Die erste Frau im Vatikan war Jüdin

Unter den über 4.000 Angestellten des Vatikan gibt es mittlerweile 600 Frauen. Wer aber war die erste Frau, die vom Vatikan angestellt wurde? Es war die 1898 in Frankfurt am Main geborene Hermine Speier, Archäologin und Jüdin.

Eine weiteres historisches Faktum, dass dem üblicherweise gezeichneten historischen Bild des römischen Kirchenstaates widerspricht. Die jüdische Wissenschaftlerin wurde vom Direktor des Vatikan-Museums, Bartolomeo Nogara, im Jahr 1934 angestellt. Es wurde ihre Aufgabe, ein fotografisches Archiv aufzubauen.

Die Geschichte der Jüdin „Erminia“ Speier ist aber keine Ausnahme. Im Geheimarchiv des Vatikan ruhen laut Radio Vatikan dutzende, wenn nicht hunderte Personalakten von Juden, die zur Zeit des Nationalsozialismus angestellt wurden, zum Beispiel als Kammerherren. Außergewöhnlich ist allerdings, dass Hermine Speier zum katholischen Glauben konvertierte. So fand sie 1989 auf dem vatikanischen Friedhof ihre letzte Ruhestätte.

Ein kurzer Abriss ihres Lebensweges:

Born in Frankfurt am Main in 1898, where she attended a private girls’ preparatory school (Victoria School, today called Bettina School), Hermine Speier (1898-1989) did not study archaeology at first, preferring instead to take classes in History, German Studies, and Philosophy. This all changed in the summer of 1919, when she attended her first archaeology lecture, given by Gerhard Rodenwalt at the Universität Gießen. Transferring to the University of Heidelberg, she later changed her major to archaeology (with a double minor in Classical Philology and Ancient History), graduating in 1925 while Ludwig Curtius was professor of archaeology there. Upon graduation, she worked as an assistant to Bernhard Schweitzer at Königsberg until 1928, when Curtius, then Director of the Deutsches Archäologisches Institut at Rome, put her in charge of the photographic archive there (which was still under construction at the time of Speier’s appointment there).

[Nichtautorisierte Übersetzung: Geboren 1898 in Frankfurt am Main, absolvierte Hermine Speier das Lyzeum „Viktoriaschule“ (heute Bettina-Gymnasium). Sie studierte zunächst nicht Archäologie, sondern bevorzugte Geschichte, Deutsch und Philosophie. Ihre Ausrichtung änderte sich, als sie im Sommer 1919 ihre ersten Archäologie-Vorlesungen bei Prof. G. Rodenwalt an der Universität Gießen besuchte. Nach dem Wechsel an die Uni Heidelberg stieg sie auf das Hauptfach Archäologie (mit den Nebenfächern Klassische Philologie und Antike Geschichte) um. In der Zeit, als Prof. Ludwig Curtius an der Universität Heidelberg Archäologie lehrte, machte sie 1925 dort ihren Abschluß. Während ihrer Doktorarbeit arbeitete sie in Königsberg als Assistentin von Bernhard Schweitzer bis 1928, als Prof. Curtius – damals Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom – sie mit der Leitung des Photographischen Instituts (das sich zu dieser Zeit noch im Aufbau befand) betraute.]

She left her job there in 1934, when Bartolomeo Nogara, then Director-General of the Vatican Museums, offered her the chance to build a photographic archive. This archive slowly grew over the years to include every exhibit in both the papal museums and palaces. In addition to her duties as curator of the photo archive, she also worked with archaeologist Filippo Magi on the Etruscan and Roman exhibits, as well as exhibits on Greek vases and those associated with specific excavations. She later retired from her position in 1967. Among her most distinguished publications are those of a horse-head from basement rooms of the Vatican Museums (in Lippold (ed.) Die Skulpturen des Vaticanischen Museums, 1956) and the excavations at the Basilica of St. Peter (in Herbig (ed.) Vermächtnis der Antiken Kunst, 1950). In addition, she was also editor of the important four-volume series festschrift for Wolfgang Helbig (Helbig: Führer durch die Öffentlichen Sammlungen Klassischer Altertümer in Rom, 1963-1972).

[1934 wechselte Hermine Speier ihre Arbeitsstelle, als Bartolomeo Nogara, Direktor des Vatikan-Museums, ihr anbot, ein Photographisches Archiv aufzubauen. Dieses Archiv wuchs im Laufe der Jahre, um schließlich alle Ausstellungsstücke im Vatikanischen Museum und den Päpstlichen Palästen zu erfassen. Zusätzlich zu ihrer Aufgabe als Kuratorin des Archivs arbeitete sie mit dem Archäologen Filippo Magi an Ausstellungen etruskischer und römischer Kunst, sowie an Ausstellungen griechischer Vasen und Präsentationen spezieller Ausgrabungen. Im Jahr 1967 schließlich wechselte sie in den Ruhestand. Unter ihren bedeutendsten Veröffentlichungen ist ein Pferdekopf aus den unteren Räumlichkeiten des Vatikans (s. Lippold Ed. „Die Skulpturen des Vatikanischen Museums“, 1956) zu nennen, sowie die Ausgrabungen beim Petersdom (s. Herbig Ed. „Vermächtnis der Antiken Kunst“, 1950). Darüber hinaus war sie Herausgeberin der wichtigen 4-bändigen Festschrift für Wolfgang Helbig („Helbig: Führer durch die Öffentlichen Sammlungen Klassischer Altertümer in Rom“, 1963-1972).]

In short, Speier’s remarkable career, in which she worked with the likes of such distinguished archaeologists as Curtius, Schweitzer, von Domaszewski, and Amelung, is best summed-up in her own words, written when she was 75 years of age: “The fascination involved in our work applies to two aspects of my life. The first was that of the actual job: a life with and for the artifacts. The other was the lively contact with the countless people who came to the Museum with questions, requests, problems, collegial exchanges, new discoveries, etc.; one cannot help but notice both.”

[Hermine Speiers bemerkenswerte Karriere, die sie mit so geschätzten Archäologen wie Curtius, von Domaszewski und Amelung zusammenarbeiten ließ, ist am besten mit ihren eigenen Worten, die sie im Alter von 75 Jahren äußerte, umrissen: „Die Faszination unserer Arbeit findet sich in zwei Aspekten meines Lebens. Der erste ist der des tatsächlichen Berufs: Ein Leben mit und für die Artefakte. Der andere liegt im lebendigen Austausch mit zahllosen Menschen, die mit ihren Fragen, Problemen, kollegialen Diskursen, neuen Entdeckungen etc. in das Museum kamen; es geht gar nicht ohne beide Aspekte zu nennen.“]

+

5 Gedanken zu “Die erste Frau im Vatikan war Jüdin

  1. Ich denke, dass auf einer „Deutschen“ Seite, ein im „Englischer“ Sprache verfasster Artikel fehl am Platze ist.

  2. Ich hätte eine Frage…Schreibe meine Facharbeit für die Matura (Abitur) zum Thema “Die Frau(en) im Vatikan” und habe hier einen Artikel darüber gelesen und möchte fragen, ob sie weitere Informationen zu dem Thema hätten bzw. aus welchem Buch das Zitat zum Leben Hermine Speiers in Englisch stammt? Vielen Dank im Voraus

    1. Hallo Valentina – was für ein klingender Name nach der in Rom gestorbenen Märtyrerin…
      wenn Du im Artikel oben auf den roten Link „Abriss ihres Lebensweges“ gehst, kommst Du zur Quelle –
      Alles Gute für Deine Arbeit!

Wir freuen uns über deinen Beitrag:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s