Emmaus: Geschichte des Unwahrscheinlichen


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Die Heilige Schrift bewahrt viele Geschichten, in denen Menschen traurig, perspektivlos, ja lebensmüde sind, doch in der Begegnung mit Gott wieder Mut finden. All diese Menschen machen im Grunde die Erfahrung der beiden Emmaus-Jünger: Wir sind nicht allein…

Kürzlich lese ich, dass man bei der Suche im Heiligen Land nach dem Ort Emmaus gar nicht fündig werden kann. Genauer gesagt sind es drei Ortschaften, die für sich beanspruchen, das Dorf zu sein, in das die beiden Jünger an jenem Sonntag gegangen sind. Drei Kirchen kennzeichnen den Ort, an dem das Haus des Kleopas gestanden haben soll, drei Ausgrabungen bestätigen, dass es genau dieser Ort gewesen sein muss. Drei verschiedene Orte! Und ob es am Ende nicht gar an einem vierten, einem ganz anderen Ort gewesen ist, das weiß im Grunde niemand zu sagen.

Was die beiden Jünger, die sich auf den Weg nach Emmaus machen, bewegt, ist die Bewältigung ihrer Enttäuschung und tiefen Trauer…

Welcher von all diesen Orten das biblische Emmaus war, muss uns im Grunde genommen gar nicht wichtig sein. Eigentlich finde ich es – je länger ich darüber nachdenke – sogar ganz gut, dass das historische Emmaus, gar nicht zu finden ist: Das Evangelium vom Erkennen Jesu beim Brotbrechen handelt schließlich von keinem Ort, es handelt nicht von Emmaus. Dieses Emmaus, von dem das Evangelium berichtet, dieses Emmaus ist überall.

Emmaus ist dort, wo Menschen spüren, dass Jesus Christus lebt und dass er für uns lebt. Dort, wo einem die Augen aufgehen, wo man plötzlich keine Angst mehr hat, wo man aufhört zu weinen und die Sonne wieder lacht, dort ist Emmaus. Emmaus ist dort, wo Menschen wieder begreifen, dass der Herr schon lange bei uns ist.

Emmaus ist überall dort, wo Menschen spüren, dass ihnen das Herz brennt!

Das Emmaus der Bibel, das finde ich nicht in den Steinen irgendwelcher Ausgrabungen, das Emmaus der Bibel, das finde ich in den Herzen der Menschen. Und deshalb finde ich es überall.

Wenn Emmaus also überall ist, wenn sich das Geschehen, das durch das Lukasevangelium geschildert wird, überall ereignen kann, und auch zu allen Zeiten, wenn das, was das Evangelium berichtet, auch für unseren Ort und für unsere Zeit geschrieben ist, dann darf ich hoffen – darauf hoffen, dass auch wir dort, wo nichts zu sehen ist, dass wir dort, wo alles düster ist, wo wir allein sind, Angst haben und traurig sind, dass wir dort nicht zwangsläufig schon in Sackgassen stecken, oder im tiefen Tal der Sinnlosigkeit, in dem nichts mehr weitergeht.

Mehr noch, dank Christus gibt es die Gewißheit, dass auch wir uns, wie der Jünger Kleopas mit seinem Freund damals, auf einer Reise befinden – im festen Glauben, dass Jesus das Leid schon durchbrochen hat, dass er wiederum – und oft ganz unbemerkt – an unserer Seite geht, während wir noch unterwegs sind, unterwegs nach „Emmaus“…

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