Priesterweihe von Chinedu Kizito Nweke in Heiligenkreuz: Wann wacht ihr endlich auf?

Vor ziemlich genau einem Jahr war der Artikel des Heiligenkreuzer Priesterseminaristen bereits auf ZEITZUBETEN zu lesen. Nun ist es soweit: Am 26. Oktober wird Chinedu Kizito Nweke zum Priester geweiht! Wir wünschen ihm und seinem Wirken im Namen Jesu Christi alles erdenklich Gute!

Im folgenden Beitrag registriert der Autor, aus Sicht eines afrikanischstämmigen Christen, mit Entsetzen das kirchenfeindliche Klima in Europa und ist erstaunt, mit welcher Passivität die Christen sich darin fügen.

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In Westeuropa, nehmen wir Österreich als Fallbeispiel, gibt es seit längerem einen heftigen Sturm der Kritik am Christentum, eine antichristliche Strömung. Gläubig zu sein, wird als eine bemitleidenswerte Situation angesehen.

Um es milde auszudrücken: Die meisten Christen warten hilf- und tatenlos auf die vollkommene Zerstörung des bereits angeschlagenen Christentums.

[Da teile ich Chinedus Auffassung, denn wir kennen im deutschsprachigen Raum vor allem zwei Extreme: Die zumeist unsäglichen „Kirchenerneuerungsorganisationen“, die mehr zerstören als erneuern, und andererseits die zunehmend verunsicherte Schar der Gläubigen und Kirchgänger.]

Was mir Sorgen macht, ist nicht etwa, dass die Kirche schwierige Situationen nicht überleben (Mt 16:18) oder dass Christus Seine Kirche verlassen würde (Mt 28:20). Ich mache mir über den Grad der Gleichgültigkeit Sorgen, mit der die Christen in diesem Land mit dieser Situation umgehen.

Es ist die totale Passivität, mit der die Christen der sich zerstörerisch aufbauenden Welle eines Antichristentums begegnen. Durch die Medien, vor allem durch die Tagespresse, die Magazine, das Fernsehen und das Radio, sind die Menschen tagtäglich mit Ideologien konfrontiert, denen nur starke, unterscheidende Geister und tiefwurzelnder Glaube standhalten können. Die Frage ist: Wie gehen die Christen damit um? Was haben sie bis jetzt dagegen unternommen?

[Gäbe es nicht die Ausnahmen von der Regel – also beherzte und engagierte Christen im täglichen Leben – und im publizierenden Bereich die ständig wachsende Zahl gläubiger + eifriger Blogger, dann könnte man tatsächlich verzweifeln…]

Ich lese die Tagespresse und bin bestürzt über den offensichtlichen Eifer, mit dem Journalisten und Redakteure unbegründete Behauptungen aufstellen, unlogische Schlüsse ziehen und feindselige Kritik an der Kirche und ihrer Führung üben. Die Passivität, mit der die Christen auf diese Angriffe reagieren, ohne Gewissensbisse zu haben, ist alarmierend.

Warum entscheidet man sich dafür, zuzuschauen, wie Wertvolles zerstört wird, statt zu argumentieren, zu verteidigen und die Wahrheit zu verkünden – und zwar von einem rationalen Standpunkt aus? Warum sollte man sein natürliches Potential, auf negative Entwicklungen zu reagieren, nicht ausschöpfen, besonders wenn diese auf einer lähmenden Ideologie gedeihen?

[Selbst Priester sind zunehmend passiv und übervorsichtig zu erleben, so spricht der Wiener Psychiater und Universitätsdozent Dr. R.M. Bonelli von einem „verunsicherten und komplexbehafteten Berufsstand der Priester“ – wer also gibt den Gläubigen jeden Sonntag Kraft für ihren Alltag?]

Jetzt ist die Zeit aufzuwachen, jeder soll auf seine Weise und in seinem Lebensumfeld sprechen. Lest! Schreibt! Sprecht laut! Wir müssen uns vorbereiten, weil Christus uns schon gewarnt hat: “… denn die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts.“ (Lk 16:8)

Wir können diese Entwicklung nicht aufhalten, indem wir auf ein Wunder von Gott warten. Warum sollte Er ein Wunder tun, wenn Er uns schon die Fähigkeit dazu durch unseren Glauben und unseren Verstand gegeben hat?

[Ist das nicht zutiefst wahr? Gott hat uns alles in die Hand gegeben, hat uns zu „seinen gottähnlichen Kindern“ geformt, und uns die Erlösung in Person seines eigenen Sohnes gesandt – und was machen wir? – Ohne diesen unerschütterlichen Papst, meine ich, wüßten wir schon lange nicht mehr, wo uns der Kopf steht…]

Das Gebet ist zweifellos der erste Schritt, den wir tun müssen, aber wir dürfen es nicht beim Knien belassen. Wir müssen handeln. Wir schulden das unseren Nachkommen. Die Menschen treten aus der Kirche aus, weil sie die falschen Antworten auf ihre Fragen bekommen, und sie bekommen die falschen Antworten von den falschen Leuten.

Ein Durchschnittsösterreicher, der die Tageszeitungen liest, wird eher dazu neigen, seinen Glauben zu verlieren, als ein Glaubender zu bleiben. Es ist Zeit, Christus führen zu lassen. Laßt alle in eurer Umgebung merken, das hier ein Christ ist. Wo seid ihr? Was seht ihr? Was hört ihr? Was wißt ihr? Sprecht laut! Unser Schweigen ist unser Schmerz!

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Chinedu Kizito Nweke, Priesterseminarist aus Nigeria,
studierte an der Päpstlichen Hochschule in Stift Heiligenkreuz bei Wien:
Seine Priesterweihe findet am 26. Oktober 2010 um 9 Uhr 30 im Stift Heiligenkreuz statt.

Bilder: Heiligenkreuz; flickr, boonlon, creative commons licence

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2 Gedanken zu “Priesterweihe von Chinedu Kizito Nweke in Heiligenkreuz: Wann wacht ihr endlich auf?

  1. Auch wenn der Beitrag schon 4 Jahre her ist, ich finde ihn auch heute wo ich ihn entdecke mehr als aktuell! Ja die meisten Christen sind passiv und ich frage mich oft „wo seid ihr…“ Du hast in einem anderen Beitrag über den Islam von Diskussion gesprochen, ich wünschte in meinem nahen Umfeld, mal abgesehen vom Internet, Menschen zu finden oder zu erleben wo Diskussion über den christlichen Glauben überhaupt möglich ist. Der nicht bereits an der Tür „ja ich bin Christ, gehe in die Kirche, bete -mehr oder weniger- trage das Kreuz, feier die großen Feste (Ostern und Weihnachten)“ endet (um es mal überspitzt zu formulieren) sondern der auch Fragen zu lässt und Antworten. Und zwar so dass sich die Diskussion nicht gleich erstickt sondern sowohl Fragen, Antworten und Gedanken überhaupt laut ausgesprochen und bedacht werden dürfen.
    Nein es ist nicht alles schlecht und nicht alles verloren und ja es beginnt bei jedem einzelnen von uns, ja es steht und fällt alles mit der Frage Jesu „liebst du mich?“ und mit der Antwort die wir geben (eine Antwort die die Welt wahrscheinlich nicht hören will). Aber es ist erschreckend zu sehen wie wir die Schrift und unseren Glauben ignorieren, hinbügeln und am schlimmsten vergessen und aufs schreckliche verletzen lassen.
    Jetzt ist Advent, das heißt wir machen uns auf die Ankunft/Wiederankunft Jesu bewusst und bereit….Aber würden wir das wirklich wollen???
    Letzte Woche habe in einen Satz gelesen der mich tief erschüttert, den Satz welche Welt hinterlassen wir unseren Kindern kenne ich, die Frage ist schon aufschüttelnd genug, aber den Satz umzukehren zu „welchen Kindern hinterlassen wir diese Welt“ als ich den las lief es mir eiskalt über den Rücken…..
    Ich kann es nur wiederholen, geben wir Zeugnis so gut wir können und vor allem Beten wir unermüdlich…..

    1. Liebe Pia,
      vielen Dank für deine Stellungnahme!
      Und ja, ich stimme dir voll und ganz zu: Wie brauchen Diskusson, es ist nicht alles schlecht, und: Beten (für andere) ist ein guter Beitrag zur Errichtung des Reiches Gottes auf Erden.
      LG
      Stefan

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