Eine muslimische Stimme zu Glaubensfragen und Osama Bin Laden

Eine ruhige und intelligente Stimme der Muslimi hat sich über die letzten Jahre in Österreich etabliert: Carla Amina Baghajati, 1999 zur Medienreferentin der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich ernannt, inzwischen offizielle Sprecherin der Gemeinschaft.

In der heutigen ORF Sendung „Im Zentrum“ bekundete Frau Baghajati, dass aus Sicht der islamischen Glaubensgemeinschaft ein Prozess gegen Osama Bin Laden begrüßenswert gewesen wäre:

Festzuhalten ist, dass Osama Bin Laden mehrere tausend Menschenleben zu verantworten hat und der islamischen Welt sehr geschadet hat. Ein Prozess der Völkergemeinschaft gegen Bin Laden wäre sehr wünschenswert gewesen.

Viele der Diktatoren im islamischen Raum, die nun im Rahmen friedlicher Revolutionen von zivilgesellschaftlichen Bewegungen gestürzt wurden und werden, sind lange Zeit sehr gut im Windschatten westlicher Interessen gesegelt. Nun finden wir eine große Chance für einen friedlichere und gerechtere Zukunft vor, die wir alle nutzen sollten.

Dagegen gibt es wenig einzuwenden. Wir erleben mehr und mehr islamische Stimmen aus dem europäischen Raum, die eine reale Gesprächsbasis für eine friedliche Koexistenz eröffnen, und gemeinsame Interessen erkennen lassen, wie die Auszüge aus dem kath.net und dem DiePresse-Interview erkennen lassen.

Sie haben 2008 die österreichische Staatsbürgerschaft angenommen und gemeint, das habe auch mit dem „guten Weg“ Österreichs zu tun. Was ist denn lobenswert?

Zum Beispiel das Islamgesetz von 1912: Damit wird der Dialog institutionalisiert. [Anm.: Islamgesetz basierend auf dem vorbildlichen Gesetzeswerk von 1874 für die Religionsgemeinschaften in Österreich, das wir dem Vielvölkerstaat der Donaumonarchie zu verdanken haben].

Zwangsehen kommen nicht selten vor. Reden Sie da nicht etwas schön? Sie gelten als das sanfte Gesicht des Islam in Österreich. Was tun Sie dagegen?

Es geht um Empowerment, um Selbstständigkeit durch berufliche Perspektiven, damit Frauen nicht von einem „Ernährer“ abhängig sind, um Mediation bei Gewalt, um Aufklärung. Eine islamische Eheschließung ist ein Vertragsabschluss, der ein freiwilliges Ja-Wort beider beinhaltet. Eine Ehe, die unter Zwang zustande gekommen ist, ist anfechtbar.

Wie können Sie auf radikale Tendenzen reagieren?

Zum Beispiel durch den Religionsunterricht. Sie können den Dschihad ansprechen und erklären, dass es nicht um die kriegerische Auseinandersetzung geht, sondern um die Anstrengung auf dem Weg Gottes. Das ist der große Dschihad gegen einen selbst, gegen niedere Instinkte, die einen manchmal drängen, den bequemen Weg zu gehen. Jugendliche müssen auch dafür sensibilisiert werden, dass sie manche Internetseiten, die mit islamischen Symbolen auftrumpfen, aber theologisch falsch sind, durchschauen.

Was sagt der Islam zu Abtreibung?

Der Schutz und die Unverletzlichkeit von Gesundheit und Leben ist eines der wichtigsten ethischen Prinzipien im Islam. Daher darf mit dem Thema Abtreibung nicht leichtfertig umgegangen werden.

Allerdings können Situationen eintreten, die für die Frau die Möglichkeit des Schwangerschaftsabbruchs in einer Weise eröffnen, dass sie wegen ihres religiösen Gewissens hinterher nicht mit Schuldgefühlen kämpfen müsste. Dazu gehört an erster Stelle jener Fall, dass es für die Frau eine Bedrohung der eigenen Gesundheit darstellt, sollte sie das Kind austragen.

Die spezielle Lage, in der Frauen sich jeweils befinden, soll berücksichtigt werden, weshalb sich Gelehrte umfangreich Gedanken machten, welche Faktoren hier eine Rolle spielen könnten. Ausgeschlossen sind rein wirtschaftliche Überlegungen. Falls eine Frau, bzw. ihre Familie nicht die nötigen Mittel besitzt, ein Kind zu ernähren, so muss die Gesellschaft in die Pflicht genommen werden.

Es zeigt sich auch, dass in den verschiedenen muslimischen Rechtsschulen Überlegungen zum Zeitpunkt des Abbruchs angestellt werden. Theologisch wird dabei besonderes Gewicht auf den Moment gelegt, da dem Embryo die Seele eingehaucht wird. Danach ist ein Eingriff ungleich schwerwiegender. Hier sehen wir durchaus eine Vergleichbarkeit zur Fristenlösung.

Im römischen Kirchenrecht gibt es das Instrument der Exkommunikation, d.h. den Ausschluss aus der Katholischen Kirche. Könnte es so etwas ähnliches auch in der Islamischen Gemeinschaft geben bzw. was sagen Sie dazu?

Ein der Exkommunikation vergleichbares Instrument gibt es im Islam nicht.

So präsentiert sich der „aufgeklärte Islam“ in unseren mitteleuropäischen Medien. In Asien sieht die Lage anders aus, die Themen Gewalt und Christenverfolgung sind massiv erfahrbar. Siehe dazu auch den Beitrag Islam, brennende Kirchen und die Bergpredigt, um die politische und theologische Dimension ebenfalls im Blickwinkel zu haben.

Neben den Diskussionen um Gewalt und Christenverfolgung, in unserer europäischen Gegenwart um Minarette, Moscheen, Dschihad, Scharia und Burka, schließlich um die Unterschiede bei Fragen der Abtreibung und Exkommunikation, sollten wir eines nicht vergessen: Den Dialog. Beten wir für eine wachsende Gesprächskultur zwischen den Religionsgemeinschaften!

3 Gedanken zu “Eine muslimische Stimme zu Glaubensfragen und Osama Bin Laden

  1. „Beten wir für eine wachsende Gesprächskultur“
    Da denkt man, langsam hat sich die Islamkritik durchs Internet durchgearbeitet und dann so ein Dünnsch…..
    In über 200 Suren des Korans heißt es : Tötet sie ! Gemeint sind wir. Nehmt sie euch nicht zu Freunden ! sie=wir.
    Man kann nicht mit Menschen sprechen ,die einen töten wollen, ist das so schwer zu verstehen?

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