Gebetswoche für die Einheit der Christen ab 18.Januar

Mindestens einmal im Jahr offenbart sich vielen Christen die große Vielfalt der Möglichkeiten, Gott anzubeten. Menschen werden im Herzen berührt und merken, dass die Praktiken ihrer Nachbarn gar nicht so seltsam sind.

Das Ereignis, das diese besondere Erfahrung ermöglicht, heißt Gebetswoche für die Einheit der Christen. Gemeinden auf der ganzen Welt beteiligen sich an dieser Gebetswoche, die traditionell vom 18.-25. Januar (auf der Nordhalbkugel) oder zu Pfingsten (auf der Südhalbkugel) stattfindet. Pfarrer/innen wechseln die Kanzeln und es werden besondere ökumenische Gottesdienste organisiert.

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Zum Thema der Gebetswoche

Zusammen glauben, feiern, beten (Apg 2,42)

DIE KIRCHE IN JERUSALEM

Vor zweitausend Jahren waren die ersten Nachfolger und Nachfolgerinnen Christi zu Pfingsten in Jerusalem versammelt. Sie erlebten die… …Ausgießung des Heiligen Geistes und wurden dadurch als Leib Christi in Einheit zusammengefügt. Im Pfingstereignis sahen und sehen Christen überall und zu allen Zeiten ihren Ursprung als die Gemeinde der Gläubigen, die aufgerufen ist, Jesus Christus als Herrn und Retter zu verkünden. Obwohl die ersten Christen in Jerusalem mit inneren und äußeren Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, hielten sie fest am Glauben, an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und am Gebet.

Die Situation der ersten Christen in der Heiligen Stadt spiegelt sich im heutigen Leben der Kirchen von Jerusalem wider. Sie erleben Ungerechtigkeit und Ungleichheit ebenso wie Trennungen, aber auch das treue Festhalten am Glauben und die Erkenntnis, dass es eine umfassendere Einheit unter den Christen gibt.

An den Kirchen in Jerusalem heute können wir sehen, was es bedeutet, die Einheit auch unter schwierigen Umständen nicht aufzugeben. Wo der Ruf nach Einheit zum Handeln führt, wird heute schon etwas von der Vision des himmlischen Jerusalems erfahren.

Um diese Vision wahr werden zu lassen, braucht es einen realistischen Blick auf die Trennungen der Kirche. Für diese sind wir selbst verantwortlich. Sie sind das Ergebnis unseres eigenen Handelns. Es genügt nicht, für die Einheit zu beten, ohne für sie zu arbeiten. Wir müssen Gott vielmehr bitten, uns so zu verändern, dass wir aktiv werden für die Einheit. Wir brauchen den Geist Gottes, um kirchliche Selbstgenügsamkeit und Überheblichkeit zu überwinden, die die Einheit verhindern.

VIER ELEMENTE DER EINHEIT

Die Gebetswoche für die Einheit der Christen 2011 wurde von palästinensischen Christen vorbereitet. Sie wählten als Thema Apg 2,42: „Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten”. Dieses Thema ist ein Ruf zurück zu den Ursprüngen der ersten Kirche in Jerusalem. Es ist ein Ruf nach Begeisterung und Erneuerung, eine Rückkehr zu den unverzichtbaren Bestandteilen des Glaubens. Es ist eine Aufforderung, sich an die Zeit zu erinnern, als die Kirche noch eine Einheit war. Apg 2,42 bekennt vier Kennzeichen der ersten christlichen Gemeinde, die für jede christliche Gemeinde und Kirche unverzichtbar sind:

Das Festhalten an der Lehre der Apostel, die Gemeinschaft, das Brechen des Brotes (Eucharistie) und das Gebet.

Die Christen im Heiligen Land möchten diese vier grundlegenden Elemente in den Vordergrund stellen, wenn sie für die Einheit der Kirche überall auf der Welt beten. Sie laden ihre Schwestern und Brüder dazu ein, sich ihnen in diesem Gebet ebenso anzuschließen, wie im Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Wohlstand für alle Menschen des Heiligen Landes.

DIE THEMEN DER ACHT TAGE

In den Themen der acht Tage kann man eine Reise des Glaubens unter der Führung des Heiligen Geistes erkennen. Er lässt die ersten Christen die Wahrheit über Jesus Christus erkennen und erfüllt die frühe Kirche mit Zeichen und Wundern. Auf dieser Reise treffen sich die Jerusalemer Christen, um Gottes Wort zu hören, so wie es die Apostel ausgelegt haben. In deren Nachfolge kommen sie zusammen, um ihren Glauben in Sakrament und Gebet miteinander zu feiern. Erfüllt durch die Macht und die Hoffnung der Auferstehung feiert die Gemeinde den sicheren Sieg über Sünde und Tod. Dadurch gewinnt sie die Vision und findet den Mut, selbst ein Werkzeug der Versöhnung zu sein.

An Tag 1 erfahren wir mehr über den Hintergrund der Mutterkirche von Jerusalem und erkennen, wie sie bis heute mit den Kirchen der ganzen Welt verbunden ist. Wenn wir uns erinnern, wie mutig die frühe Kirche die Wahrheit bezeugt hat, wird es uns neu zur Aufgabe werden, uns für Gerechtigkeit in Jerusalem und in der ganzen Welt einzusetzen.

Tag 2 stellt uns die Vielfältigkeit der ersten Gemeinde vor Augen. Auch heute gibt es in den Kirchen Jerusalems eine reiche Vielfalt christlicher Traditionen. Die Herausforderung für uns heute besteht darin, zu einer größeren sichtbaren Einheit zu finden, die den Reichtum unserer verschiedenen Traditionen bewahrt.

An Tag 3 haben wir das erste der vier Elemente der Einheit vor uns: das Wort Gottes, wie es durch die Lehre der Apostel überliefert wurde. Die Kirchen in Jerusalem zeigen uns: Es ist das Wort Gottes selbst, das uns jenseits aller Trennungen drängt, einander im Glauben an die Kirche als den Leib Christi in Liebe anzunehmen.

An Tag 4 liegt die Betonung auf der Gemeinschaft als dem zweiten wichtigen Zeichen für die Einheit. Diese Gemeinschaft ist gekennzeichnet durch die Bereitschaft zum Teilen. Wie die ersten Christen alles gemeinsam besaßen, so ruft die Kirche in Jerusalem alle Schwestern und Brüder in der Kirche dazu auf, alles, auch die Lasten, frohen Herzens und großzügig miteinander zu teilen – damit niemand Not leidet.

Tag 5 stellt das dritte Element der Einheit ins Zentrum: das Brechen des Brotes. Dabei muss die Einheit, nach der wir streben, über die Feier des Herrenmahls hinaus reichen. Es geht nicht alleine um die Eucharistie, sondern um eine eucharistische Existenz; um eine Lebensführung, die von der Dankbarkeit gegenüber Gott und einer christlichen Ethik bestimmt ist. Die apostolische Kirche von Jerusalem Kirche drängt die Christen, sich im „Brechen des Brotes“ zu vereinen, um glaubwürdig und mit Vollmacht zu Gerechtigkeit und Frieden sprechen zu können.

An Tag 6 geht es um das vierte Merkmal der Einheit: das Gebet. Seit dem Beginn der Kirche in Jerusalem gewinnen Christen Kraft im Gebet. Insbesondere mit dem Vaterunser sind alle Christen ermutigt, gemeinsam für das Reich Gottes zu arbeiten; für Gerechtigkeit, Frieden und Einheit.

Tag 7 geht mit uns noch über die vier Kennzeichen der Einheit hinaus, indem die Jerusalemer Kirche voller Freude die Auferstehung Jesu verkündet, auch wenn sie selbst ihr Kreuz zu tragen hat. Die Auferstehung Jesu ist für die Christen in Jerusalem die Hoffnung, durch die sie ihrem Zeugnis treu bleiben können und die Kraft, für Freiheit und Frieden in der Stadt des Friedens zu arbeiten.

Tag 8 beschließt die Reise mit einem Aufruf der Jerusalemer Kirchen zum Dienst der Versöhnung. Selbst wenn Christen die Einheit untereinander erreicht haben werden, ist ihre Arbeit damit noch nicht getan. Sie müssen sich auch mit anderen aussöhnen. Im Jerusalemer Kontext bedeutet das: Palästinenser und Israelis. In allen christlichen Gemeinden und Kirchen sind die Christen gehalten, nach Gerechtigkeit und Versöhnung in ihrem je eigenen Kontext zu suchen.

Die Themen für die acht Tage wurden nicht in erster Linie ausgewählt, um uns die Geschichte der frühen Kirche in Erinnerung zu rufen, sondern damit wir über die heutigen Erfahrungen der Christen in Jerusalem nachdenken. Wir sind aufgefordert, ihre Erfahrungen in das Leben unserer Gemeinden einzubringen. Mit dieser achttägigen Reise bitten uns die Christen von Jerusalem, die Einheit im Festhalten an der Lehre der Apostel, in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und im Gebet zu bezeugen. Nur in dieser Einheit wird es uns möglich sein, das Böse gemeinsam zu überwinden – in Jerusalem und auf der ganzen Welt.

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