Benedikt XVI. spricht über den „heiligen Felsen“ (Fest der Kathedra Petri)


Auszug aus der Predigt von Benedikt XVI., der das Verständnis des päpstlichen Status und Amtes theologisch erläutert (Hervorhebungen von mir):

„Das heutige Evangelium zeigt Petrus, der auf eine göttliche Eingebung hin seinen eigenen festen Glauben an Jesus, den Sohn Gottes und verheißenen Messias, ausdrückt. Als Antwort auf dieses, von Petrus auch im Namen der anderen Apostel abgelegte klare Glaubensbekenntnis offenbart Christus ihm die Aufgabe, die er ihm anvertrauen will, nämlich der „Stein“, der „Fels“ zu sein, das sichtbare Fundament, auf dem das ganze geistliche Gebäude der Kirche aufgebaut ist (vgl. Mt 16,16-19).

Diese Bezeichnung „Fels – Stein“ bezieht sich nicht auf den Charakter der Person, sondern ist nur von einem tieferen Gesichtspunkt, vom Mysterium her zu verstehen: Durch die Aufgabe, die Jesus ihm überträgt, wird Petrus das, was er aufgrund von „Fleisch und Blut“ nicht ist.

Der Exeget Joachim Jeremias hat gezeigt, daß im Hintergrund die Symbolsprache des „heiligen Felsens“ steht. Diesbezüglich kann uns ein rabbinischer Text hilfreich sein, in dem es heißt: „Der Herr sprach: »Wie kann ich die Welt erschaffen, da diese Gottlosen erstehen und mich ärgern werden?« Als aber Gott auf Abraham schaute, der erstehen sollte, sprach er: »Siehe, ich habe einen Felsen gefunden, auf den ich die Welt bauen und gründen kann.« Deshalb nannte er Abraham einen Felsen.“

Der Prophet Jesaja beruft sich darauf, als er das Volk erinnert: „Blickt auf den Felsen, aus dem ihr gehauen seid … auf Abraham, euren Vater“ (51,1-2). Abraham, der Vater der Glaubenden, wird mit seinem Glauben als der Fels gesehen, der die Schöpfung stützt. Simon, der als erster Jesus als den Christus bekannt hat und der erste Zeuge der Auferstehung war, wird nun mit seinem erneuerten Glauben der Fels, der sich den zerstörerischen Kräften des Bösen widersetzt.

[…]

Noch eine weitere Erinnerung ruft die Kathedra Petri hervor: das berühmte Wort des heiligen Ignatius von Antiochien, der in seinem Brief an die Römer die Kirche von Rom als die bezeichnet, „welche den Vorsitz in der Liebe hat“ (Inscr.: PG 5,801). In der Tat ist der Vorsitz im Glauben untrennbar an den Vorsitz in der Liebe gebunden. Ein Glaube ohne Liebe wäre kein echter christlicher Glaube mehr.

Aber die Worte des heiligen Ignatius haben auch noch eine andere, sehr viel konkretere Bedeutung: Der Begriff „caritas – Liebe“ wurde nämlich in der frühen Kirche auch als Bezeichnung für die Eucharistie gebraucht. Die Eucharistie ist ja das Sacramentum caritatis Christi – das Sakrament der Liebe Christi –, durch das er weiterhin uns alle zu sich hin zieht, wie er es von der Höhe des Kreuzes aus getan hat (vgl. Joh 12,32). Darum bedeutet „den Vorsitz in der Liebe haben“, die Menschen in eine eucharistische Umarmung – in die Umarmung Christi – hineinziehen, die jede Schranke und jede Fremdheit überwindet und aus den mannigfaltigen Verschiedenheiten die Gemeinschaft bildet.

Das Petrusamt ist also ein Primat in der Liebe im eucharistischen Sinn bzw. ein fürsorglicher Einsatz für die weltweite Gemeinschaft der Kirche in Christus. Und die Eucharistie ist Gestalt und Maßstab dieser Gemeinschaft sowie eine Garantie dafür, daß diese dem Kriterium der Glaubensüberlieferung treu bleibt.

Die vollständige Predigt ist hier zu lesen.

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