Fest Kreuzerhöhung – das Kreuz als Brücke über den Abgrund

Et ego si exaltatus fuero a terra, omnia traham ad meipsum.
Ich aber werde, wenn ich von der Erde erhöht bin, alle an mich ziehen.
(Joh 12,32)

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Am 14. September feiern wir mit der Kirche das Fest Kreuzerhöhung. Der historische Ursprung liegt in der öffentlichen Verehrung des wieder aufgefundenen Kreuzesholzes, das am 14. September 335 – einen Tag nach der Weihe der Konstantinischen Basilika über dem Heiligen Grab zu Jerusalem – feierlich den Gläubigen gezeigt und somit „erhöht“ wurde.

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TAGESGEBET

Allmächtiger Gott,
deinem Willen gehorsam,
hat dein geliebter Sohn
den Tod am Kreuz auf sich genommen,
um alle Menschen zu erlösen.
Gib, dass wir in der Torheit des Kreuzes
deine Macht und Weisheit erkennen
und in Ewigkeit teilhaben
an der Frucht der Erlösung.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

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Mit dem Bekenntnis zum Kreuz steht und fällt unser Bekenntnis zu Jesus Christus, der für uns Menschen am Kreuz gestorben ist. Von der gläubigen Annahme des Kreuzestodes unseres Herrn Jesus Christus hängt unser christlicher Glaube ab, durch den wir das Heil erlangen sollen.

Uns ist diese Herausforderung durch das Kreuz weitgehend verlorengegangen. Wir fühlen uns durch das Kreuz normalerweise nicht in Frage gestellt in unserem alltäglichen Leben. Doch vielleicht wäre es hilfreich, sich dem Ärgernis des Kreuzes wieder bewusst zu stellen, um zum eigentlichen Geheimnis des Kreuzes, das nur im Glauben erfassbar ist, vorzudringen!

So schwer verständlich uns das Kreuz auch auf den ersten Blick erscheint, es ist doch – im Lichte der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus – ein Geheimnis des Lebens und der Liebe. Nicht der Tod hat das letzte Wort, sondern das Leben! Eben darum ist der Sohn Gottes, der das ewige Leben in sich trägt, Mensch geworden, um durch sein menschliches Leiden und Sterben den Tod zu besiegen.

 Gerade indem er den Tod auf sich nahm, hat er Sünde und Tod entmachtet. In seiner Auferstehung hat Jesus, der Herr, siegreich über den Tod triumphiert. So hat auch unser Tod seinen letzten Schrecken verloren: Wenn wir an Jesus Christus glauben, dann sind wir eins mit ihm nicht nur im Sterben, sondern auch in seiner Auferstehung!

Auch die Liebe Gottes wird am Kreuz sichtbar: Wehrlos setzte sich der Sohn Gottes den grausamen und qualvollen Misshandlungen der verblendeten Menschen aus, die seinen Tod verlangten und bei seiner Kreuzigung mitwirkten. Er verzieh seinen Peinigern und betete für sie am Kreuz: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lk 23,34). Er litt als Sündeloser und vollkommen Gerechter aus Liebe zu den Sündern stellvertretend für sie deren verdiente Strafe.

Damit eröffnete er der verlorenen Menschheit wieder den Weg zum Heil: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn dahingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“

Wenn wir im Glauben und in der Liebe das Geheimnis des Kreuzes in unser Leben hineinnehmen, dann werden wir auch Anteil am Ostersieg unseres Herrn Jesus Christus erhalten.

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EVANGELIUM

Und niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der vom Himmel herabgestiegen ist: der Menschensohn. Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muß der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der (an ihn) glaubt, in ihm das ewige Leben hat. Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, daß er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird (Johannes 3,13-17).

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In seinem Kommentar zum heutigen Evangelium spricht der Heilige Ephräm mit aufwühlenden Worten – und hebt sich wohltuend von heutigen (im Vergleich oft nüchternen) Predigten ab:

Das Kreuz – eine über den Abgrund des Todes aufgerichtete Brücke

Unser Herr wurde vom Tod überrannt, doch hat er im Gegenzug einen Weg gebahnt, der den Tod zerschmettert. Er hat sich dem Tod untertan gemacht und hat ihn willentlich erlitten, um ihn gegen dessen Willen zu zerstören. Denn, dem Tod untertan, ist unser Herr „hinausgegangen und trug sein Kreuz“ (vgl. Joh 19,17). Aber er schrie auch am Kreuz und entriss die Toten der Hölle…

Er ist der herrliche „Sohn des Zimmermanns“ (Mt 13,55), der auf dem Kampfwagen seines Kreuzes über den unersättlich verschlingenden Schlund des Totenreichs fuhr und das Menschengeschlecht in die himmlische Wohnung überführte (Kol 1,13). Und weil das Menschengeschlecht durch den Baum des Paradieses in das Reich der Toten gestürzt war, gelangte es durch den Baum des Kreuzes zur Wohnstatt des Lebens. Jenem Baum war eigen die Bitterkeit, diesem jedoch die Süßigkeit, damit wir in ihr das Haupt erkennen mögen, dem nichts widerstehen kann, was geschaffen worden ist.

Ehre sei Dir! Du hast Dein Kreuz wie eine Brücke über den Tod gespannt, damit die Menschen darüber vom Land des Todes in das des Lebens schreiten können… Ehre sei Dir! Du hast Dich mit dem Leib des sterblichen Adam bekleidet und hast ihn zur Quelle des Lebens werden lassen für alle Sterblichen. Ja, Du lebst! Denn Deine Peiniger wurden für Dein Leben zu Sämännern: Sie säten Dein Leben in die Tiefe der Erde, wie man den Weizen aussät, damit er von sich aus aufgeht und viele Körner hervorbringt (vgl. Joh 12,24).

Macht euch auf! Machen wir unsere Liebe zu einem gewaltigen und allumfassenden Weihrauchfass. Ersinnen wir geistliche Lieder und Gebete zu Ehren dessen, der Sein Kreuz zu einem Weihrauchfass für die Gottheit machte und uns alle mit überbordender Fülle beschenkte mit den Reichtümern Seines Blutes.

(Hl. Ephräm [um 306 – 373], Diakon in Syrien und Kirchenlehrer)

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Folgen wir abschließend noch einigen ausgewählten Teilen der Liturgie,
die unser Gebet zu Jesus Christus tragen und um den Segen des Vaters bitten.

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FÜRBITTEN

Zu Jesus Christus, der gehorsam war bis zum Tod am Kreuz, beten wir:
Mach alle Gläubigen bereit, in deiner Nachfolge ihr Kreuz zu tragen.

A.: Herr, erhöre unser Gebet.

Gieße deinen Geist aus, dass die Menschen in deinem Kreuz
die Quelle des Lebens erfahren.
Tröste die Kranken durch das Gedächtnis deines Todes am Kreuz.
Schenke den Verstorbenen nach den Leiden dieser Zeit
die Herrlichkeit des ewigen Lebens.
Herr Jesus Christus, wir beten dich an und preisen dich,
denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
Dir sei Dank in alle Ewigkeit.    

A.: Amen.

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PRÄFATION

Das Kreuz als Zeichen des Sieges

In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott, immer und überall zu danken. Denn du hast das Heil der Welt auf das Holz des Kreuzes gegründet. Vom Baum des Paradieses kam der Tod, vom Baum des Kreuzes erstand das Leben. Der Feind, der am Holz gesiegt hat, wurde auch am Holze besiegt durch unseren Herrn Jesus Christus. Durch ihn loben die Engel deine Herrlichkeit, beten dich an die Mächte, erbeben die Gewalten. Die Himmel und die himmlischen Kräfte und die seligen Serafim feiern dich jubelnd im Chore. Mit ihrem Lobgesang lass auch unsere Stimmen sich vereinen und voll Ehrfurcht rufen: Heilig …

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FEIERLICHER SCHLUSSSEGEN

Vom Leiden des Herrn

Der barmherzige Gott, der seinen Sohn für uns dahingegeben
und uns in ihm ein Beispiel der Liebe geschenkt hat,
segne euch und mache euch bereit, Gott und den Menschen zu dienen.

A.: Amen.

Und Christus, der Herr,
der uns durch sein Sterben dem ewigen Tode entrissen hat,
stärke euren Glauben und führe euch zur unvergänglichen Herrlichkeit.

A.: Amen.

Und allen, die ihm folgen auf dem Weg der Entäußerung,
gebe er Anteil an seiner Auferstehung und an seiner Herrlichkeit.

A.: Amen.

Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn
und der Heilige Geist.

A.: Amen.

V.: Gehet hin in Frieden.

A.: Dank sei Gott, dem Herrn.

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