„Das dritte Mal, daß ich mein Ordensgewand ablege“ (Rafael Arnáiz Barón)

„Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin“ (Joh 14,3). Zu diesem Evangelium gibt es einen wunderbaren Kommentar des 2009 heiliggesprochenen Zisterziensermönches Rafael Arnáiz Barón. Die nachfolgenden Zeilen dürfen ruhig mehr Interesse an dem bereits mit 27 Jahren verstorbenen spanischen Mönch wecken – was für ein schönes Vermächtnis!

Wenn die Welt wüsste, was es heißt, Gott zu lieben, und sei es auch nur ein wenig, so würde sie auch ihren Nächsten lieben. Wenn man Jesus, wenn man Christus liebt, dann liebt man gezwungenermaßen auch das, was er liebt. Ist er nicht aus Liebe für die Menschen gestorben? Denn indem wir unser Herz in das Herz Christi umwandeln, spüren wir und werden wir durchdrungen von seinen Auswirkungen, und die größte von ihnen ist die Liebe, die Liebe zum Willen des Vaters, die Liebe zu jedem, der leidet, der Lasten trägt, den Bruder in der Ferne, sei er Engländer, Japaner oder Mönch, die Liebe zu Maria. Und schließlich: Wer kann die Liebe Christi verstehen? Niemand, doch es gibt Menschen, die im Besitz kleiner Funken sind – ganz verborgen, ganz in Schweigen gehüllt und ohne dass die Welt es weiß.

Mein Jesus, wie bist du gut! Du macht alles auf wunderbare Weise gut. Du zeigst mir den Weg, du zeigst mir das Ziel. Der Weg ist das süße Kreuz, das Opfer, die Selbstverleugnung, manchmal auch der blutige Kampf, der unter Tränen auf dem Kalvarienberg endet, oder auf dem Ölberg. Der Weg, Herr, bedeutet auch, der Letzte zu sein, der Kranke, der Arme… Doch was macht das – ganz im Gegenteil!… Diese Verzichte sind angenehm, wenn sie in der Seele die Liebe erstehen lassen, den Glauben und die Hoffnung, und so machst Du aus den Dornen Rosen.

Und der Grund? Der Grund bist du und nur du. Der Grund ist, dich auf ewig zu besitzen im Himmel, mit Maria, mit allen Engeln und Heiligen. Doch das wird dort oben sein, im Himmel. Und um die Schwächlichen, die Schwächlinge und Ängstlichen, wie ich einer bin, zu ermutigen, offenbarst du dich manchmal tief im Herzen und sprichst zu ihm: „Was suchst du? Was willst du? Nach wem rufst du? Auf, sieh dir doch an, wer ich bin: Ich bin die Wahrheit und das Leben!“… Dann, Herr, wirst du die Seele deiner Diener mit unaussprechlicher Süßigkeit erfüllen, die man in Stille immer wieder bedenkt, die der Mensch kaum zu beschreiben wagt. Mein Jesus, wie liebe ich dich, obwohl ich so bin, wie ich bin. Und je ärmer und erbärmlich ich bin, desto mehr liebe ich dich. Ich werde dich immer lieben, ich werde mich an dich klammern und dich nicht mehr loslassen: Ich weiß nicht mehr, wie ich es noch sagen soll.

Man möchte fast meinen, ein seelenverwandter Bruder der kleinen Therese (Thérèse de Lisieux) würde zu uns sprechen. Die Liebe – die Rosen – mein Jesus, wie sehr liebe ich Dich …alles ist da. Ein gewisses Zeichen, wie nahe sich die Orden der Zisterzienser und Karmeliten in den spirituellen Empfindungen kommen. Eine halbe Stunde von mir entfernt gibt es neben der spirituellen auch eine reale Nachbarschaft zwischen diesen Orden, in Form der brüderlichen Sorge des Stiftes Heiligenkreuz für das Kloster der Karmelschwestern in Mayerling.

Der hl. Rafael erweist sich als Lehrmeister der Liebe, ganz im Sinne der kleinen Therese. „Wenn die Welt wüsste, was es heißt, Gott zu lieben, und sei es auch nur ein wenig, so würde sie auch ihren Nächsten lieben. Wenn man Jesus, wenn man Christus liebt, dann liebt man gezwungenermaßen auch das, was er liebt.“ Unvermittelt befinden wir uns im Fluss seiner Liebesbotschaft: „Mein Jesus, wie bist du gut! Du macht alles auf wunderbare Weise gut. Du zeigst mir den Weg, du zeigst mir das Ziel…“ Und der Verweis auf den Sinn des Verzichtens, auch des Leidens, darf nicht fehlen: „Der Grund bist du und nur du. Der Grund ist, dich auf ewig zu besitzen im Himmel, mit Maria, mit allen Engeln und Heiligen…“ Schließlich die Krönung jeder Liebe, eigentlich die geistliche Schwester der Liebe – die Demut: „Je ärmer und erbärmlich ich bin, desto mehr liebe ich dich. Ich werde dich immer lieben… Ich weiß nicht mehr, wie ich es noch sagen soll.“

Wenn man hört, dass Rafael Arnáiz Barón aus gutem Hause stammt und früh verstorben ist, ist die Vorstellung eines sicheren und einfachen Lebensweges nicht fern. Weit gefehlt! Nach der Präsenz des Heiligen auf dem Weltjugendtag und vielen weiteren Heiligenbiographien sollte man es eigentlich besser wissen… Gottes Berufungen sind oft geheimnisvoll verschlungen und nicht selten schmerzvoll; aber mehr über das Schicksal des spanischen Mönchs im folgenden Lebenslauf (Wiki):

+

Rafael Arnáiz Barón (* 9. April 1911 in Burgos, Spanien; † 26. April 1938 in Palencia) war ein spanischer Trappist und Mystiker und ist ein Heiliger der römisch-katholischen Kirche.

Leben

Rafael Arnáiz Barón stammte aus einer wohlhabenden spanischen Adelsfamilie. Bei seiner Taufe am 21. April 1911 erhielt er den Namen Rafael Arturo Alvaro José de la Inmaculada Concepción y San Luis Gonzaga.

Von 1920 bis 1922 besuchte er als externer Schüler das Jesuitenkolleg La Merced in Burgos. Als seine Familie nach Oviedo umzog, wechselte er 1923 in das dortige Jesuitenkolleg San Ignacio, wo er 1929 Abitur machte. 1930 begann er ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule Madrid. Im September dieses Jahres besuchte er zum ersten Mal die Abtei San Isidro de Dueñas der Trappisten in Palencia. Vom 25. Januar bis 26. Juli 1933 leistete er Militärdienst und trat am 15. Januar 1934 in das Noviziat der Trappisten ein.

Wegen der harten Lebensbedingungen im Kloster, die er aufgrund seines familiären Umfelds nicht gewohnt war, erkrankte er an Diabetes. Am 26. Mai 1934 musste er daher das Kloster wieder verlassen; am 11. Januar 1936 kehrte er wieder zurück, jedoch nicht als Novize, sondern als Oblate, da er den harten Lebensbedingungen der Professmönche aus gesundheitlichen Gründen nicht gewachsen war.

Er konnte aber nur etwa acht Monate im Kloster bleiben, da er zum Militärdienst im spanischen Bürgerkrieg einberufen wurde. Vom 29. September bis zum 6. Dezember 1936 verließ er daher abermals die Abtei. Nach wenigen Monaten wurde er für untauglich befunden und konnte wieder zu den Trappisten zurückkehren. Die Diabetes brach nach seiner Rückkehr erneut aus, sodass er bereits am 7. Februar 1937 zum dritten Mal das Kloster verlassen musste.

In sein Tagebuch schrieb er:

„Dies ist das dritte Mal, daß ich mein Ordensgewand ablege und weltliche Kleidung anziehe … Das erste Mal glaubte ich vor Kummer zu sterben … Ich glaubte, Gott habe mich verlassen. Das zweite Mal ging ich wegen des Krieges … Ich ging gerne … Ich ging auf Urlaub … Das Neue, das der Krieg mit sich brachte, die Neugierde, einige Tage Erholung von den Bußübungen erschienen mir gut … Ich wußte, daß mir die Rückkehr ins Kloster schwerfallen würde … Ich erkannte, daß Gott mich auf die Probe stellte. Das dritte Mal – das ist jetzt – sehe ich Gottes Hand so deutlich, daß es mir einerlei ist, denn das Leid ist die einzige ‚Währung‘, die eines Tages Wert haben wird. […] Jetzt bin ich mir bewußt, daß Gott mich nicht verläßt oder prüft, sondern liebt.“*

Am 15. Dezember 1937 kehrte er endgültig in die Krankenabteilung des Klosters zurück. In den kommenden Monaten verschlimmerte sich sein gesundheitlicher Zustand. Ehrenhalber verlieh ihm sein Abt am 17. April 1938 die Kukulle, das Gewand der Mönche mit feierlicher Profess.

Ab dem 22. April 1938 litt Bruder Rafael an hohem Fieber und war zeitweise im Delirium. In diesen Tagen schrieb er in sein Tagebuch:

„Zögere nicht, Herr, Dein Diener Rafael hat es eilig, bei Dir zu sein, Maria zu sehen … Welch herrliche Profeß werde ich am Tag meines Todes ablegen! Ewige Gelübde der Liebe für immer …, immer!“*

Am 26. April verstarb der Heilige nach kurzem, schweren Todeskampf. Er wurde zunächst auf dem Friedhof des Klosters begraben. Im Zuge des Seligsprechungsverfahrens wurden seine Gebeine 1965 in ein Grab im Westflügel des Kreuzgangs überführt. Seit 1972 befindet sich seine letzte Ruhestätte in einer Kapelle der Abteikirche.

Seine Briefe, Notizen und Tagebuchaufzeichnungen zeugen von einer einfachen, kindlichen, innigen und bedingungslosen Gottesliebe sowie einer erschütternden Entschiedenheit zur Kreuzesnachfolge.

Im Jahre 1960 wurde der Seligsprechungsprozess für den im Ruf der Heiligkeit verstorbenen Trappistenbruder durch den Abt des Klosters von San Isidro de Dueñas eingeleitet. 1989 erklärte Papst Johannes Paul II. auf dem Weltjugendtag in Santiago de Compostela Bruder Rafael zum Vorbild in der Nachfolge Christi.

Am 27. September 1992 wurde Bruder Rafael in Rom von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. Am 21. Februar 2009 erließ Papst Benedikt XVI. das Dekret über die Heiligsprechung Bruder Rafaels. Die Heiligsprechung fand am 11. Oktober 2009 im Petersdom statt. Der Gedenktag Bruder Rafaels in der Liturgie ist der 26. April.

+

Buchtipp:

Ingrid Mohr (Hrsg.): Wenn ich tausend Leben hätte. Rafael Arnáiz Barón – Student, Künstler, Mönch und Mystiker. Bernardus-Verlag, Langwaden 2006, ISBN 3-8107-9419-8.

Weblink:

Artikel mit Auszügen aus den Texten von Bruder Rafael

+

PS: *Die Zitate in Wiki und im Heiligenlexikon stimmen nicht ganz überein.
Wiki
bezieht sich allerdings ganz konkret auf diese Gesamtausgabe, zum Teil mit Seitenangabe: Ingrid Mohr (Hrsg.): Nur Gast auf Erden? Rafael Arnáiz Barón. Mystiker und Mönch. Erstmalige deutsche Gesamtausgabe seiner Schriften.
Kathpedia hat einen nur wenig aufschlussreichen Artikel zu bieten.

+

Wir freuen uns über deinen Beitrag:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s