Antonius Maria Claret – ein Verhandeln mit Christus?

Antonio-Maria-Claret

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Antonius Maria Claret beschreibt, wie Christus (heute) zu uns sprechen könnte. Dieses Lehrstück ist gute 150 Jahre alt, somit müssen wir uns sprachlich darauf einstellen. Aber inhaltlich gibt es dabei gar nichts zu beanstanden.

Das lässt sich ganz einfach ausprobieren! Folgen wir P. Clarets Gedanken, die wir aus dem nachstehenden Gespräch Jesu mit uns entnehmen können – Jesus  als Lehrer der Gebetsgemeinschaft mit ihm.

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JESUS spricht:

Es ist nicht nötig, viel zu wissen, um mir zu gefallen – es genügt, dass du mich sehr liebst. Sprich hier also einfach mit mir, wie du mit deinem engsten Freund sprechen würdest!

Musst du mich für jemanden um etwas bitten?
Nenne mir seinen Namen und sage mir dann, was du möchtest dass ich jetzt für ihn tun soll!  Erbitte viel – zögere nicht zu bitten!

Sprich zu mir auch einfach und aufrichtig von den Armen, die du trösten willst, von den Kranken, die du leiden siehst, von den Verirrten, die du sehnlichst auf den rechten Weg zurückwünscht! Sag mir für alle wenigstens ein Wort!

Und für dich, brauchst du für dich nicht irgendeine Gnade?
Mache mir, wenn du es möchtest, eine Art Liste mit allem, was du brauchst, und komm, lies sie in meiner Gegenwart!

Sage mir offen, dass du vielleicht stolz, selbstsüchtig, unbeständig, nachlässig bist … und bitte mich dann, dir zu Hilfe zu kommen bei den wenigen oder vielen Anstrengungen, die du machst, um davon loszukommen!

Schäme dich nicht! Es gibt viele Gerechte, viele Heilige im Himmel, die genau die gleichen Fehler hatten. Aber sie beteten demütig … und nach und nach sahen sie sich frei davon.

Und zögere auch nicht, um Gesundheit sowie einen glücklichen Ausgang deiner Arbeiten, Geschäfte oder Studien zu bitten.

All das kann ich dir geben und gebe ich dir. Und ich wünsche, dass du mich darum bittest, soweit es sich nicht gegen deine Heiligkeit richtet, sondern sie begünstigt und unterstützt.

Was brauchst du gerade heute? Was kann ich für dich tun? – Wenn du wüsstest, wie sehr ich wünsche, dir zu helfen!

Trägst du gerade einen Plan mit dir herum?
Erzähle ihn mir! Was beschäftigt dich? Was denkst du? Was wünschst du?

Was kann ich für deinen Bruder tun, was für deine Schwester, deine Freunde, deine Familie, deine Vorgesetz­ten? Was möchtest du für sie tun?

Und was mich angeht: Hast du nicht den Wunsch, dass ich verherrlicht werde? Möchtest du nicht deinen Freun­den etwas Gutes tun können, die du vielleicht sehr liebst, die aber vielleicht leben, ohne an mich zu denken?

Sage mir: Was weckt heute besonders deine Aufmerk­samkeit? Was wünschst du ganz sehnlich? Über welche Mittel verfügst du, um es zu erreichen?

Sage es mir, wenn dir ein Vorhaben schlecht gerät, und ich werde dir die Gründe für den Misserfolg nennen! Möchtest du mich nicht für dich gewinnen?

Ich bin Herr über die Herzen, und mit sanfter Gewalt bringe ich sie dahin, wo es mir gefällt, ohne ihre Freiheit zu beeinträchtigen.

Fühlst du dich vielleicht traurig oder schlecht gelaunt?
Erzähle mir in allen Einzelheiten, was dich traurig macht!

Wer hat dich verletzt?

Wer hat deine Selbstliebe beleidigt?

Wer hat dich verachtet?

Teile mir alles mit, und bald wirst du soweit kommen, dass du mir sagst, dass du nach meinem Beispiel alles verzeihst, alles vergisst. Als Lohn wirst du meinen trösten­den Segen empfangen.

Hast du vielleicht Angst? Spürst du in deiner Seele jene unbestimmte Schwermut, die zwar unberechtigt ist, aber trotzdem nicht aufhört, dir das Herz zu zerreißen? Wirf dich meiner Vorsehung in die Arme! Ich bin bei dir, an deiner Seite. Ich sehe alles, höre alles, und nicht einen Augenblick lasse ich dich im Stich.

Spürst du Abneigung bei Menschen, die dich vorher gern mochten, die dich jetzt vergessen haben, und sich von dir entfernen, ohne dass du ihnen dazu den geringsten Anlass gegeben hast?

Bitte für sie, und ich werde sie an deine Seite zurück­bringen, wenn sie nicht zum Hindernis für deine Heiligung werden.

Und hast du mir nicht vielleicht irgendeine Freude mitzuteilen?
Warum lässt du mich nicht daran teilnehmen, da ich doch dein Freund bin? Erzähle mir, was seit dem letzten Besuch bei mir dein Herz getröstet und zum Lächeln gebracht hat! Vielleicht hast du angenehme Überraschun­gen erlebt; vielleicht hast du glückliche Nachrichten erhalten, einen Brief, ein Zeichen der Zuneigung; vielleicht hast du eine Schwierigkeit überwunden, bist aus einer ausweglosen Lage herausgekommen.

Das alles ist mein Werk.

Du sollst mir einfach sagen: Danke, mein Vater!

Willst du mir nichts versprechen?
Ich lese in der Tiefe deines Herzens. Menschen kann man leicht täuschen, Gott aber nicht.

Sprich also ganz aufrichtig zu mir! Bist du fest ent­schlossen, dich jener Gelegenheit zur Sünde nicht mehr auszusetzen, auf jenen Gegenstand zu verzichten, der dir schadet, jenes Buch nicht mehr zu lesen, das deine Vorstellungskraft gereizt hat, mit jenem Menschen nicht mehr zu verkehren, der den Frieden deiner Seele verwirrt?

Wirst du zu jenem anderen Menschen wieder sanft, liebenswürdig und gefällig sein, den du bis heute als Feind betrachtet hast, weil er sich gegen dich verfehlte?

Nun gut, gehe wieder an deine gewohnte Beschäftigung zurück! Zu deiner Arbeit, deiner Familie, deinem Studium.

Aber vergiss die Viertelstunde nicht, die wir beide hier verbracht haben!

Bewahre, soweit du kannst, Schweigen, Bescheidenheit, innere Sammlung, Liebe zum Nächsten!

Liebe meine Mutter, die auch die deine ist!

Und komme wieder mit einem Herzen, das noch mehr von Liebe erfüllt, noch mehr meinem Geist hingegeben ist!

Dann wirst du in meinem Herzen jeden Tag neue Liebe, neue Wohltaten, neue Tröstungen finden.

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Die provokante Fragestellung „Ein Verhandeln mit Christus?“ wird durch den Text widerlegt, ganz klar. Christus zeigt sich einmal mehr als gnadenreicher Gott, der keine Bedingungen stellt, sondern uns kommen lässt, so wie wir sind. Und doch ist sie sehr deutlich eingeschlossen, die Aufforderung, den Weg der Heiligkeit zu suchen!

Ausschnitte eines Textes des Heiligen Antonius Maria Claret (1807 – 1870)

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Der Heilige Antonius Maria Claret wurde 1807 in Sallent in Spanien geboren, wurde Priester und wirkte seit 1843 als Volksmissionar. 1849 gründete er den Missionsorden der „Claretiner“ (CMF) und später das Bildungsinstitut der „Claretinerinnen“. 1850 – 1857 war Antonius Maria Erzbischof von Santiago de Cuba, seit 1857 Beichtvater der Königin Isabella II. von Spanien. Er verfasste eine Anzahl asketischer Schriften, die große Beachtung fanden. Am 24. Oktober 1870 starb er auf der Reise zum I. Vatikanischen Konzil in der Abtei Fontfroide in Südfrankreich. Seine Reliquien ruhen in Vich bei Barcelona.

3 Gedanken zu “Antonius Maria Claret – ein Verhandeln mit Christus?

  1. Ich finde den Text wunderbar und befreiend; Jesus handelt an uns und hört uns immer zu; ich dagegen muss lernen, von meinem „Gebetsperfektionismus“ loszukommen. Ich meine, ich müsste, auch aufgrund meiner derzeitigen Probleme, ständig beten statt mich von Jesus mit seinem Frieden und seiner Gegenwart beschenken zu lassen

    1. Liebe Christine,
      danke für deine Zeilen!
      Ja, einen „Perfektionismus“ hat Jesus nie gefordert… Vielleicht ist das Vaterunser gerade deshalb so tröstend, weil es uns das Gefühl gibt, „ausreichend“ zu beten, und dabei so zu beten, wie der Sohn selbst…
      Gibt es denn Anbetungsmöglichkeiten in deiner Nähe? Einen „Abend der Barmherzigkeit“ oder „Nightfever“? Und wenn nicht, dann einfach ein paar Minuten in eine Kirche setzen – Jesus freut sich über die geschenkte Zeit und schenkt zurück… schon allein durch Seine Gegenwart beschenkt und verändert er uns…!
      LG und im Gebet verbunden!

  2. Was für eine wunderschöne Seite ! Es ist doch eigentlich so einfach durch unsere Heiligen,
    die uns alles vorgelebt haben, Gott noch mehr zu finden und zu lieben.
    Unser himmlischer Vater segne alle Menschen.

    P.S. Das Zwiegespräch mit Christus von Antonius Maria Claret finde ich etwas vom Schönsten
    was ich als gläubiger Mensch je gelesen habe. Ehrlich mir kamen die Tränen und ich
    fühlte Gott auf eine ganz neue und wunderbare Weise.

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