Greg Burke, neuer Vatikan-Berater?

Zum ersten Mal engagiert der Papst einen Kommunikationsberater – den amerikanischen Fernsehmann Greg Burke. Wie man als Mann des Opus Dei für einen Sender arbeiten kann, der vom Bush-Clan gesponsert wurde (und wird), ist schon ziemlich heavy, aber Amerikaner ticken ohnehin etwas anders. In den folgenden Auszügen aus einem Interview mit „DIE ZEIT“ äußert sich Burke zu seiner neuen Aufgabe.

„Greg Burke hat etwas zupackend Amerikanisches an sich. Jahrelang arbeitete er für den rechten US-Fernsehsender Fox News in Rom. Jetzt ist er in den Vatikan gewechselt. Er wird Kommunikationsberater des Staatssekretariats, der wichtigsten Regierungsbehörde des Papstes. Mitten im sogenannten VatiLeaks-Skandal – der Veröffentlichung von Dokumenten aus dem Herzen des Vatikans – ist die Ernennung Burkes ein Versuch, das Image des Heiligen Stuhls zu verbessern. Doch die Berufung des US-Bürgers Burke ist auch ein machtpolitisches Zeichen. Denn inzwischen haben Amerikaner die Mehrheit im Kardinalskollegium, das den nächsten Papst wählen wird. Burke wird sein Büro in den Räumen des vatikanischen Staatssekretariats haben, nicht weit entfernt von Tarcisio Bertone, dem »Ministerpräsidenten« Benedikts XVI.

ZEIT: Dies sind keine einfachen Zeiten für den Heiligen Stuhl. Die Öffentlichkeit verlangt vom Vatikan mehr Transparenz. Wie stehen Sie dazu?

Burke: Ich sage nicht, dass man zur totalen Transparenz kommen muss. Aber ich bin überzeugt, dass die Kirche die maximal mögliche Transparenz erreichen sollte. Jedes Zeichen der Öffnung kann dabei positiv sein. Wie zum Beispiel die Tatsache, dass man für die Öffentlichkeit und für die Diplomatie die Türen der Vatikanbank öffnet, damit das Publikum verstehen kann, wie sie funktioniert. Das sind Schritte in die richtige Richtung. Die Kirche muss sich der Wahrheit öffnen.

Der Job bei Fox News verlangt ein Höchstmaß an Anpassung, wenn man nicht gerade mit „Kriegsgenen“ auf die Welt gekommen ist. Es ist bemerkenswert, dass Greg Burke auf diesen Frontwechsel „von Saulus zu Paulus“ nicht angesprochen wird…

ZEIT: Welche Themen werden in nächster Zeit besonders wichtig werden?

Burke: Auch damit könnte man zwei Bücher füllen! Aber ich werde mich an die Regeln des Fernsehens halten und in eineinhalb Minuten eine Antwort geben. Es ist notwendig, dass wir zu der fundamentalen Botschaft Jesu Christi zurückkehren, zur Verkündigung des Evangeliums. Ich weiß, das ist keine Nachricht, die es auf die ersten Seiten der Zeitungen schafft. Aber das ist die Botschaft. Sie existiert. Man darf sie auf keinen Fall aus den Augen verlieren, nicht wegen des Skandals um »VatiLeaks« oder wegen des Falles der Vatikanbank oder wegen der Verhaftung des Kammerdieners des Papstes.

ZEIT: Ihr Arbeitsbereich wird jenem des Sprechers des Papstes, Federico Lombardi, angegliedert. Man sagt, er habe das, auch wenn er es nicht zeigt, nicht sehr gut aufgenommen…

Burke: Ich habe schon mit Pater Lombardi gesprochen. Er war sehr freundlich zu mir. Ich bin der Direktor von nichts, ich bin Berater. Jetzt rede ich noch mit Journalisten, aber demnächst werde ich etwas anderes machen. Meine Aufgabe wird es sein, die Botschaft vorzubereiten und sie möglichst effizient zu übermitteln. Ich soll eine Stütze und Hilfe für eine bereits existierende Informationsstruktur sein.

ZEIT: Sie sind Mitglied der geistlichen Gemeinschaft Opus Dei. Woran glauben Sie im Besonderen?

Burke: Ich hatte vor 30 Jahren die Berufung für das Opus Dei erfahren. Nach 30 Jahren kann ich sagen, dass ich glücklich bin, wenn ich den Willen Gottes erfüllen kann.

Wie man als „ehemaliger republikanischer Berichterstatter“ und Mann des Opus Dei gerade die Forderung nach mehr Transparenz erfüllen können soll, ist nicht so leicht verständlich, aber eines gilt doch immer: Gottes Wege sind unergründlich!

ZEIT: Was ist Ihre Meinung zu Joseph Ratzinger?

Burke: Als er zum Papst gewählt wurde, habe ich mehrere Bücher gelesen, die Journalisten über ihn geschrieben haben. Ich habe auch seine eigenen Bücher gelesen, zum Beispiel den Zur Lage des Glaubens […] Als Peter Seewald sein Interviewbuch mit Benedikt XVI., Das Licht der Welt , veröffentlichte, haben sich viele Kommentatoren auf die Sätze konzentriert, die sich mit der Frage der Empfängnisverhütung beschäftigten. Mir aber ist ein anderes Wort in Erinnerung geblieben. Joseph Ratzinger sagte: »Es gibt große Päpste, und es gibt kleine Päpste. Ich gehöre zu den letzteren.« Sehen Sie, es ist die Bescheidenheit Benedikts XVI., die mich berührt.

Diese Aussage sehe ich als kleinen Lichtblick in der Burke-Berichterstattung; so ist es auch mir widerfahren, nicht so sehr durch den Theologen Ratzinger, sondern durch den menschlich bescheidenen und berührenden Papst Benedikt XVI. zur katholischen Kirche zurückgefunden zu haben…

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Auf EXPLIZIT.NET wird auch auf den Kardinalstaatssekretär Bezug genommen, und einige Details zur Person Greg Burke ergänzt.

Zudem bekommt Kardinalstaatssekretär Bertone mit Burke einen Kommunikationsprofi zur Seite gestellt, so dass der Einfluss des Heiligen Stuhls auf die Außendarstellung des Staatssekretariates wachsen dürfte. Spannend wird sein, wie schnell die Handschrift des US-Journalisten in der Außendarstellung des Vatikans spürbar sein wird und wie die Zusammenarbeit mit Vatikansprecher Pater Lombardi konkret verlaufen wird. Pater Lombardi bleibt ein starker Mann im Vatikan. Es wurden allerdings schon in Journalistenkreisen Spekulationen laut, Greg Burke könnte langfristig die „neue Stimme des Vatikans“ werden, wie Steffen Seibert derzeit in Berlin…

Laut italienischer Nachrichtenagentur „ansa“ hat der Vatikan Burke den Job bereits zwei Mal, zuletzt im Mai 2012, angeboten, Burke habe aber zunächst abgelehnt und nun kürzlich zugesagt. Wann der wie Pater Lombardis Vorgänger Joaquín Navarro-Valls zum Opus Dei gehörende US-Amerikaner sein neues Büro im Staatssekretariat beziehen wird, ist derzeit noch offen.

Zur Person Greg Burke:

Greg Burke (52) aus St. Louis, graduiert an der Columbia University’s School of Journalism, arbeitete in den vergangenen zehn Jahren für den konservativen Sender „Fox News“ als Korrespondent in Rom. Davor war er ebenfalls zehn Jahre für das „Time“-Magazin tätig. [Mit 18 Jahren verpflichtete er sich bei Opus Dei und mit 28 Jahren bekam er das Angebot für die Zeitschrift National Catholic Register als Rom-Korrespondent zu arbeiten. Seitdem lebt und arbeitet Greg Burke in Rom. – Anm. des Blogbetreibers, Quelle: WP]
Gegenüber der Associated Press beschrieb Burke seinen neuen Job so: „You’re shaping the message, you’re molding the message, and you’re trying to make sure everyone remains on-message. And that’s tough“. [Du formst die Botschaft, du gestaltest die Botschaft aus, und Du versuchst jeden an die Nachricht zu fesseln. Und das ist schwierig.] Weiterhin betonte er gegenüber EWTN-TV: “I can’t fix everything and I’m no PR miracle worker, but I think the fact they created this position is a step in the right direction.” [Ich kann nicht alles lösen und dich bin keine PR-Wundermann, aber ich glaube allein die Tatsache, dass diese Position geschaffen wurde, ist ein Schritt in die richtige Richtung.]

Na hoffentlich. Und der Heilige Geist sei mit Dir, Greg Burke.

WP: “I had every reason to believe I’d sign another three-year contract with Fox.” He went to St. Peter’s tomb and prayed about the decision. Then he went to St. Paul’s tomb and prayed some more. “It wasn’t a lightning bolt,” he said. “It was more of a gut feeling.”

[„Ich hatte alle Gründe davon auszugehen, einen weiteren 3-Jahresvertrag mit Fox News zu unterzeichnen.“ Greg Burke ging zum Grab des Hl.Petrus (San Pietro) und betete für seine Entscheidungsfindung. Dann ging er zum Paulusgrab (San Paolo fuori le Mura) und betete weiter. „Es war kein Blitzschlag“, sagte er. „Es war mehr ein Bauchgefühl.“]

Das klingt doch nach einer ehrlichen Aussage. Komm, Heiliger Geist, Du wirst gebraucht…

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UPDATE: Wie der BILD-Newsticker berichtet (danke für den Hinweis an Monika Metternich), liegt gegen das „Satire-Magazin“ Titanic eine einstweilige Verfügung vor – auf die näheren Umstände will ich hier nicht eingehen. Das Vatikanische Staatssekretariat hat hier schnell und effzient reagiert; ob das schon der „amerikanische Durchgriff“ ist, bleibt offen. Darüber hinaus denke ich, dass Gerg Burke nicht nur als Feuerwehr gegen Anpatzer agieren wird, sondern auch für „verkündende Anliegen“ des Vatikans eine neue Handschrift zu entwickeln hat.

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