Der historische Jesus – ein Protest

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Wir alle kennen „Selbst-verständlichkeiten“, die nicht hinterfragt werden, bis sie aus einer anderen Perspektive betrachtet werden.

Der historische Jesus, da gibt es einen weitreichenden Konsens, also gut und Ende.

Wirklich?

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Dazu eine kleine Geschichte…… Mein Sohn Gregor besucht im Gymnasium (nahe Wien) den Religionsunterricht, der von einem Priester geführt wird. Kürzlich frage ich Gregor, was sie gerade in Religion besprochen haben. Das Thema der Stunde war der historische Jesus. Nicht sonderlich originell, denke ich mir, aber besser als nur Smalltalk. Wenige Wochen später, Gregors Firmunterricht hat begonnen, frage ich, was denn so besprochen wird. „Der historische Jesus“, erzählt mein Sohn.

Sind wir denn schon so weit, dass lieber über historische Erkenntnisse als über das einzigartige Mysterium Jesu gesprochen wird? Muss schon so viel Rücksicht auf Kinder aus religiös-unentschiedenen Familien (in der Schulstatistik heißt das „ohne Bekenntnis“) genommen werden, dass man Priorität auf den historischen Menschen Jesus legen muss?

Meine nächste Frage an meinen Sohn war natürlich: Haben denn die Herren darauf hingewiesen, dass die historischen Fakten zu Jesus interessant seien, aber die eigentliche Geschichte dann erst beginnen würde – oder besser gesagt, schon viel früher und in einer ganz anderen Dimension ihren Ursprung genommen hat. „Nein, eigentlich nicht“ war die Antwort, die mich dann endgültig stutzig gemacht hat.

Wie dankbar war ich unserem Papst Benedikt, als er kürzlich klare Worte in dieser Frage gefunden hat! So spricht Benedikt XVI.:

„Die wahren Theologen sind jene, die das Mysterium Christi aus innerem Antrieb überzeugend verkünden, und nicht die «großen Spezialisten», die sagen könnten, wo der Messias in Bethlehem geboren sei.“

Und kath.net berichtet: „Man reduziert den menschgewordenen Sohn auf einen „historischen Jesus“, eine wirklich tragische Figur, ein Gespenst ohne Fleisch und Knochen – einen, der im Grab geblieben, der wirklich ein Toter ist. Die Methode weiß bestimmte Fische zu fangen, aber sie fängt nicht das große Geheimnis ein – weil der Mensch sich selbst zum Maß macht und bestimmte Methoden absolut setzt, die zu den großen Wirklichkeiten einfach nicht passen.

Warum ist das so? Ist das Christentum die Religion der Dummen, der Ungebildeten? Erlischt der Glaube da, wo die Vernunft aufwacht? Nicht ganz, wenn wir in die Geschichte schauen. Es gibt nämlich auch Kleine, die gleichzeitig Wissende sind. Etwa Johannes, Fischer vom See Genezareth, der unter dem Kreuz steht, und den die Kirche „den Theologen“ nennt. Oder Saulus, der zunächst gelehrt ist, aber nicht sehend, und der sich nach seinem Damaskus-Erlebnis kleinmacht und zu sehen beginnt.

In den vergangenen zweihundert Jahren habe es große theologische Gelehrte gegeben, die die Details der Heiligen Schrift ergründet hätten, aber das christliche Mysterium selbst, die Gottessohnschaft Jesu, aus den Augen verloren hätten, führte der Papst aus. Viele weniger Gebildete hingegen hätten ein beeindruckendes Zeugnis für Gott abgelegt. Als Beispiele nannte das Kirchenoberhaupt die Seherin von Lourdes, Bernadette Soubirous, die französische Mystikerin Therese von Lisieux, die sudanesische Sklavin und spätere Ordensschwester Schwester Bakhita sowie die Ordensgründerin und die selige Teresa von Kalkutta.

Der große Gelehrte wird ein Kleiner – und sieht so in der vermeintlichen Torheit Gottes Weisheit, die menschliche Weisheiten übersteigt.“ Der Spezialist sieht nur noch Details, aber nicht mehr das Ganze“, erklärt der Papst schließlich. Und er betet – mit den Theologen zusammen – um Demut: ‚Dass wir uns klein machen, um wirklich weise zu werden‘.“

3 Gedanken zu “Der historische Jesus – ein Protest

  1. Ist schon eigenartig, welche Faszination der Mensch Jesus anscheinend ausübt, dass man den Gottessohn gerne vergisst. Wer war Jesus? Interessanter wäre doch: Wer IST Jesus?

    Ich für mich finde es nicht schlimm, wenn man sich mit dem biologischen Jesus beschäftigen will, aber manchmal habe ich das Gefühl, ich weiß besseres mit meiner Zeit anzufangen. Mist! :-(

    Ja, ich glaube auch, dass Jesus zerteilt wird. Dass man ihn nicht als Ganzes sehen will / kann.

    „Als sie ihn aber gekreuzigt hatten, verteilten sie seine Kleider und warfen das Los darum.“ (Mt,27.35)

    Ich weiß nicht recht, warum ich den Vers abgedruckt habe, vielleicht, weil es hier wie bei der Jesusforschung, denke ich, darum geht, etwas Handfestes von Jesus zu bekommen. Aber Jesus kann man nicht festhalten, in den Schrank stellen, weil er der lebendige Gott ist. Nur so zur Erinnerung… :-D

    So was ich denke. Ich weiß, dass ich da sehr „radikal“ bin ;-)
    Will ja den Religionslehrern & Co. nichts schlechtes unterstellen…

    1. Hallo… und ganz lieben Dank für deinen Beitrag!

      Deine Gedanken finde ich nicht so sehr radikal, sondern in diesem Fall (und in dieser Zeit) angebracht.

      “Als sie ihn aber gekreuzigt hatten, verteilten sie seine Kleider und warfen das Los darum.” (Mt,27.35)

      Bei diesem Vers kann ich ebenfalls an “Jesusforschung” denken, aber auch daran, dass für viele das Thema “Jesus” ab diesem Zeitpunkt (oder mit diesem “Faktum”) sozusagen erledigt ist. Ein Toter interessiert nicht mehr…

      “Wer IST Jesus” – ich hoffe, dass wir noch oft darüber nachdenken – und freue mich immer über deine Beiträge.

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