GOTT im Web: Bericht zur Medientagung

„Es gilt, auf die Zeichen der Zeit zu antworten. Wenn wir nicht nur konsumieren, sondern kompetent mitgestalten, haben wir eine große Chance zur Evangelisierung“, sprach Abt Maximilian Heim anlässlich der Eröffnung der Medientagung GOTT im Web – Neuevangelisierung + Neue Medien im Stift Heiligenkreuz.

Impuls von P.Karl Wallner OCist

„Gott versteckt sich nicht, er will erkannt werden. Unsere Kirche war nie als elitäre Gemeinde angelegt, sondern ist eine universalistische Gemeinschaft mit entsprechendem Auftrag“, betonte P.Karl Wallner in seinem Kurzreferat. „Das Web ist ein anarchisches Netz und es ignoriert Monopole. Wir müssen lernen, damit umzugehen, denn wenn du gehört werden willst, muss du zuerst und in bestmöglicher Qualität präsent sein.

Fischen im Netz ist auch für Klöster eine Realität geworden. Die Apostel haben gefragt: ‚Meister, wo wohnst du? Und die Antwort Jesu war: ‚Komm und sieh!‘ So laden wir die Menschen ein, diesen Besuch zu machen. Dabei können wir ganz beruhigt sein, denn Gott fürchtet sich nicht vor dem Internet.“

2 Mio YOUCATs: Stefan Ahrens und Nils Baer

Die Entstehungsgeschichte des YOUCAT beginnt in Wien. Auf einer Pressekonferenz von Kardinal Schönborn aus Anlass der Neufassung des Katechismus fragte eine Mutter, wo sie denn einen Katechismus für ihre Kinder kaufen könne. Auf den Hinweis: ‚In vielen Buchhandlungen‘ antwortete sie: ‚Unmöglich. Ein Buch, das mit Überschriften wie „Maria als eschatologische Krönung“ gespickt ist, ist für Jugendliche nicht geeignet.‘ So begann das Projekt YOUCAT…

Inzwischen wurde außer dem Katechismus noch ein Gebetsbuch fertiggestellt, eine Facebook-Seite und ein Blog sind eingerichtet, und das YOUCAT-Team freut sich über bald 2 Millionen verkaufte Exemplare!

Spannende weitere Projekte stehen an, so soll zum Thema Firmung ein eigener YOUCAT entstehen, auch das Projekt Sozialkatechismus ist in Arbeit, schließlich wird es auch einen KIDCAT geben, der die Zielgruppe des YOUCAT (16 bis 35 Jahre) nach unten ergänzt.

YOUCAT ist auch bei Events und in den Social Media sehr präsent. In Madrid war es ein großes Team, das fantastische Arbeit vor Ort geleistet hat. Da alle Projekte multilingual sind, bedeutet das für den Facebook-Auftritt ebenfalls ein größeres Team, um die sprachlichen Anforderungen abdecken zu können. In der Community geht es nicht immer friedlich zu, auch härtere Auseinandersetzungen kommen vor… Die Aktualität wird durch das jeweilige Thema des Monats bestimmt, d.i. ein Abschnitt aus dem YOUCAT. Online gibt es den YOUCAT nicht zu lesen, aus lizenzrechtlichen Gründen gegenüber dem Pattloch-Verlag.

Alexander Kissler: Der Aeropag dieser Zeit ist das Netz

„Der Mensch kann nicht nicht kommunizieren.“ Mit diesem Leitsatz stieg Alexander Kissler in seinen Vortrag ein. „55% der Deutschen sind in Sozialen Netzwerken zu finden, europaweit sind es 50%. Und es sind bereits 61% der 12-13jährigen in den Social Media mit einem eigenen Profil vertreten. Irgenwoher müssen ja die 3,2 Milliarden „gefällt mir“ Klicks pro Tag kommen…“

Bei den Milliardenumsätzen und Einkommen von FB und Google muss man sich fragen, worauf diese Entwicklungen basieren. Kommunikationsbedürfnisse und technische Möglichkeiten einerseits, und Gewinnchancen der vermarktenden Firmen andererseits stehen dabei im Vordergrund.

Was wollen wir eigentlich alle im Netz? Die neue Norm, die dies am besten umschreibt, hat sich zum ‚Gold-Standard‘ der Jetztzeit entwickelt – die Rede ist vom „Aufmerksamkeitsstandard“. Das ist auf den Punkt gebracht genau das, was erreicht werden soll: Aufmerksamkeit.

Wer sich diesem Kommunikationssystem verweigert existiert nicht. So gibt es natürlich Kehrseiten dieser schönen neuen Welt: 42% der Deutschen haben Angst vor den Social Media. Und da die Kommunikationstools via FB bestenfalls Ersatzbeziehungen (Ersatz-Intimacy) bieten können, finden wir auf der anderen Seite Kolonien der Einsamkeit.

Wie steht es um die Annahme der Webinhalte? Da gäbe es sehr viel zu berichten, aber ein Phänomen sticht heraus. Internetseiten sind für viele die Hauptgestaltungsmedien und die wichtigsten Ratgeber in ihrem Lebens geworden. Da stellt sich natürlich die Frage, wie Kirche und generell Christen im Netz auf diese Entwicklungen reagieren.

Als spezifisches „christliches Proprium“ hätten die Christen „Verlässlichkeit, Höflichkeit, Kompetenz und Persönlichkeit“ in die Netzwerke einzubringen. Nur so könne es gelingen, ein – so Kissler unter Verweis auf Benedikt XVI. – „neues Ökosystem“ im Netz zu schaffen, „das Stille, Wort, Bilder und Töne in ein neues Gleichgewicht bringen kann“.

  • Es muss die Ritualfähigkeit erhöht werden!
    Rituale sind in den letzten Generationen kontinuierlich im Rückgang, weswegen Haltungen und Rituale unbedingt zu fördern sind. Beispielaktion: Karfreitag und Karsamstag verhängen wir das Internet.
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  • Es geht um Verlässlichkeit und verlässliche Antworten
    Wir sind in einer Krise der Fragen, werden mit Antworten überschüttet (Benedikt XVI). So sind Antworten zu formulieren und zu gestalten, die den nächsten Frühstückskaffee überdauern und sich durchsetzen können.
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  • Es geht um kompetente, und dabei höfliche Antworten
    Wer sagt mir heute, welche der vielen Google- und Wikipedia-Antworten verlässlich sind? Wir brauchen verlässliche Quellen mit kompetenten Antworten. Dabei macht der Ton die Musik, so sollten gerade Christen sich durch ihre Etikette auszeichnen.
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  • Es geht um ansprechbare Persönlichkeiten
    Inhalte, die einmal ins Netz gestellt werden, um dann nie wieder überprüft zu werden, gibt es genug. Deswegen sind auch im Netz Persönlichkeiten angesagt, die ansprechbar und den Anforderungen gewachsen sind.
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  • Es geht auch darum, das Bedürfnis nach Trost zu erfüllen
    Von Kolonien der Einsamkeit war die Rede. Daraus ergibt sich ein hohes Bedürfnis, interaktive Medien bereitzustellen, an der Schnittstelle zwischen virtuellen und realen Angeboten.

Vesper mit Bischof Kapellari

Christen dürften keine Angst haben, diesen „Areopag der Zivilgesellschaft“ zu erklimmen, unterstrich der österreichische Medienbischof Egon Kapellari beim anschließenden Vespergottesdienst. Zugleich warnte Kapellari aber auch vor einer „weit verbreiteten Verflachung des Redens“. Dies gelte insbesondere für die neuen Medien.

Eine kritische Haltung müsse keinen „Kulturpessimismus“ bedeuten, sondern herausfordern, „Wort und Wahrheit nicht auseinanderfallen zu lassen“, so Kapellari. Das Wort Gottes suche – durch alle sprachliche Verwirrung hindurch – „Gehör auf der Agora der Zivilgesellschaft und auf dem Areopag der Medien“ – es „mit Herz, Hirn und Hand“ zum Durchbruch zu verhelfen sei letztlich der Auftrag für die Christen in den neuen Medien. Mit diesem „beherzten Hinweis“ endete der erste Tag der Medienveranstaltung.

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