Gertrud von Helfta, die Große

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Gertrud von Helfta, zusammen mit Teresa von Àvila die einzige Heilige mit dem Beinamen „die Große“, wurde 1256 in Thüringen geboren. Als Kind wurde sie von ihren Eltern zur Erziehung in das Zisterzienserinnenkloster Helfta bei Eisleben gegeben, wo sie vierzig Jahre bis zu ihrem Tod lebte.

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Gertrud erhielt im Kloster Helfta unter Leitung der Äbtissin Gertrud von Hackeborn eine gute humanistische und theologische Ausbildung. Von 1281 an hatte sie ungewöhnliche mystische Gnaden. Nach ihrer ersten Christusvision mit 25 Jahren lebte sie in großer Nähe zu Christus; meistens schaute sie ihn in Visionen während der Eucharistiefeier oder während des Stundengebetes.

Lange Zeit schwieg sie über ihre Visionen, erst am Gründonnerstag 1289 begann sie darüber zu reden und begann ihre Offenbarungen und Meditationen (deutsch und lateinisch) aufzuschreiben. Besonders häufig sprach sie vom Geheimnis der Eucharistie und vom Herzen Jesu. Fast alle Anrufungen der heutigen Herz-Jesu-Litanei finden sich bereits in ihren Schriften.

Ihren Mitschwestern diente sie in herzlicher und demütiger Liebe. Sie starb am 13. November 1302 und gilt als die größte deutsche Mystikerin.

Gegenwart Gottes

„Als ich mich am Abend zum Gebet niederkniete, dachte ich plötzlich an die Worte des Evangeliums:

Wer mich liebt, der hält sich an mein Wort; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen (Joh 14, 23).

Da fühlte mein Herz, dass du angekommen und in mir gegenwärtig warst.“ (Gertrud von Helfta)

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Gertrud von Helfta hat neben ihren Schriften auch Anleitungen zu meditativen Übungen hinterlassen. Der folgende Teil beschreibt diese Übungen und wurde im Jubiläumsjahr 2006 (750. Geburtsjahr) publiziert.

Meditative Übungen mit Impulsen von Gertrud von Helfta
zusammengestellt von Ida-Anna Braun

Die Erfüllung der Sehnsucht nach mystischer Vereinigung mit Gott durfte Gertrud von Helfta erfahren. Die Verschmelzung der menschlichen Geistseele mit dem göttlichen Licht, die unio mystica, wurde ihr in besonderer Weise geschenkt. An vielen Stellen ihrer Werke beschreibt sie diese Vereinigung, „diesen Eintritt in den Lustgarten deines göttlichen Herzens“ (VII 591/2), als Lichterfahrung.
Für Gertrud ist Gott „ Quell des Lebens und Ursprung immerdar währenden Lichts“ (II 98; VI 213/4), „Licht aus höchster Höhe“ (I 121), „unauslöschliches Licht“ (I 168/9), und ihrer „Seele höchstes heiteres Licht“ (V 31f.). Jesus schaut sie als „Antlitz, dessen Licht das Licht der höchsten Gottheit ist“ (VI 158f), und spürt, wie „aus dessen Angesicht sich das Licht mir aufgeprägt hat als Zeichen“ (VI 194f.). Gertrud weiß und fühlt, dass „dies Licht allein kann fröhlich machen meinen Geist und Atem“ (VI 324f).

Der Ort dieser Gottesbegegnungen ist das Herz, das spirituelle Kraftzentrum in der Brustmitte „es öffne sich mir deines liebsten Herzens heilbringender Eingang“ (V 178/9), „dehne aus mein Herz in dich“ (VI 73). Dort nimmt Gott Wohnung im Menschen, „er ist Gott meines Herzens“ (VI 532), hier erlebt Gertrud, „ein einziger Geist und Atem“ (V 202) mit Gott zu sein.

In der fünften Übung ihrer Exercitia Spiritualia schreibt Gertrud von Helfta: „Sooft du leer von allem sein willst, frei für die Liebe, so ziehe dein Herz weg von allen ungeordneten Gemütsbewegungen, hemmenden Fesseln und Einbildungen der Fantasie. Wähle dafür einen geeigneten Tag und Zeitraum …Und nun sollst du dich mit ganzer Regung des Gemüts, mit ganzer frommer Hingabe und eifrigem Streben im Gebet mit Gott verbinden….“ (V 1-7/8), oder „setze dir bisweilen einen bestimmten Tag…“ (VI 1), „wo mein Geist und Atem entspannt zur Ruhe kommen kann“ (VII 315/6).

  1. Voraussetzung für eine meditative Versenkung ist ein geschützter Raum und eine geschützte Zeit. Du brauchst einen Ortswechsel und Zeit zum Innehalten. Im Kloster gehen die Nonnen zum Stundengebet in die Kirche. Dein Ort muss kein Kirchenraum sein, es genügt ein stiller Ort in der Wohnung, ein schöner Platz im Zimmer, der nicht immer neu hergerichtet werden muss. Dort kann eine Kerze stehen, etwas Blumenschmuck, die Bibel. Du kannst dir auch einen Platz in der Natur suchen, das verbindet dich noch unmittelbarer mit der gesamten Schöpfung.Gertrud schreibt nicht von körperlichen Verspannungen, sehr wohl aber vom Kerker des Körpers (V 450; VI 81/2; VI 703), und von körperlichen Fesseln (VI 82/3; VII 695)
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  2. Für eine meditative Versenkung ist ein relatives Wohlbefinden förderlich. Wenn du sehr gestresst und körperlich angespannt bist oder gar Schmerzen hast, wird es nicht einfach sein, den Weg nach Innen zu finden. Hier können lösende und entspannende Übungen helfen. Schon das Hinspüren in eine verspannte Körperregion, das alleinige Fühlen der jeweiligen Stelle kann eine bessere Durchblutung der Muskulatur und eine Beruhigung der Nervenzentren bewirken. Es helfen auch kleine lösende Bewegungen, etwa die Schultern hochziehen und wieder sinken lassen, den Kopf sinken lassen und wieder aufrichten, dann den Kopf behutsam nach rechts und nach links drehen. Gut tut es, alle Körperregionen durchzuspüren und dabei einatmend „los“ und ausatmend „lassen“ zu denken. Mit dem Ausatmen kann auch ein tiefes Seufzen verbunden sein. Das entspannende Loslassen in der gesamten Muskulatur bewirkt eine Beruhigung des Atems und damit verbunden auch eine Beruhigung gedanklicher Überaktivität. Der Leib wird in einen Zustand angenehmer Ruhe versetzt.
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  3. Die Körperhaltung, die dir ein längeres stilles Verweilen ermöglicht, ist das Sitzen. Es geht um das richtige Sitzen. Einfach auf dem Boden sitzen ohne Unterlage ist ziemlich anstrengend. Also nimm ein Sitzkissen, eine Meditationsbank, oder setze dich rittlings auf ein Polster. Es geht auch auf einem Stuhl, wobei du auf dem vorderen Stuhlrand sitzen und die Füße parallel und hüftbreit auf den Boden stellen solltest. Achte darauf, dass Unter- und Oberschenkel ungefähr einen rechten Winkel bilden. Wenn dein Rücken schnell ermüdet, ist es besser sich anzulehnen. Es kann sein, dass du unter die Füße eine Decke legen musst, damit die rechtwinkelige Haltung der Beine garantiert ist. Die Hände können ineinander gelegt werden, dabei berühren sich die horizontal liegenden Daumen leicht und bilden mit den Fingern eine Kugel. Oder die Hände liegen wie offene Schalen auf den Oberschenkeln, oder die Hände sind umgedreht, so dass die Handinnenflächen die Oberschenkel berühren. Die Schultern sind etwas zurückgenommen und sinken entspannt herab. Du sitzt einfach aufrecht, bringst das Becken in die richtige Position und lässt die Wirbelsäule emporwachsen. Der Nacken ist sanft gedehnt, das Kinn sinkt leicht zur Kehle. Am Schädeldach, dem höchsten Punkt des Kopfes, spürst du weit nach oben, so als ob dich hier ein Lichtfaden mit dem Himmel verbindet. Entspanne dein Gesicht und lass es weich und friedlich sein. Die Augen sind geschlossen oder halb offen, wobei der Blick dann auf einem Punkt ungefähr zwanzig Zentimeter vor dir ruht.
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  4. Atmen ist Leben. Luft strömt in dich hinein und wieder heraus, die meiste Zeit wird dir der Atemvorgang nicht bewusst sein, es ist ein physiologischer Vorgang, gesteuert vom Atemzentrum, der Leben und Überleben garantiert. Atmen ist auch ein feinstoffliches Geschehen. Bewusstes Atmen bringt dich in die Gegenwart, der Atem schenkt dir den Augenblick, lässt dich deine Ganzheit erleben. Sitzen und bewusstes Atmen ist der Weg zur Ruhe zu kommen, zu sich selbst, zu Gott, ist der Eintritt in die meditative Versenkung. Zwischen Geist und Atem besteht eine enge Verbindung. Beide haben die gleiche lateinische Wortwurzel „spirare“. Spiritus ist nicht etwas Abstraktes, sondern lebendiges Sein, das sich sprachlich schwer fassen lässt. Gertrud gelingt es denn doch in wunderbarer Weise. Zwischen dem Geist Gottes und dem Atem besteht eine Beziehung des Erschaffens, das meint, dass Schöpfung nicht abgeschlossen, sondern stets neu in uns, mit uns und durch uns geschieht.
    So schreibt Gertrud: „Im Lebenshauch seines Mundes werde wiedererschaffen und neu gemacht der Atem meines Lebens: auf dass mich auf rechten festen Boden führe sein lebenspendender Geisthauch, der gut ist.“ (I 10-12/3). An anderer Stelle bittet sie: „Deinen lebenspendender Geist erneuere heute in allen Gefäßen meines Innern“ (I 223f.), oder „erfülle du mit neuem Leben meine Seele: denn es mangelt ihr an Lebensatem“ (VII 164f.). Und „die langen Seufzer meines Atemzugs vom Abgrund der Erde hin zu dir, wenn ich tagtäglich nach dir Ausschau halte“ (VI 356/7f.) sollen Gott loben, „bis das ich werde mit Gott ein einziger Geist und Atem“ (V 202).
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  5. Lenke die Aufmerksamkeit auf den Atemstrom. Spüre, wie die Luft durch die Nase tief in dich einströmt und wieder ausströmt. Erlebe die damit verbundenen Bewegungen, die der Atem verursacht. Das sanfte Gedehnt- und Gelöstwerden im ganzen Leib. Überlasse dich dem Rhythmus deines Atems, der vom großen Atem Gottes kommt. Lass die Luft ganz aus dem Körper ausströmen, entdecke die kleine Pause nach dem Ausatmen und genieße, wie dein Leib sich von selbst wieder das Lebensmedium, die Geistkraft schöpft. Einatmen und ausatmen, im eigenen natürlichen Atemrhythmus, sonst nichts.
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  6. Licht, Wärme, Sonne sind Qualitäten, die unmittelbar erfahrbar sind; wer innerlich davon erfüllt ist, an dem sind sie auch äußerlich wahrnehmbar. Sie zeigen sich in leuchtenden Augen, einem strahlenden Gesicht, einer klaren Sprache. Wärme, Licht und Sonne sind auch Grunderfahrungen des geistlichen Lebens. Wer in der Gegenwart Gottes lebt, lebt in der Nähe der „wahren Sonne, die Gott ist“(V 459), und kann dies konkret und körpernah erfahren. Die innere Sonne kann im Gebet, in der Meditation aufgehen und den ganzen Menschen verwandeln. Der Ort dafür ist das spirituelle Herz als Personenmitte. „Du bist meines Herzens einziges, ganzes, liebstes Wesenskernchen; dir allein hat sich glutvoll angeschmiegt meine Seele“ (V 180-182). Es geht also darum, das Herzfeuer zu entfachen, dann beginnt die innere Verwandlung. Wer so in der Gegenwart Gottes lebt, wird innerlich durchlichtet und erhellt.An vielen Stellen berichtet Gertrud vom göttlichen Licht. Gott ist für sie „Quell immerwährenden Lichts“(III 197; VI 525/6), sie bittet: „Das Licht entgegenzunehmen“ und „innerlich erleuchtet zu werden“ (I 167/8). Jesus antwortet ihr: „Ich bin der Glanz der göttlichen Sonne, lichtumglänzt meine Gestalt“ (III 7f.), und schließlich „dort, in deines göttlichen Herzens goldenes Rauchgefäß, in dem zu deinem Lobpreis ohne Unterlass verbrennt der ewigen Liebe lieblichst duftender Weihrauch: dorthin werfe auch ich des Herzens winzigst kleines Korn…..dass auch dies mein Herzenskörnlein….im Anhauch deines Lebensatems mit stürmischer Gewalt lebendige Flamme wird und übergeht in das eine Glutbecken, aus dem dein Lob aufsteigt.“(VI 351-356/7)
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  7. Wenn du nun die für dich richtige Sitzhaltung eingenommen hast, eine Haltung, die dir Stabilität, Wohlgefühl und Leichtigkeit vermittelt, und der Leib und der Atem zur Ruhe gekommen sind, dann lenke deine Konzentration auf den Ort in der Mitte der Brust, dem spirituellen Herzzentrum. Verweile dort und verbinde den Rhythmus deines Atems mit der Anrede, die Gertrud häufig für Gott benützt: „Gott-Liebe“. Denke einatmend „Gott“ und ausatmend „Liebe“. Gott-Liebe, das ist alles! Wenn du merkst, dass sich andere Gedanken einschleichen möchten, dann lenke die Konzentration erneut auf die beiden Worte „Gott- Liebe“. Bleibe ganz locker und entspannt, du brauchst nur das Kommen und Gehen deines Atems mit den beiden Worten Gott- Liebe verbinden. Du atmest die Liebe Gottes ein und sie verströmt sich ausatmend in deinem ganzen Leib, so dass du erfüllt wirst mit der „göttlichen innigen Liebe“ (VII 389f.). Anfänglich wirst du nur einige Minuten so verweilen können, später kannst du dann ca. 20 Minuten in „Lust und Freude“ (VI 51) so dasitzen.
    Beende die meditative Versenkung immer mit einem tiefen Atemzug, lass es aufatmen, bewege die Finger und die Zehen, öffne die Augen und dehne dich durch.Nach einigen Wochen des Übens kannst du einen Schritt weiter gehen.
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  8. Konzentriere dich wieder auf den Ort in der Mitte der Brust, dem spirituellen Herzen. Atme weich und ruhig. Nach einer Weile wirst du ein kleines warmes Licht wahrnehmen. Verbinde dich mit jedem Atemzug inniglicher mit diesem Leuchten in dir. Sei ganz offen und empfänglich, nichts machen, nichts wollen, nur zulassen. Mit jedem Einatmen wird heilendes göttliches Licht als „feurige innige Liebe“ (III 323) in dich einfließen, und sich ausatmend in dir verströmen bis in die äußerste Zelle deiner Leiblichkeit und „dein Inneres erfüllen“ (I 95/6; VI 73/4), „gesunden lassen“ (I 192/3), und dein gesamtes „Leben erneuern“ (IV 231).
    Im zweiten Kapitel des göttlichen Gesandten beschreibt Gertrud diese Erfahrung wie folgt: “Die wunderbare Wirkung des Lichts durchfließt meinen Körper, es dringt bis ins innerste Mark; es scheint mir alle Grenzen aufzulösen, und ich habe das Gefühl, als seien mein Körper und meine Seele nichts als Licht, göttliches Licht“ (nach Gertrud von Helfta, Legatus II,48f). Beende diese Lichtmeditation wie oben beschrieben.
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  9. Zu Beginn der Meditation kannst du folgenden Gebetsruf als Introitus singen: Komm, komm, komm! Komm Gott-Liebe, komm Gott Lebenshauch, dabei den Konsonant „m“ aussummen!+
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  10. Gertrud erlebte die göttliche Nähe ganz sinnenhaft und leiblich, vgl. ihre…

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…„Seligpreisungen der Sinne“:

„Selig die Augen, die dich schauen,
o Gott-Liebe. O wann, wann werde ich dorthin gelangen, wo du bist, Gott, wahres Licht, Gott und Lamm? Ich weiß, dass ich dich endlich schauen werde mit meinen eigenen Augen, o Jesus, Gott, du mein Heil.

Selig die Ohren, die dich hören,
o Gott-Liebe, du Wort des Lebens. O wann, wann wird deine Stimme, von Honig fließend und voll Süßigkeit, mir Tröstung geben, wenn sie mich ruft zu dir? Eia, vor bösem Hörensagen möge ich mich nicht fürchten, sondern schnell möge ich hören deine ruhmvolle Stimme. Amen, so geschehe es.

Selig die Nase, die dich atmet,
o Gott-Liebe, du des Lebens süßester würziger Duft. O wann, wann wird zu mir hinatmen deiner honigfließenden Gottheit duftender Wohlgeruch? Eia, schnell möge ich kommen zu den fetten Weiden voller Anmut, wo ich immerdar dich schaue. Amen, so geschehe es.

Selig der Mund, der kostet,
o Gott-Liebe, deine trostreichen Worte, süßer als Honig und Honigwabe. O wann, wann wird erfüllt werden meine Seele mit deiner Gottheit nährendem Fett, und trunken werden durch die reiche Fülle deiner Lust? Eia, so möge ich hier schon kosten, wie lieblich du bist, Herre mein, daß ich in ewigem Glück dich, o Gott meines Lebens, voll genieße dort. Amen, so geschehe es.

Selig die Seele, die in der Umarmung unzertrennlicher Liebe sich hingeschmiegt hat an dich, und
selig das Herz, das spürt deines Herzens Kuss,
o Gott-Liebe, und mit dir eingeht den Bund unauflöslicher liebender Freundschaft. O wann, wann soll ich durch deine seligen Arme fest umschlungen werden, und dich, o Gott meines Herzens, ganz unmittelbar anblicken? Eia, schnell doch, schnell möge ich, dem Verbanntsein hier entrissen, dein honigfließendes Angesicht schauen im Jubilus. Amen, so geschehe es.“ (V 462-485/6)

Gebet

Liebster mein, Jesu Christ, ich begehre, mit dir eine Regel der Liebe anzunehmen, dass ich mein Leben auf dich hin möge erneuern und verwandeln.
Eya, stelle mein Leben unter deines heiligen Geistes Obhut,
dass ich zu allen Zeiten dir stehe zu Gebot.
Meine Sitten mache dir genehm in liebevollem Frieden.
Meine Sinne schließe ein in deiner lichterfüllten Minne,
dass du allein mich lehrst, leitest und mir Rat gibst in mir drinnen.
Lass versinken meinen Geist so sehr
in deinem Geist bis auf den Grund in einem Nu,
dass ich wahrlich werde in dir begraben
und so gänzlich aus mir in die Einung mit dir getragen,
dass mein Grab in dir niemand kennt, als deine lebendige Liebe allein,
die es versiegeln möge. Amen.
(IV 230a-243a)

Jesus, mein Liebster: ich wünsche, mit dir zusammen eine Liebesregel anzunehmen, nach der ich es vermag, in dir mein Leben zu erneuern und es dann in dir verwandelt zu verbringen. Eia, stelle mein Leben unter die Obhut deines heiligen lebenspendenden Geistes, auf dass man jederzeit bereit mich finde: ganz bereit für deine Weisungen. Meine Lebensart gleiche der deinen an; in der Liebe zu dir und im Frieden festige mich. Meine Sinne verschließe mit dem Lichte deiner innigen Liebe, dass allein du mich lehrst, führst und unterrichtest im Innersten des Herzens. Sauge auf meinen Lebensatem durch deinen Lebensatem, mit solcher Kraft und so tief reichend, dass ich wahrlich ganz und gar begraben werde in dir und in der Einung mit dir hinschwinde weg von mir. Und von meinem Grab soll nur deine Liebe und sonst niemand wissen: von meinem Grab in dir. Diese Liebe schließe mich mit ihrem Siegel ein, und mit Siegelzeichen übereigne sie mich dir, mich mit dir durch ihr Band verknüpfend, untrennbar. Amen, so geschehe es. (IV 230-240/2)

Leibgebet

Seit jeher beten Menschen nicht nur mit Worten, sondern auch mit leiblichen Gebärden wie Stehen, Sitzen oder Knien. Mit ausgebreiteten oder gefalteten Händen und in vielen anderen Formen.
Gebärden und Haltungen drücken aus, was im Inneren des Menschen lebt, sind ein Ausdruck dessen, was das Herz fühlt und der Sinn meint. Gleichzeitig wirken Haltungen und Gebärden in dieses Innere des Menschen hinein und formen es.
Gertrud schreibt: „Ich trete hin zu dir, mein Gott“ (IV 69f.) und bittet „in den Lustgarten seines göttlichen Herzens“ hingeführt zu werden (VII 591/2).

Du darfst vor Gott aufrecht stehen, vor Gott, der dich geschaffen und mit deinem Namen gerufen hat. Du darfst vor Gott in Würde stehen, im Wissen um deine ganze Unzulänglichkeit, um dein Versagen und deine Bedürftigkeit.

Lass den Atem ruhig fließen.

  • Stehe aufrecht. Falte die Hände vor der Brust, dem spirituellen Herzbereich. Erlebe die vertikale Achse in dir und die horizontale Verbindung, die ihren Ausgangsort im spirituellen Herzzentrum hat.
    Gott- Liebe ausatmen
  • Öffne die Hände zu Schalen. Die kleinen Finger und die Handkanten berühren sich.
    reich mir den Wassertrunk heiliger Hoffnung einatmen
  • Drehe die Hände nach außen bis die Handrücken sich berühren, lasse die Finger nach unten zeigen und die Hände nach unten sinken.
    erfülle mich mit deiner göttlichen Liebe ausatmen
  • Drehe dann die Handflächen nach außen, führe die Hände im großen Bogen über vorne nach oben und in einer großen Kreisbewegung seitlich wieder nach unten, wenn die Mittelfinger sich berühren, hebe die Hände zur Brust.
    forme mich in dich hinein einatmen, ausatmen, einatmen
  • Falte die Hände vor dem Herzzentrum
    O Gott-Liebe ausatmen

Verweile anschließend einige Atemzüge im Sitzen.

Übe anfangs zuerst den Bewegungsablauf, dann verbinde die entsprechenden Worte/ Sätze mit der Bewegung, und dann verbinde die Atemphasen mit den Bewegungen und den Worten. Du wirst erleben, dass denken, bewegen und atmen eins werden. Nach einer gewissen Zeit brauchst du die Worte nicht mehr sprechen, die Bewegungen sind deine Worte, dein Ausdruck des Denkens, dein Gebet.

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3 Gedanken zu “Gertrud von Helfta, die Große

  1. In dieser schwierigen Situation, in der ich mich befinde, fällt es mir schwer zu glauben, und zu beten. Ich muss mein Kind loslassen, das vielleicht im Drogensumpf untergeht. Und ich kann nichts mehr tun. Ich weiss nicht wo Gott ist.

    1. Gott ist immer ganz nah bei dir, auch wenn du es nicht spürst. Ich muss meine 2 Kinder los-lassen, auch in sehr schwierigen Situationen. Gott allein hält mich dabei in seinen Händen geborgen. Absolut nicht leicht, dies zu sagen, aber doch sehr hilreich. Ich denke an dich.

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