Selige Sr. Restituta Kafka, erste Märtyrerin Österreichs

+

Es sei zwar [so auf Anfrage des Diözesanarchivs Wien an die Universität Wien] anzunehmen, dass unter den Gefährten des hl. Florian, die im 4. Jahrhundert im Zuge der Christenverfolgung des Kaisers Diokletian in Lauriacum (Lorch, Oberösterreich) das Martyrium erlitten, auch Frauen waren, doch sei keine von diesen namentlich bekannt. So dürfen wir die Bestätigung seitens des Diözesanarchivs akzeptieren, dass die selige Maria Restituta Kafka tatsächlich die erste Märtyrerin nicht nur der Erzdiözese Wien, sondern auch Österreichs ist.

„Sie trat unerschrocken für den Glauben und das Recht ein… So, wie sie für die Religion eintrat, so auch für Österreich… Kriecherei oder selbst schlaue Diplomatie war ihr verhasst… Aus diesem Grunde hatte sie ihre geschworenen Feinde besonders unter den Nazis…“

(P. Paul Schebesta SVD, Sr. Restitutas Beichtpriester)

Schwester Maria Restituta, (*1. Mai 1894 in Hussowitz bei Brünn, Österreich-Ungarn; †30. März 1943 in Wien), mit dem bürgerlichen Namen Helene Kafka, war Ordens- und Krankenschwester und wurde 1998 selig gesprochen.

Im Alter von zwei Jahren kam sie mit ihrer Familie nach Wien und arbeitete zunächst als Hilfspflegerin im Krankenhaus Lainz. Mit 19 Jahren trat sie dem Orden der Hartmannschwestern bei. Nach dem Ersten Weltkrieg kam sie als Krankenschwester ins Krankenhaus Mödling und brachte es bis zur leitenden Operationsschwester.

Widerstand und Tod in der NS-Zeit

Auch das Krankenhaus Mödling blieb durch den Anschluss 1938 nicht verschont. Schwester Restituta weigerte sich Kruzifixe aus den Krankenzimmern zu entfernen. Dieser Umstand und zwei von ihr verfasste regimekritische Texte wurden ihr zum Verhängnis. Sie wurde am Aschermittwoch 1942 direkt aus dem Operationssaal von der Gestapo verhaftet und am 29. Oktober 1942 wegen „Feindbegünstigung und Vorbereitung zum Hochverrat“ zum Tode verurteilt.

„Sie hat geholfen ohne Rücksicht auf Nationalität oder Weltanschauung, ob jemand katholisch war oder konfessionslos oder kommunistisch war oder sozialdemokratisch oder christlich-sozial, da hat sie weder gefragt, noch hatte es irgendeine Bedeutung für sie… Sie hat die Menschen sichtlich wirklich gerne gehabt.“

(Anna Haider, kommunistische Parteifunktionärin und Mitgefangene)

Am 30. März 1943 wurde sie hingerichtet, durch Enthauptung. Wie bei den anderen Opfern des Nationalsozialismus, die aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit, ihres Glaubens oder aus politischen Gründen durch den nationalsozialistischen Staat zu Tode gebracht wurden, wird ihre Hinrichtung heute als Ermordung bezeichnet und empfunden.

„Für Christus habe ich gelebt, für Christus will ich sterben, werde ich sterben!“ – Worte der Sel. Restituta vor ihrer Hinrichtung.

Trotz kirchlichen Wunsches wurde der Leichnam nicht dem Orden übergeben. Restituta wurde, wie etwa 2700 andere Personen, anonym, in der sogenannten 40er Gruppe des Wiener Zentralfriedhofs verscharrt.

Seligsprechung

Am 21. Juni 1998 wurde sie anlässlich eines Papstbesuches von Papst Johannes Paul II. in Wien selig gesprochen. Ihr liturgischer Gedenktag ist der 29. Oktober.

„Die sich als Krankenschwester über die Patienten beugte, hielt schließlich den Kopf hin für das Bekenntnis zum Gekreuzigten. Schwester Restituta Kafka, die den Mut aufbrachte, für ihre eigene Meinung einzustehen.“

(Papst Johannes Paul II.)

In Mödling wurde ihr zum Gedenken die westliche Hälfte der Weyprechtgasse vor dem Krankenhaus in Schwester-Maria-Restituta-Gasse umbenannt. Im Jahre 2000 wurde in Wien-Brigittenau, dem Bezirk ihrer Kindheit und Jugend, bei der Donaubrücke, Nähe U6-Station „Handelskai“, ein Maria-Restituta-Platz benannt. 2006 verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig in Mödling in der Sr.-Maria-Restituta-Gasse 12 einen Stolperstein.

Im Hartmannspital in Wien-Margareten gibt es eine Dauerausstellung „RESTITUTA-Dokumentation Glaube gegen NS-Gewalt“. Auch in der Abteikirche Klein-Mariazell wird über ihr Leben berichtet und ihrer besonders gedacht.

***

2 Gedanken zu “Selige Sr. Restituta Kafka, erste Märtyrerin Österreichs

  1. Also dass sie die 1. Märtyrin Österreichs ist, halte ich mal wieder für dein Gerücht, da hat es sicherlich viele gegeben, sie ist halt die 1. wo sich eine Diözese dafür eingesetzt hat, dass sie seliggesprochen wird. Im 3. Reich hat es sich er etliche Frauen gegeben, die ihres Gewissens wegen in den Tod gingen, aber hat sich halt niemand die Mühe gemacht da zu recherchieren.

    1. Hallo und willkommen „Gast“,
      genau das wird ja gleich im ersten Absatz angesprochen… andererseits beginnt man einmal mit dem Zählen – und erzählen: So bin ich sehr froh, über Schwester Maria Resituta Kafka berichten zu können – und denke dabei selbstverständlich an die vielen „inoffiziell“ den Märtyrertod gestorbenen Frauen dieses Landes.
      LG und GS

Wir freuen uns über deinen Beitrag:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s