt des Evangeliums sehen wir Maria fügsam gegenüber dem göttlichen Plan und in einer Haltung fürsorglicher Liebe gegenüber den Brüdern. Noch voll Staunen über das, was der Erzengel Gabriel ihr verkündet hat – dass sie die Mutter des verheißenen Messias werden soll – , erfährt das demütige Mädchen aus Nazareth, dass auch ihre Verwandte Elisabeth noch in ihrem Alter ein Kind erwartet. Sofort machte sie sich auf den Weg, wie der Evangelist Lukas berichtet, und eilte zum Haus der Cousine, um sich ihr in einem Augenblick, in dem es besonders notwendig war, zur Verfügung zu stellen.

Marien-Monstranz, Kollegienkirche Salzburg
Marien-Monstranz, Kollegienkirche Salzburg

Wie sollte man nicht bemerken, dass es bei der Begegnung zwischen der jungen Maria und der schon reifen Elisabeth vor allem Jesus ist, der im Verborgenen handelt? Maria trägt ihn in ihrem Leib wie einen Tabernakel und bietet ihn Zacharias, seiner Frau Elsabeth und auch dem Kind, das in ihrem Schoß heranwächst, als das größte Geschenk an. „In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib“, sagt die Mutter des Johannes’ des Täufers.

Madonna Magnificat v. Botticelli 1483-85
Madonna Magnificat v. Botticelli 1483-85

Wo immer Maria ist, da ist auch Jesus. Wer sein Herz der Mutter öffnet, begegnet dem Sohn und nimmt ihn auf und wird erfüllt von seiner Freude. Nie trübt oder mindert die wahre Marienverehrung den Glauben an unseren Erlöser Jesus Christus und die Liebe zu ihm, dem einzigen Mittler zwischen Gott und den Menschen. Im Gegenteil, die vertrauensvolle Hingabe an die Muttergottes ist der beste, von zahlreichen Heiligen erprobte Weg einer treuen Nachfolge des Herrn. Vertrauen wir uns ihr also in kindlicher Ergebenheit an!“ (31. Mai 2006)

Hier geht’s zu den Mariengebeten

Was heißt marianisch, folge diesem Link

4 Gedanken zu “Mariä Heimsuchung – zwei Frauen am Rand der Welt

    1. Ha, deinen Blick, Braut des Lammes, wollen wir als „marianisch-kontemplativ“ identifizieren …um es ein wenig pointiert zu formulieren :-))

      Meine Frau (ja, ich habe mir die Erlaubnis eingeholt ;-) hier antworten zu dürfen) findet Boticelli ein wenig zu süßlich bzw. ästhetisch übertrieben… aber er eine unwahrscheinliche Meisterschaft und Eleganz erreicht, nach meinem bescheidenen Dafürhalten.

      Jetzt aber zu deiner Beobachtung: Ja, die Baumvarianten (Früchte / Blüten) sind mir nicht so ins Auge gesprungen ***zugeb*** und das ist ein wirklich erhellender Blick auf Bild / Künstlerin / Aussage!
      …eben „marianisch-kontemplativ“??

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