Seelen im Fegefeuer, wirklich? (Allerseelen)

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Auf einen Franzosen geht er also zurück, der Allerseelentag. Aber nicht gerade auf irgendeinen: Odilo von Cluny (962-1049) stand als 5. Abt von Cluny einem wahrem Kloster-Imperium vor und wurde aufgrund eines langen und äußerst wirkungsreichen Lebens 1345 heilig gesprochen.

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Odilo war vor allem ein Mann der Askese und des Gebetes. Bildung und Ausbildung seiner Mönche und Filialklöster waren ihm immer besonders wichtig. Bei aller Härte gegen sich selbst wird Odilo als nachsichtig gegenüber anderen gesehen. Ihm wird das Wort zugeschrieben: Wenn er, Odilo, in die Hölle kommen solle, dann lieber, weil er zu nachsichtig gewesen sei, als wegen Härte und Grausamkeit. Auf Abbildungen ist er oft als Benediktiner mit Krummstab (der Hirtenstab hier als äbtliches Zeichen) nahe dem Fegefeuer zu sehen, aus dem Engel arme Seelen erlösen. Der Allerseelentag steht also in konkretem Zusammenhang mit dem Purgatorium, dem reinigenden Fegefeuer. Was sagt uns die Heilige Schrift über Tod, Fegefeuer und Auferstehung?

Der Menschensohn wird seine Engel aussenden und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gottes Gesetz übertreten haben, und werden sie in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt (Mt  13,41). Der Rauch von ihrer Peinigung steigt auf in alle Ewigkeit und alle, die das Tier und sein Standbild anbeten und die seinen Namen als Kennzeichen annehmen, werden bei Tag und Nacht keine Ruhe haben. Hier muss sich die Standhaftigkeit der Heiligen bewähren, die an den Geboten Gottes und an der Treue zu Jesus festhalten (Off 14,12). Das ist der zweite Tod: der Feuersee. Wer nicht im Buch des Lebens verzeichnet war, wurde in den Feuersee geworfen (Off 20,15). Aber die Feiglinge und Treulosen, die Befleckten, die Mörder und Unzüchtigen, die Zauberer, Götzendiener und alle Lügner – ihr Los wird der See von brennendem Schwefel sein (Off 21,8).

Die Stunde kommt, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören und herauskommen werden: Die das Gute getan haben, werden zum Leben auferstehen, die das Böse getan haben, zum Gericht (Joh 5,28). Das Feuer wird prüfen, was das Werk eines jeden taugt. Hält das stand, was er aufgebaut hat, so empfängt er Lohn. Brennt es nieder, dann muss er den Verlust tragen. Er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durch Feuer hindurch (1.Kor 3,13). Dass aber die Toten auferstehen, hat schon Mose in der Geschichte vom Dornbusch angedeutet, in der er den Herrn den Gott Abrahams, den Gott Isaaks und den Gott Jakobs nennt. Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn für ihn sind alle lebendig (Lk 20,37-38).

Alle, die in den Gräbern sind, werden herauskommen. Wer nun an einen barmherzigen Gott glaubt, der wird nicht davon ausgehen, dass die Zeit der Toten eine „sinnlose Zeit“ ist; vielmehr lässt sich ein gnadenreiches Feuer erahnen, dass die Chance zur Reinigung birgt. Die Seele des Menschen wiederum ist eine wesentliche Voraussetzung für diese Zeit der Prüfung, schließlich kämen wir bei der Vorstellung eines rein „krematorischen Vorgangs“ wohl nicht sehr weit in unserem Glauben an ein Leben nach dem Tod.

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Wer ist nun der erste, der die Nichtexistenz des Fegefeuers nachweisen will?
Ohne Zweifel haben wir es hier mit einer Glaubens- und nicht so sehr mit einer Wissensfrage zu tun. Und doch: Wenn ich keinen begründeten Zweifel an den ewigen Seelen und dem Fegefeuer habe kann, wenn ich mich entschieden habe, zu glauben, dann komme ich um eines nicht herum: Das Gebet für die armen Seelen.

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Wer eine weniger schauerliche, eine schönere Hinführung zum Gebet für die Toten sucht, der soll nicht enttäuscht werden. Jesus Christus ist den Sühnetod für uns Menschen gestorben. Damit hat er uns von aller Last erlöst und zum Guten befreit! Was also hält uns ab, ihm nachzufolgen und unser Gebet für die armen Seelen aufzuopfern? Für all die Seelen, die bis zu seiner Wiederkunft noch Zuspruch und Hilfe benötigen? Damit schließen wir ganz wunderbar an Allerheiligen an: Werden wir durch unsere Fürbitten ein wenig heiliger auf unserem Weg zu unserem Herrn Jesus Christus, zur letzten Herrlichkeit.

Und er sagte zu mir: Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht. Deshalb stehen sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm bei Tag und Nacht in seinem Tempel; und der, der auf dem Thron sitzt, wird sein Zelt über ihnen aufschlagen. Sie werden keinen Hunger und keinen Durst mehr leiden und weder Sonnenglut noch irgendeine sengende Hitze wird auf ihnen lasten. Denn das Lamm in der Mitte vor dem Thron wird sie weiden und zu den Quellen führen, aus denen das Wasser des Lebens strömt, und Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen (Off 7,13-17).

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Eine kurze Historie zu Odilo von Cluny
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odilo-von-clunyWer war dieser Mann, der 65 Jahre lang Abt von Cluny war? Odilo von Cluny kam aus einem angesehenen Adelsgeschlecht; in der Reform seiner Klöster war er konsequent und äußerst erfolgreich. Wo er ein Kloster aus Holz übernommen hatte, so sagt man, hinterließ er ein Kloster aus Marmor. In Cluny ließ er – bis auf die Kirche – alle Gebäude neu errichten, um für den gewachsenen Konvent Platz zu haben.
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Odilo von Cluny (962-1049) entstammte dem adligen Haus der Mercoeur, sein Vater war der Ritter Beraud, seine Mutter hieß Gerberga. Er war Kanoniker in St-Julien in Brioude und trat auf Zureden von Wilhelm von Dijon um 990 ins Kloster Cluny ein; schon nach drei Jahren wurde er dessen fünfter Abt als Nachfolger von Majolus. 998 erwirkte er von Papst Gregor V. für das Kloster von Cluny die uneingeschränkte Freiheit vom Diözesanbischof und 1024 die Erweiterung dieses Privilegs auf alle von Cluny abhängigen Abteien und Priorate.

Unter Odilos Leitung nahm die cluniazensische Reform weiteren Aufschwung und erreichte ihren Höhepunkt; Cluny wurde von einer Reformgemeinschaft zu einem zentralistisch ausgerichteten Klosterverband; die Zahl der Abteien unter der Leitung von Cluny stieg durch ihn von 35 auf mehr als 70 Klöster; Hauptverbreitungsgebiete waren die Auvergne, die Provence, die Île-de-France und Aquitanien, hinzu kamen Klöster in Italien und Spanien. Nach Deutschland drang die Reformbewegung (trotz Odilos enger Beziehung zu Heinrich II.) erst später, da sich im alten benediktinischen Mönchtum (vor allem in der Abtei St. Gallen) nachhaltiger Widerstand gebildet hatte.

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Der Abt setzte sich in Frankreich für die Verbreitung des Gottesfriedensgedankens ein: einer Regelung, die bestimmte heilige Zeiten – zum Beispiel kirchliche Festzeiten – von Kampf und Krieg freihielt. Bekannt sind die von Odilo verfasste Lebensgeschichte seines Vorgängers Majolus und die – schon bald nach ihrem Tod im Jahr 999 – niedergelegte Biografie der Kaiserin und Heiligen Adelheid von Burgund.

Odilo führte 998 den Allerseelentag am 2. November ein, der sich von hier aus in aller Welt verbreitete. Das Dekret aus diesem Jahr ist noch erhalten. Der Abt hat diesen Gedenktag in allen von Cluny abhängigen Klöstern eingeführt. Bald wurde der Allerseelentag auch außerhalb der Klöster gefeiert. Für Rom ist er seit Anfang des 14. Jahrhunderts bezeugt. Von Cluny aus verbreitete sich der Gedenktag in der ganzen katholischen Kirche.  Er steht theologisch in enger Verbindung mit der Lehre vom Fegefeuer als Ort der Läuterung der Verstorbenen, die Hilfe von den Lebenden durch Gebet, Fasten und Almosen erhalten. Seit dem 2.Vatikanischen Konzil wird die Auferstehungsbotschaft in den Vordergrund gerückt.

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hier geht’s zum  Beitrag über Allerheiligen

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5 Gedanken zu “Seelen im Fegefeuer, wirklich? (Allerseelen)

  1. @teacher
    Willkommen auf zeitzubeten!

    Wenn du der Meinung bist, der Beitrag würde „vieles durcheinanderwerfen“, könntest du auch entsprechend argumentieren… oder?

    Du schreibst:
    „Da der Mensch nach dem Verlust des physischen Leibes nicht mehr vollständig ist, muss er wieder auf die Erde. Der Gläubige kann da seinen Heiligungsweg fortsetzen, um schließlich ganz in das Bild Jesu verwandelt zu werden und zur Auferstehung zu kommen.“

    Das kann ja deine Überzeugung sein, mit dem christlichen Glauben und Inhalt dieses Blogs hat es nicht viel zu tun; hier möchte ich zudem eine gewisse Vorsicht (aus Achtung vor den Geheimnissen der Schöpfung) walten lassen, und die Schriftbetrachtung vorziehen und empfehlen (siehe Bibelstellen im Beitrag).

    „Der Nichtgläubige erhält auf Erden wieder eine Chance sich zu bekehren oder wenn er es nicht tut, wird er weiter im Leid versinken.“

    Wie gesagt…

    Solltest du bei meinem Beitrag den Faden verloren haben ;- ) hier die Eckpunkte… (das ist doch ein Service!):

    – kirchenhistorische Herkunft von „Allerseelen“
    – die Bibel zu Tod und Fegefeuer
    – das Gebet für die „armen Seelen“
    – der Konnex zu Allerheiligen
    – die Auferstehung als Ziel
    – Exkurs zu Odilo von Cluny und der Bedeutung von Cluny

    So sehen wir recht klare Linien…

  2. Der oben veröffentlichte Beitrag zum Thema wirft vieles durcheinander.
    Tatsächlich erlebt jeder Mensch nach dem Tod ein Fegefeuer, das sich aus jenen Inhalten der Seele ergibt, die nicht mit den Gegebenheiten des nachtodlichen Daseins harmonieren. Es sind dies z.B. Begierden, die nur auf Erden Befriedigung finden können, deren Vorhandensein nach dem Tod Leid hervorruft.

    Das Ziel des Glaubens, und überhaupt des Lebens ist nicht der physische Tod. Da der Mensch nach dem Verlust des physischen Leibes nicht mehr vollständig ist, muss er wieder auf die Erde.
    Der Gläubige kann da seinen Heiligungsweg fortsetzen, um schließlich ganz in das Bild Jesu verwandelt zu werden und zur Auferstehung zu kommen.
    Der Nichtgläubige erhält auf Erden wieder eine Chance sich zu bekehren oder wenn er es nicht tut, wird er weiter im Leid versinken.

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