Mariä Aufnahme in den Himmel: Maria und Gender-Mainstreaming

„Aus einer gehobenen Perspektive, und doch voller Demut blickt die Gottesmutter Maria auf die Menschen zurück“, so beschreibt der Abt des Stiftes Heiligenkreuz, Maximilian Heim, in seiner Predigt die Sicht auf das Bild des berühmten Barockmalers Johann Michael Rottmayr „Mariä Aufnahme in den Himmel“.

„Wie aber würde eine „gegenderte“ Marienfigur aussehen, welchen Blick könnte sie auf die Menschen richten? Wie würden wir sie betrachten, diese Figur, die ganz nach menschlichen und gesellschaftlichen Kriterien errichtet sein würde?“

Der Abt lässt die Zuhörer nun allein mit dem Bild einer „genderkonformen“ Maria – eine scheinbar absurde Vorstellung, die jedoch auf ein ganz klares Gleichnis hinausläuft:

Hier ein Mensch, eine Seele, von Gott unbefleckt in die Welt gesandt, in vollkommener Weise auf Gott ausgerichtet, ganz dem Ziel der Vereinigung mit dem dreieinigen Gott entgegenlebend, in Hingabe an Gott und die Mitmenschen –

– und dort die moderne Vision eines Menschen, ganz nach menschlichen Kriterien („Menschen-Rechten“) modelliert, unerbittlich auf das diesseitige Funktionieren in einer Gesellschaft gerichtet; einer Gesellschaft, die das Heil in einer abgehobenen, selbstdefinierten „Geschlechter-Gerechtigkeit“ sucht, während sie an den Ungerechtigkeiten der Egoismen und der Märkte zerbricht.

Der Abt erinnert an Augustinus, der die Gottesfurcht (timor Dei) einmahnt, da sich der Mensch in Hochmut (superbia) und Ichbezogenheit (amor sui) sich von Gott als dem höchsten Gut abwendet und in böser Begierde (concupiscentia) nach niederen Formen des Seins trachtet.

An Aktualität hat Augustinus nicht verloren, im Gegenteil: Gerade in unserer Zeit hätte der Heilige Augustinus mehr als Grund genug gefunden, über die Themen glaubensfernen Hochmuts, fehlgeleiteter Wissenschaftlichkeit und pervertierter Sexualmoral zu schreiben.

Am Ende seiner Predigt findet Abt Maximilian Heim – in Anlehnung an die Offenbarung des Johannes – zu einem trostreichen Bild, das uns in die Eucharistiefeier hineinnimmt:

Am Ende siegt die Liebe! Ob wir unseren Herrn, Jesus Christus, im Zeichen des Lammes sehen, oder die Jungfrau und Gottesmutter Maria als „Frau, mit der Sonne bekleidet“ erkennen, es ist die Liebe, die zum Sieg über den Tod führt.

Mit (zu Gott) erhobenem Haupte und in Demut gegenüber den Menschen, mit dem Ohr für Gottes Wort und dem bewahrenden Herzen, das ist Marias heiliges Vermächtnis für unseren Weg im Glauben.

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Hauptzelebrant der Messe war Weihbischof
Juan Antonio Martínez Camino aus Madrid,
der in diesen Tagen auch die Exerzitien
für die Heiligenkreuzer Mönche hält.

Weihbischof Juan Antonio Martínez Camino

Juan Antonio Martínez Camino trat der Ordensgemeinschaft der Jesuiten bei und empfing 1980 die Priesterweihe. Er wurde 1990 an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main bei dem Dogmatiker Erhard Kunz mit einer Arbeit über die natürliche Theologie bei Wolfhart Pannenberg und Eberhard Jüngel promoviert. Er war bis 2001 Professor an der Päpstlichen Universität Comillas in Madrid.

Von 1993 bis 2001 war er zudem Direktor des Sekretariats für die Kongregation für die Glaubenslehre bei der Spanischen Bischofskonferenz. 1997 wurde er in die Internationale Akademie für Religionswissenschaften in Brüssel gewählt. Papst Johannes Paul II. ernannte ihn 1999 zum Berater der europäischen Bischofssynode. Seit 2003 war er Generalsekretär der Spanischen Bischofskonferenz.

2007 ernannte ihn Papst Benedikt XVI. zum Titularbischof von Bigastro und bestellte ihn zum Weihbischof im Erzbistum Madrid. Die Bischofsweihe spendete ihm am 19. Januar 2008 der Erzbischof von Madrid, Antonio María Kardinal Rouco Varela.

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2 Gedanken zu “Mariä Aufnahme in den Himmel: Maria und Gender-Mainstreaming

  1. Ganz unabhängig von kirchlichen Meinungen gibt es jedoch auch die wissenschaftliche Meinung, dass mehr „Geschlechterbalance“ in allen gesellschaftlichen Bereichen zu einem höheren Lebensstandard und zu mehr Friedlichkeit (auch ein christlicher Wert!) führt: Peter Jedlicka hat das in „Gender Balance“ sehr klug analysiert!

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