Kirche, Politik und Sonntagsallianz

Es ist 22 Uhr, 19. Juni 2011, und die sonntägliche Ausgabe der Dikussionssendung „Im Zentrum“ im ORF nimmt ihren Lauf (in etwa vergleichbar mit dem Anne Will Format im deutschen Fernsehen). Das Thema „Sonntagsarbeit“ ist angesagt, da heute, Montag, der Verein Europäische Sonntagsallianz / European Sunday Alliance seine konstituierende Sitzung in Brüssel abhält.

Entstehung der Europäischen Sonntagsallianz: Die Konferenz „PROTECTION OF A WORK-FREE SUNDAY – First European Conference“ am 24. März 2010 im Europäischen Parlament in Brüssel war Auftaktveranstaltung zur Gründung einer Europäischen Sonntagsallianz. Nach dieser von vielen Organisationen unterstützten Konferenz, erarbeitete eine Gruppe aus VertreterInnen von nationalen Sonntagsallianzen, Gewerkschaften, kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Organisationen eine GRÜNDUNGSERKLÄRUNG zur Bildung einer EUROPÄISCHEN SONNTAGSALLIANZ: „Gemeinsam für angemessene Arbeitszeiten“.

Von außen betrachtet, im gesellschaftlichen Kontext, hat die katholische Kirche seit dem Frühjahr 2010 nicht zum ersten Mal in ihrer langen Geschichte ein Defizit in der öffentlichen Wahrnehmung. Alle der Kirche Nahestehenden können die Situation schönreden wie sie wollen – mit den konsequenten und mutigen Schritten der kirchlichen Aufarbeitung einerseits, dem Verweis auf das Totschweigen der Kindermissbrauchskultur in der säkularen Gesellschaft andererseits – doch man muss den Realitäten der medialen Wahrnehmung schon ins Auge schauen …und dabei nicht resignieren, sondern kämpfen!

In besagter Sendung saßen zwei Unternehmer, ein Politiker der bürgerlichen Volkspartei, ein Gewerkschafter des Handels und ein Kirchenvertreter. Mit Stellungnahmen wurden ein Verfassungsrechtler, ein Marketingexperte und einer der Obmänner der Wirtschaftskammer zusätzlich einbezogen.

Das Ergebnis sei vorweggenommen: Es waren nicht der Politiker des bürgerlichen Lagers oder der Kirchenverteter, die dem freien Sonntag wirkungsvoll das Wort redeten, sondern die Funktionäre der Wirtschaftskammer und der Gewerkschaft.

Die Herren Fritz Aichinger und Wolfgang Katzian sind meine persönlichen Helden des Tages – waren sie es doch, die das Thema Unternehmerangst („Es kann doch nicht der Wirtschaftsweisheit letzter Schluss sein zu sagen: Die Einführung der Sonntagsöffungszeiten ist die einzige Möglichkeit, dem wachsenden Internethandel als auch den Öffungszeiten der Tschechen, Slowaken und Ungarn Paroli zu bieten!“) sowie das Thema Zeit für Familie und Freunde herausgearbeitet haben!

Der Politiker in der Diskussion, Minister für Wirtschaft, Familie und Jugend, Reinhold Mitterlehner, sollte für jeden aufrechten Katholiken einen veritablen Stein des Anstoßes bilden. Dem Familienminister war es nur wichtig, die Nöte des Handels – beispielsweise der Geschäftsentgang während der Regenbogenparade –  zu beklagen und festzuhalten, dass man Sonntag vormittag in die Kirche gehen und Sonntag ab 13 Uhr durchaus arbeiten kann…

An diesem Beispiel sieht man deutlich: Die bürgerliche Politik lässt die Kirche fallen wie die sprichwörtliche heiße Kartoffel. Aber mehr noch: Es gibt auch keine gesellschaftspolitische Vision des konservativen Lagers mehr – die Ökonomisierung des Lebens 7 Tage 24 Stunden die Woche ist zum Primat geworden.

Was also können wir, jeder einzelne von uns, die wir an die Bedeutung des Sonntags glauben, nun tun?

Wir können einen Gebetssturm entfachen, der – mit der Hilfe des Heiligen Geistes – unsere Länder mit einer neuen Kraft überzieht und dazu beiträgt, unseren Geist für den Sonntag zu stärken! In Ungarn gibt es beispielsweise von der wichtigsten Oppositionspartei neue Initiativen für einen freien Sonntag – die Hoffnung kann und muss immer aufrecht bleiben!

Außerdem dürfen wir zu diesem Thema weder in unseren Pfarren noch am Arbeitsplatz oder sonst in der Öffentlichkeit schweigen, und wir können Initiativen, die um uns herum wachsen, unterstützen.

Es gibt auch eine konkrete Möglichkeit, jetzt und heute seine Stimme abzugeben: Ich bitte daher alle Leser dieses Beitrags, die vom Nürnberger Europaabgeordneten Martin Kastler MdEP gestartete Initiative für den freien Sonntag in Europa“ zu unterstützen; es ist der erste Versuch einer europäischen Bürgerinitiative! Jeder kann unterschreiben!

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Schließlich sind alle herzlich eingeladen, sich das Banner aus der Seitenleiste „European Sunday Alliance“ herunterzuladen – zeigen wir doch, worauf es uns ankommt!
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PS: Vielleicht fragt sich mancher, was dieser „politische Beitrag“ auf  Zeit zu beten verloren hat?
Mein klares Bekenntnis an dieser Stelle lautet, dass
  1. die Lebensbereiche Spiritualität – Kirche – Familie von den Rahmenbedingungen einer Gesellschaft bedroht werden können und
  2. und jede Form der Berufung oder auch eines Internetapostolats öffentlich ist und daher Stellung zu beziehen ist, wenn das persönliche und gesellschaftliche Gewissen dies nahelegt.

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4 Gedanken zu “Kirche, Politik und Sonntagsallianz

  1. Danke für diesen Hinweis, den ich gerne weiter verbreite (schon über fb geschehen).
    Zudem habe ich mich entschlossen, zu diesem Thema eine Sendereihe für Radio Horeb zu produzieren – da sind auch Multiplikatoren zu erreichen…
    Kennt Ihr schon das ausgezeichnete Büchlein von Pfr. Christoph Haider „Tag eins“? – Darin sind alle gängigen Argumente z.B. gegen regelmäßigen Besuch der Sonntagsmesse angesprochen- Sehr geeignet zum Weitergeben!
    Pfr. Haider hat das Heft im Selbstverlag herausgegeben. Kontaktaufnahme über http://www.pfarre-oberhofen.info möglich.

    1. Danke, Simon, für dein Feedback!
      Es ist eine große Freude, zu hören, dass die Initiative für den freien Sonntag auch von Radio Horeb aufgegriffen wird!
      Auch auf Radio Maria werde ich meinen Beitrag leisten, dass für dieses Thema gebete wird,
      lg und im Gebet verbunden!

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