Wir brauchen ihn nicht anderswo in der Ferne zu suchen

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Die Begegnung mit Jesus Christus geschieht nicht nur in der Betrachtung der Heiligen Schrift, im Zusammentreffen mit Menschen und im täglichen Gebet, sondern ist ganz real in der Anbetung des Allerheiligsten und im Empfang der heiligen Kommunion erfahrbar.


„Der Herr hatte ihr (Teresa von Avila) einen so lebendigen Glauben geschenkt, dass sie innerlich lächelte, wenn sie andere sagen hörte, sie hätten gern zu der Zeit gelebt, als Christus, unser höchstes Gut, auf Erden weilte; sie fragte sich, warum ihnen das wohl etwas ausmache, da wir ihn doch im Allerheiligsten Sakrament ebenso wirklich wie damals besitzen“ (Camino 34,7).

Es geschieht und ist volle Wirklichkeit

Teresa stellte sich den Herrn beim Empfang der heiligen Kommunion so vor, als ob er in ihr Innerstes eintrete. „Sie bemühte sich nach Kräften, von allen äußeren Dingen abzulassen und mit ihm in ihr Inneres einzugehen. Dabei war sie bestrebt, sich so zu sammeln, dass alle ihre Sinne dieses so große Gut erkennen […] Und selbst wenn sie keine Andacht spürte, so sagte ihr doch der Glaube, dass er wirklich da war“ (Camino 34,8).

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„Es geschieht jetzt und ist volle Wirklichkeit. Wir brauchen ihn nicht anderswo in der Ferne zu suchen“ (Camin 34,9).

Die Zeit mit Christus nutzen

Ausgehend von der Vaterunser-Bitte Unser tägliches Brot gib uns heute vermittelt uns Teresa, wie wichtig der Augenblick der Kommunion für die innere Begegnung mit Christus sei. Dieser Moment wurde von ihr oft als eine geistige Vereinigung erfahren, in der Christus sie persönlich unterweisen wollte. Weil diese Form des sakramentalen Empfangens der heiligen Kommunion mit zu den kostbarsten Gebetserfahrungen der Heiligen zählte, wollte sie ihre Schwestern anregen, diese Zeit mit Christus zu nutzen.

„Denn in jenem Brot haben wir Zugang zu ihm! Wenn ihr gerade den Herrn empfangen habt und ihn in eigener Person in euch habt, dann versucht, die Augen des Leibes zu schließen, die der Seele zu öffnen und in euer Herz zu blicken! Wenn ihr euch dies zur Gewohnheit macht […], wird er nicht verhüllt bleiben und sich euch […] auf vielerlei Weise und in dem Maß, in dem ihr ihn zu sehen verlangt, zu erkennen geben (Camino 34,13). Bleibt nur gerne bei ihm! Versäumt eine so gute Gelegenheit wie die Stunde nach der heiligen Kommunion nicht, um euch mit ihm auszutauschen“ (Camino 34,11).

Verborgen – doch der Seele offenbar

Teresa wusste um die Herausforderung für den Glauben, die die sakramentale Gegenwart Christi durch seine Verborgenheit und Verhülltheit unter den Gestalten von Brot und Wein bedeutet, aber sie hoffte, dass Jesus sich den Augen der Seele offenbare. Aber Teresa sah auch ganz deutlich, dass diese verhüllte Begegnung die einzig mögliche für den Menschen sei, weil er es nicht ertragen könnte, die Menschheit und Gottheit Christi zu schauen, so überwältigend wäre dieser Anblick.

„Aufgrund unserer schwachen Natur könnte dies niemand ertragen […], denn beim Anblick der ewigen Wahrheit würden wir begreifen, dass alles, was uns hier auf Erden erstrebenswert erscheint, nur Lug und Trug ist (Camino 34,10). Wenn ich eine so große Majestät in einem so kleinen Ding, wie es die Hostie ist, verborgen sehe, dann ist es so, dass ich hernach eine so große Weisheit bewundere und nicht weiß, wie mir der Herr den Mut und die Kraft gibt, mich ihm zu nahen“ (Vida 38,21).

Zerbrechlichkeit und Herrlichkeit

Teresa von Avila schenkt uns hier zwei Perlen der Erkenntnis. Zum einen erinnert uns die Kleinheit und Zerbrechlichkeit der Hostie an das Kind in der Krippe, das wir mit aller Zärtlichkeit aufnehmen wollen. Zugleich aber wissen und erfahren wir eine Majestät und Herrlichkeit, die alles übersteigt, was wir uns in unserer Schwäche vorstellen mögen, somit eine Größe, die nicht von dieser irdischen Welt ist. Jetzt verstehen wir Teresas Ausruf: „O mein Herr! Wenn du deine Größe nicht verhülltest, wer würde es dann wagen, so oft zu kommen, um etwas so Schmutziges und Erbärmliches mit einer so großen Majestät zu vereinen“ (Vida 38,19)? Diese drastische Ausdrucksweise bedeutet keine Abwertung der eigenen Natur, sondern entspringt Teresas tiefer Ergriffenheit von der Andersartigkeit Gottes und seiner unermesslichen Liebe zu seinen Geschöpfen.

Für die Heilige Teresa zeigte sich die heilsame Wirkung des Sakraments nicht nur im Hinblick auf die Seele, sondern sei sogar physisch erfahrbar. „Glaubt ihr etwa nicht, dass diese heiligste Speise auch Nahrung für den Leib und eine wirksame Arznei auch für körperliche Beschwerden ist? Ich bin sicher, dass sie es ist“ (Vida 34,7)! In der sakramentalen Begegnung mit Christus erfuhr Teresa zuweilen körperliche Heilung, und in diesem Augenblick empfing sie auch die größten Gnadenerweise und Offenbarungen (Vida 39,22f.).

In der Liebe Christi bleiben

„Manchmal – fast immer, zumindest die meiste Zeit – kam ich nach der Kommunion zur Ruhe. Zuweilen fühlte ich mich, wenn ich mich nur dem Sakrament nahte, seelisch und körperlich so wohl, dass ich mich nur wundere“ (Vida 30,14). Teresa lebte von der Kraft dieses Sakraments und war bemüht, in der liebenden Gegenwart Christi zu bleiben. Dieses Bleiben in Jesu Gegenwart verstand die Heilige als eine dankbare und fruchtbare Erinnerung an die Liebe Christi, die den Alltag erfüllen und prägen sollte:

„Immer wenn wir an Christus denken, sollen wir uns an die Liebe erinnern, mit der er uns so viele Gnaden erwiesen hat, und welch große Liebe uns Gott gezeigt hat, als er uns einen solchen Beweis von Liebe schenkte, die er zu uns hat, denn Liebe bringt Liebe hervor“ (Vida 22,14).

Die höchste Form des Gebetes

Für Teresa war der Empfang der heiligen Kommunion sowohl die intensivste Weise der Begegnung zwischen Gott und Mensch als auch die höchste Form des Gebetes, weil ihr während des Kommunizierens in ganz besonderer Weise die Liebe Christi zuteil wurde. Hier versteckt sich wieder eine der Perlen der großen Heiligen, denn Beten ist nicht unsere eigene Leistung, sondern eine Gnade, ein Liebesgeschenk Gottes in uns und an uns.

„Er (Jesus) kannte unsere schwache Natur und unseren Hang zu minderwertigen Dingen, unseren Mangel an Liebe und unseren geringen Mut. Darum wusste er, dass unsere Liebe durch den Anblick seiner Liebe geweckt werden musste, und zwar nicht nur einmal, sondern täglich. Aus diesem Grund hat er sich wohl entschlossen, bei uns zu bleiben“ (Camino 33,2).

Eucharistische Anbetung und geistige Kommunion

Zum Thema Eucharistie und Gebet darf die Anbetung in Form der Aussetzung des Allerheiligsten nicht fehlen. Zu Teresas Zeiten war der Empfang der Kommunion auf bestimmte Tage im Jahr beschränkt, so dass die schauende eucharistische Anbetung Christi große Bedeutung hatte. Auch im Kloster war die tägliche Kommunionspraxis nur mit ganz besonderen Genehmigungen möglich und so empfahl Teresa von Avila ihren Schwestern die geistige Kommunion.

„Wenn ihr der Messe beiwohnt, ohne die Kommunion zu empfangen, Töchter, könnt ihr geistig kommunizieren. Dies bringt sehr großen Nutzen. Auch hierbei sammelt euch geistlich! Auf diese Weise prägt sich die Liebe zum Herrn tief in unser Inneres ein. Denn wenn wir uns auf seinen Empfang vorbereiten, wird er es nie unterlassen, auf vielfältige Weise seine Gaben zu schenken, ohne dass wir verstehen wie“ (Camino 35,1).

Die Sehnsucht des Herrn

Die Eucharistie war für Teresa das Zentrum des Mysteriums der Kirche, ihr Empfang der geeignete Augenblick, um Jesus Christus in persona zu begegnen, mit ihm zu sprechen, auf ihn zu hören. Die bleibende eucharistische Gegenwart des Herrn ist Ausdruck seiner Sehnsucht, dem Menschen die erlösende Liebe Gottes zuzuwenden:

„Da er alles erträgt und ertragen wird, um auch nur eine Seele zu finden, die ihn in Liebe aufnimmt und in sich birgt, so sei diese Seele die eure“ (Camino 35,2) !

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Die ganze Serie über die Gebetslehre nach Teresa von Avila findest du hier

3 Gedanken zu “Wir brauchen ihn nicht anderswo in der Ferne zu suchen

  1. Die Anbetung, das ist wirklich was unbeschreibliches. Findet leider viel zu selten heutzutage statt, scheint das umgekehrte Verhältnis zur Zeit Theresas zu sein mittlerweile. Ja, Jesus ist präsent in der Hostie. Trotz allem: wäre es nicht schön gewesen, damals unter seinen Jüngern gewesen zu sein? Zu seinen Füssen zu sitzen, ihn zu sehen, ihm zuzuhören, mit ihm zu wandern, ihn zu umsorgen? Wohl auch ein Grund, warum mich die Bücher von Maria Valtorta zo erfreuen. Herzlichen Gruss und weiter so mit Eurer guten Seite,
    Abitene von http://wegwahrheitleben.wordpress.com/

    1. Hallo Abitene, danke für deinen Beitrag!

      Eucharistie und Anbetung, was für herrliche Schätze uns Jesus hinterlassen hat!

      Wenn ich für die Städte Wien und Salzburg spreche (da kann ich es ganz konkret sagen) dann muss man nur ein wenig suchen und wird ohne große Mühen schöne Möglichkeiten für die eucharistische Anbetung finden, in Kirchen und in Gebetskreisen. Ich möchte alle ermutigen, sich auf die Suche zu machen, und aus diesen wunderbaren Jesuserfahrungen zu schöpfen!!!

      Klar wäre es schön, Jesus in seiner Zeit als Mensch begegnen zu können. Aber es wäre nicht Gott, wenn nicht seine Vorsehung und Liebe dafür gesorgt hätte, ihn immer und zu jeder Zeit erfahren zu können, Halleluja!

      Ich sehe unsere Aufgabe heute mehr darin, ihn zu erkennen, ihn anzuerkennen, und – mit allen noch so großen Schwierigkeiten – ihm zu folgen und die eine große Botschaft mit seinem und unserem Leben zu den Menschen zu tragen:

      Da sehe ich übrigens (mit meinem römisch-katholischen Bekenntnis) auch gar keine Hindernisse, einem großen protestantischen Theologen in seinen Gedanken und Erkenntnissen zu folgen: Dietrich Bonhoeffer zur Nachfolge Christi.

      Gottes Segen und Shalom!

  2. Vielen Dank für den Beitrag. Diese Themen sind im Netz nicht besonders häufig zu finden. Werde in Zukunft öfter diesen Blog besuchen kommen und mich auf dem laufenden halten.

    Herzliche Grüße

    die Heilerschule

    PS: Würde mich auch über einen Besuch und Eitnrag in unserem Gästebuch ebenfalls sehr freuen unter Geistges Heilen .

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