Drei Gedanken (23. So im JK)

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Jesus verließ das Gebiet von Tyrus wieder und kam über Sidon an den See von Galiläa, mitten in das Gebiet der Dekapolis. Da brachte man einen Taubstummen zu Jesus und bat ihn, er möge ihn berühren. Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg, legte ihm die Finger in die Ohren und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel; danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu dem Taubstummen: Effata!, das heißt: Öffne dich! Sogleich öffneten sich seine Ohren, seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit und er konnte richtig reden. Jesus verbot ihnen, jemand davon zu erzählen. Doch je mehr er es ihnen verbot, desto mehr machten sie es bekannt. Außer sich vor Staunen sagten sie: Er hat alles gut gemacht; er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen. (Markus 7, 31-37)

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Beim Lesen des Textes kommen mir spontan drei Gedanken.

Ein erster Gedanke: Jesus macht, „dass die Tauben hören und die Stummen sprechen“. Was hier ganz konkret geschieht, passiert bis heute in noch viel stärkerem Maße im übertragenen Sinn: Er gibt denen etwas zu verstehen, die bisher allzu leicht das Wesentliche überhörten und er gibt denen eine Stimme, die bisher nichts zu sagen wagten. Jesus verändert die Lebenssituation von Menschen – so oder so.

Ein zweiter Gedanke: „Je mehr er es ihnen verbot, desto mehr machten sie es bekannt.“ – Auch dieses Phänomen kennen wir in unseren Tagen, bis hin zur absurden Übersteigerung: Erst durch das Verbot, den Tabubruch werden Dinge überhaupt interessant. Die uninspirierteste Kunst, die untalentierteste Darbietung, die hoffnungslos schwache Pointe – all dies lässt sich zu „Kultur“ aufwerten, wenn man es schafft, dass es verboten oder zumindest ein Verbot erwogen wird.

Ein dritter Gedanke: „Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg“ – Jesus wendet sich dem Menschen zu, dem konkreten, dem einzelnen, mit dessen ganz besonderer Befindlichkeit. Er legt damit den Maßstab für christliche Diakonie, für den Dienst am Nächsten. Nicht die Gießkanne, nicht das Einteilen in Gruppen oder Cluster, sondern das Individuum, wie es hier und jetzt vor mit steht, wird zum Prinzip des Handelns. Der einzelne Mensch ist Adressat der Nächstenliebe.

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Josef Bordat betreibt das katholische Weblog Jobo72 (http://jobo72.wordpress.com/)

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