Fest unserer lieben Frau vom Berge Karmel (Braut des Lammes)

Gebenedeit und hochverehrt bist du, Jungfrau Maria. In unversehrter Jungfräulichkeit bist du des Heilands Mutter geworden. Jungfrau, Gottesgebärerin! Er, den die ganze Welt nicht faßt, er schloß bei seiner Menschwerdung sich ein in deinen Schoß.

(Graduale des Hochfestes unserer lieben Frau vom Berge Karmel)

So wahr der Herr lebt, vor dessen Angesicht ich stehe – der kontemplative Orden der allerseligsten Jungfrau Maria vom Berge Karmel beruft sich auf den Propheten Elija. (Elija ist darum übrigens im Karmel ein verbreiteter Ordensname auch für Karmelitinnen). Teresa von Avila bezeichnet sich mehrmals als Schwester unserer lieben Frau vom Berge Karmel. Der hl. Johannes vom Kreuz, ebenfalls einer der großen Mystiker des Ordens, hat eines seiner Werke den Aufstieg zum Berge Karmel genannt. Im Karmel hat sich der mittelalterliche Brauch erhalten, die Ordensgelübde nicht nur vor Gott, sondern auch vor der allerseligsten Jungfrau abzulegen.

Der Überlieferung zufolge ließen sich schon in frühester Zeit Einsiedler, die einst Schüler Johannes‘ des Täufers gewesen waren, an einem Pfingstfest am Berge Karmel nieder. Sie errichteten an der Stelle, an der Elija der Überlieferung nach die Wolke erblickte, eine Kirche.

Sie deuteten die kleine Wolke, die nach der langen Dürre in der Zeit des Propheten Elija vom Meer aufstieg und den rettenden Regen ankündigte, als ein Bild des alten Bundes von der Muttergottes. Wie die Wolke, die über dem Meer aufstieg, nichts von der Salzigkeit des Wassers hatte und in ihrem Aufsteigen nicht von seinem Gewicht gehindert wurde, so ging Maria ohne den Makel der Erbsünde aus dem menschlichen Geschlecht hervor. Die Wolke ist von derselben Natur wie das Wasser und hat doch nichts von seiner Bitterkeit. Ihr Regen tränkt das ausgedörrte Land und spendet Fruchtbarkeit. Der Regen, der sich aus dieser kleinen Wolke über dem Meer ergießt, bringt den Menschen den Erlöser: Tauet Himmel, den Gerechten, ihr Wolken regnet ihn herab.

Kirchenväter haben aus diesem Bild auch die Jungfrauengeburt abgeleitet. Wie der Regen ohne menschliches Zutun vom Himmel fällt und Segen spendet, so ist es auch mit der Gottesmutter und der Geburt des Erlösers.

In späterer Zeit gründeten Kreuzfahrer und Pilger unter der Leitung eines Pilgers aus dem französischen Limoges, Berthold, an dieser Stelle eine Gemeinschaft. Berthold von Limoges, der später seliggesprochen wurde, sammelte Pilger und Kreuzfahrer, die im heiligen Land versprengt waren, um sich und begründete so die Brüder des Ordens von der allerseligsten Jungfrau vom Berge Karmel. 1210 gab ihnen Albert, der Patriarch von Jerusalem, eine Regel. 1324 tauchen der Orden und sein Bezug zur Jungfrau Maria zum ersten Mal in einem kirchlichen Dokument auf, der Rubrica prima, die eine Anlage zu den ersten Konstitutionen des Ordens war. Dort heißt es: Sie erbauten auf dem Berg Karmel eine kleine Kirche zu Ehren der seligsten Jungfrau, sie wählten Maria zur Schutzherrin und Patronin, sie nannten sich „Brüder der seligen Maria“.

Im 13. Jahrhundert schloß sich ihnen der aus Kent stammende Simon Stock an. Dieser lebte sechs Jahre im Heiligen Land. Als viele der Mönche vor den Sarazeneneinfällen flohen, kehrte er nach England zurück und gründete dort das erste Kloster des Ordens. Am Sonntag, dem 16. Juli 1251, rief er die Jungfrau Maria mit den Worten Flos carmeli… um Schutz für seine verfolgten Brüder an und hatte eine Vision der heiligen Jungfrau. Sie trug auf einem Arm ihr Kind, mit der anderen Hand reichte sie ihm das Skapulier mit den Worten Hoc erit tibi et cunctis Carmelitis privilegium, in hoc habitu moriens salvabitur. (In Visionen, die von Chronisten aufgezeichnet werden, sprechen offenbar alle Lateinisch.) Daher nennt man das Fest am 16. Juni auch Skapulierfest.

Durch den hl. Simon Stock fand der Orden der Karmeliten in Europa große Verbreitung, während er im Heiligen Land auszusterben drohte. 1291 fiel die Kreuzfahrerfeste Akkon, und die letzten Brüder im Heiligen Land starben von der Hand der Sarazenen. Während sie das Martyrium erlitten und hinter ihnen ihr Kloster verbrannte, sangen sie das Salve Regina.

Fast vierhundert Jahre war das karmelitanische Leben auf dem Berge Karmel erloschen, bis mit der Reform des Ordens durch die große hl. Teresa und den hl. Johannes vom Kreuz auch wieder Gründungen ins heilige Land zurückkehrten. Mit der Hilfe der Franziskaner konnten spanische Karmeliten am 29. November 1631 zum Fuße des Berges zurückkehren, von dem der Orden ausgegangen war.

Maria ist die kleine Wolke, die der Diener des Propheten Elija einst heranziehen sah. Ihr Regen hat sich auch über den Berg Karmel ergossen: der Orden der unbeschuhten Karmelitinnen, den die hl. Teresa reformiert hat, hat reiche Frucht getragen – es ist der größte beschauliche Frauenorden.

Wir wollen unsere Liebe Frau vom Berge Karmel auch im besonderen um Fürsprache für die verfolgten Christen anrufen:

Flos Carmeli,
vitis florigera,
splendor caeli,
Virgo puerpera
singularis.
Mater mitis,
sed viri nescia,
carmelitis
esto propitia,
stella maris.

Blume des Karmel,
fruchtbarer Weinstock,
Zierde des Himmelreichs,
jungfräuliche Gottesmutter,
gute Mutter,
Jungfrau auf ewig,
nur vom Geist erkannt,
gewähre deinen Kindern
deinen Schutz,
o Stern des Meeres.

***

Braut des Lammes, Autorin des Weblogs Braut des Lammes
(http://brautdeslammes.blogspot.de)

4 Gedanken zu “Fest unserer lieben Frau vom Berge Karmel (Braut des Lammes)

  1. Das ist jetzt aber wirklich schön, dass ich da diesen Artikel über Unsere Liebe Frau vom Berge Karmel entdeckt habe. Ich trage ja auch ihr Skapulier und freue mich deshalb gerade besonders über diese Zeilen. – DANKE!
    Liebe grüsse aus der Nidelbad-Kommunität
    Euer Br. Martin

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