Ein afrikanischer Priesterseminarist aus Heiligenkreuz: Wann wacht ihr endlich auf?

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Der Autor, ein afrikanischer Christ, registriert mit Entsetzen das kirchenfeindliche Klima in Europa und ist erstaunt, mit welcher Passivität die Christen sich darin fügen.

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In Westeuropa, nehmen wir Österreich als Fallbeispiel, gibt es seit längerem einen heftigen Sturm der Kritik am Christentum, eine antichristliche Strömung. Gläubig zu sein, wird als eine bemitleidenswerte Situation angesehen.

Um es milde auszudrücken: Die meisten Christen warten hilf- und tatenlos auf die vollkommene Zerstörung des bereits angeschlagenen Christentums.

Was mir Sorgen macht, ist nicht etwa, daß die Kirche schwierige Situationen nicht überleben (Mt 16:18) oder daß Christus Seine Kirche verlassen würde (Mt 28:20). Ich mache mir über den Grad der Gleichgültigkeit Sorgen, mit der die Christen in diesem Land mit dieser Situation umgehen.

Wir lesen die Bibel und handeln doch gleichgültig?
Wir lesen die Bibel und handeln doch passiv und gleichgültig?

Es ist die totale Passivität, mit der die Christen der sich zerstörerisch aufbauenden Welle eines Antichristentums begegnen. Durch die Medien, vor allem durch die Tagespresse, die Magazine, das Fernsehen und das Radio, sind die Menschen tagtäglich mit Ideologien konfrontiert, denen nur starke, unterscheidende Geister und tiefwurzelnder Glaube standhalten können. Die Frage ist: Wie gehen die Christen damit um? Was haben sie bis jetzt dagegen unternommen?

Ich lese die Tagespresse und bin bestürzt über den offensichtlichen Eifer, mit dem Journalisten und Redakteure unbegründete Behauptungen aufstellen, unlogische Schlüsse ziehen und feindselige Kritik an der Kirche und ihrer Führung üben. Die Passivität, mit der die Christen auf diese Angriffe reagieren, ohne Gewissensbisse zu haben, ist alarmierend.

Wieviel Kraft schöpfen wir aus der Herrlichkeit des dreieinigen Gottes?
Wieviel Kraft schöpfen wir von unserem dreieinigen Gott?

Warum entscheidet man sich dafür, zuzuschauen, wie Wertvolles zerstört wird, statt zu argumentieren, zu verteidigen und die Wahrheit zu verkünden – und zwar von einem rationalen Standpunkt aus? Warum sollte man sein natürliches Potential, auf negative Entwicklungen zu reagieren, nicht ausschöpfen, besonders wenn diese auf einer lähmenden Ideologie gedeihen?

Jetzt ist die Zeit aufzuwachen, jeder soll auf seine Weise und in seinem Lebensumfeld sprechen. Lest! Schreibt! Sprecht laut! Wir müssen uns vorbereiten, weil Christus uns schon gewarnt hat: “… denn die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts.“ (Lk 16:8)

Wir können diese Entwicklung nicht aufhalten, indem wir auf ein Wunder von Gott warten. Warum sollte Er ein Wunder tun, wenn Er uns schon die Fähigkeit dazu durch unseren Glauben und unseren Verstand gegeben hat?

Das Gebet ist zweifellos der erste Schritt, den wir tun müssen, aber wir dürfen es nicht beim Knien belassen. Wir müssen handeln. Wir schulden das unseren Nachkommen. Die Menschen treten aus der Kirche aus, weil sie die falschen Antworten auf ihre Fragen bekommen, und sie bekommen die falschen Antworten von den falschen Leuten.

Können wir das Kreuz Christi aktiver und aufrechter vertreten?
Können wir das Kreuz Christi aktiver und aufrechter vertreten?

Ein Durchschnittsösterreicher, der die Tageszeitungen liest, wird eher dazu neigen, seinen Glauben zu verlieren, als ein Glaubender zu bleiben. Es ist Zeit, Christus führen zu lassen. Laßt alle in eurer Umgebung merken, das hier ein Christ ist. Wo seid ihr? Was seht ihr? Was hört ihr? Was wißt ihr? Sprecht laut! Unser Schweigen ist unser Schmerz!

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Nweke Kizito Chinedu, Priesterseminarist aus Nigeria,
studiert an der Päpstlichen Hochschule in Stift Heiligenkreuz bei Wien.

Bilder: Flickr, boonlon, creative commons licence

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Verkünden wir nicht die ganze Wahrheit?
Wie passiv und gleichgültig ist jeder einzelne von uns?

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6 Gedanken zu “Ein afrikanischer Priesterseminarist aus Heiligenkreuz: Wann wacht ihr endlich auf?

  1. Ich finde es traurig!
    Es ist die Zeit sich zu entscheiden.
    Aber wie sollen sich die Menschen entscheiden, wenn sie keine Ahnung vom Glauben haben? Auch die meisten Menschen, die sich Christen nennen, sind nicht wirklich gläubig.
    Wir bräuchten wieder Apostel wie am Anfang, die auf den Straßen den Menschen das Evangelium, die Gebote und Gesetze erklären und mit ihnen reden…
    Denn sind nicht die Pfarrer/Pastöre/Bischöfe als „Hirten“ gefragt, die Menschen aufzuklären und zum Glauben zu bringen? Bsp. Pfarrer von Ars usw. Was ist es, das die Kirche sich nicht rührt, ist es Angst sich den „Marktschreiern“, die gegen die Kirche wettern, selbst laut Stellung zu beziehen? Haben sie selbst noch Gottvertrauen?
    Was in der Kirche gepredigt wird, ist lauwarm und bringt so gut wie nichts. Trotzdem gehe ich aus überzeugtem Glauben in die Kirche und sehe aber, das bis zu meinem Alter so gut wie niemand mehr zur hl. Messe geht.

    1. Liebe Anna,

      ich sehe auch viele Probleme und vermisse vieles – aber es gibt auch ermutigendes; beispielsweise ist es ja nicht eine Stimme aus der Ferne, sondern diese kritische Stimme sitzt hier in Heiligenkreuz und studiert hier…

      Es gibt viele Leute des Glaubens, die aber ihren Mund nicht mehr aufmachen, darum geht es dem Pristerseminaristen nach meinem Verständnis ganz besonders!

      Die Worte von Nweke Kizito Chinedu sind übrigens auf einer ganzen Reihe von Blogs veröffentlicht worden, auch das ist erfreulich.

      Helfen wir einfach zusammen, bekennen wir uns zu Jesus Christus, und stecken – ja, stecken unsere Nachbarn / Nächsten einfach an mit unserer guten Laune! Im Rahmen unserer jeweiligen Möglichkeiten, ganz klar, aber genau das wünsche ich mir!

  2. Das heißt doch sicher auch: Bevor wir etwas tun, sollten wir beten und uns erst einmal über unseren eigenen Glauben informieren, ihn „upgraden“ (aus dem vollen Reichtum der Kirche und des Evangeliums schöpfen) und ihn auch wieder aktivieren. Dann erst dann können wir wirklich handeln.

    Alles andere trägt keine Frucht.

    1. Hallo conservare – und (nicht zum ersten Mal) willkommen!
      Zwei Gedanken darf ich zu deinem Beitrag einbringen…

      Beten meint „ein sich öffnen für die Herrlichkeit und Gnade Gottes“ – und ist daher immer eine gute und notwendige Voraussetzung für unser Handeln; so versuche ich zB jeden Morgen, den Tag unserem Herrn zu übergeben, in der wachsenden ‚Ahnung‘ (irgendwann wird es wohl zum ‚Bewusstsein‘ reifen), dass ohne diesen unermesslichen und unfassbaren Gott wirklich gar nichts geht.

      So sagt N.K. Chinedu „Es ist Zeit, Christus führen zu lassen“ , wobei er (so vermute ich) noch mehr einschließt:

      Es gibt da noch eine andere Geschichte, und – auf die Gefahr hin, ein wenig lächerlich zu wirken – will ich versuchen, mit ‚afrikanischer Brille‘ weiterzufühlen und zu denken: Wir sollten im entscheidenden Moment wissen, worauf es wirklich ankommt – „Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes“: Vielleicht sind wir (in Europa) mit „dem Vermögen Gottes“ zu fahrlässig und unredlich umgegangen, und es ist Zeit für eine „Klugheit“, die uns auf den rechten Weg zurückführt;

      – eine Klugheit, die zu mehr Menschlichkeit führt:
      Warum aber schweigen wir, wenn andere unsere christliche und gerechte Sache in Frage stellen, wenn unsere demokratisch gewählte Wirtschaftsordnung noch mehr Armut produziert –

      – eine Klugheit, die zum Gespräch nach allen Seiten führt:
      Warum aber zucken wir mit den Achseln, wo doch Menschen in großer Zahl aus unseren Kirchen austreten, wenn von ‚aufgeklärten‘ Menschen wieder einmal die Heuchelei einer verbrecherischen und vorgestrigen Kirche ‚aufgedeckt‘ wird –

      – eine Klugheit, die zu konkretem Handeln führt:
      Warum aber stehen wir nicht auf, und vernetzen uns, unterstützen unsere Pfarren, stärken unsere Nachbarn, verbünden uns und gewinnen Freundschaften, bringen das Wort Jesu zum Leuchten, wenn andere uns vormachen wollen, dass Vernunft + Wissenschaft + Humanismus + Geld alles besser regelt –

      …hier stecken, denke ich, eine Reihe von Ansätzen, die von aussen (zB durch die ‚afrikanische Brille‘) klar erkannt werden, und die dann zu dem berechtigten Aufschrei führen, dass wir das Vermögen Gottes (sein Wort und seine Kirche) durch unsere Passivität und Gleichgültigkeit über die Maßen im Stich lassen!

  3. Ich weiss, wann die Christen aufwachen. Wenn die Wirtschaft zusammenkracht und sie hungern. Dann fangen sie an zu beten und entdecken, dass das was bewirkt.
    Bis dorthin kann ich meinen Glauben hinausschreien, es würde kaum jemanden bewegen. Sie würden nur Mitleid mit mir haben, mich gelinde gesagt, für etwas naiv halten. Etwas stärker ausgedrückt, für grenzdebil.
    Ich weiss das, ich rede immer über den Glauben. Nur sehr wenige interessiert es. Die dafür sind sehr hungrig nach meinen Worten.
    Dieser afrikanische Priesterseminarist erinnert mich an Tatjana Goritscheva.
    Sie war Professorin an der Universität im damaligen Leningrad. Es war Mode bei der russischen Intelligenzia, zu meditieren. Auch sie meditierte. Als sie das Vaterunser ohne Glauben und Gefühle meditierte, erkannte sie den Vater und bekehrte sich zum Christentum. Sie verlor alles, wurde auf offener Strasse verprügelt und ins Gefängnis geworfen.
    1980, anlässlich der Olympischen Spiele, wurde sie vor die Wahl gestellt, entweder nach Sibirien oder nach Westeuropa zu gehen.
    Sie ging nach Westeuropa und hatte die naive Vorstellung, ins gelobte Land zu kommen, wo alle, da sie ja deswegen nicht verfolgt werden, sehr religös sind.
    Sie war ebenso bitter enttäuscht wie dieser Seminarist.
    Christus sagte: Man kann nicht zwei Herren dienen, entweder Gott oder dem Mammon. Die westliche Welt dient aus vollem Herzen, mit ganzer Kraft dem Mammon. Je mehr diese Menschen haben, desto gieriger sind sie und dienen damit Gott, weil sie die Wirtschaft ruinieren und die Menschen wieder arm werden.

    1. Liebe Isabella,
      ich danke dir für dieses weitere klare Beispiel eines Menschen, der von unserem „westlichen Paradies“ enttäuscht wurde;

      …und doch ist es immer wieder notwendig, den Mund aufzumachen und gegen die Mammongesellschaft aufzutreten!

      In meiner Antwort an „conservare“ (siehe oben) habe ich versucht, die Gedanken von N.K. Chinedu in konkreteren Bahnen zu deuten;

      es muss doch Ansätze geben, aus diesen Gräben der Passivität und Gleichgültigkeit wieder herauszukommen!

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