Der Glaube aber denkt an die ungeschaffene Schönheit

Beim Lesen des Kommentars zum heutigen Evangelium (Matthäus 9,18-26) ist mir wieder bewusst geworden, wie sehr Carlo Carretto, den ich hier ausführlich vorstellen durfte, im Sel. Charles de Foucauld sein Vorbild gefunden hat.

Diese Tiefe im Empfinden, Denken und Handeln ist nur bei wenigen Auserwählten Gottes zu finden. Papst Benedikt will uns – wie auch sein großer Vorgänger – dazu anhalten, unser Wissen im Glauben und über die Heiligen zu vertiefen: So können wir unseren Glauben schließlich leben, zu Boten des Friedens und der Liebe werden…

«Dein Glaube hat dir geholfen»

Der Glaube ist es, der uns tief in der Seele für wahr halten lässt… alle Wahrheiten, die uns die Religion lehrt, folglich den Inhalt der Heiligen Schrift und alle Lehren des Evangeliums, schließlich alles, was uns die Kirche zu glauben vorgibt. Der Gerechte lebt diesen Glauben (Röm 1,17), denn der Glaube ist ihm Ersatz für die meisten natürlichen Sinne. Der Glaube gibt allen Dingen eine neue Form, wie die alten Sinne sie kaum der Seele bieten können; durch sie nimmt die Seele nur trügerische Erscheinungen wahr: der Glaube jedoch zeigt ihr die Dinge, wie sie wirklich sind.

Das Auge zeigt der Seele einen Armen: der Glaube zeigt ihr Jesus (vgl. Mt 25,40). Das Ohr lässt sie Schmähworte und Belästigungen hören: der Glaube singt ihr zu: „Freut euch und jubelt“ (vgl. 5,12). Der Tastsinn lässt uns den Stein spüren, der uns trifft: der Glaube sagt uns: „Freut euch, dass ihr gewürdigt worden seid, für den Namen Christi zu leiden“ (vgl. Apg 5,41). Der Geruchsinn lässt uns den Weihrauch wahrnehmen: der Glaube sagt uns, dass der wahre Weihrauch „die Gebete der Heiligen“ sind (Offb 8,4).

Die Sinne betören uns durch geschöpfliche Schönheiten: der Glaube denkt an die ungeschaffene Schönheit und bedauert alle Geschöpfe, die ein Nichts sind, Asche im Vergleich zu dieser Schönheit. Die Sinne finden den Schmerz grässlich: der Glaube preist ihn als Hochzeitskranz, der ihn mit seinem Geliebten vereint, als ein Gehen mit dem Bräutigam, als Hand in seiner göttlichen Hand. Die Sinne empören sich gegen das Unrecht: der Glaube preist es: „Segnet, die euch verfluchen“ (Lk 6,28)… Der Glaube empfindet das Unrecht als angenehm, denn es bedeutet Teilhabe am Schicksal Jesu… Die Sinne sind wissbegierig: der Glaube will nichts erkennen: er dürstet danach, sich auf die Knie sinken zu lassen und möchte sein Leben bewegungslos zu Füßen des Tabernakels verbringen.

Sel. Charles de Foucauld (1858 – 1916), Eremit und Missionar in der Sahara :

Charles Eugène Vicomte de Foucauld (dt. auch Bruder Karl von Jesus) (* 15. September 1858 in Straßburg; † 1. Dezember 1916 in Tamanrasset, Algerien) war ein französischer Forscher, Offizier des französischen Heeres, Priester, Mönch und Eremit. Er wurde im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg vor seiner Klause ermordet und am 13. November 2005 von Papst Benedikt XVI. seliggesprochen. Nach seinem Tod wurden elf Ordensgemeinschaften und acht weitere Gemeinschaften und Säkularinstitute gegründet, die sich auf Charles de Foucauld berufen, am bekanntesten ist die Kongregation der „Kleinen Brüder Jesu“ (Petits frères de Jésus).

Ein Gedanke zu “Der Glaube aber denkt an die ungeschaffene Schönheit

  1. Danke für diesen Beitrag! Ich freue mich immer,wenn ich den Bruder Karl irgendwo sehe…..
    Lieben Gruß,Nicole-Mathea (evang.Charles de Foucauld-Gemeinschaft)

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