Gedanken zum 14. Sonntag im Jahreskreis von Josef Bordat

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Jesus kam in seine Heimatstadt; seine Jünger begleiteten ihn.Am Sabbat lehrte er in der Synagoge. Und die vielen Menschen, die ihm zuhörten, staunten und sagten: Woher hat er das alles? Was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist! Und was sind das für Wunder, die durch ihn geschehen! Ist das nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria und der Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon? Leben nicht seine Schwestern hier unter uns? Und sie nahmen Anstoß an ihm und lehnten ihn ab. Da sagte Jesus zu ihnen: Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat, bei seinen Verwandten und in seiner Familie.Und er konnte dort kein Wunder tun; nur einigen Kranken legte er die Hände auf und heilte sie. Und er wunderte sich über ihren Unglauben. Jesus zog durch die benachbarten Dörfer und lehrte. (Markus 4, 6, 1b-6)

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Heimat. Kein Wunder!

In der Perikope des vergangenen Sonntags ging es schon um Wunder. Heute geht es weiter im Markusevangelium, dem „Wunder-Bericht“ im Neuen Testament. Heute jedoch wundert sich einer, der sonst andere durch Wunder in Erstaunen versetzt: Jesus. Bis auf einige minder schwere Fälle konnte er „in seiner Heimat“ kein Wunder tun. Die Begründung folgt implizit: „Er wunderte sich über ihren Unglauben.“ Kein Wunder, dass es dann nicht klappt mit dem Wunder, denn dazu braucht es Mithilfe: den Glauben. Der Unglaube steht hier den Menschen im Weg. So wie der Glaube hilft, so hindert der Unglaube.

Jesus wird in der Heimat abgelehnt. Man glaubt ihm nicht, vertraut ihm nicht, traut ihm nichts zu. Sie nehmen Anstoß an seiner Weisheit, weil sie diese nicht einordnen können. „Woher hat er das alles?“ Sie verstehen ihn, ja, sie verstehen die Welt nicht mehr. Warum passiert das aber gerade in der Heimat. Sollte nicht gerade dort das Vertrauen besonders groß sein? Warum aber stößt Jesus gerade hier auf solche Widerstände? Bei denen, die ihn doch kennen bzw. kennen sollten? Ich glaube, es ist dies ein anderes Vertrauen, ein anderes „Kennen“. Es ist die Vertrautheit mit dem Menschen, die sie hindert, mit dem Wort Gottes vertraut zu werden. Jesus, der lokal gewordene Logos, ganz Mensch und ganz Gott, wird bei Familie und Freunden, bei den Menschen „in der Heimat“ auf seine weltliche Stellung reduziert: Zimmermann, Sohn, Bruder. Und dieser Junge aus Nazareth soll plötzlich was Besonderes sein? In den Zweifel mischt sich Neid, im Ergebnis steht Unverständnis.

„Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat, bei seinen Verwandten und in seiner Familie.“ – Wir, obgleich in den seltensten Fällen „Propheten“ im strengen Sinne, kennen das vielleicht auch aus unserer eigenen Heimat-Erfahrung. Da kommt man aus einer intensiven, erfolgreichen Studiums- und Arbeitsphase mit breiter Brust nach Hause und von einem Moment auf den anderen ist man wieder der Sohn, die Tochter, der Bruder, die Schwester.

Just an diesem Wochenende bin ich nach längerer Zeit mal wieder in meiner Heimatstadt Straelen, anlässlich der Goldhochzeit meiner Eltern. Meine beiden Schwestern werden auch da sein. Mit Sachen wie „Blogs“ und „Facebook“ brauche ich da gar nicht erst anzufangen, auch die Projekte, in denen ich tätig bin, interessieren nur am Rande. Es tut weh, immer wieder in die alte Familienrolle als „Sohn“ und „kleiner Bruder“ zurückzufallen, was bei mir bedeutet, als der Kleinste von allen derjenige zu sein, der sich alles sagen lassen muss, dem man nichts (oder nur wenig) zutraut. Manchmal „wundere“ ich mich dann, so wie Jesus. Manchmal, zugegeben, ärgert es mich auch. Wie gerne bekäme ich auch von meinen engsten Verwandten nur etwas von der Wertschätzung, die mir wildfremde Menschen im Internet entgegenbringen! Dass dies die grundfalsche Haltung der Familie gegenüber ist, auch das stellt das heutige Evangelium deutlich heraus, wenn es feststellt: „Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat, bei seinen Verwandten und in seiner Familie.“

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Josef Bordat betreibt das katholische Weblog Jobo72 (http://jobo72.wordpress.com/)

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Ein Gedanke zu “Gedanken zum 14. Sonntag im Jahreskreis von Josef Bordat

  1. Ja,gehts uns nicht allen so? Mein Vater schrieb mir :meine Frisur sei meinem Alter nicht angemessen und unwürdig(was ist eine würdige Frisur?) Wenn ich mir mit 70 Jahren dereinst eine Gehilfe kaufen werde,wird er die vermutlich auch kritisieren: Kind, konntest du keine würdigere finden? Gut zu wissen das es unserem Heiland nicht anders ging!
    Lieben Gruß,Nicole-Mathea

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