Fronleichnam, Herrenleib, Eucharistie

Im Gespräch mit Freunden ging es darum, welche Erlebnisse es sind, die uns in unserem Glaubensleben „mitten ins Herz getroffen haben“. Meine persönliche Erinnerung ist so gegenwärtig, dass ich nicht lang nachdenken musste…

Die Kommunion ist mir nicht bei der Erstkommunion, auch nicht bei der Firmung ganz bewusst geworden, es war eine Auferstehungsfeier, in der die Hostien mit so intensiver, erfahrbarer Liebe durch den Priester* an jeden einzelnen Empfänger gereicht wurden, dass der göttliche Geist Christi gegenwärtig wurde.

Worte werden an dieser Stelle zu unförmigen Bausteinen, die das Geschenk Jesu nie werden beschreiben können. Es ist die Seele und nichts als die Seele, die hier das Sagen hat – und dabei keine Worte bemüht.

Das Feuer der Erinnerung lebt – es ist Christus selbst, der uns an seine Festtafel ruft und sich uns ganz schenkt.

Aller Gelehrsamkeit zum Trotz entzieht sich die sakramentale Gegenwart des Herrn in seinem Fleisch und seinem Blut den theologischen Begrifflichkeiten, da selbst ein so bedeutungsschweres Fachwort wie die Transsubstantiation nur ungenügend umschreiben kann, welches Geschenk den Gläubigen im Geheimnis der eucharistischen Gaben gemacht wird. (Evangelium Tag für Tag)

Im deutschen Sprachraum hat sich für das „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ der Ausdruck „Fronleichnam“ erhalten, der ins Neuhochdeutsche übersetzt einfach „Herrenleib“ bedeutet. Der Donnerstag nach der Pfingstoktav sollte als erster möglicher Termin außerhalb des Osterfestkreises in Anlehnung an den Gründonnerstag als eigens Fest zu Ehren des hl. Leibes und Blutes Christi gefeiert werden.

Wenn Gott uns die Gnade schenkt, dann hilft sie uns in hervorragender Weise dabei, ihn in unserem Inneren zu suchen. Und tatsächlich findet man ihn besser und gewinnbringender in sich selbst, als in den geschaffenen Dingen. Dort nämlich hat Augustinus ihn gefunden, wie er uns erzählt, nachdem er ihn an vielen anderen Orten gesucht hatte…

Ich bin überzeugt davon, dass der Herr dieses Geschenk, wenn er es gewährt, den Menschen zugesteht, die den Dingen dieser Welt entsagt haben…, zumindest in ihrem Wollen. Diese Menschen beruft Gott in einer hervorragenden Weise zu einem innerlichen Leben. Wenn sie es verstehen, auf sein Bitten zu antworten, wird er sich nicht darauf beschränken, ihnen diese Gnade zu schenken, sobald er beginnt, sie [den geistlichen Weg] aufsteigen zu lassen. (Teresa von Avila)

Der große Dominikanertheologe und Heilige Thomas von Aquin meditiert in Texten des Stundengebets und der Eucharistiefeier über das Geheimnis der Gegenwart des Herrn unter den Gestalten von Brot und Wein. Die menschlichen Sinne sind überfordert, wenn sie in diesen bescheidenen Nahrungsmitteln die verborgene Wirklichkeit erkennen sollen, die in ihnen enthalten ist. Immer wieder haben sich deshalb die Gelehrten darüber gestritten, wie die Gegenwart Christi in der Eucharistie zu erklären sei.

Die Substanz geht über in eine andere, aus Brot und Wein werden Fleisch und Blut Christi, obwohl die äußeren Gestalten erhalten bleiben. Die in der Eucharistiefeier im Namen der Kirche dargebrachten Gaben werden gewandelt und Christus schenkt sich der Gemeinde in seinem verklärten und verherrlichten Leib.

In einem Antwortgesang zum Fronleichnamsfest Christus heißt es: „Esst, Freunde, trinkt und werdet satt, meine Lieben. Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise und mein Blut ist wirklich ein Trank.“ Das ist einer der Gründe, warum sich die Kirche immer wieder zu mehr als nur einem einfachen Gedächtnismahl versammelt.

Nach allem, was mir scheinen will, tut der bei diesem geistlichen Werk am meisten, der weniger überlegen und handeln will. Unsere Aufgabe ist es deshalb, uns wie sehr bedürftige Arme in der Gegenwart eines Königs aufzuhalten, der reich und mächtig ist. Sie erheben ihre Stimme, um zu bitten, dann senken sie die Augen und warten demütig. Wenn es uns scheinen will, dass Gott im Geheimen uns zu verstehen gibt, dass er uns hört, dann tun wir gut daran zu schweigen, wo er uns doch gestattet hat, sich ihm zu nähern. (Teresa von Avila)

Christus selbst ist es, der uns an seine Festtafel ruft und sich uns ganz schenkt.

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*Pfarrer Gerhard Viehhauser, St.Blasius, Salzburg

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