„Wir brauchen keine Heiligen“ (Allerheiligen)

allerheiligen

 

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„Also wir sind schon gut beraten dabei zu sagen: Wir brauchen keine Heiligen“
lautet der letzte Satz eines Interviews mit Michael Bünker, dem Bischof der Evangelischen Kirche in Österreich. So einfach ist das, wir brauchen keine besonderen Zeugen des Glaubens?

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Ich denke, die Heiligen im Glauben waren selten so wichtig wie heute. Das gegenwärtige Christsein hat oft etwas mattes, farb- und konturloses, allein daraus entsteht ein verständlicher Ruf nach Menschen, die zum Salz der Erde werden (Mt 5,13). Aber der Reihe nach. In den Glaubensbekenntnissen, die mir bekannt sind, heißt es:

Ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen.

Das ist ein Satz, den man – als Christ – in seinem Leben oft spricht, und dabei nicht immer weiß oder daran denkt, was tatsächlich gemeint ist: Alle Menschen, und da gibt es nicht eine auch nur denkbare Ausnahme, sind berufen, heilig zu werden!

Das ist die starke Ansage im christlichen Glauben. Jesus Christus hat unser Leben von Grund auf verändert, kein Stein ist auf dem anderen geblieben. Dazu gehört, dass er ein Leben vollkommen ohne Sünde gelebt hat, unsere Erlösung eingeschlossen. Spätestens seit dem öffentlichen Wirken Jesu stellt sich uns die Frage der Nachfolge. So sollen wir ebenfalls „ohne Sünde“ sein und die Welt erlösen? Die Antwort heißt: Ja.

Genau das ist der Zündstoff, den das Christentum braucht.

„Ohne Sünde“ ist ein Reizwort und beinhaltet eine scheinbar vermessene Anforderung. Nur, was erreiche ich, wenn ich mich von Anfang an dem Wunsch Gottes entziehe? Der Begriff „Sünde“ meint nicht vordergründig die kleinen und großen bösen Gedanken und Taten, sondern viel tiefer: Was bedeutet Gott für mich – will ich ihm nahe sein, es immer wieder versuchen?

Auf der anderen Seite gilt: Sündigen ist für den Menschen unumgänglich, entferne ich mich also immer weiter von Gott? Hier möchte ich mit allem Nachdruck sagen: Nein! Umkehr und Vergebung ist immer möglich, denn bei Gott ist nichts unmöglich. Ein Bekannter hat es wunderbar auf den Punkt gebracht, indem er meinte: Ich habe einen Schatz, den ich alle paar Wochen finde, und der mich verlässlich und tröstend von Grund auf erneuert: Das Sakrament der Versöhnung…

Was ist der tiefere Grund für unsere Sehnsucht nach Gott?

Wenn unsere Schöpfung Sinn macht (sie tut es!), dann gibt es nicht nur einen eingebauten „darwinistischen“ Erhaltungstrieb, sondern vor allem das Streben nach etwas, woran wir uns halten können, nach etwas Unzerstörbarem. Die klügsten Köpfe der Naturwissenschaft, die viele der schärfsten Kritiker des Glaubens beheimatet, sie alle wollen täglich aufs Neue nichts lieber als die eine Weltformel finden, die „alles erklärt“.

Gläubige und Nichtgläubige kennen das Streben nach dem Vollkommenen und Unvergänglichen.  Bleiben wir beim Beispiel Wissenschaft: Während unsere atheistisch/naturwissenschaftlichen Freunde tagein-tagaus ihre Gehirne zermartern, um Hypothesen im Rahmen ihrer eigenen Spielregeln zu beweisen, wollen christliche Kopfarbeiter den göttlichen Geist in ihrer Arbeit finden und den Schöpfer durch ihre Arbeit sprechen lassen. Gut, wir bewegen uns jetzt in recht luftigen Höhen. Aber – und da sind wir zurück beim Thema – auch die Heilige Schrift spricht nicht immer von den einfachsten Dingen.

Wir wollen heilig werden in dem einen Leib.

So ist Paulus von Tarsus von dieser (Sehn)sucht nach dem Unzerstörbaren und Vollkommenen getrieben, wenn er über den einen Leib spricht, der mit Christus beginnt und zu dem wir alle zusammenwachsen sollen, jeder mit seinem individuellen Beitrag. „Denn wie wir an dem einen Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder denselben Dienst leisten, so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, als einzelne aber sind wir Glieder, die zueinander gehören“ (Röm 12,4).

 

In diesem Sinne, Herr Bischof Bünker, werden wir doch wieder in eine Richtung gehen, mit jedem Schritt ein bisschen heiliger, mit der klaren Entscheidung unseres Glaubens: Auf Jesus Christus zuzugehen.

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hier geht’s zum Beitrag über Allerseelen

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Auf diesem Blog findes du z.B. folgende Einträge zu Heiligen:

Heilige Teresa von Avila

Heilige Thérèse von Lisieux

Heilige Margareta Maria Alacoque

Selige Teresa von Kalkutta

Heiliger Bernhard von Clairvaux

Heiliger Benedikt von Nursia

Heiliger Bonifatius

Heilige Schwester Faustyna Kowalska

Heilige Maria Mutter Gottes

…wie auch den großen „evangelischen Heiligen“:

Dietrich Bonhoeffer

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4 Gedanken zu “„Wir brauchen keine Heiligen“ (Allerheiligen)

  1. Wir brauchen jede Menge heiligmäßiger Menschen, weil das der ganz normale Anspruch an uns alle ist, sofern wir für Gott und die Mitmenschen da sein möchten. Es ist gut, dass die Kirche ein paar als Aushängeschilder kanonisiert hat, was zählt ist letztlich sicher das Urteil Gottes. Nur er allein kann ganz in die Herzen schauen. Weil es für uns Menschen eben immer nur einen begrenzten Blick auf die Motive unserer Mitmenschen gibt, dauern die Kanonisierungsprozesse auch in der Regel sehr lang.

    Viele Menschen halten nur die anerkannten Heiligen für heilig, und glauben, dass das ganz außergewöhnliche Menschen sind. Sicher haben sie mit Gottes Gnade gut mitgewirkt, aber zu betonen ist, dass dieselbe Gnade uns allen offen steht.

    Wie sie auch, halte ich die Beichte für eine der großen Schätze unseres katholischen Glaubens, die uns immer wieder in die richtige Richtung hin zu Gott führt, und hin zur Heiligkeit.

    1. Hallo ALS,

      „Nur er allein kann ganz in die Herzen schauen.“ Das sehe ich genauso.

      Wofür ich eintrete ist es, keine (womöglich unüberwindbare) Kluft zwischen mir und den „Heiligen“ entstehen zu lassen… Wir (Katholiken) bekennen regelmäßig unsere Zugehörigkeit zur „Gemeinschaft der Heiligen“, also sollten wir im täglichen Leben auch dazu stehen!

      Die längere Liste an Verweisen auf Postings am Ende dieses Artikels zeigt (ein wenig zu offensiv vielleicht), dass ich selber eine große Freude an dem entwickle, was uns Heilige hinterlassen haben…

      Grüße und Shalom!

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