Eine gute Woche – in Seinem Frieden

„Friedensboten, diese Apostel des Friedens gibt es zu jeder Zeit und überall. Sie fehlen uns glücklicherweise auch heutzutage nicht. Aber kein Friedensbote hat ein größeres Echo gefunden als der, den wir… Friedensfürst nennen (Jes 9,5). Erlauben Sie mir, Sie daran zu erinnern, wer der Bote ist. An Ostern, nach dem Tod Christi am Kreuz, schienen die Apostel alle Hoffnung verloren zu haben. Als für die Augen der Welt die Mission Christi zu Ende war, gescheitert war, unverstanden blieb, ist er mitten unter seinen Apostel erschienen, die sich aus Furcht vor den Feinden im Obergeschoss versammelt hatten, und an Stelle von kriegslüsternen Worten gegen ihre Feinde hörten sie ihn sagen: „Friede hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch“ (Joh 14,27)…

Ich möchte dieses Wort wiederholen, möchte es in der ganzen Welt zum Klingen bringen, ohne mich darum zu kümmern, wer es hört. Ich möchte es so oft wiederholen, dass wir, selbst wenn… wir es zurückgewiesen haben, es doch so lange hören können, bis wir alle es gehört und verstanden haben“  (Sel. Titus Brandsma, niederländischer Karmelit, aus einem Vortrag im November 1931).

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„Friede hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch“ (Joh 14,27). Was können wir heute darunter verstehen?

Friede mit „den Anderen“

Angst vor anderen Menschen, vor anders denkenden, anders glaubenden Menschen. In ihrer Angst hatten sich die Apostel eingeschlossen, in ihrer Angst haben sie sich den anderen gegenüber abgeschottet, haben sich unzugänglich gemacht. Kennen wir das heute nicht auch? Durch einen gemeinsamen Feind – oder nur ein gemeinsames Feindbild – halten wir zusammen und verbünden uns in doppeltem Sinn: dadurch schaffen wir „Gemeinschaft“ – und engen uns ein, kapseln uns ab: wir sind wir, wir sind wer, wir wissen, was gut ist. Aber die anderen?

So schafft Angst Feinde und Feinde schaffen Angst, und es ist gleichgültig, ob zuerst die Feinde da sind oder zuerst die Angst – eine Endlosschleife entsteht. Salafisten ist gleich Islamisten ist gleich Feinde erster Klasse: Das mag im schrecklichen Einzelfall begründbar sein, und führt doch nur zu Gewalt und Gegengewalt. Immer wieder gibt es Anlässe, die neue Spiralen in Gang zu setzen. Es sei denn, es käme jemand in die Verschlossenheit hinein, dränge durch die Abschottung der Worthülsen und Panzer hindurch; es sei denn, jemand hätte den Schlüssel, um die Verschlossenheit zugänglich zu machen: Friede sei mit Euch!

Friede mit Dir selbst

Friede sei mit Euch – Friede sei in jedem einzelnen von euch.  Das bedeutet auch „eine Gemeinschaft der verschiedenen Seiten, die ich in mir trage.“ Frieden mit den Schattenseiten, jenen Seiten, die ich bei mir selbst nicht zulasse, die anderen weh tun können, die ich aber nicht wahrhaben will, obwohl es sie in meiner Seele gibt. Friede heißt, frei zu werden von diesen Seiten, und zu sich selbst zu kommen. Ein guter erster Schritt ist es, auch Schattenseiten anzunehmen. Dann kann ich sie vor Gott hinlegen, und mit Gott ist alles möglich.

Friede mit mir selbst, Friede mit den anderen: So kann Verschlossenheit zu Aufgeschlossenheit werden, langsam oder auch unvermittelt; wer zugänglich geworden ist, kann auf andere zuqehen, wer Frieden empfangen hat, kann ihn geben: wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Unterwegs als Friedensapostel und Friedensapostelinnen, das erfordert Kraft, die aus dem Frieden kommt, den wir finden und den wir weitergeben.

Friede mit Gott

Zum Aufschließen braucht es einen Schlüssel, der gefunden und erkannt werden will. Der „Schlüssel zur Erkenntnis“ (Lk 11,52) ist nichts anderes als die Gnade des Heiligen Geistes. Man bekommt ihn durch den Glauben geschenkt. Er erzeugt durch Erleuchtung wirkliche Erkenntnis. Er öffnet unsern verschlossenen und verdunkelten Geist; er tut es oft durch Gleichnisse und Symbole, aber auch durch eindeutigere Aussagen… Achtet also sehr auf den spirituellen Gehalt des Wortes. Wenn der Schlüssel nicht passt, geht die Tür nicht auf. Wenn aber die Tür nicht aufgeht, kommt keiner ins Haus des Vaters, denn Christus hat gesagt: „Niemand kommt zum Vater außer durch mich“ (Joh 14,6).

Es ist also der Heilige Geist, der als erster unseren Geist öffnet und uns über den Vater und den Sohn belehrt. Auch Christus sagt uns das: „Wenn aber der Beistand kommt, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, dann wird er Zeugnis für mich ablegen und wird euch in die ganze Wahrheit führen“ (Joh 15,26; 16,13). Und Paulus versichert uns: „Gott sandte den Geist des Sohnes in unser Herz, den Geist, der ruft: Abba, Vater“ (Gal 4,6). Er ist es also, der uns die Tür zeigt, eine Tür, die Licht ist. Und die Türe lässt uns erkennen, dass der, der im Hause wohnt, auch Licht ist, unermessliches Licht (Symeon der Neue Theologe (um 949 – 1022), griechischer Mönch).

Christus sagt: Friede sei mit Euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich Euch (Joh 20,21). So nehmt an den heiligen Geist! Werdet von oben getauft! Werdet neu geboren und werdet wahre Kinder Gottes. Denken wir an die Apostel, die Angst hatten, sich zurückzogen – und zusammen mit der Gottesmutter Maria den Heiligen Geist erbeten haben.

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Eine gesegnete Woche allen Lesern!
Beten wir für den Frieden – in uns und in der Welt.
Und beten wir diese Woche ganz besonders für die Erdbebenopfer in der Emilia Romagna!

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